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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 12
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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XI

Da das Jahr gut gewesen war, kaufte Klaas um sieben Gulden einen Esel und neun Scheffel Erbsen. Eines Morgens bestieg er sein Tier, und Uilenspiegel hielt sich hinter ihm an der Kruppe. In diesem Aufzug reisten sie Uilenspiegels Oheim, Klaasens ältern Bruder, besuchen, Judocus Klaas, der in Deutschland wohnte, nicht weit von Meiborg.

Judocus, der in seinen guten Jahren einfältig und weichherzig gewesen war, hatte vielerlei Ungerechtigkeit erleiden müssen und war verbittert geworden: sein Blut hatte sich in schwarze Galle verwandelt, er hegte Haß gegen die Menschen und lebte fürder einsam. Nun war es ihm ein Vergnügen, zwei sogenannte treue Freunde zum Raufen zu bringen; und er gab drei Plappart dem, der den andern bitterer puffte.

Auch liebte er es, in einem wohlgeheizten Saale Weiber zu versammeln, in großer Zahl und gerade die ältesten und giftigsten, und er gab ihnen geröstetes Brot zu essen und Hippokras zu trinken. Denen, die mehr als sechzig Jahre hatten, gab er Wolle, damit sie in einem Winkel strickten, und er schärfte ihnen allzeit ein, sie sollten ihre Nägel lang wachsen lassen. Und es war wundersam, dies Poltern, Zungenplätschern, böse Tratschen, Husten und heisere Ausschleimen dieser alten Hexen zu hören, die, ihre Nadelhälter unter den Achseln, gemeinschaftlich an der Ehre des Nächsten knapperten. Wann dann Judocus sah, daß sie so recht im Gange waren, warf er Borsten ins Feuer; durch ihr Verbrennen ward die Luft sofort mit Gestank erfüllt.

Nun warfen sich die Weiber, alle auf einmal redend, gegenseitig vor, die Ursache des Geruches zu sein; da sie es aber durch die Bank leugneten, rissen sie einander bald an den Haaren, und Judocus warf weiter Borsten ins Feuer und auf die Erde abgeschnittenes Pferdehaar. Wann endlich das Getümmel so wild, der Rauch so dick und der Staub so hoch aufgewirbelt war, daß er nichts mehr sehn konnte, holte er zwei seiner Diener, die als Stadtschergen verkleidet waren, und die mußten die Alten mit mächtigen Gertenhieben aus dem Saale jagen wie eine Herde wild gewordener Gänse.

Und bei der Besichtigung der Walstatt fand Judocus Fetzen von Röcken, von Strümpfen und von Hemden und alte Zähne. Und ganz traurig sprach er zu sich: »Der Tag ist verloren; keine hat im Getümmel die Zunge gelassen.«

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