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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 133
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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XXVII

In dieser Zeit teilte der Herzog sein Heer; die eine Hälfte schickte er ins Herzogtum Luxemburg, die andere in die Markgrafschaft Namur. »Den Plan,« sagte Uilenspiegel, »den er mit dieser Maßregel verfolgt, verstehe ich nicht; aber mir ist alles eins, ziehen wir mit Zuversicht nach Maastricht.«

Als sie nächst der Stadt der Maas entlanglitten, sah Lamme, wie Uilenspiegel alle Boote, die auf dem Flusse schwammen, aufmerksam betrachtete und endlich vor einem anhielt, dessen Schnabel in das Bild einer Meermaid auslief; und die Meermaid hielt ein Schild, auf dem in goldenen Lettern auf schwarzem Grunde das Zeichen J-H-S stand, das ist das Zeichen unsers Herrn Jesus Christus. Uilenspiegel winkte Lamme zu halten und trillerte jauchzend wie die Lerche.

Auf dem Boote krähte ein Mann, der heraufkam, wie der Hahn; auf ein Zeichen Uilenspiegels, der wie ein Esel brällte und auf das auf dem Kai versammelte Volk wies, begann auch er schrecklich zu brüllen wie ein Esel. Die zwei Grautiere Uilenspiegels und Lammes neigten die Ohren und sangen das Lied ihrer Art. Frauen kamen vorbei und auch Männer, die die Treidelpferde ritten. Und Uilenspiegel sagte zu Lamme: »Der Bootsmann macht sich lustig über uns und unsere Klepper. Wenn wir auf sein Boot gingen ihn verprügeln?«

»Lieber soll er herkommen,« antwortete Lamme. Nun sagte eine Frau; »Wenn ihr es nicht darauf anlegt, daß euch die Arme zerbrochen, die Rücken zerdroschen und die Mäuler zerfetzt werden, dann laßt Stercke Pier brällen, soviel ihm behagt.«

»Ya, ya, ya,« klang es vom Boote herüber. »Laßt ihn singen,« sagte das Weib; »neulich haben wir zugesehn, wie er einen schwer beladenen Bierwagen auf seine Schultern gehoben und einen andern Wagen, den ein stämmiges Pferd zog, angehalten hat. Dort« – dabei zeigte sie auf das Wirtshaus vom ›Blauwen Toren‹ – »dort hat er ein Messer zwanzig Schritt weit gegen einen zwölf Daumen dicken Eichenpfosten geschleudert und ihn durchbohrt.«

»Ya, ya, ya,« machte der Bootsmann; ein Knabe von zwölf Jahren kam auf Deck und begann gleicherweise zu brällen. Uilenspiegel antwortete: »Wir scheren uns nicht um deinen starken Pier: so stark wie er sind wir auch noch, und mein Freund Lamme da verzehrt ihrer zwei, wie er ist, ohne einmal zu rülpsen.«

»Was sagst du, mein Sohn?« fragte Lamme. »Was wahr ist,« antwortete Uilenspiegel; »widersprich nur nicht aus Bescheidenheit. Ja, ihr braven Leute, Frauen und Arbeiter, alsbald werdet ihr sehn, wie er seine Arme braucht und den gepriesenen Stercke Pier zuschanden macht.«

»Schweig,« sagte Lamme. »Deine Kraft ist bekannt,« antwortete Uilenspiegel, »du kannst sie nicht ableugnen.«

»Ya,« machte der Bootsmann; »ya,« machte der Junge.

Plötzlich trillerte Uilenspiegel neuerlich wie eine Leiche mit wundersamem Klange. Und die Leute, Frauen und Arbeiter, waren entzückt und fragten ihn, wo er dieses göttliche Pfeifen gelernt habe. »Im Paradiese,« antwortete Uilenspiegel, »woher ich geradewegs komme.«

Dann kehrte er sich zu dem Manne, der nicht abstand, zu brällen, und ihm spöttische Gebärden machte. »Warum bleibst du in deinem Boote, du Nichtsnutz? Getraust du dich nicht ans Land zu kommen, um uns und unsere Tiere zu verspotten?«

»Getraust du dich nicht?« sagte Lamme.

»Ya, ya,« machte der Bootsmann; »ihr Esel auf den Eseln, kommt in mein Boot.«

»Tu so wie ich,« sagte Uilenspiegel leise zu Lamme; dann laut zum Bootsmanns: »Wenn du Stercke Pier bist, so bin ich Thijl Uilenspiegel. Und die da sind unsere Esel Jef und Jan, die besser brällen können als du, weil es ihre natürliche Sprache ist. Auf deine morschen Planken steigen, das wollen wir nicht. Dein Boot ist wie ein Tönnchen: bei jedem Wogenprall rollt es zurück; es kommt überhaupt nicht vom Fleck, außer seitwärts wie die Krabben.«

»Ja, wie die Krabben,« sagte Lamme.

