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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 149
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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XLIII

In dieser Zeit ging ein Mädchen von fünfzehn Jahren von Heist nach Knokke, allein bei hellichtem Tage, durch die Dünen. Niemand versah sich etwas Schlimmen für sie, weil man wußte, daß die Werwölfe und verdammten Seelen nur in der Nacht beißen. Sie trug in einem Säckchen vier Karlsgulden in achtundvierzig Silbergroschen, die ihre Mutter Tonia Pietersen, wohnhaft zu Heist, ihrem Oheim Jan Rapen, wohnhaft zu Knokke, von einem Verkaufe schuldete. Das Mädchen, Betkin mit Namen, hatte ihren schönsten Staat angelegt und war fröhlich weggegangen.

Am Abend war die Mutter unruhig, weil sie noch nicht heimgekommen war; immerhin beschwichtigte sie sich mit dem Gedanken, sie sei bei ihrem Oheim über Nacht geblieben.

Am Morgen zogen Fischer, die mit einer Ladung Fische vom Meere heimkehrten, ihr Schiff an den Strand und luden den Fang auf Karren, um ihn in Heist auf dem Fischmarkt karrenweise zur Versteigerung zu bringen. Sie fuhren den mit Muscheln besäten Weg hinan und fanden in der Düne ein ganz nackt ausgezogenes Mädchen und rund um sie eine Blutlache. Näher gekommen, sahen sie an ihrem armen gebrochenen Halse die Male von langen und spitzigen Zähnen. Auf dem Rücken liegend, hatte sie die Augen offen, die zum Himmel starrten, und den Mund offen wie zum Todesschrei.

Sie bedeckten den Leichnam des Mädchens mit einem Oberkleid und trugen ihn nach Heist ins Stadthaus. Bald versammelten sich dort die Schöffen und der Wundarzt, und der erklärte, diese langen Zähne seien nicht die natürlichen eines Wolfes, sondern die eines schlechten und höllischen Werwolfs, und man müsse Gott bitten, daß er das Land Flandern erlöse. Und in der ganzen Grafschaft, besonders in Damme, Heist und Knokke, wurden Bitten und Gebete angeordnet. Und das Volk füllte schluchzend die Kirchen.

In der von Heist, wo die Leiche des Mädchens aufgebahrt war, weinten die Männer und Frauen, die ihren blutigen und zerrissenen Hals sahen. Und die Mutter sagte in der Kirche: »Ich will zum Werwolf und ihn mit den Zähnen töten.« Und die Frauen bestärkten sie weinend in ihrem Vorhaben. Und einige sagten: »Du kehrst nimmer wieder.«

Und sie suchte den Wolf mit ihrem Gatten und ihren zwei Brüdern, die wohlbewaffnet waren, an der Küste, auf der Düne und in der Niederung; aber sie fand ihn nicht. Und ihr Gatte mußte sie heimführen, weil sie sich in der Nachtkühle das Fieber geholt hatte; und sie wachten bei ihr, indem sie die Maschen der Netze für den nächsten Fang ausbesserten.

Der Vogt von Damme, der bedachte, daß der Werwolf ein Tier ist, das vom Blute lebt und die Toten nicht plündert, sagte, ohne Zweifel kämen hinter ihm Räuber, die um ihres elenden Handwerks willen durch die Dünen streiften. Darum ließ er ausläuten, daß alle und jedermann, wohlbewaffnet und mit Stöcken versehn, alle Bettler und Landstreicher stellen und greifen sollten, um sie dann zu untersuchen, ob sie nicht Gold oder irgendein Kleidungsstück der Opfer in ihren Taschen hätten. Und dann sollten die kräftigen Leute, die sich unter den Bettlern und Landstreichern fänden, auf die Galeeren des Königs geschickt werden, während man die alten und schwachen laufen lassen sollte. Aber alles blieb ergebnislos.

Uilenspiegel ging zum Vogt und sagte zu ihm: »Ich will den Werwolf töten.«

»Woher hast du die Zuversicht?« fragte der Vogt.

