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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 167
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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XVII

Die Welt war nun im Wolfsmond, im Dezember. Ein scharfer Regen fiel wie Nadeln in die Fluten. Die Geusen kreuzten in der Zuidersee. Der Herr Admiral rief durch Trompetenstöße die Kapitäne der Hulken und Vlieboote zu sich, mit ihnen auch Uilenspiegel. »Also,« sagte er, indem er zuerst ihn ansprach, »der Prinz will deine wackere Pflichterfüllung und deine treuen Dienste belohnen und setzt dich zum Kapitän der Briel ein. Hier übergebe ich dir das Pergament mit deiner Bestallung.«

»Dank Euch, Herr Admiral,« antwortete Uilenspiegel; »ich will mich einsetzen, so gut wie es meine schwachen Kräfte vermögen, und indem ich mich also einsetze, hege ich die Hoffnung, wenn Gott mir hilft, den Spanier der Herrschaft in Flandern und Holland zu entsetzen: ich meine die Süd- und die Nordniederlande.«

»Recht so,« sagte der Admiral. »Und nun«, fuhr er fort, indem er zu allen sprach, »will ich euch sagen, daß die von Amsterdam der Katholischen Enkhuizen belagern wollen. Sie sind noch nicht aus dem Kanäle des Y heraus; wir wollen davor kreuzen, damit sie drinnen bleiben, und frisch drauflos auf jegliches von ihren Schiffen, das sein Tyrannengerippe in der Zuidersee zeigt.«

Sie antworteten: »Wir werden sie in den Grund bohren. Heil den Geusen!«

Als Uilenspiegel wieder auf seinem Schiffe war, ließ er die Matrosen und Soldaten auf dem Deck zusammentreten und sagte ihnen, was der Admiral beschlossen hatte. Sie antworteten: »Wir haben Flügel, das sind unsere Segel, wir haben Schlittschuhe, das sind die Kiele unserer Schiffe, und wir haben Riesenhände, das sind die Enterhaken. Heil den Geusen!«

Die Flotte segelte ab und kreuzte vor Amsterdam, eine Meile weit von der Küste, derart, daß gegen den Willen der Geusen niemand herein oder heraus konnte.

Am fünften Tage hörte der Regen auf; der Wind blies schärfer unter dem klaren Himmel. Die von Amsterdam rührten sich nicht. Plötzlich sah Uilenspiegel Lamme aufs Deck springen und mit mächtigen Streichen seines Schöpflöffels den Truxmann des Schiffes vor sich hertreiben, einen jungen Burschen, der der französischen und der vlämischen Sprache mächtig war, mächtiger aber der Wissenschaften des Schlundes. »Nichtsnutz,« sagte Lamme unterm Zuschlagen, »glaubst du denn, du kannst ohne alle Strafe mein Schmorfleisch aufessen, bevor es gar ist? Marsch hinauf in den Mastkorb und lug aus, ob sich nichts rührt auf den Schiffen von Amsterdam. So tust du wenigstens etwas Nützliches.«

Aber der Truxmann antwortete: »Was gibst du mir dafür?« »Verlangst du«, sagte Lamme, »Bezahlung fürs Nichtstun? Wenn du nicht sofort hinaufsteigst, du Galgenstrick, so laß ich dich stäupen. Und dein Französisch wird dir nichts helfen.«

»Es ist eine schöne Sprache,« sagte der Truxmann, »eine verliebte und kriegerische Sprache.« Und er stieg hinauf.

»Also, Tagdieb?« fragte Lamme. Der Truxmann antwortete: »Ich sehe nichts in der Stadt und nichts auf den Schiffen.« Und er stieg herab und sagte: »Jetzt bezahle mich.«

»Behalte, was du gestohlen hast,« antwortete Lamme. »Aber ein solcher Gewinn gedeiht nicht; du wirst es sicherlich erbrechen.«

Plötzlich schrie der Truxmann, der wieder auf den Mast gestiegen war: »Lamme, Lamme! Ein Dieb schleicht in deine Küche.«

»Ich habe die Schlüssel in der Tasche,« antwortete Lamme.

