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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 34
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXXIII

Als er durch Brügge kam, sah er auf dem Mittwochsmarkt eine Frau, die von dem Henker und seinen Knechten dahingeführt wurde, und um sie einen Haufen schreiender Frauen, die ihr tausend wüste Beschimpfungen zuheulten.

An den roten Lappen oben am Kleide der Frau, die den Stein der Gerechtigkeit samt den eisernen Ketten am Halse trug, erkannte er, daß sie eine Frau war, die die jungen, blühenden Leiber ihrer Töchter zu ihrem Vorteile verkauft hatte. Man sagte ihm, daß sie Barbara heiße und mit Jason Darue verheiratet sei; sie werde in diesem Aufzuge von Platz zu Platz und zurück auf den Großen Markt geführt und hier auf das schon für sie aufgerichtete Schafott gebracht werden. Uilenspiegel folgte ihr mit dem tobenden Volkshaufen. Auf den Großen Markt zurückgekommen, wurde sie aufs Schafott gehoben und an einen Pfahl gebunden, und der Henker warf ihr ein Büschel Gras und einen Klumpen Erde vor die Füße, als Sinnbild des Grabes. Auch sagte man Uilenspiegel, daß sie vorher im Gefängnis gestäupt worden war.

Als er wegging, begegnete er Hendrik Marischal, dem nichtsnutzigen Landstreicher, der im Burgbanne von Westypern gehenkt worden war und noch die Narben von dem Stricke um den Hals hatte. Er war, wie er sagte, dadurch, daß er, in der Luft hängend, ein einziges inbrünstiges Gebet an Unsere Frau von Halle gerichtet habe, gerettet worden auf die Art, daß durch ein wahres Mirakel nach dem Weggehn der Richter und Büttel die Stricke, die ihm schon nicht mehr weh taten, plötzlich rissen und er heil und gesund zur Erde fiel.

Aber später hörte Uilenspiegel, daß der vom Stricke gerettete Landstreicher ein falscher Hendrik Marischal war und daß man ihn seine Aufschneidereien nur deswegen so ruhig verzapfen ließ, weil er ein Pergament bei sich trug, unterzeichnet von dem Dechant von Unserer Frau zu Halle, der aus Ursache der Geschichte Hendrik Marischals alle, die den Galgen von nah oder fern witterten, rudelweise in seine Kirche strömen und reichlich opfern sah. Und eine gar lange Zeit wurde Unsere Frau von Halle Unsere Frau von den Gehenkten genannt.

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