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Über die Grenzen des Naturerkennens - Die sieben Welträthsel

Emil Heinrich du Bois-Reymond: Über die Grenzen des Naturerkennens - Die sieben Welträthsel - Kapitel 1
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titleÜber die Grenzen des Naturerkennens ? Die sieben Welträthsel
publisherVerlag von Veit & Comp.
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Vorworte

Vorwort zur zweiten Auflage der ›zwei Vorträge‹.

Der Vortrag ›über die Grenzen des Naturerkennens‹, den ich vor neun Jahren vor den in Leipzig versammelten Deutschen Naturforschern und Aerzten hielt, erscheint hier in fünfter, vermehrter und in Einzelheiten verbesserter Auflage, gefolgt von der Rede über ›die sieben Welträthsel‹, mit der ich die Leibniz-Feier der Akademie der Wissenschaften im Juli 1880 eröffnete. Diese Rede bespricht Einwände und berichtigt Missverständnisse, welche der Leipziger Vortrag veranlasste; sie vervollständigt die Untersuchung über die der mechanischen Auffassung der Welt gezogenen Schranken, und ergänzt sich mit jenem Vortrage zum Gesammtbilde meiner Weltanschauung. Wegen des beschränkten Rahmens der Vorträge, die ich doch nicht zu einem Buch umarbeiten mochte, ist vielleicht Manches darin zu kurz gesagt. Wer es der Mühe werth hält, findet weitere Auskunft in meinen akademischen Reden verwandten Inhalts: Leibnizische Gedanken in der neueren Naturwissenschaft; – La Mettrie; – Darwin versus Galiani. In der objectiven Zergliederung der Erscheinungswelt, wie diese Untersuchungen sie sich vorsetzen, sehe ich eine nothwendige Ergänzung der Erkenntnisstheorie, und die wahre Naturphilosophie. Der Pyrrhonismus in neuem Gewande, auf den sie unausweichlich hinausführt, sagt Vielen nicht zu. Mögen sie es doch mit dem einzigen anderen Ausweg versuchen, dem des Supernaturalismus. Nur dass, wo Supernaturalismus anfängt, Wissenschaft aufhört. Berlin, vom physiologischen Institut der Universität,

14. August 1881.
Der Verfasser.

Vorwort zur zweiten Auflage der ›zwei Vorträge‹.

Abermals ward eine neue Auflage der ›Grenzen des Naturerkennens‹, in noch nicht zwölf Jahren die sechste, nothwendig, und die ›Sieben Welträthsel‹ erscheinen hier zum vierten Mal seit noch nicht vier Jahren im Druck. Mit solcher Theilnahme der Lesewelt an der von mir versuchten Grenzberichtigung hielt gleichen Schritt der kritische Eifer in der Presse aller Schattirungen. Zu Naturforschern und Philosophen gesellten sich sogar, um meine Aufstellungen anzugreifen, mit offenem Visir kämpfend katholische, mit geschlossenem, jedoch leicht kenntlich, protestantische Jesuiten, welche sich aber freilich mehr gegen den endlich verstandenen zweiten Abschnitt der Rede über die ›Grenzen‹ kehrten. Einen Theil der gegen mich gerichteten Geschosse waren andere Gelehrte so freundlich, an meiner Statt aufzufangen. So sprach kürzlich Hr. Jürgen Bona Meyer ein beschwichtigendes und klärendes Wort in dem ›Ignorabimus-Streit‹. Zeitschrift für die gebildete Welt. Braunschweig 1884. Bd. V. S. 168 ff Einige hier und da eingestreute Bemerkungen abgerechnet, muss ich selber zu jener Polemik schweigen, soll nicht dies Büchlein zum Buch, und das, was doch wohl hier gesucht wird, der ursprüngliche Text meiner Vorträge, in Kritik und Antikritik verschwemmt werden. Uebrigens begnügten sich meine Tadler fort und fort mit contradictorischen Behauptungen; gegen meine grundlegende Schlussfolgerung wandte noch Niemand etwas ein. Der menschliche Geist kann es nicht weiter bringen, als bis zu einem schwachen Abbild des Laplace'schen Geistes. Da diesem dieselben Grenzen des Erkennens gezogen, dieselben Räthsel unlösbar bleiben würden, wie uns, so lautet unabänderlich und unerbittlich der Wahrspruch: Ignorabimus.

Berlin, vom physiologischen Institut der Universität, im März 1884.
Der Verfasser.

Vorwort zur dritten Auflage der ›zwei Vorträge‹.

Die ›Grenzen des Naturerkennens‹ und die ›Sieben Welträthsel‹ erscheinen hier abermals in einer Sonderausgabe, nachdem sie seit der letzten ähnlichen Ausgabe vom März 1884, auch noch in der Sammlung meiner ›Reden‹ abgedruckt wurden. Die ›Grenzen des Naturerkennens‹ erschienen 1872 bei Veit & Comp. in Leipzig in erster und zweiter, 1873 in dritter, 1876 in vierter Auflage, 1882 sodann in fünfter Auflage zusammen mit den ›Sieben Welträthseln‹, welche ihrerseits schon in den Monatsberichten der Berliner Akademie, 1880. S. 1045 ff. und in der Deutschen Rundschau, 1881. Bd. XXVIII, S. 352 ff. gedruckt waren. 1884 wurden die beiden Vorträge in derselben Verbindung wieder aufgelegt, 1886 erhielten sie der Zeitfolge nach jeder seinen Platz in dem ersten Bande meiner Reden, S. 105 ff. und 381 ff. – Die gegenwärtige dritte Auflage der Vorträge enthält somit den achten Abdruck der ›Grenzen‹, den sechsten der ›Welträthsel‹. Eine französische Uebersetzung der ›Grenzen‹ brachte die Revue scientifique de la France et de l'Étranger. Revue des Cours scientifiques. 2e Série. t. XIV. 1874. p. 337 et suiv.; – eine englische The Popular Science Monthly. New York 1874. vol. V. p. 17 sqq.; – eine italiänische von Dr. Vincenzo Meyer das zu Neapel erscheinende Giornale internazionale delle Science Mediche, Anno I.; – eine serbische erschien 1873 zu Belgrad. – Von den ›Welträthseln‹ gab einen französischen Auszug Th. Ribot's Revue philosophique de la France et de l'Étranger. Février 1882 p. 181 et suiv.; – eine englische Uebersetzung The Popular Science Monthly. New York 1882. Vol. XX. p. 433 sqq.; eine italiänische Bearbeitung von Dr. Vincenzo Meyer das Giornale internazionale ec. Anno IV. Fasc. 11 e 12.