Nun nahm Uilenspiegel Lamme beiseite und sagte zu ihm: »Mein Sohn, diese große Ruhe in Amsterdam macht mich besorgt. Sie führen etwas im Schilde.«

»Ich habe es auch schon gedacht,« sagte Lamme. »Das Wasser friert im Kasten in den Krügen, das Geflügel ist hölzern, der Reif hat die Würste weiß gefärbt, die Butter ist wie Stein, das Öl ist farblos, und das Salz ist trocken wie Sand in der Sonne.«

»Das ist der nahe Frost,« sagte Uilenspiegel; »sie werden in großer Zahl kommen und uns mit Geschützen angreifen.«

Er begab sich auf das Admiralsschiff und sagte dem Admiral, was er besorgte; der antwortete ihm: »Der Wind weht von England her; es wird schneien, aber frieren, nein. Kehre zurück auf dein Schiff.« Und Uilenspiegel gehorchte.

In der Nacht gab es einen starken Schneefall; aber bald blies der Wind von Norwegen, und das Meer fror ein und wurde zu einer Fläche. Der Admiral sah das Schauspiel. Da er nun besorgte, die von Amsterdam könnten über das Eis kommen, um die Schiffe zu verbrennen, befahl er den Soldaten, die Schlittschuhe bereit zu halten für den Fall, daß sie außerhalb der Schiffe und um sie herum zu kämpfen hätten, und befahl den Feuerwerkern der Geschütze aus Eisen und Stückgut, die Kugeln in Haufen neben den Lafetten zu schichten, die Geschütze zu laden und die Lunten ohne Unterlaß brennend zu erhalten.

Aber die von Amsterdam kamen nicht. Und so durch sieben Tage.

Am achten Tage ordnete Uilenspiegel gegen Abend an, daß den Matrosen und den Soldaten ein guter Schmaus vorgesetzt werde, der ihnen als Küraß dienen sollte gegen den scharfen Wind, der blies. Aber Lamme sagte: »Es ist nichts mehr da als Zwieback und Dünnbier.«

»Heil den Geusen!« sagten sie. »Das gibt ein Fastenschlemmen in der Erwartung der Stunde der Schlacht.«

»Die wird nicht so bald schlagen,« sagte Lamme. »Die von Amsterdam werden unsere Schiffe verbrennen kommen, aber nicht heute nacht. Die müssen sich vor allem andern ums Feuer versammeln und etliche Schoppen heißen Weines mit Madeirazucker – Gott beschere ihn euch – trinken; wann sie dann bis Mitternacht bei Geduld, Vernunft und vollen Schöppchen geredet haben, dann werden sie beschließen, daß es bis zum nächsten Tage Zeit habe mit dem Beschlusse, ob sie uns nächste Woche angreifen sollen oder nicht. Am nächsten Tage werden sie von neuem heißen Wein mit Madeirazucker – Gott beschere ihn euch – trinken und bei Ruhe, Geduld und vollen Schöppchen beschließen, daß sie sich ein andermal versammeln müßten, bis sie in Erfahrung gebracht hätten, ob das Eis einen so großen Trupp Männer tragen könne. Und das werden sie durch gelehrte Leute prüfen lassen, die ihr Gutachten auf Pergament niederschreiben werden. Wann sie das dann haben, werden sie wissen, daß das Eis eine halbe Elle dick und daher genugsam stark ist, um etliche hundert Mann mit Geschützen und Feldstücken zu tragen. Dann werden sie sich von neuem versammeln, um bei Ruhe, Geduld und manchem Schöppchen heißen Weines Rat zu halten, und werden ausrechnen, ob es sich wegen des Schatzes, den wir denen von Lissabon abgenommen haben, empfiehlt, unsere Schiffe zu stürmen oder zu verbrennen. Also zaudernd in ihrer Ratlosigkeit, werden sie sich schließlich doch dahin einigen, daß es gelte, unsere Schiffe zu nehmen und nicht zu verbrennen, ungeachtet die große Ungebührlichkeit, die sie uns also zufügen werden.«

