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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 131
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XXV

Damals kamen etliche Frauen und Mädchen von Damme zu Nele und fragten sie, ob sie die Maibraut sein wolle und sich mit dem Bräutigam, den sie für sie finden würden, im Gebüsche verstecken wolle; »denn«, sagten die Frauen nicht ohne Eifersucht, »in ganz Damme und weit herum gibt es nicht einen jungen Mann, der sich nicht mit dir verloben wollte, weil du so schön, so klug und so frisch bleibst: ein Hexengeschenk, ohne Zweifel.«

»Liebe Frauen,« antwortete Nele, »sagt den jungen Männern, die nach mir verlangen: ›Das Herz Nelens ist nicht hier, sondern bei dem, der umherirrt, um das Land der Väter zu befreien.‹ Und wenn ich frisch bin, wie ihr sagt, so ist das kein Hexengeschenk, sondern die Gesundheit.«

Die Frauen antworteten: »Katelijne steht im Verdachte, trotzdem.« »Glaubt nicht den Worten der Schlechten,« antwortete Nele; »Katelijne ist keine Hexe. Die Herren vom Gerichte haben ihr auf dem Kopfe Werg verbrannt, und Gott hat sie mit Verrücktheit geschlagen.« Und Katelijne, die in einem Winkel kauerte, schüttelte den Kopf: »Nehmt das Feuer weg, er wird wiederkommen, Hansken, mein Liebster.«

Auf die Frage der Frauen, wer Hansken sei, antwortete Nele: »Das ist Klaasens Sohn, mein Milchbruder, den sie verloren zu haben glaubt, seitdem Gott sie geschlagen hat.« Und die guten Frauen gaben Katelijne silberne Plapparte. Und da sie neu waren, zeigte sie sie einem, den niemand sah, und sagte: »Ich bin reich, reich an blinkendem Gelde. Komm, Hansken, mein Liebster, ich will meine Liebe bezahlen.«

Und als die Frauen weggegangen waren, weinte Nele in der einsamen Hütte. Und sie dachte an Uilenspiegel, der durch die fernen Lande schweifte, ohne daß sie ihm hatte folgen dürfen, und an Katelijne, die oft, wann sie schrie: ›Nehmt das Feuer weg!‹, mit beiden Händen an die Brust griff, wodurch sie dartat, daß das Feuer der Narrheit ihren Kopf und ihren Leib als ein Fieberbrand quälte.

Und dann verbargen sich der Maibräutigam und die Maibraut im Grünen. Wer eins von ihnen fand, wurde, je nach seinem und des Gefundenen Geschlechte, König oder Königin des Festes.

Nele hörte das Jauchzen der Burschen und Mädchen, als die Maibraut an dem Rande eines Grabens gefunden wurde, wo sie sich im hohen Grase verborgen hatte. Und sie weinte in dem Gedanken an die wonnigen Zeiten, wo man sie gesucht hatte und ihren Freund Uilenspiegel.

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