Nun rief der Bootsmann Lamme an: »Was brummst du da in deine Zähne, du Speckklumpen?« Lamme kam in Hitze: »Du schlechter Christ, du willst mir mein Gebrechen vorwerfen? Mein Speck ist mein und rührt von meiner guten Nahrung her, während du, alter verrosteter Nagel, von nichts sonst lebst als von alten Sauerheringen, von Kerzendochten und von Stockfischhaut, nach deinem magern Fleisch zu schließen, das man durch die Löcher deiner Hosen sieht.«

»Die werden einander tüchtig verkeilen,« sagten die Leute, Frauen und Arbeiter, in neugieriger Freude.

»Ya, ya,« machte der Bootsmann. Lamme wollte von seinem Esel herunter, um Steine aufzulesen und den Bootsmann damit zu werfen. »Wirf keine Steine,« sagte Uilenspiegel.

Der Bootsmann flüsterte dem yahenden Jungen neben ihm auf dem Deck etwas zu. Der löste einen Kahn vom Borde des Bootes und steuerte mit einem Haken, den er geschickt handhabte, dem Ufer zu. Als er ganz nahe war, stellte er sich trotzig hin und sagte: »Mein Baas fragt euch, ob ihr es wagt, auf das Boot zu kommen und ihn im Kampfe mit der Faust und dem Fuß zu bestehn. Die Männer und Frauen hier sollen Zeugen sein.«

»Das wollen wir,« sagte Uilenspiegel mit Würde. »Wir nehmen den Kampf an,« sagte Lamme mit stolzem Trotze.

Es war Mittag; die Werkleute, Deicharbeiter, Steinsetzer und Schiffbauer, ihre Frauen, die ihnen das schmale Essen brachten, und die Kinder, die gekommen waren, um ihren Vätern bei dem Mahle von Bohnen und Sudfleisch zuzusehn, sie alle lachten und schlugen in die Hände bei der Aussicht auf einen Kampf, weil sie die frohe Hoffnung hegten, einer werde ein Loch im Schädel davontragen oder brockenweise in den Fluß geschleudert werden.

»Mein Sohn,« sagte Lamme ganz leise, »er wird uns ins Wasser werfen.« »Laß dich werfen,« sagte Uilenspiegel. »Der dicke Mensch hat Furcht,« sagten die Werkleute.

Lamme, der noch immer auf seinem Esel saß, drehte sich zu ihnen um und sah sie zornig an; aber sie höhnten ihn. »Auf ins Boot,« sagte Lamme; »sie sollen sehn, ob ich Furcht habe.« Auf diese Worte hin wurde er neuerlich verhöhnt, und Uilenspiegel sagte: »Auf ins Boot.«

Sie stiegen von ihren Eseln und warfen die Zügel dem Jungen zu; der streichelte die Esel freundlich und führte sie an eine Stelle, wo es Disteln gab. Uilenspiegel ergriff den Haken, ließ Lamme in den Kahn steigen und hielt auf das Boot zu; an einem Stricke schwangen sie sich an Bord, Lamme voran, schwitzend und schnaufend.

Als sie auf dem Deck waren, bückte sich Uilenspiegel, wie um seine Schuhe zu schnüren, und sagte dem Bootsmanne einige Worte; der lächelte und sah Lamme an. Dann schleuderte er ihm tausend Schmähungen ins Gesicht, nannte ihn einen Taugenichts, einen aufgedunsenen Fettbalg, ein Gefängnisfrüchtchen, einen Pappesser und fragte ihn: »Dicker Walfisch, wieviel Tonnen Tran gibst du, wenn man dich ansticht?«

In diesem Augenblick warf sich Lamme, ohne ein Wort zu reden, wie ein wütender Stier auf ihn, so daß er zu Boden fiel, und schlug mit aller Kraft auf ihn los; aber er tat ihm nicht gar weh wegen der fetten Schwäche seiner Arme. Der Bootsmann, der sich zum Scheine wehrte, ließ es sich gefallen, und Uilenspiegel sagte: »Der Nichtsnutz wird einen Trunk bezahlen.«

Die Leute, Frauen und Arbeiter, die den Kampf vom Ufer aus beobachteten, sagten: »Wer hätte gedacht, daß der dicke Mensch so ungestüm ist?« Und sie klatschten in die Hände, während Lamme blindlings zuschlug. Aber der Bootsmann gebrauchte keine andere Vorsicht, als sein Gesicht zu decken. Plötzlich sah man Lamme auf der Brust von Stercke Pier knien, die eine Hand an seiner Kehle und die andere zum Schlage erhoben: »Schrei um Gnade,« schrie er wild, »oder ich werfe dich durch die Planken deiner Tonne!«

Der Bootsmann, hustend zum Zeichen, daß er nicht schreien könne, bat mit der Hand um Gnade.

