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Uns Herrgott up Reisen / 1

John Brinckman: Uns Herrgott up Reisen / 1 - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWerke II
authorJohn Brinckman
year1964
publisherHinstorff Verlag
addressRostock
titleUns Herrgott up Reisen / 1
pages95-242
created20060601
sendergerd.bouillon
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Dat teihnte Kapitel

Worin Utkunft gäwen ward oewer weckehr drei dat wiren, de von de anner Sit tau nah den sülwstigen Barg, up denn' de leiw Gott stunn, rupper stegen; wat sei för Lieders süngen un wat sei sick mit enanner vertellen deden, un wat sick dat glik an de Sprak ruterstellen ded: mäkelnbörgsche Lannskinner wiren sei all drei nich.

Dunn fung dat œwersten up einmal vör den leiwen Herrgott von ünnen tau up de Landstrat hell an ruppe tau juchen un tau singen, so dat de leiw Gott baben up den Barg dordörch wedder up anner Gedanken kamm. »Na, wat heww wi denn dor?« säd hei.

Dat müßten jo nu drei reisende Handwarksburßen wäsen, de dor von de anner Sit von den Barg, wo de Düwel noch ümmer achter den groten Duurnbusch up den Graswrausen huken ded, de Landstrat rupper stegen mit ehr Fellisens up den Puckel; un de ein von de drei Gesellen, de hadd sonne helle Stimm, dat dat baben nah den Barg, wo de leiw Gott noch ümmer stunn, Wuurt an Wuurt herupper klüng:

»Der Pobst lebt herrlich in der Welt,
Er lebt von seinem Ablaßgeld,
Er drinkt den allerbesten Wein;
Drum möcht ich auch der Pobst schon sein!
Doch nein, er ischt ein armer Wicht,
Ein schönes Mädchen küßt ihn nicht,
Er schloft in seinem Bett allein,
Drum möcht ich auch kein Pobst nich sein!«

»Süh eins!« säd dunn de leiw Gott, »recht hewwen deit hei dorin. Ick heww so sülben seggt: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gefährtin machen, die um ihn sei . . ., as ick dunn noch Eva'n ut Adam sin Rippen maken ded. Anhüren deit sick dat jo ganz nett; man 'n mäkelnborgsch Lannskind is dat nich; so väl hür ick dor woll mank ruter.«

»Er schloft in seinem Bett allein,
Drum möcht ich auch der Pobst nich sein«,

süngen s' dunn all drei up de Landstrat. Un as sei dorup halfwägs den Barg rupper stägen wiren, dunn so sett't de vöddelst von de drei Handwarksburßen wedder an:

»Der Zultan lebt in Saus und Praus,
Er wohnt in einem großen Haus
Voll wunderschöner Mägdelein,
Drum möcht ich auch der Zultan sein!
Doch nein, er ist ein armer Mann,
Denn hält er seinen Alkoran,
Da drinkt er kainen Droppen Wein,
Drum möcht ich auch kain Zultan sein!«

»Dor sall hei wedder recht in hewwen«, säd dunn de leiw Gott, »ick heff jo sülwst den Win wassen laten; man dat de Krœtendingers dor nich väl von verdrägen kœnen un sei mi dat ümmer un ümmer wedder vergäten daun, wat ick dat einmal nich will, dat sei sick dorin œwernähmen sœlen; œwersten ehr Ogen bliwen ewig gröter as ehr Mag un ehr Köpp lütter as ehr Buddels.«

»Da drinkt er kainen Droppen Wein,
Drum möcht ich auch kain Zultan sein«,

süngen s' dunn wedder all drei up de Landstrat.

