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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 78
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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LXXVII

Der Fischhändler brauchte nur die Hälfte des Kaufpreises zu zahlen, da die andere Hälfte dazu dienen sollte, ihm seine Angeberei zu bezahlen, bis man die siebenhundert Karlsgulden gefunden habe, die ihn zu der Niederträchtigkeit verleitet hatten.

Soetkin verbrachte die Nächte mit Weinen und die Tage mit den Arbeiten der Wirtschaft. Oft hörte Uilenspiegel, wie sie allein mit sich sprach und sagte: »Wann er erbt, bringe ich mich um.«

Da sie begriffen, sie werde so tun, wie sie sagte, taten Nele und er ihr möglichstes, um Soetkin zu bewegen, sie möge sich nach Walcheren zurückziehen, wo sie Verwandte hatte. Soetkin wollte es durchaus nicht und sagte, sie habe keine Veranlassung, den Würmern auszuweichen, die bald ihr Witwengebein fressen würden.

Inzwischen war der Fischhändler abermals beim Vogte gewesen und hatte ihm gesagt, daß der Verstorbene erst vor einigen Monaten siebenhundert Karlsgulden geerbt habe und daß er als ein karger und genügsamer Mensch diese große Summe habe nicht ausgeben können; sie sei sicherlich in irgendeinem Winkel versteckt. Der Vogt fragte ihn, was ihm denn Uilenspiegel und Soetkin angetan hätten, daß er, nicht zufrieden, dem Sohne den Vater und der Frau den Gatten genommen zu haben, noch darauf sinne, sie grausam zu verfolgen.

Der Fischhändler antwortete, daß er als Hochbürger von Damme den Gesetzen des Kaisers Achtung verschaffen und so die Gnade Seiner Majestät verdienen wolle. Nach dieser Aussage ließ er eine Anklageschrift in den Händen des Vogts, und er brachte Zeugen bei, die, die reine Wahrheit sprechend, wider ihren eigenen Willen bezeugten, daß er nicht gelogen hatte. Nachdem die Herren von der Schöffenkammer diese Zeugenaussagen vernommen hatten, erklärten sie die Schuldanzeichen als genügend für die Anwendung der Folter. Demgemäß ließen sie das Haus neuerlich durch Schergen durchsuchen, die die Vollmacht hatten, die Mutter und den Sohn ins Stadtgefängnis zu führen, wo sie verbleiben sollten, bis aus Brügge der Henker komme, um den man unverzüglich geschickt hatte.

Als Uilenspiegel und Soetkin durch die Straße kamen, die Hände auf den Rücken gebunden, stand der Fischhändler auf der Schwelle seines Hauses und betrachtete sie. Und die Bürger von Damme und ihre Frauen waren auch vor ihren Häusern. Mathijssen, der nächste Nachbar des Fischhändlers, hörte Uilenspiegel dem Angeber zurufen: »Vermaledeit wirst du sein von Gott, Henker der Witwen!« Und Soetkin sagte zu ihm: »Du wirst eines elenden Todes sterben, Verfolger der Waisen!«

So erfuhren die von Damme, daß es wieder eine Angeberei Grijpstuivers war, derentwegen man die Witwe und den Verwaisten also ins Gefängnis führte: sie zischten wider den Fischhändler und warfen ihm am Abend Steine in die Fenster; und seine Tür wurde mit Kot beschmiert.

Und er wagte es nicht mehr, sein Haus zu verlassen.

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