»Du sprichst gut,« antwortete Uilenspiegel; »aber siehst du nicht diese Feuer, die sich in der Stadt entzünden, und Leute mit Laternen, die geschäftig hin und her laufen?«

»Es ist ihnen eben kalt,« sagte Lamme. Und seufzend fuhr er fort: »Alles ist aufgegessen. Kein Ochs mehr, kein Schwein, kein Geflügel. Kein Wein mehr, ach! Kein Doppelbier! Nichts sonst als Zwieback und Dünnbier. Wer mich lieb hat, folgt mir.«

»Wohin willst du?« fragte Uilenspiegel. »Niemand darf das Schiff verlassen.«

»Mein Sohn,« sagte Lamme, »du bist jetzt der Kapitän und Herr. Ich gehe nicht weg, wenn du nicht willst. Beliebe aber immerhin zu bedenken, daß wir vorgestern die letzte Wurst verzehrt haben und daß in diesen harten Zeitläuften das Küchenfeuer die Sonne der guten Gesellen ist. Wer möchte hier nicht den Brodem der Tunken wittern und den duftenden Wohlgeruch des göttlichen Trankes einziehen, bereitet aus den lustigen Blümlein, die da sind Frohsinn, Lachen und Wohlwollen für jedermann? Also Kapitän und Herzbruder, ich getraue es mich dir zu sagen: es drückt mir das Herz ab, wenn ich nichts zu essen habe, ich, der ich nur die Ruhe liebe und nicht gern etwas mit dem Töten zu schaffen habe, außer es handelt sich um eine zarte Gans, ein fettes Hühnchen oder eine saftige Truthenne, und dir trotzdem folge in Mühsal und Schlachten. Sieh hier die Lichter in diesem reichen Meierhofe, wohlversehn mit Groß- und Kleinvieh! Weißt du, wem er gehört? Dem friesischen Schiffer, der den Messire von Andelot verraten und achtzehn arme Herren und Freunde nach Enkhuizen, das damals noch zu Alba hielt, geführt hat; und die alle sind seinetwegen in Brüssel auf dem Pferdemarkte geköpft worden. Der Verräter, der Slosse heißt, hat vom Herzog zweitausend Gulden für seinen Verrat bekommen. Von diesem Blutgeld hat sich der Judas den Meierhof da und das Vieh und die Felder ringsherum gekauft, die Früchte tragen und wachsen, nämlich der Boden und das Vieh, und ihn zum reichen Manne machen.«

Uilenspiegel antwortete: »Die Asche schlägt an mein Herz. Die Stunde Gottes ist da.«

»Und damit auch«, sagte Lamme, »die Essensstunde. Gib mir zwanzig Burschen, wackere Soldaten und Matrosen, ich will den Verräter ausheben.«

»Ich will selbst die Führung übernehmen,« sagte Uilenspiegel. »Wer die Gerechtigkeit liebt, folgt mir. Nur nicht alle, Freunde und Getreue; es sind nur zwanzig nötig: wer soll denn das Schiff hüten? Würfelt darum. Ihr seid euerer zwanzig. Die Würfel sprechen gut. Legt die Schlittschuhe an und lauft in der Richtung des Venussterns, der über dem Hofe des Verräters blinkt.«

Geleitet von dem hellen Scheine gleitet ihr zwanzig einher auf euern Eisenschuhen, die Äxte auf den Schultern. Der Wind pfeift und treibt die weißen Schneewirbel vor sich her auf dem Eise. Kommt, wackere Männer! Ihr singt nicht, ihr sprecht nicht: geradeaus zieht ihr dem Sterne zu, schweigend; euere Schlittschuhe lassen das Eis knirschen. Wer fällt, erhebt sich alsbald wieder. Wir sind an der Küste. Keine menschliche Gestalt auf der weißen Schneefläche, kein Vogel in der eisigen Luft. Herunter mit den Schlittschuhen.

Nun sind wir auf dem Festland: vor euch die Wiesen; schnallt die Schlittschuhe wieder an. Wir haben den Hof umstellt, und wir halten den Atem an.

Uilenspiegel klopft ans Tor, Hunde schlagen an. Er klopft noch einmal; ein Fenster öffnet sich, und der Baas steckt den Kopf heraus: »Wer bist du?« Er sieht sonst niemand als Uilenspiegel: die andern sind hinter der Keet verborgen.

