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Georg Ebers: Uarda - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
booktitleUarda Band I
authorGeorg Ebers
year1879
publisherEduard Hallberger
addressStuttgart und Leipzig
titleUarda
pagesIII-XIV
created20021019
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Neuntes Kapitel.

Vor dem Beginn der SchlachtDen Verlauf der zu schildernden Schlacht geben wir im Ganzen nach dem Epos des Pentaur. waren bei jedem Truppenkörper Gebete gesprochen und Opfer geschlachtet worden. Heilige Götterbilder in Festbarken wurden an den Schlachtreihen vorüber getragen und wundertätige Reliquien den Soldaten gezeigt. Herolde verkündeten, daß der Oberpriester bei den großen Opfern des Königs günstige Vorzeichen gefunden und die Horoskopen einen großen Sieg in Aussicht gestellt hätten.

Jede ägyptische Legion blickte mit besonderem Zutrauen auf die Standarte mit dem Abbild des heiligen Thieres oder des Symbols desjenigen Gaues, aus dem sie stammte; aber auch jeder Einzelne versah sich mit Schutzmitteln und Amuleten von verschiedener Art.

Dieser trug einen hülfreichen, in einem Täschchen verborgenen Spruch am Halse oder am Arme, Jener heilbringende mystische Augen und die Meisten Scarabäen an den Fingerringen. Viele glaubten sich gefeit durch Haare oder Federn eines heiligen Thieres und nicht Wenige ließen sich von einer lebendigen Schlange oder einem lebenden Käfer beschützen, die sie sorgfältig in den Taschen ihres Schurzes oder ihrem Vorrathssacke verbargen.

Als der König, dem die Bildsäule der Götterdreiheit von Theben, des Kriegsgottes Menth und der Siegesgöttin Necheb vorangetragen wurden, die Reihen musterte, thronte er auf einer auf den Schultern von vierundzwanzig vornehmen Jünglingen ruhenden Sänfte. Bei seinem Nahen fiel das ganze Heer auf die Kniee und stand nicht eher auf, als bis Ramses, nachdem er den Tragstuhl verlassen, vor aller Augen den Göttern ein Rauch- und Trankopfer dargebracht und ihm sein Sohn Chamus, der Oberpriester von Memphis, im Namen der Himmlischen, die Symbole des Lebens und der Macht überreicht hatte. Endlich sangen Priesterchöre Loblieder auf den Sonnengott Ra und seinen Sohn und Vertreter auf Erden, den König.

Als die Truppen aufbrachen, zeigten sich die verblassenden Sterne an dem wenige Stunden vorher mit dichtem Gewölk überzogenen Himmel. Dieser Vorgang am Firmament ward als günstiges Vorzeichen angesehen und Priester verkündeten dem Heere, wie der nahende Ra die Wolken, so würde der König seine Feinde zerstreuen.

Ohne Trommel- und Trompetenklang, um die Asiaten nicht zu wecken, zogen die Fußvölker in der vorgeschriebenen Ordnung dem Feinde entgegen, die Wagenkämpfer fuhren in Reihen auf, jeder auf einem zweirädrigen leichten, mit zwei Pferden bespannten Wagen, und Ramses stellte sich an ihre Spitze.

An beiden Seiten des vergoldeten Fuhrwerks, welches ihn trug, glänzte je ein mit Edelsteinen besetztes Futteral für Pfeile und Bogen. Seine schönen Rosse waren reich geschirrt. Aus ihrem Hals und Rücken lagen purpurne, mit Türkisperlen gestickte Schabracken und auf ihren Häuptern war ein kronenartiger Zierat befestigt, von dem weiße Straußenfedern in üppiger Menge herniederwehten. An der Spitze der Deichsel von Ebenholz befanden sich kleine gepolsterte Joche, die auf dem Nacken der Pferde ruhten. Mit ihrer leichten Last spielend, tanzten die glänzenden schlanken Thiere vor dem Wagen dahin, stampften den Boden mit den kleinen festen Hufen und hoben und senkten ihre schön gebogenen Schwanenhälse.

Mena stand hinter seinem gewaltigen, mit der Krone von Ober- und Unter-Aegypten geschmückten, mit einem Panzerhemde,Die Reste eines solchen, welches aus der Zeit des ersten Scheschenk (Sesonchis), welcher der 22. Dynastie angehörte, stammt werden im British Museum konservirt. Es besteht aus Leder, auf dem bronzene Schuppen befestigt sind. über welches sich das breite purpurfarbene Tragband des Schurzes zog, bekleideten Herrn und hielt die Pferde straff mit der Linken im Zügel. Seine Rechte stützte sich auf den Schild, mit dem er im Kampfe seinen Gebieter beschützte.

Einer von Stürmen gefestigten Eiche, neben der eine schlanke Esche erwächst, war der König mit seinem Rosselenker vergleichbar.