Un as dorup de drei Gesellen baben up den Barg rupper wiren, dunn stunnen sei nich wit von den leiwen Herrgott af still, segen em œwersten nich, denn de frische Snei, de was so blänkerig, un de leiw Gott stunn so midden in den prallen Sünn'schin, dat kein Minsch dat jo weiten kunn, wat dat Licht von em ut gung oder von de leiwe Sünn' an den hellblagen Häwen. Na, dunn smeten sei jo nu all drei up eins ehr ollen wantschapen un afgräpen Püttels hoch in de Luft rinner, fungen sei wedder up, swenkten sei üm ehr Köpp herümmer un krischten dortau tausamen so hell up, as sei man von ehr Bostkastens runner kriegen kunnen; »Juch, juch! Immer fidel un kainen Rand nich um 'n Hut! Juchhei! der Dill soll leben, vivat! Und zum andern: Der Dill soll leben, vivat hurra! Und zum dritten Mal soll er leben, vivat hurra hoch!«

»Nee, Mäkelnbörger sünd dat all drei nich, œwer lustig naug sünd sei för de scheiwen Hackens, wo sei up stahn un gahn, un för de flickten Kittels, wo sei in stäken daun. De Reisschilling kann doch unmœglich grot wäsen, un dun sünd sei jo doch ok nich, so väl ick sei man anseih. Dat sünd mi jo drei narrsche Pötters! Wo kœnen de man her kamen, dat sei all so tidig so bi Schick sünd. Dat 's doch kein blag Maandag hüt, so väl ick weit, un 'n Kraug is hier doch in de Neg ok nich rümmer, so väl ick seih«, säd de leiw Gott tau sick.

Un as dorup de drei Handwarksburßen ehr wantschapen Deckels richtig wedder up 'n Kopp sett't hadden, dunn kregen sei sick all drei bi de sülwstigen Köpp fat't un küßten sick enanner af, dat dat man orig so smatzen ded, un danzten dor baben up de Landstrat vör den leiwen Herrgott eins rümmer, as was de oll Landstrat dor baben up 'n Barg en groten Wippersaal un as was de leiw Gott de Muskant, de sei dortau eins upspälen ded. »Juch!« schrigten sei dor wedder tau, »juch! hurra hoch! Der Dill soll leben! Der Eilenspiegel der!«

Tauletzt hadden sei sick œwer richtig ut de Pust danzt un jucht, un dunn stunnen sei von sülwst wedder still, kein twei Schachtrauden von den leiwen Herrgott af, un dunn säd de ein von sei: »Ei, hör mal, Pruder Punschlauer, alleweile keinen Spooß nich! Höre mal, sage mal, hobst alleweile ka Swamm nich?«

»Ei, was werd ich a Swamm hoben, Westfälinger! So bin ich och nit, was meintst! Mag sein, daß das Berliner Kind ihn haben täte«, säd dunn de Bunzlauer, »sog mal, Preiß, hobst du ka Swamm nit?«

»Juter Jott!« säd dunn dat Berliner Kind, »Kinnerchens, dis wäre doch zu doll für mich, wenn ich mich heute noch Schwamm halten wollte, wann mich der Tobich gestern schon ausjejangen is.«

»Ei, das soll woll sein!« röp dunn de Westfälinger wedder, »wann der Schlesinger ka Swamm nich hat un wann 's Berliner Kind do ka Tobich nich hat, ei, da kunnte der Deubel seine Großmudder küssen, wenn 's alte Mensch schön ist, wann ich selbsten kein Pfeif nich hätt. Schaut, wann a Westfälinger a Pfeif hat, dann hat er auch a Schwamm, und wann er Schwamm haben täte, da hat er alleweile aach den Tobich dazu. Ei, da schaut mal!« Un dormit tröck hei ne Swinsblas ut de Fick, de likster Welt so utsach as en Üder von ne Kauh, de all drei Maand drög stahn hett, un dormit höll hei den Tobacksbüdel de annern beiden hen un sett't hentau: »Es wird schon noch einmal reiche for uns all drei.«

»Ei, du Dill du!« säd dunn de Bunzlauer un grint sick.

»Juck mich einer den Eilenspiegel!« sett't dat Berliner Kind hentau, »hat den ganzen Pott voll Schmant un geht mich aufs Ochsenmelken!«

Dunn fung œwersten de Westfälinger an tau lachen, dat dat ne Freud was mit antauhüren.