»Die Asche schlägt an mein Herz,« antwortete Uilenspiegel. »Gebt mir die Erlaubnis, in der Gemeindeschmiede zu arbeiten.«

»Du darfst es,« sagte der Vogt.

Ohne zu einem oder zu einer in Damme ein Wort von seinem Vorhaben verlauten zu lassen, ging Uilenspiegel in die Schmiede und verfertigte dort in aller Heimlichkeit eine schöne, große Wildfalle.

Am nächsten Tage, der ein Samstag war, der Lieblingstag des Werwolfs, brach Uilenspiegel auf mit einem Briefe des Vogts an den Pfarrer von Heist; die Falle trug er unterm Mantel, und sonst war er mit einer guten Armbrust und einem wohlgeschliffenen Dolche bewaffnet. Denen in Damme sagte er: »Ich gehe auf die Möwenjagd; die Frau Vögtin braucht Daunenkissen.«

Auf dem Wege nach Heist kam er an die Küste: er hörte die hohlgehende See heulen und die mächtigen Wogen gleich dem Donner widerrollen und den Wind, der von England kam, in dem Takelwerk der an den Strand getriebenen Boote sausen. Ein Fischer sagte zu ihm: »Das ist unser Unglück, dieser widrige Wind. In der Nacht war die See ruhig, aber nach dem Sonnenaufgang ist sie plötzlich stürmisch geworden. Wir können nicht hinaus auf den Fang.« Uilenspiegel war froh, da er also sicher war, in der Nacht Hilfe zu haben, wenn er sie brauchen werde.

In Heist ging er zum Pfarrer und gab ihm den Brief des Vogts. Der Pfarrer sagte zu ihm: »Du bist tapfer; aber wisse, daß Samstags niemand am Abend allein durch die Dünen geht, ohne daß er gebissen würde und tot auf dem Sande liegen bliebe. Die Deicharbeiter und die andern gehn nur in Haufen. Der Abend fällt ein. Hörst du den Wolf in der Niederung heulen? Wird er auch diese Nacht, so wie die letzte, auf den Kirchhof kommen, um die ganze Nacht lang schauerlich zu heulen? Gott sei mit dir, mein Sohn, aber geh nicht.« Und der Pfarrer bekreuzigte sich.

»Die Asche schlägt an mein Herz,« antwortete Uilenspiegel.

Der Pfarrer sagte: »Da du einen so wackern Willen hast, will ich dir helfen.«

»Herr Pfarrer,« sagte Uilenspiegel, »Ihr werdet mir und dem armen trostlosen Lande eine große Wohltat erweisen, wenn Ihr zu Tonia, der Mutter des Mädchens, und zu ihren zwei Brüdern geht und ihnen sagt, daß der Wolf in der Nähe ist und daß ich ihn erwarten und töten will.«

Der Pfarrer sagte: »Wenn du noch nicht weißt, wo du dich aufstellen sollst, so halte dich auf dem Wege, der zum Kirchhofe führt. Er läuft zwischen zwei Ginsterhecken. Zwei Männer können dort nicht nebeneinander gehn.«

»Ich will es tun,« antwortete Uilenspiegel. »Und Ihr, wackerer Herr Pfarrer, Förderer des Erlösungswerkes, ordnet an und befehlt, daß sich die Mutter des Mädchens, ihr Mann und ihre Brüder, alle wohlbewaffnet, vor dem Feierabend in der Kirche einfinden. Wenn sie hören, daß ich pfeife wie eine Möwe, so habe ich den Werwolf gesehn. Dann sollen sie mit der Glocke Wacharm läuten und mir zu Hilfe kommen. Und wenn noch etliche tapfere Männer da sind ...?«

»Nein, mein Sohn,« antwortete der Pfarrer; »mehr als die Pestilenz und den Tod fürchten die Fischer den Werwolf. Aber geh nicht.« Uilenspiegel antwortete: »Die Asche schlägt an mein Herz.«

Nun sagte der Pfarrer: »Ich will tun, wie du wünschest; sei gesegnet. Hast du Hunger oder Durst?

