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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 147
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XLI

An diesem Tage war König Philipp, der zu viel Backwerk gegessen hatte, trübseliger als sonst. Er hatte auf seinem lebendigen Klavier gespielt, in dessen Kasten Katzen waren, deren Köpfe aus runden Löchern über den Tasten heraussahen; jedesmal, wann der König auf eine Taste schlug, schlug diese wieder mit einem Stachel in die Katze, und das Tier miaute und wimmerte wegen des Schmerzes. Aber Philipp lachte nicht.

Ohne Unterlaß grübelte er in seinem Hirn, wie er Elisabeth, die große Königin, überwinden und Maria Stuart auf den Thron Englands setzen könnte. Deswegen hatte er schon dem bedürftigen und verschuldeten Papste geschrieben, und der Papst hatte ihm geantwortet, für dieses Unternehmen werde er willig die heiligen Kirchengefäße und die Schätze des Vatikans verkaufen. Aber Philipp lachte nicht.

Ridolfi, der Liebling der Königin Maria, der in der Hoffnung lebte, sie nach ihrer Befreiung zu heiraten und König von England zu werden, kam Philipp besuchen, um mit ihm die Ermordung Elisabeths zu verabreden. Aber er war, wie der König schrieb, ein solcher Schwätzer, daß von seinem Plane an der Börse von Antwerpen ganz laut gesprochen wurde; und der Mord wurde nicht vollbracht. Und Philipp lachte nicht.

Später sandte der Blutherzog auf einen Auftrag des Königs zweimal ein Meuchelmörderpaar nach England. Aber sie richteten nichts sonst aus, als daß sie gehenkt wurden. Und Philipp lachte nicht.

Und so machte Gott das Trachten dieses Vampirs zuschanden, der darauf ausging, Maria Stuart ihren Sohn zu nehmen und an seiner Statt mit dem Papste über England zu herrschen. Und der Mörder konnte es nicht verwinden, dieses edle Land groß und mächtig zu sehn. Immer wieder wandten sich seine bleichen Augen dorthin, ob er es nicht zermalmen könnte, um dann über die Welt zu herrschen, die Reformierten, und sonderlich die reichen, zu vertilgen und das Gut der Opfer zu erben. Aber er lachte nicht.

Man brachte ihm Mäuse und Ratten in einem Eisenkästchen mit hohen Wänden, das oben offen war; er stellte das Kästchen mit dem Boden auf ein prasselndes Feuer und hatte sein Vergnügen daran, die armen Tierchen springen, schreien, wimmern und sterben zu sehn und zu hören. Aber er lachte nicht.

Dann eilte er, bleich und mit zitternden Händen, in die Arme der Frau von Eboli, um das Feuer seiner Geilheit, entzündet an der Fackel der Grausamkeit, zu löschen. Und er lachte nicht.

Und die Frau von Eboli empfing ihn aus Angst und nicht aus Liebe.

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