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Uilenspiegel und Lamme Goedzak

Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak - Kapitel 109
Quellenangabe
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typefiction
authorCharles de Coster
titleUilenspiegel und Lamme Goedzak
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
translatorAlbert Wesselski
correctorJosef Muehlgassner
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III

Hast du sie vorbeiziehen sehn?« sagte Uilenspiegel, der als Holzhauer gekleidet war, zu Lamme, der in derselben Tracht war. »Hast du den schändlichen Herzog gesehn mit seinem kurzstirnigen Plattkopfe, der dem eines Raubvogels gleicht, und mit seinem langen Barte, der ihm herabhängt wie ein Strickende vom Galgen? Gott erwürge ihn damit! Hast du sie gesehn, diese Spinne mit ihren haarigen langen Beinen? Satan hat sie beim Erbrechen auf unsere Lande gespien! Komm, Lamme, komm; wir wollen ihr Steine ins Gespinst werfen ...«

»Ach,« sagte Lamme, »wir werden lebendig verbrannt werden.«

»Komm nach Groenendaal, lieber Freund, komm nach Groenendaal. Dort ist ein schönes Kloster, wo Seine Spinnliche Herzogschaft zu Gott betet, ihn in Frieden sein Werk vollenden zu lassen, das darin besteht, daß sich sein Wahnwitz in Leichen austobt. Wir sind in der Fastenzeit, aber Blut ist es nicht, dessen sich Seine Herzogschaft enthalten will. Komm, Lamme. Fünfhundert bewaffnete Reiter sind um das Haus von Ohain; dreihundert Mann zu Fuß sind in kleinen Haufen abmarschiert und dringen in den Busch von Soignies. Sofort, wann Alba seine Andacht verrichtet, stürzen wir uns auf ihn und greifen ihn; dann stecken wir ihn in einen schönen eisernen Käfig und bringen ihn dem Prinzen.«

Aber Lamme zitterte vor Angst: »Große Gefahr, mein Sohn! Große Gefahr! Ich täte ja gerne mit, wenn nicht meine Beine so schwach wären und wenn nicht mein Bauch von dem sauern Biere, das man in Brüssel trinkt, so gebläht wäre.«

Dieses Gespräch führten sie in einem Loche, das mitten im Dickicht in die Erde gegraben war. Durch das Laub spähend wie Dachsschliefer, sahen sie plötzlich die gelben und roten Röcke der herzoglichen Soldaten, deren Waffen in der Sonne blinkten und die zu Fuß durch den Busch zogen.

»Wir sind verraten,« sagte Uilenspiegel.

Als er die Soldaten nicht mehr sah, lief er, was ihn die Beine trugen, nach Ohain. Die Soldaten ließen ihn unbehelligt vorbei wegen seines Holzhauerkleides und wegen der Last Holz, die er auf dem Rücken trug. In Ohain traf er die Reiter wartend; er sprengte die Nachricht aus, und alle zerstreuten sich und entwischten, ausgenommen den Herrn Bausart d'Armentières, der gefangen wurde. Von dem Fußvolk, das aus Brüssel kam, konnte man nicht einen einzigen greifen. Der Herr von Bausart büßte grausam für die übrigen.

Und es war ein nichtswürdiger Verräter vom Regimente des Herrn von Likes, der sie allesamt verraten hatte.

Das Herz klopfend vor Angst, ging Uilenspiegel auf den Viehmarkt in Brüssel, um seiner grausamen Marter beizuwohnen. Der arme Armentières wurde aufs Rad geflochten und erlitt sechsunddreißig Schläge mit Eisenstangen auf die Beine, die Arme, die Füße und die Hände; denn die Henker wollten ihn grausam leiden sehn.

Und auf die Brust erhielt er den siebenunddreißigsten; so starb er.

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