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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 25
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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XXIV

Am Ende der Onze-Lieve-Vrouwestraat waren an den Ufern eines tiefen Wassers zwei Weidenbäume einander gegenüber gepflanzt. Uilenspiegel spannte zwischen den beiden Bäumen ein Seil, und darauf tanzte er eines Sonntags nach der Vesper so trefflich, daß ihm die ganze Landstreicherbande mit Hand und Mund Beifall spendete. Dann stieg er herunter und ging mit einer Schüssel herum, und die füllte sich auch gar bald; aber er schüttete das Geld in die Schürze Soetkins und behielt nur elf Heller für sich.

Am folgenden Sonntag wollte er wieder seiltanzen; da hatten aber einige nichtsnutzige Jungen, neidisch wegen seiner Geschicklichkeit, einen Einschnitt in das Seil gemacht, so daß es nach einigen Sprüngen zerriß und Uilenspiegel ins Wasser plumpste. Derweil er ans Ufer schwamm, schrien die kleinen Bengel, die das Seil zerschnitten hatten: »Nun, Uilenspiegel, wie gehts dir jetzt mit deiner Geschicklichkeit? Willst du hinunter in den Weiher, um die Karpfen tanzen zu lehren, du unvergleichlicher Tänzer?«

Uilenspiegel stieg aus dem Wasser und schüttelte sich; da sie Reißaus nahmen vor ihm aus Angst vor Schlägen, rief er ihnen zu: »Fürchtet euch nicht; kommt am Sonntag wieder, ich will euch Künste auf dem Seile zeigen, und ihr sollt teilhaben am Gewinste.«

Am Sonntag zerschnitten die Jungen das Seil nicht, hielten vielmehr eifrige Wache, daß es niemand berühre; denn es war eine mächtige Menschenmenge da. Uilenspiegel sagte zu ihnen: »Gebt mir jeder einen von euern Schuhen, und ich wette, daß ich mit jeglichem tanzen werde, gleichgültig wie klein oder wie groß,«

»Und was zahlst du uns, wenn du verlierst?«

»Vierzig Kannen Braunbier,« antwortete Uilenspiegel; »und ihr gebt mir drei Plappart, wenn ich gewinne.«

»Jawohl,« sagten sie.

Und jeder gab ihm einen seiner Schuhe. Uilenspiegel nahm sie allesamt in die Schürze, die er trug, und so bepackt tanzte er auf dem Seile, allerdings nicht ohne Mühe. Die Seilzerschneider schrien von unten hinauf: »Du hast gesagt, du wirst mit jeglichem von unsern Schuhen tanzen; ziehe sie also an und halte deine Wette!«

Ohne seinen Tanz zu unterbrechen, antwortete Uilenspiegel: »Ich habe keineswegs gesagt, daß ich euere Schuhe anziehen würde, sondern nur, daß ich mit ihnen tanzen werde. Nun, ich tanze, und sie tanzen in meiner Schürze mit mir. Seht ihr es denn nicht mit euern aufgerissenen Froschaugen? Zahlt mir meine drei Plappart!« Aber sie zischten wider ihn und schrien, er solle ihnen ihre Schuhe wiedergeben.

Uilenspiegel warf sie ihnen hinunter, einen nach dem andern, auf einen Haufen. Davon entstand eine hitzige Schlacht, weil keiner den seinen klärlich herausfinden und ohne Zank aus dem Haufen nehmen konnte.

Nun stieg Uilenspiegel an dem Baum herab und besprengte die Kämpfer, jedoch nicht mit Wasser.

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