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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 92
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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VI

Vor Ostern, am fünften April, gingen der Graf Ludwig von Nassau, der Herr von Kuilemburg und der Herr von Brederode mit dreihundert andern Edelleuten an den Hof von Brüssel zu der Frau Regentin, der Herzogin von Parma. Sie kamen in Reihen zu je vieren daher und erstiegen also die breiten Treppen des Palastes. Im Saale überreichten sie der Regentin eine Bittschrift, worin sie sie baten, sie möge bei König Philipp die Aufhebung der Plakate, die sich auf die Religionsübung bezogen, und der spanischen Inquisition zu erlangen trachten, indem sie erklärten, daß, in unsern unzufriedenen Landen, nichts sonst daraus erwachsen könne als Unruhen, Niedergang und allgemeines Elend.

Und diese Bittschrift wurde das Kompromiß genannt.

Berlaymont, der später so verräterisch und grausam an dem Lande seiner Väter gehandelt hat, stand neben Ihrer Hoheit und sagte zu ihr im Spotte über die Armut einzelner von den edeln Verbündeten: » Madame, n'ayez crainte de rien: ce ne sont que gueux.« So deutete er an, daß sich diese Edeln im Dienste des Königs oder richtig dadurch, daß sie es durch ihren Aufwand den spanischen Herren hatten gleichtun wollen, zugrunde gerichtet hatten.

Um diese Worte des Herrn von Berlaymont verächtlich zu machen, erklärten die Herren in der Folge, »sie erachteten es für eine Ehre, für die dem Könige geleisteten Dienste und für die Wohlfahrt des Landes als Bettler – gueux – zu gelten und so zu heißen.«

Bald trugen sie am Halse Goldmünzen, die auf der einen Seite das Bildnis des Königs hatten, auf der andern zwei über einen Bettelsack verschlungene Hände mit den Worten: »Dem Könige treu bis an den Bettelsack.« Auch an den Hüten und Mützen trugen sie goldene Kleinode von der Form eines Bettlernapfes oder eines Bettlerhutes.

Derweilen führte Lamme seinen Wanst in der ganzen Stadt umher, um seine Frau zu suchen; aber er fand sie nicht.

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