Der östliche Horizont begann sich zu röthen, als sie die Umhägung des Lagers verließen.

Vor derselben fuhr der Wegeführer Paaker zu dem Könige heran, warf sich vor ihm nieder, küßte den Boden und antwortete auf die Frage des Ramses, warum er ohne seinen Bruder komme, Horus sei plötzlich erkrankt.

Die Morgendämmerung verbarg dem Könige die Röthe, welche mit fahler Blässe auf den Wangen des der Lüge ungewohnten Verräthers wechselte.

»Wie steht es mit dem Feinde?« fragte Ramses.

»Er weiß,« antwortete Paaker, »daß es in der nächsten Zeit zum Schlagen kommt, und sammelt seine zahllosen Völker in den Lagern im Süden und Osten der Stadt. Glückt es Dir, Kadesch von Norden her in den Rücken zu fallen, während das Fußvolk das Lager der Asiaten von Süden her angreift, so wird Dir die Festung heute noch gehören. Die Bergstraße, die ihr, um nicht entdeckt zu werden, ziehen müßt, ist nicht schlecht.«

»Bist Du krank wie Dein Bruder, Mann?« fragte der König, »Deine Stimme zittert.«

»Ich war niemals gesünder,« erwiederte der Mohar.

»Zeige den Weg!« befahl Ramses.

Paaker gehorchte.

Schweigend fuhren sie mit einem Gefolge von zahllosen Wagenkämpfern in der thaureichen Morgenfrische erst über die Ebene hin und dann in's Gebirge hinein. Das mit Bogen und Schwertern bewaffnete Korps des Ra marschirte, den Weg eröffnend, ihnen voraus. Ein schmales, trockenes Flußbett ward durchfahren, dann öffnete sich ihnen ein breites, links und rechts von einer Bergreihe begrenztes Thal.

»Der Weg ist gut,« sagte Ramses, indem er sich an Mena wandte. »Seines Amtes zu warten hat der Mohar von seinem Vater gelernt. Auch seine Rosse sind tüchtig. Bald weist er den Führern unserer Vorhut den Weg, bald ist er wieder in unserer Nähe.«

»Es sind Goldfüchse von meiner Zucht,« sagte Mena und seine Stirnadern schwollen an. »Der Gestütsmeister sagte, Katuti habe sie ihm vor seiner Abreise gesandt. Sie sollten vor Nefert's Wagen gehen; heute fährt er sie mir zum Trotze.«

»Dein ist das Weib, laß ihm die Pferde,« entgegnete begütigend der König.

Da durchbrach Posaunenklang die Morgenstille.

Man sah nicht, woher er kam, und doch ertönte er nicht aus der Ferne.

Ramses richtete sich auf und löste sein Schlachtbeil vom Gürtel, die Rosse spitzten die Ohren und Mena sagte: »Das waren Cheta-Trompeten, ich kenne den Ton.«

Ein verschlossener, auf vier Rädern ruhender Wagen, in dem die Löwen des Königs in den Kampf gefahren wurden, folgte dem Fahrzeug des Ramses.

»Die Löwen los!« rief der König, welcher Schlachtgeschrei ertönen hörte und bald darauf seine von feindlichen Wagen durchbrochene Vorhut, die ihm vorangezogen war, das Thal hinunter und ihm entgegenfliehen sah.

Die Raubthiere schüttelten ihre Mähnen und sprangen brüllend neben dem Wagen ihres Gebieters her. Mena schwang die Geißel, die Rosse bäumten sich und jagten nun in muthigen Sätzen den Fliehenden, welche durch keinen Zuruf zum Stillstand zu bringen waren, und den auf sie einhauenden Feinden entgegen.

»Wo ist Paaker?« fragte Ramses.

Aber der Wegeführer war verschwunden, als habe die Erde ihn und sein Geschirr verschlungen.

Die fliehenden Aegypter und die unter ihnen Tod verbreitenden feindlichen Wagenkämpfer kamen näher und näher. Der Boden erbebte und der Hufschlag der Rosse und das Rasseln der Räder klang lauter und immer lauter, wie das Rollen eines schnell heraufziehenden Unwetters.

Da erhob Ramses sein Kriegsgeschrei, das wie Posaunenklänge von den Felsen zu seiner Rechten und Linken wiederhallte; seine Wagenkämpfer stimmten ein in den Ruf, die Fliehenden hemmten einen Augenblick ihren Fuß, aber nur um gleich darauf mit verdoppelter Hast Rettung zu suchen, denn plötzlich ertönten feindliche Schlachtrufe und Kriegstrompeten auch hinter dem Könige, und aus einem Querthale, dessen Mündung Ramses unbeachtet gelassen, und in welchem Paaker verschwunden war, stürmten unabsehbare Schaaren von Wagenkämpfern hervor, die, ehe es der König verhindern konnte, die Reihen der ihm folgenden Streiter durchbrachen und ihn von seiner Hauptmacht abschnitten.

