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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 166
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XVI

Auf den Schiffen der Geusen, unter dem blitzenden Himmel, über den klaren Fluten schrillen die Pfeifen, kreischen die Dudelsäcke, glucken die Flaschen, klingeln die Gläser, blitzt das Eisen der Waffen.

»Wohlan,« sagt Uilenspiegel, »schlaget die Trommel des Ruhms, schlaget die Trommel der Lust! Heil den Geusen! Spanien ist besiegt, gebändigt die Hyäne. Unser ist das Meer, Briel ist genommen. Unser ist die Küste von Nieuwpoort über Ostende, Blankenberge, die Inseln von Seeland, die Mündungen der Schelde, die Mündungen der Maas und die Mündungen des Rheins bis Helder. Unser sind Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland, Rottum und Borkum. Heil den Geusen!

Unser sind Delft und Dordrecht. Das ist ein Pulverstreifen; Gott halt das Zündlicht. Die Henker verlassen Rotterdam. Die Gewissensfreiheit erfaßt mit den Klauen und Zähnen eines Löwen der Gerechtigkeit die Grafschaft Zutphen und die Städte Deutekom, Doesburg, Goor, Oldenzeel und auf der Veluwe Hattem, Elburg und Harderwijk. Heil den Geusen!

Es ist der Wetterstrahl, es ist der Blitz: Kampen, Zwolle, Hasselt und Steenwijk fallen in unsere Hände mit Oudewater, Gouda und Leiden. Heil den Geusen!

Unser sind Buren und Enkhuizen! Noch haben wir nicht Amsterdam, Schoonhoven und Middelburg. Aber gut Ding braucht Weile. Heil den Geusen!

Trinken wir den spanischen Wein! Trinken wir ihn aus den Kelchen, woraus sie das Blut der Opfer getrunken haben. Wir ziehen durch die Zuidersee, auf Strömen, Flüssen und Kanälen. Wir haben Nordholland, Südholland und Seeland: wir nehmen noch Ost- und Westfriesland. Briel wird die Zuflucht unserer Schiffe sein, das Nest der Hühner, die die Freiheit ausbrüten. Heil den Geusen!

Höret in Flandern, im süßen Vaterlande, den Schrei der Rache ergellen! Man fegt die Waffen, man schärft die Schwerter! Überall regt es sich zitternd wie die Saiten der Harfe, bei dem warmen Hauche, dem Hauche der Seelen, der aufsteigt aus den Gräbern, den Scheiterhaufen und den blutenden Leichen der Opfer, überall: in Hennegau, Brabant, Luxemburg, Limburg und Namur und in Lüttich, der freien Stadt! überall! Das Blut keimt und befruchtet. Die Ernte ist reif für die Sense. Heil den Geusen!

Unser die weite Nordsee! Unser die guten Geschütze, die trotzigen Schiffe! Unser die verwegene Schar schrecklicher Seeleute, zusammengewürfelt aus Landstreichern, Spitzbuben, soldatischen Priestern, Adeligen, Bürgern und Werkleuten, entflohen der Verfolgung! Unser sind alle, die sich vereint haben zum Werke der Freiheit! Heil den Geusen!

Philipp, Blutkönig, wo bist du? Alba, wo bist du? Du schreist und lästerst, bedeckt mit dem heiligen Hute, dem Geschenke des Heiligen Vaters. Schlaget die Trommel der Lust! Heil den Geusen! Wein her!

Der Wein rollt in die goldenen Kelche. Schlürft fröhlich den Trank. Die Priestergewänder, die Hüllen der rauhen Männer, sind durchnäßt vom roten Safte; die römischen Kirchenbanner flattern im Winde. Ewige Musik! Wohlan, schrillende Pfeifen, kreischende Dudelsäcke, ruhmwirbelnde Trommeln! Heil den Geusen!«

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