Dann sah man, wie Lamme seinen Gegner edelmütig aufhob; der war bald auf den Beinen und zeigte, indem er den Zuschauern den Rücken kehrte, Uilenspiegel die Zunge. Uilenspiegel wollte vor Lachen bersten, als er Lamme sah, wie er, kühn seine Barettfeder schüttelnd, mit mächtigem Siegesbewußtsein über das Boot schritt. Und die Männer, Frauen, Jungen und Mädchen, die am Ufer waren, klatschten aus Leibeskräften Beifall: »Heil dem Bezwinger von Stercke Pier! Das ist ein Mann aus Eisen. Habt ihr gesehn, wie er ihn puffte und wie er ihn durch einen Stoß mit dem Kopf auf den Rücken gelegt hat? Schaut, jetzt werden sie trinken, um Frieden zu machen. Stercke Pier kommt aus dem Raume mit Wein und Würsten.«

Wirklich war Stercke Pier mit zwei Humpen und einer großen Kanne weißen Maasweins heraufgekommen. Und bald hatten Lamme und er Frieden geschlossen. Und Lamme, ganz selig über seinen Triumph, über den Wein und über die Würste, fragte ihn, indem er auf einen Rauchfang zeigte, der einen schwarzen und fetten Qualm ausströmte, was das für Gerichte seien, die er im Schiffsraume koche. »Kriegsküche,« antwortete Stercke Pier lächelnd.

Die Menge der Werkleute, Frauen und Kinder hatte sich zerstreut, um zur Arbeit oder nach Hause zurückzukehren, und bald lief das Geschrei von Mund zu Mund, daß ein dicker Mann, der wie sein Begleiter, ein kleiner Pilger, auf einem Esel reite, stärker als Samson sei und daß man sich hüten müsse, mit ihm anzubinden.

Lamme trank und sah den Bootsmann siegesbewußt an. Der sagte plötzlich: »Euere Esel langweilen sich da unten.«

Er ließ das Boot an den Kai treiben, stieg ans Land herab, packte einen Esel bei den Vorderbeinen und bei den Hinterbeinen, trug ihn so, wie Jesus das Lamm getragen hat, und stellte ihn auf dem Deck nieder. Nachdem er es mit dem zweiten ebenso gemacht hatte, ohne daß er dabei außer Atem gekommen wäre, sagte er: »Trinken wir.« Der Junge sprang aufs Deck.

Und sie tranken. Lamme, ganz verblüfft, wußte nicht mehr, ob er es selber war, gebürtig aus Damme, der diesen starken Mann geschlagen hatte, und er getraute sich ihn nicht anders anzusehn als verstohlen und ohne Triumph im Blicke, und das aus Angst, dem könnte der Einfall kommen, ihn ebenso zu packen wie die Esel und ihn aus Groll über seine Niederlage lebendig in die Maas zu werfen. Aber der Bootsmann lud ihn mit fröhlichem Lachen ein, noch eins zu trinken, und Lammes Entsetzen legte sich, und er sah ihn wieder siegesgewiß an. Und der Bootsmann und Uilenspiegel lachten.

Indessen ließen die Esel, verdutzt, sich auf einem schwanken Boden zu finden, die Köpfe und die Ohren hangen und waren zu scheu, um zu trinken. Der Bootsmann holte ihnen eins von den Haferbündeln, die für die Treidelpferde bestimmt waren und die er selbst eingekauft hatte, um nicht von den Pferdetreibern über den Futterpreis bestohlen zu werden. Als die Grauchen den Hafer sahen, murmelten sie den Rosenkranz des Schlundes, indem sie das Schiffsdeck trübselig betrachteten und, aus Furcht auszugleiten, keinen Huf zu rühren wagten.

Nun sagte der Bootsmann zu Lamme und Uilenspiegel: »Gehn wir in die Küche.«

»In die Kriegsküche?« sagte Lamme unruhig.