»Beides,« antwortete Uilenspiegel.«

Der Pfarrer gab ihm Bier, Brot und Käse. Uilenspiegel trank, aß und entwich.

Als er im Vorwärtsschreiten die Augen hob, sah er seinen Vater Klaas in der Glorie, an der Seite Gottes, in dem Himmel, wo der Mond hell blinkte, und er betrachtete die See und die Wolken und hörte den Sturmwind, der von England her wehte. »Ach,« sagte er, »ihr schwarzen Wolken mit euerm sausenden Fluge, seid wie die Rache auf den Fersen des Mordes. Du tosendes Meer, du Himmel, schwarz wie der Höllenschlund, ihr Wogen mit dem Schaume der Brandung, die ihr euch auf das düstere Wasser stürzt und im wütenden Grimm unzählige Gischttiere, Rinder, Schafe, Pferde aufwirbelt, und euch, ihr Schlangen, die ihr euch auf der Flut ringelt oder in die Lüfte reckt, flimmernden Regen speiend, du tiefschwarzes Meer, du trauerschwarzer Himmel, seid mit mir, um den Werwolf zu bestreiten, den schändlichen Mädchenmörder. Und du Wind, der du klagend heulst in den Dörnern der Dünen und im Tauwerk der Schiffe, du bist die Stimme der Opfer, die um Rache schreien zu Gott, der mir ein Helfer sei bei meinem Beginnen.«

Und er stieg in die Niederung hinab, taumelnd auf seinen natürlichen Stützen, als ob er im Kopfe trunkene Völlerei und im Magen unverdauten Kohl gehabt hätte. Und er sang schluckend, torkelnd, gähnend und ausspeiend und blieb stehn, als ob er sich erbrechen müßte, aber in Wirklichkeit hielt er die Augen wohl offen, um rings herumzusehn: als er plötzlich ein schrilles Heulen hörte, stand er, sich erbrechend wie ein Hund, still, und er sah beim blinkenden Mondlicht die lange Gestalt eines Wolfes, der auf den Kirchhof zuhielt. Von neuem taumelnd, betrat er den Fußpfad zwischen den Ginsterhecken. Dort tat er, als ob er stürzte, stellte dabei die Falle in der Richtung auf, woher der Wolf kam, lud seine Armbrust und trat zehn Schritt zurück, immer in der Haltung eines Betrunkenen, der ohne Unterlaß taumelt, schluckt und seinen Schlund entleert, in Wirklichkeit aber seinen Geist spannend wie einen Bogen und Augen und Ohren weit offen. Und er sah nichts als die schwarzen Wolken, die wie verrückt am Himmel dahinliefen, und eine breite, dicke und kurze schwarze Gestalt, die auf ihn zukam; und er hörte nichts als das Klageheulen des Windes, das Donnerrollen der See und das Knarren der Muscheln des Weges unter einem wuchtigen Sprungschritt. In der scheinbaren Absicht, sich niederzusetzen, fiel er auf den Weg wie ein Trunkener. Und er spie aus.

Dann hörte er zehn Schritt von seinem Ohr etwas klirren wie Eisenzeug, dann das Geräusch der Falle, die zuklappte, und den Schrei eines Menschen.

»Der Werwolf«, sagte er, »hat sich mit den Vorderpfoten gefangen. Er streckt sich heulend, schüttelt die Falle und will laufen. Aber er wird nicht entwischen.« Und er schoß ihm einen Bolzen in die Beine. »Er fällt,« sagte er. Und er pfiff wie eine Möwe.

Plötzlich läutete die Kirchenglocke Wacharm, und eine dünne Knabenstimme schrie im Städtchen: »Wacht auf, ihr, die ihr schlaft, der Werwolf ist gefangen.«

»Gott sei Dank!« sagte Uilenspiegel.

Tonia, die Mutter Betkins, Lansaem, ihr Mann, und Judocus und Michiel, ihre Brüder, kamen als die ersten mit Laternen. »Ist er gefangen?« sagten sie.

»Hier seht ihr ihn auf dem Wege,« antwortete Uilenspiegel.