Uilenspiegel antwortet: »Messire de Boussu befiehlt dir, dich zur Stunde zu ihm nach Antwerpen zu verfügen.«

»Wo ist dein Geleitbrief?« sagt der Mann, der herabsteigt und ihm das Tor öffnet. »Hier,« antwortet Uilenspiegel und weist auf die zwanzig Geusen, die ihm nach in den Flur stürzen.

Nun sagt Uilenspiegel zu ihm: »Du bist Slosse, der verräterische Schiffer, der die Herren von Andelot und Battemburg und andere Herren in einen Hinterhalt gelockt hat. Wo ist der Blutpreis?« Der Meier antwortet zitternd: »Ihr seid Geusen, vergebt mir; ich wußte nicht, was ich tat. Ich habe kein Geld hier; ich werde alles hergeben.«

Lamme sagt: »Es ist dunkel; gib uns Talg- oder Wachslichter.« Der Baas antwortet: »Die Talglichter hangen hier.«

Als ein Licht brennt, sagt ein Geuse, der im Herdwinkel steht: »Es ist kalt; zünden wir ein Feuer an. Hier ist hübsches Reisig.« Und er wies auf etliche Blumentöpfe mit verdorrten Pflanzen auf einem Wandbrett. Er nahm einen beim Schopfe und, indem er ihn samt dem Topfe schwenkte, fiel der Topf herunter und verstreute Dukaten, Gulden und Realen. »Da ist der Schatz,« sagte er, indem er auf die Blumentöpfe deutete. Und wirklich fand man, als man sie entleerte, zehntausend Gulden.

Als das der Baas sah, schrie und weinte er. Auf die Schreie kamen die Knechte und Mägde des Hofes in ihrer Nachtkleidung daher. Die Männer, die sich für ihren Herrn zur Wehr setzen wollten, wurden gefesselt; und die Frauen, die sich schämten, sonderlich die jungen, versteckten sich hinter den Männern.

Jetzt trat Lamme vor und sagte: »Du Schuft von einem Meier, wo sind die Schlüssel des Kellers, des Pferchs, der Ställe und der Schäferei?« »Schändliche Räuber,« sagte der Baas, »ihr werdet gehenkt werden.«

Uilenspiegel antwortete: »Es ist die Stunde Gottes; gib die Schlüssel her.« »Gott wird mich rächen,« sagte der Baas, indem er sie hergab.

Als der Meierhof geleert war, eilten die Geusen auf ihren Schlittschuhen zurück zu den Schiffen, den schwanken Burgen der Freiheit.

»Ich bin der Küchenmeister,« sagte Lamme, der den Zug führte; »ich bin der Küchenmeister. Schiebt die wackern Schlitten, beladen mit Wein und Bier. Hetzt sie vor euch her mit den Hörnern oder anderswie, die Pferde, die Rinder, die Ferkel, die Hammel und die Herde, die allesamt ihr natürliches Lied singen. Die Tauben rucksen in den Körben; die krumengeschoppten Kapaune sind ganz verdutzt in ihren Holzkäfigen, die ihnen keine Bewegung gestatten. Ich bin der Küchenmeister. Das Eis knirscht unter dem Eisen der Schlittschuhe. Wir sind bei den Schiffen. Morgen gibts Küchenmusik. Laßt die Flaschenzüge herunter. Legt den Pferden, Kühen und Ochsen Gurten an. Es ist ein prächtiges Schauspiel, sie also hangen zu sehn am Bauche; morgen werden wir hangen, mit den Zungen am Schmorfleisch. Der Haken hißt sie aufs Schiff. Das gibt Braten. Werft mir nur alles kunterbunt in den Raum herunter, Masthühnchen, Gänse, Enten, Kapaune. Wer wird ihnen den Hals abdrehn? Der Küchenmeister. Die Tür ist geschlossen, den Schlüssel habe ich im Sacke. Gott sei gepriesen in der Küche! Heil den Geusen!«