»In die Kriegsküche, aber du kannst ohne Angst hinuntersteigen, mein Überwinder.«

»Ich habe keine Angst, und ich folge dir,« sagte Lamme. Der Junge trat ans Steuerruder.

Beim Hinabsteigen sahen sie überall Säcke voll Korn und Bohnen, Erbsen, Kohl, Möhren und andern Gemüses. Der Bootsmann öffnete die Tür einer kleinen Schmiede. »Da ihr Männer mit wackern Herzen seid, die den Triller der Lerche, des Vogels der Freien, und den Kriegsruf des Hahnes ebenso kennen wie das Brällen des Esels, des gutmütigen Arbeiters, will ich euch meine Kriegsküche zeigen. So eine kleine Schmiede werdet ihr bei der Mehrzahl der Maasboote finden; sie kann bei niemand Verdacht erregen, weil sie dazu dient, die Eisenteile der Schiffe im Stande zu erhalten. Was aber nicht alle haben, das ist das hübsche Gemüse in diesen blinden Truhen.«

Er entfernte einige Steine, die den Boden des Schiffsraums bedeckten, und hob einige Planken auf: er zog ein hübsches Bündel Arkebusenrohre hervor, die er aufraffte, als ob es Federn gewesen wären, und brachte sie wieder an ihren Ort; dann zeigte er ihnen Lanzeneisen, Hellebarden, Schwertklingen und Beutel mit Kugeln und Pulver.

»Heil den Geusen!« rief er; »hier sind die Bohnen und die Tunke; die Kolben sind die Hammelkeulen, der Salat sind die Hellebardeneisen, und diese Arkebusenrohre sind die Ochsenbeine für die Freiheitssuppe. Heil den Geusen!« Und er fragte Uilenspiegel: »Wohin soll ich diese Kost bringen?«

Uilenspiegel antwortete: »Nach Nimwegen. Bis dorthin wird sich die Ladung deines Bootes noch vergrößert haben, und zwar durch wirkliches Gemüse, das die Bauern, die du in Elsen, Stevensweert und Roermond aufnehmen wirst, mitbringen werden. Auch die werden trillern wie die Lerche, der Vogel der Freien, und du wirst antworten mit dem Kriegsruf des Hahns. Du wirst zu Doktor Pontus gehn, der bei der Nieuwe-Waal wohnt, und wirst ihm sagen, daß du mit Gemüse in die Stadt gekommen bist, aber daß du die Trocknis fürchtest. Während die Bauern auf den Markt gehn werden, um ihr Gemüse zu teuer anzubieten, als daß es jemand kaufte, wird er dir sagen, was du mit deinen Waffen zu tun hast. Ich glaube allemal, er wird dir auftragen, die Waal, die Maas oder den Rhein hinabzufahren, was nicht ohne Gefahr sein wird, wobei du deinen Gemüsevorrat gegen Netze umzutauschen haben wirst, um dich dann den Fischerbooten von Harlingen anzuschließen, wo viele Matrosen den Lerchentriller kennen, hierauf durch die Wadden entlang der Küste die Lauwersee zu gewinnen, die Netze gegen Eisen und Blei umzutauschen, deine Bauern in die Tracht von Marken, Vlieland oder Ameland zu stecken und dich ziemlich an der Küste zu halten, immer fischend und den Fang einsalzend, nicht um ihn zu verkaufen, sondern um ihn zu bewahren, weil ein frischer Trunk und gesalzene Kriegskost wunderschön zusammenpassen.«

»Also trinken wir,« sagte der Bootsmann. Und sie stiegen aufs Deck.

Aber Lamme brütete Schwermut: »Herr Bootsmann,« sagte er plötzlich, »Ihr habt in Euerer Schmiede ein so prächtiges Feuerchen, daß man dran sicherlich das köstlichste Allerlei kochen könnte. Mein Schlund sehnt sich nach Suppe.«

»Ich will dich erquicken,« sagte der Mann. Und bald setzte er ihm eine fette Suppe vor, worin er eine große Scheibe gesalzenen Schinkens gesotten hatte. Als Lamme einige Löffelvoll geschluckt hatte, sagte er zum Bootsmanne: »Mein Schlund schält sich, meine Zunge brennt; das ist nicht das richtige.«

»Frischer Trunk und gesalzene Kriegskost, so stehts geschrieben,« entgegnete Uilenspiegel. Der Bootsmann füllte also die Humpen und sagte: »Ich trinke auf die Lerche, den Vogel der Freiheit.« Uilenspiegel sagte: »Ich trinke auf den Hahn, der den Kriegsruf schmettert.« Lamme sagte: »Ich trinke auf meine Frau; nie möge sie Durst leiden, die süße Geliebte.«

»Du wirst durch die Nordsee bis Emden fahren,« sagte Uilenspiegel zum Bootsmann; »Emden ist unsere Zuflucht.« »Das Meer ist groß,« sagte der Bootsmann. »Groß genug für die Schlacht,« sagte Uilenspiegel.