»Ei ja doch!« röp hei, »das soll woll sein, Spooß soll woll sein, Bruderherz! Un wenn ka Spooß nit sein soll, was soll dann woll sein, frag ich dir. Immer fidel un ka Rand nich um 'n Hut, Bruder! Sollst heit noch dein blau Wunder erleben, wenn 's auch ka blau Montag nit is, das Daumerl hat mir die ganze Nacht juckt, as mer drei bei dem Bauern da hinnen den Wald da auf Stroh lagen. Un wann kein Spooß nit mehr sein soll in der Welt un kein Lachen nit mehr, wann mer drei auf der Reis nach den Eilenspiegel sein, ei, do slog der Deubel drein, zumal auf 'n heiligen Christdag! Schaust, Punzlauer, da hobst den Tobich!«

Un dormit langt de Westfälinger den Slesinger den Backsbüdel hen, un dunn schöwen sick de drei Handwarksburßen ehr handfasten Prangens as Hükers achter ünner ehr Hinnergestell, pust'ten ehr oll masern Pipenköpp ut, stoppten sick ein nah den annern in, bet de oll Büdel so leddig was as 'n Burmeisterkopp oder 'n Junkerbrägen, un dorup pinkert Brauder Westfälinger för den Bunzlauer un dat Berliner Kind jeder en Stück Swamm an. Un as sei nu de korten Stummels richtig in Brand smökt hadden, dunn so sett'ten sei sick all drei wedder in Marsch. Bruder Punschlauer œwersten, wat dejenigte was mit de krœnsche Stimm, de läd dunn wedder los un fung an tau singen, dat dat baben von den Barg un hoch œwer den Düwel weg, de noch ümmer ünner den Duurnbusch huken ded, in den schönen frischen Wintermorgen rinner klüng:

»Ein edles Kraut ist der Toback,
Führt mancher Mann in seinem Sack.
Schtohl, Schtein und Schwamm
Seind all beisamm
Bei dem edelen Rauchtoback – back – back –
Ja, bei dem edlen Rauchtoback!«

Un dunn süngen 's wedder all drei tau gliker Tit:

»Bei dem edelen Rauchtoback – back – back –
Ja, bei dem edlen Rauchtoback!«

Na, den leiwen Gott kunn dit nu jo man freuen, dat dor drei von sin Krœtendingers so idel vergnäugt wiren un wat sei so früh morrns all so lustig juchten un grœlten, de ollen afgräpen Püttels in de Luft rinner smeten un sick einanner so fründschaftlich up de apenbore Landstrat bi den Kopp kregen un afküßten, ahn dat sei œwer den Döst drunken hadden; dat sei dat nich hadden, dat sach hei woll. Man as de drei Handwarksburßen an em vörbi trecken wullen, dunn müßt jo nu grad sonn lütt witt Wulk œwer de Sünn' hengahn, un dorup kregen sei denn ok den leiwen Herrgott tau seihn, de dor baben up 'n Barg stahn bläwen was up de Grabenbuurt hart an de Landstrat un sei heranne wandern sach. Dat let den leiwen Gott nu so, as ick weit nich wo un wo sall ick man glik seggen, so niederträchtig un gemein, so einfach un so mit den lütten Mann un dorbi doch wedder so gewaltig un vörnehm, grad so as ick all seggt heff, ganz so as sonn ihrenfasten, würdevollen Oberentspekter œwer 'n halw Stieg Gäuder, de Minorennen tauhüren daun, dei nich Vadder un Mudder mihre hewwen un för de dacht un sorgt un Rat schafft warden möt, dat sei dermaleinst ok richtig tau dat Ehrigte kamen, wenn de Slüngeljohren tau Enn' sünd un de Kawelung angahn kann. Ehren Herrgott kennten jo nu de drei Handwarksburßen äben so wenig as Jobst Sackmann, de Limmersch Schult un Ihren-Götze em den vierten Advent kennt hadden; man sei kregen dat doch so mit sonn Respekt, dat sei dat Grœlen fuurtst leten un ehr Püttels aftröcken, as sei an em vörbi stüren wullen.

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