Dann begab sich Uilenspiegel mit Dierik Slosse und den andern Gefangenen auf das Admiralsschiff; die wimmerten und weinten aus Angst vor dem Strick. Messire Worst kam auf den Lärm herbei; als er Uilenspiegel und seine Begleiter sah, beleuchtet von dem roten Scheine der Fackeln, sagte er: »Was willst du von uns?«

Uilenspiegel antwortete: »Heute nacht haben wir in seinem Hofe den Verräter Dierik Slosse gegriffen, der die achtzehn in den Hinterhalt gelockt hat. Der ist es. Die andern sind unschuldige Knechte und Mägde.« Dann übergab er ihm eine Tasche. »Diese Gulden«, sagte er, »blühten in Blumentöpfen in dem Hause des Verräters: es sind zehntausend.«

Messire Worst sagte zu ihnen: »Ihr habt schlecht getan, das Schiff zu verlassen; weil es aber so gut ausgegangen ist, so sei euch Verzeihung gewährt. Willkommen sind die Gefangenen, willkommen die Tasche mit den Gulden, und auch ihr seid willkommen, wackere Männer, denen ich nach Recht und Brauch der See ein Drittel der Beute bewillige; das zweite gehört der Flotte und das dritte dem gnädigen Herrn von Oranien. Den Verräter henkt auf der Stelle.« Nachdem die Geusen gehorcht hatten, machten sie ein Loch ins Eis und warfen den Leichnam Dierik Slosses hinein.

Nun sagte Messire Worst: »Wächst denn Gras um die Schiffe? Ich höre ja Hühner glucken, Hammel blöken und Ochsen und Kühe brüllen.«

»Das sind die Gefangenen des Schlundes,« sagte Uilenspiegel; »sie werden die Ranzion in Schmorfleisch bezahlen. Der Herr Admiral soll das beste bekommen. Was die Knechte da betrifft und die Mägde, unter denen ein paar ganz artig und hübsch sind, so will ich sie auf mein Schiff nehmen.«

Als das geschehn war, hielt er ihnen diese Ansprache: »Mannsleute und Frauenzimmer, ihr seid hier auf dem besten Schiffe, das es gibt. Wir verbringen die Zeit mit Schlemmen, Prassen und Schmausen ohne Unterlaß. Wenn ihr wegwollt, so bezahlt Lösegeld; wenn ihr dableiben wollt, so werdet ihr ebenso leben wie wir, bei gutem Werken und guter Kost. Was die hübschen Frauenzimmer angeht, so bewillige ich ihnen mit der Erlaubnis des Admirals volle leibliche Freiheit, mit dem Bemerken, daß es mir alles eins ist, ob sie ihre Freunde, mit denen sie aufs Schiff gekommen sind, behalten oder ob sie sich unter den hier gegenwärtigen einen braven Geusen auserwählen wollen, um mit ihm eheliche Gemeinschaft zu halten.«

Aber alle die hübschen Frauen waren ihren Freunden treu, ausgenommen eine, die Lamme anlächelte und ihn fragte, ob er sie wolle. »Dank Euch, Schätzchen,« antwortete er, »aber ich bin schon anderswo vergeben.«

»Er ist verheiratet, der Biedermann,« sagten die Geusen, als sie ihren Verdruß sahen. Aber sie wandte ihm den Rücken und wählte einen andern, der, so wie Lamme, einen hübschen Wanst und ein gutmütiges Weingesicht hatte.

An diesem Tage und den folgenden gab es an Bord der Schiffe ein mächtiges Schlemmen und Demmen in Wein, Geflügel und Fleisch. Und Uilenspiegel sagte: »Heil den Geusen! Blase nur, scharfer Nord; wir wärmen die Luft mit unserm Atem. Unser Herz ist voll Feuer für die Gewissensfreiheit, voll Feuer unser Magen für das Essen des Feindes. Wein her, die Milch der Männer! Heil den Geusen!«

Auch Nele trank aus einem großen goldenen Humpen, und sie ließ, das Gesichtchen vom Winde gerötet, die Pfeife schrillen. Und trotz dem Froste aßen und tranken die Geusen lustig auf dem Deck.

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