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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 48
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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XLVII

Katelijne, die Borgerhout noch nicht verlassen hatte, hörte nicht auf, die Umgebung zu durchstreifen und sagte allzeit: »Hansken, mein Mann, sie haben mich auf dem Kopfe gebrannt; mach ein Loch, damit meine Seele hinauskann! Ach, sie klopft immerfort, und jeder Schlag ist glühende Pein!«

Und Nele wartete ihrer in ihrer Narrheit; und neben ihr träumte sie bekümmert von ihrem Freunde Uilenspiegel.

Und in Damme band Klaas seine Wieden und verkaufte seine Kohle; und manchmal befiel ihn Trübsal, wann er daran dachte, daß der gebannte Uilenspiegel noch lange nicht in die Hütte zurückkehren durfte. Soetkin war den ganzen Tag am Fenster, ob sie nicht ihren Sohn Uilenspiegel kommen sehe.

Dieser war damals in der Gegend von Köln und meinte, er fühle derzeit Lust zum Gartenbau. Er bot sich als Knecht einem gewissen Johann Sauermaul an, der einmal als Landsknechthauptmann wegen Mangels der Ranzion hätte gehenkt werden sollen; darum hatte er einen großen Abscheu vor dem Hanfe, der damals in vlämischer Sprache Kennip hieß.

Eines Tages wollte Johann Sauermaul Uilenspiegel seine Verrichtung zeigen und führte ihn bis an das Ende seines Grundstücks; dort sahen sie, neben der Umzäunung, einen Morgen Landes, ganz mit grünem Kennip bepflanzt.

Johann Sauermaul sagte zu Uilenspiegel: »Sooft du diese garstige Pflanze siehst, mußt du sie ganz schändlich behandeln; denn sie ist es, die ans Rad und an den Galgen bindet.« »Ich werde sie schändlich behandeln,« sagte Uilenspiegel.

Als Johann Sauermaul eines Tages mit einigen Zechgenossen bei Tische war, sagte der Koch zu Uilenspiegel: »Geh in den Keller und hol Zennip.« Das ist Senf. Uilenspiegel verstand böswilligerweise Kennip statt Zennip, behandelte den Zenniptopf im Keller ganz schändlich und brachte ihn, nicht ohne zu lächeln, auf den Tisch.

»Warum lachst du?« fragte ihn Johann Sauermaul; »denkst du, unsere Nasen seien aus Eisen? Koste von diesem Zennip; du hast ihn ja selbst bereitet.« »Mir sind Zimmetküchlein lieber.« Johann Sauermaul erhob sich, um ihn zu prügeln. »Es ist«, sagte er, »etwas Schändliches in diesem Senftopfe.«

»Baas,« antwortete Uilenspiegel, »erinnert Ihr Euch noch des Tages, wo wir bis zur Grenze Euers Grundstücks gegangen sind? Dort habt Ihr mir den Zennip gezeigt und gesagt: ›Wo immer du diese Pflanze siehst, behandle sie ganz schändlich; denn sie ist es, die ans Rad und an den Galgen bindet.‹ Ich habe sie schändlich behandelt, Baas, ich habe sie mit mächtigem Schimpfe schändlich behandelt; ermordet mich doch nicht für meinen Gehorsam.«

»Ich habe Kennip gesagt und nicht Zennip,« schrie Johannes Sauermaul wütend.

»Baas, Ihr habt Zennip gesagt und nicht Kennip,« entgegnete Uilenspiegel.

So stritten sie ein hübsche Weile. Uilenspiegel redete demütig; Johann Sauermaul schrie wie ein Adler und brachte alles durcheinander: Zennip, Kennip, Kemp, Zemp, Zemp, Kemp, Zemp; wie einen Garnsträhn. Die Gäste lachten wie die Teufel, wann sie Dominikanerbraten und Inquisitorennierchen schmausen.

Aber Uilenspiegel mußte von Johann Sauermaul scheiden.

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