»Gott ist mit uns,« sagte der Bootsmann.

»Wer also wider uns?« entgegnete Uilenspiegel.

»Wann geht ihr?« sagte er. »Sofort,« antwortete Uilenspiegel.

»Glückliche Reise und guten Wind. Da habt ihr noch Pulver und Kugeln.« Und er küßte sie und gab ihnen das Geleite, nachdem er ihre beiden Esel wieder, wie Lämmer, auf dem Nacken und den Schultern getragen hatte.

Uilenspiegel und Lamme stiegen in die Sättel und machten sich gen Lüttich auf den Weg. »Mein Sohn,« sagte Lamme, während sie so dahinzogen, »wieso hat sich dieser Mensch, der so stark ist, von mir so grausam puffen lassen?«

»Auf daß dir«, sagte Uilenspiegel, »überall, wohin wir kommen, der Schrecken voranschreite. Das wird uns eine bessere Bedeckung sein als zwanzig Landsknechte. Wer wird es von Stund an wagen, Lamme anzugreifen, den Starken, den Siegreichen, Lamme, den Stier ohnegleichen, der vor aller Augen mit einem Stoß des Kopfes Stercke Pier zu Boden geschleudert hat, den starken Pier, der die Esel wie Lämmer trägt und mit einer Schulter einen vollbeladenen Bierwagen hebt? Dich kennt jetzt jedermann: du bist Lamme der Furchtbare, Lamme der Unüberwindliche; und ich wandere in dem Schatten deiner Gönnerschaft. Jedermann wird dich kennen auf der Straße, die wir nun ziehen werden, niemand wird sich getrauen, dich scheel anzusehn, und du wirst in Rücksicht auf den großen Mut der Männer überall auf deinem Wege nichts finden als ehrfurchtsvolle Bücklinge und huldigende Grüße, die der Kraft deiner grimmigen Faust gelten.«

»Du sprichst gut, mein Sohn,« sagte Lamme, indem er sich im Sattel reckte.

»Und ich spreche wahr,« entgegnete Uilenspiegel. »Siehst du diese neugierigen Gesichter bei den ersten Häusern des Dorfes? Mit dem Finger zeigt man sich Lamme, den schrecklichen Sieger. Siehst du diese Männer, die dich mit Neid betrachten, und diese elenden Memmen, die ihre Hüte ziehen? Danke ihrem Gruße, Lamme, mein Liebling; verachte nicht die Volksgunst. Sieh, die Kinder kennen schon deinen Namen und wiederholen ihn ängstlich.«

Und Lamme ritt stolz dahin, grüßend zur Rechten und zur Linken wie ein König. Und die Zeitung von seinem Heldentum folgte ihm von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, bis nach Lüttich, Chocquier, Neuville und Vesin, ja selbst bis Namur, das sie liegen ließen der drei Prädikanten halber. So zogen sie lange Zeit herum, den Bächen, Flüssen und Kanälen entlang. Und überall antwortete auf den Lerchentriller der Ruf des Hahns. Und überall goß, hämmerte und fegte man Waffen für das Freiheitswerk, um sie auf Schiffen den Küsten entlang zu verschicken.

In Tonnen, in Kisten, in Körben verpackt, entgingen diese Waffen den Zöllnern. Und überall fanden sich wackere Leute, die sie aufnahmen und an einem sichern Orte verbargen, samt Pulver und Kugeln, bis zur Stunde Gottes.

Und Lamme, dem auf seinem Wege überall sein Siegesruf voranlief, begann nun selbst schon an seine mächtige Kraft zu glauben, wurde trotzig und kriegerisch und ließ sich den Bart wachsen. Und Uilenspiegel nannte ihn Lamme den Löwen.

Aber Lamme blieb nicht standhaft bei seinem Vorhaben, weil ihn schon am vierten Tage die jungen Haare juckten. Und er ließ das Schermesser über sein Siegergesicht streichen, und das erschien Uilenspiegel von neuem rund und voll wie eine Sonne, entzündet an dem Feuer guter Nahrung.

Und also kamen sie nach Stokhem.

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