»Gott sei Dank!« sagten sie. Und sie bekreuzigten sich.

»Wer läutet da?« fragte Uilenspiegel. Lansaem antwortete: »Es ist mein Älterer; der Kleine läuft durch den Ort, schlägt an die Türen und schreit, daß der Wolf gefangen ist. Heil dir!«

»Die Asche schlägt an mein Herz,« antwortete Uilenspiegel.

Plötzlich sprach der Werwolf und sagte: »Hab Erbarmen mit mir, Erbarmen, Uilenspiegel!«

»Der Wolf spricht,« sagten sie und bekreuzigten sich allesamt. »Er ist ein Teufel und kennt schon den Namen Uilenspiegels.«

»Hab Erbarmen, Erbarmen,« sagte die Stimme, »heiße die Glocke schweigen; sie läutet für die Toten. Erbarmen, ich bin kein Wolf. Meine Handwurzeln sind zerfleischt durch die Falle; ich bin alt und blute. Erbarmen! Was ist das für eine schrille Kinderstimme, die den Ort aufweckt? Erbarmen!«

»Ich habe dich schon reden hören,« sagte Uilenspiegel leidenschaftlich. »Du bist der Fischhändler, der Mörder Klaasens, der Vampir der armen Mädchen. Männer und Frauen, habt keine Furcht. Es ist der Zunftmeister, durch den Soetkin vor Schmerz gestorben ist.« Und mit der einen Hand faßte er ihn am Halse, und mit der andern zückte er seinen Dolch.

Doch Tonia, die Mutter Betkins, riß ihn zurück. »Fangt ihn lebendig,« schrie sie. Und sie riß ihm sein weißes Haar büschelweise aus und zerfetzte ihm das Gesicht mit ihren Nägeln. Und sie heulte in trüber Wut.

Die Hände in den Eisen gefangen und sich vor schwerer Not auf dem Wege wälzend, schrie der Werwolf: »Erbarmen, Erbarmen! Nehmt dieses Weib weg. Ich bezahle zwei Gulden. Zerbrecht die Glocken. Wo sind die Kinder, die schreien?«

»Bewahrt ihn lebend!« schrie Tonia, »bewahrt ihn lebend, auf daß er büßt! Die Totenglocken, die Totenglocken für dich, du Mörder. Bei langsamem Feuer, mit glühenden Zangen. Bewahrt ihn lebend! Auf daß er büßt!«

Inzwischen hatte Tonia auf dem Wege ein Waffeleisen mit langen Armen gefunden. Indem sie es beim Scheine der Fackeln besichtigte, sah sie, daß die beiden Eisenplatten innen nach brabantischer Art in tiefen Rauten gehöhlt, aber überdies wie ein Rachen aus Eisen mit langen spitzigen Zähnen versehn waren; und als sie es öffnete, war es wie der Rachen eines Schweißhundes.

Tonia glich, wie sie das Werkzeug in der Hand hielt, es öffnete und wieder schloß und das Eisen klirren ließ, einer Tollwütigen; zähneknirschend, röchelnd wie eine Sterbende, wimmernd vor bitter schmerzendem Rachedurst, biß sie den Fischer mit dem Eisen in die Arme, in die Beine und überallhin, vor allem aber in den Hals, und jedesmal, wann sie ihn biß, sagte sie: »So hat er Betkin mit den Eisenzähnen getan. Er büßt. Blutest du, Mörder? Gott ist gerecht. Die Totenglocken. Betkin heischt Vergeltung von mir. Fühlst du die Zähne? Es ist der Rachen Gottes!« Und sie biß ihn ohne Unterlaß und ohne Erbarmen und schlug ihn mit dem Eisen, wenn sie nicht beißen konnte. Und wegen ihres großen Sehnens nach Vergeltung tötete sie ihn nicht.

»Habt Barmherzigkeit,« schrie der Gefangene. »Uilenspiegel, stoß mir das Messer hinein, damit ich bälder sterbe. Nimm das Weib weg. Zerbrich die Totenglocken, töte die Kinder, die schreien.«

Und Tonia biß ihn immerfort, bis ihr ein alter Mann, der sich seiner erbarmte, das Waffeleisen wegnahm.