Unter den neueren Besprechungen der beiden Reden ragt ein eigens dazu bestimmtes Buch von Hrn. Theodor Weber in Breslau an Bedeutung wie an Umfang so hervor, dass ich seinetwegen von der Regel abweichen muss, zu der um meine Aufstellungen sich erhebenden Polemik zu schweigen. Das Buch führt den Titel: Emil du Bois-Reymond. Eine Kritik seiner Weltansicht (Gotha 1885. 266 S.). Hr. Weber hatte sich schon früher über die beiden Vorträge kritisch geäussert ( Schaarschmidt's Philosophische Monatshefte. Bd. XIX. 1883. S. 80 ff.), und in der Auflage vom Jahre 1864, S. 59. 60, war ich ihm mit einigen Bemerkungen entgegengetreten, an welche nunmehr das mit meinem Namen überschriebene Buch anknüpft. Ich muss zunächst mich Hrn. Weber sehr zu Danke verpflichtet erkennen für die freundliche Art, wie er vielfach meiner gedenkt, für die Wichtigkeit, welche er meinen Aufstellungen beilegt, und für die Sorgfalt, mit der er alle meine Schriften nach den für meine Weltansicht bezeichnenden Stellen durchsucht und diese zusammengetragen hat. Dass sich ihm dabei hier und da Ungenauigkeiten des Ausdrucks, ja sogar scheinbare Widersprüche dargeboten haben, wird man mir im Hinblick auf den mehr populären Charakter vieler dieser Schriften und den langen Zeitraum, über welchen sie sich erstrecken, hoffentlich zu gute halten wollen. Gegen das Bild, welches Hr. Weber von meiner Weltansicht entwirft, habe ich wenig einzuwenden, und ich lasse es ruhig über mich ergehen, dass er mit harten Worten mich unerhörter Irrthümer zeiht. Denn wie wir zu einander stehen, ist von Verständigung zwischen ihm und mir keine Rede. Meiner skeptischen Entsagung gegenüber, welche ich, wie er mich belehrt, fälschlich Pyrrhonismus in neuem Gewande genannt habe, vertritt er den Standpunkt eines supernaturalistischen Dualismus, der sich rückhaltlos, bis zum Dreieinigkeitsdogma, der positiven Glaubenslehre in die Arme wirft. Dass ich in die Natur als letztes, normales Glied derselben auch noch den Menschen begreife«, betrachtet er als einen der ungeheuersten Missgriffe, die jemals im Gebiete der Wissenschaft begangen worden sind«, denn der Mensch ist nicht monistisch konstituirt, wie die Thiere, sondern dualistisch, er besteht aus Geist und Natur, Seele und Leib.« (S. 201. 233.) Hr. Weber verlangt, dass wir die Idee der Creation in ihrem alten echt christlichen Sinne« in unseren Vorstellungskreis aufnehmen. Andererseits wähnt sich Hr. Weber im Besitze von Aufschlüssen über Materie und Kraft, bei denen unsereins sich freilich nichts zu denken weiss. Ich freue mich zuhören, dass er in der Verurtheilung der falschen Naturphilosophie mir zur Seite steht, muss aber doch seine Frage bejahen, ob ich noch nach seiner jetzigen Darlegung den Muth haben werde zu behaupten, dass sein Denken sich in Formen bewege ähnlich denen der grossen Schelling'schen Mystification. Hr. Weber mag mit anderen Vorstellungen andere Luftschlösser bauen, als jene falsche Naturphilosophie. Ein Satz aber wie dieser, der die Quintessenz seines Wissens birgt: »Man wird zu denken haben, dass in dem Momente, in welchem die dem Naturprinzipe in seiner ursprünglichen Daseinsweise immanenten Potenzen zu den beiden aktuellen, lebendigen Kräften der Rezeptivität und Reaktivität wachgerufen wurden, das Prinzip selbst (durch einen Diremtionsprozess) in reale Theile aus einander ging – wodurch die Entstehung der Atome aus dem ursprünglich noch nicht atomisierten, aber atomisierbaren »Naturprinzip« erklärt wird (S. 198. 200) – solch ein Satz bewegt sich, ja, ich habe nach wie vor den Muth es zu behaupten, in Denkformen ganz ähnlich denen jener beklagenswerthen Verirrung des deutschen Geistes. Berlin, vom physiologischen Institut der Universität, im März 1891. Der Verfasser. Über die Grenzen des Naturerkennens Vortrag, gehalten in der zweiten allgemeinen Sitzung der 45. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Leipzig am 14. August 1872.

In Nature's infinite book of secrecy
A little I can read.

             Antony and Cleopatra.

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