Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Charles de Coster >

Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 157
Quellenangabe
pfad/coster/uilensp2/uilensp2.xml
typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120424
projectid53c21dfa
Schließen

Navigation:

VII

Auf den seeländischen Hulken, auf den Bojern, auf den Krusteven fährt Thijl Klaas Uilenspiegel.

Das freie Meer trägt die tüchtigen Vlieboote, auf denen acht, zehn oder zwanzig Stücke sind, alle aus Eisen; sie speien Tod und Verderben auf die spanischen Schurken.

Er ist ein kundiger Feuerwerker, Thijl Uilenspiegel, der Sohn Klaasens: man muß ihn nur sehn, wie genau er richtet, wie gut er absieht und wie er die Wracke der Henker durchbohrt, als ob sie Wände von Butter hätten. Am Filze trägt er den silbernen Halbmond mit der Inschrift: Liever den Turk als den Paus. Lieber türkisch als päpstisch.

Die Matrosen, die ihn ihre Schiffe erklimmen sehn, leicht wie eine Katze, flink wie ein Eichhörnchen, ein Lied oder ein Scherzwort auf den Lippen, fragen ihn in befremdeter Neugier: »Woher kommt dir denn, du kleiner Mann, diese Jugendlichkeit, wo es doch heißt, es sei schon gar lange her, daß du in Damme geboren worden bist?«

»Ich bin kein Leib,« sagt er, »sondern ein Geist, und Nele, meine Geliebte, ebenso: Geist von Flandern, Liebe von Flandern, wir sterben nimmer.«

»Und doch«, sagten sie, »blutest du, wann du getroffen wirst.«

»Das scheint euch nur so,« antwortete Uilenspiegel; »es ist Wein und nicht Blut.«

»Wir werden dich an einen Bratspieß stecken.«

»Ich werde mich ganz allein ausweiden,« antwortete Uilenspiegel.

»Du machst dich lustig über uns.«

»Wer die Trommel schlägt, muß den Schall leiden,« antwortete Uilenspiegel.

Und die gestickten Banner der römischen Prozessionen flatterten an den Masten der Schiffe. Gekleidet in Samt, Brokat, Seide und Silber- und Goldstoff, wie sie die Äbte bei feierlichen Ämtern tragen, mit Mitra und Krummstab und den Wein der Mönche trinkend, hielten die Geusen die Wacht auf den Schiffen.

Und es war ein seltsamer Anblick, wenn sich aus diesen kostbaren Gewändern die rauhen Hände reckten, die die Arkebuse oder die Armbrust führten, die Hellebarde oder die Pike, und wenn all diese Männer mit den harten Gesichtern, gegürtet mit Pistolen oder im Sonnenlicht blinkenden Messern, aus goldenen Kelchen den Prälatenwein tranken, der nun zum Freiheitswein geworden war.

Und sie sangen und sie schrien: »Heil den Geusen!« Und also fuhren sie über den Ozean und die Schelde.

 << Kapitel 156  Kapitel 158 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.