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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 5
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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IV

Man nannte in Damme den Vater Uilenspiegels Klaas den Kooldrager. Klaas hatte schwarzes Haar und blitzende Augen; seine Haut war von der Farbe seines Geschäftes, außer an Sonn- und Festtagen, wo es in seiner Hütte Seife im Überflusse gab. Er war klein, vierschrötig und stark und blickte fröhlich in die Welt. Wann das Tagwerk getan war und der Abend einfiel, ging er wohl in irgendein Wirtshaus auf der Straße nach Brügge, um sich seinen von den Kohlen geschwärzten Schlund mit Kuite zu waschen; dann riefen ihm die Frauen, die auf den Schwellen ihrer Türen die Abendluft schlürften, freundschaftlich zu: »Guten Abend und klares Bier, Kohlenträger!« Und Klaas antwortete: »Guten Abend und einen Mann, der nicht schläft!«

Die Mädchen, die schwarmweise von den Feldern heimkehrten, stellten sich allesamt vor ihn hin, um ihm den Weg zu verlegen, und sagten zu ihm: »Was zahlst du, damit wir dich durchlassen: ein Scharlachband, eine Goldspange, Samtschuhe oder einen Gulden für den Beutel?« Aber Klaas nahm eine um die Mitte und küßte sie auf die prallen Wangen oder den frischen Hals, wohin eben sein Mund näher hatte; dann sagte er: »Das übrige, Kinder, das übrige verlangt von euern Liebhabern.« Und sie gingen weg, sich vor Lachen schüttelnd.

Die Kinder kannten Klaas an seiner grölenden Stimme und an seinen schweren Stiefeln; sie liefen zu ihm und sagten: »Guten Abend, Kohlenträger!« »Auch euch möge Gott ihn bescheren, meine Engelchen,« sagte Klaas; »aber kommt mir nicht zu nahe, sonst mache ich Negerlein aus euch.« Immerhin kamen die Kleinen in ihrer Kühnheit näher; dann nahm er eins beim Wams und rieb seine schwarzen Hände an dem frischen Mäulchen, worauf er es entließ, ebenso lachend wie das Kind, zum größten Vergnügen der andern.

Soetkin, die Gattin Klaasens, war eine gute Frau, früh wie das Tageslicht auf den Beinen und emsig wie die Ameise. Sie und Klaas bestellten gemeinsam ihr Feld und spannten sich wie die Ochsen vor den Pflug. Beschwerlich war dieses Ziehen, beschwerlicher noch das der Egge, wenn das ländliche Kunstwerk mit seinen hölzernen Zähnen die harte Erde aufreißen sollte; doch sie taten es fröhlichen Herzens und sangen ein Lied dazu. Und der Erde nützte es nichts, daß sie hart war, und die Sonne schoß vergebens ihre heißesten Strahlen auf die beiden herab; krümmten sich ihnen auch die Knie, mußten sie sich auch den Rücken blutig schinden, um die Egge vergeblich zu ziehen – wann bei der Rast Soetkin ihr süßes Antlitz Klaas zuwandte und Klaas diesen Spiegel einer zärtlichen Seele küßte, dann vergaßen sie die große Mühsal.

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