Aber nun spie Tonia dem Werwolf ins Gesicht und riß ihm die Haare aus: »Du wirst büßen, bei langsamem Feuer, mit glühenden Zangen. Deine Augen für meine Nägel!«

Unterdessen waren alle Fischer, Bauern und Frauen von Heist gekommen, auf das Geschrei hin, daß der Wolf ein Mensch sei und kein Teufel. Etliche trugen Laternen und lodernde Fackeln. Und alle schrien: »Du Raubmörder, wo verbirgst du das Geld, das du den armen Opfern gestohlen hast? Er muß alles zurückgeben.«

»Ich habe nichts,« sagte der Fischhändler; »habt Barmherzigkeit.« Und die Frauen warfen ihn mit Steinen und Sand.

»Er büßt! Er büßt!« schrie Tonia.

»Erbarmen,« winselte er; »ich bin naß von meinem Blute, das rinnt. Erbarmen!«

»Dein Blut?« sagte Tonia. »Es wird dir genug bleiben für die Buße. Verbindet seine Wunden mit Balsam. Er wird büßen bei langsamem Feuer, die Hand abgehackt, mit glühenden Zangen. Er wird büßen! Er wird büßen!« Und sie wollte ihn schlagen; aber die Sinne schwanden ihr, und sie fiel in den Sand wie tot. Und man ließ sie liegen, bis sie wieder zu sich kam.

Inzwischen löste Uilenspiegel die Hände des Fischers aus der Falle; da sah er, daß ihm an der rechten Hand drei Finger fehlten. Und er ließ ihn straff binden und in einen Fischerkorb legen. Männer, Frauen und Kinder zogen, den Korb abwechselnd tragend, nach Damme, um dort Gerechtigkeit zu heischen. Und sie trugen Fackeln und Laternen.

Und der Fischhändler sagte ohne Unterlaß: »Zerbrecht die Glocken. Tötet die Kinder, die schreien.«

Und Tonia sagte: »Er soll büßen, bei langsamem Feuer, mit glühenden Zangen! Er soll büßen!«

Dann schwiegen sie beide. Und Uilenspiegel hörte nichts mehr als den fliegenden Atem Tonias, den schweren Tritt der Männer auf dem Sande und das donnerrollende Meer. Und traurig in seinem Herzen, betrachtete er die Wolken, die wie verrückt am Himmel dahinliefen, das Meer, wo er gischtende Schafe sah, und bei dem Scheine der Fackeln und Laternen das bleiche Gesicht des Fischhändlers, das ihn mit grausamen Augen anstierte. Und die Asche schlug an sein Herz.

Und sie wandelten vier Stunden lang bis Damme, wo sich das Volk in Scharen versammelt hatte, weil die Zeitung schon vorausgeeilt war. Alle wollten den Fischhändler sehn und folgten dem Zuge, singend, tanzend und rufend: »Der Werwolf ist gefangen, er ist gefangen, der Mörder! Gesegnet sei Uilenspiegel! Lang leve onze broeder Uilenspiegel!« Und es war wie ein Volksaufruhr.

Als sie bei dem Hause des Vogts vorbeikamen, trat dieser auf den Lärm heraus und sagte zu Uilenspiegel: »Du hast gesiegt. Heil dir!«

»Die Asche Klaasens schlug an mein Herz,« antwortete Uilenspiegel.

Nun sagte der Vogt: »Du bekommst die Hälfte von dem Nachlaß des Mörders.«

»Gebt es den Opfern,« antwortete Uilenspiegel.

Lamme und Nele kamen: Nele, lachend und weinend vor Freude, küßte ihren Freund Uilenspiegel; Lamme, schwer heranhüpfend, klopfte ihm auf den Bauch und sagte: »Der ist brav, ehrlich und treu: er ist mein Herzbruder; ihr habt nicht seinesgleichen, ihr Leute vom flachen Lande.«

Aber die Fischer lachten und machten sich lustig über ihn.

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