Er hörte, wie hinter ihm der Kampf tobte und brauste, und sah vor sich Fliehende, Fallende und den immer heftiger und zahlreicher ihm entgegenstürmenden Feind.

Er übersah die ganze Gefahr und reckte die gewaltigen Glieder, als wollte er erproben, ob sie denen eines ebenbürtigen Gegners gewachsen seien. Dann erhob er seine Stimme so kraftvoll, daß sie das Geschrei und Stöhnen der Krieger, die Kommandorufe, das Wiehern der Pferde, das Gekrach der zerschellenden Wagen, den dumpfen Schall der von Lanzen und Schwertern getroffenen Schilde und Helme, kurz den sinnverwirrenden Lärm der Schlacht laut übertönte, hob den Bogen und durchbohrte mit seinem ersten Pfeil einen Chetaführer.

Seine Löwen stürzten vorwärts und brachten Verwirrung in die ihm entgegenjagenden Schaaren, denn viele Chetarosse wandten sich unaufhaltsam bei dem Gebrüll der wüthenden Raubthiere, warfen die Wagen um und hinderten das Vordringe ihrer Genossen.

Ramses versandt Pfeil auf Pfeil und Mena schützte ihn mit dem Schilde, wenn feindliche Geschosse ihm zuflogen.

Jetzt hatte das Gespann des Pharao den Feind erreicht und sein Schlachtbeil den ersten Asiaten gefällt. Neben ihm kämpften von ihren Wagen herab Rameri und drei andere Königssöhne, vor ihm die Löwen.

Wild war das Gedränge und furchtbar die Wuth der Kämpfenden, betäubend, wie das Brausen der Brandung des vom Orkan gepeitschten Ozeans an hohen Granitufern, das Getöse der Schlacht.

Mena schien sich zu verdoppeln, denn während seine Linke die Zügel hielt und die Rosse vorwärts, rückwärts und zur Seite wandte, so wie es das Kampfgedränge gebot, entging ihm kein auf den König gerichteter Pfeil. Seine Augen und sein Schild waren überall, keine Wimper zuckte dem jungen Helden, während Ramses wüthender noch als seine Löwen mit immer lauterem Schlachtgeschrei und flammenden Augen sich tiefer und tiefer in die Schaaren des Feindes hineinhieb.

Drei auf Mena, nicht auf den König gerichtete Pfeile steckten im Schilde des Rosselenkers, und von ungefähr sah er auf dem Schaft des einen in ägyptischer Schrift die Worte: »Tod dem Mena«.

Da schwirrte der vierte Pfeil!

Er folgte mit den Augen der Richtung, aus der er gekommen, und während das fünfte Geschoß seine Schulter verwundete, rief er dem Könige zu: »Wir sind verrathen. Sieh' dort hinüber! Paaker kämpft mit den Cheta!«

Der Wegeführer spannte von Neuem den Bogen und kam dem Fahrzeug des Ramses so nahe, daß man ihn zu verstehen vermochte, als er, die Sehne abschnellend, kreischend ausrief: »Jetzt rechnen wir ab, Du Dieb und Räuber! Noch ist meine Braut Dein Weib, aber mit diesem Schusse werb' ich um Mena's Wittwe.«

Mit furchtbarer Kraft traf der die Luft durchsausende Pfeil den Helm des Rosselenkers. Er ließ den Schild sinken und griff nach dem dröhnendem Haupte, er hörte Paaker's Wuthgelächter, er fühlte wie ein neuer Pfeil seines Feindes in sein Handgelenk schnitt, und seiner selbst nicht mehr mächtig warf er die Zügel weit von sich, schwang er sein Schlachtbeil, sprang er, seine Pflicht und sich selbst vergessend, vom Wagen und stürzte auf den Wegeführer los.

Paaker erwartete ihn mit erhobener Kampfsichel. Seine Lippen waren blutlos, seine Augen geröthet, seine weiten Nüstern schnaubten wie die eines röchelnden Pferdes und mit giftigem Schaum vor dem kreischenden Munde stürzte er auf seinen Todfeind.

Der König sah die Beiden mit einander ringen, aber er konnte nicht eingreifen in ihren Streit, denn die Zügel, die Mena gehalten hatte, schleiften am Boden und ohne Lenkung rissen ihn seine Pferde, den Löwen folgend, mit sich fort.

Die meisten seiner Genossen waren gefallen, vor ihm und hinter ihm wüthete und tobte der Kampf, aber Ramses stand fest wie ein Fels, deckte sich mit Mena's Schilde und schwang die todbringende Streitaxt.

Da sah er Rameri sich mit seinem Gespann zu ihm herandrängen. Heldenhaft kämpfte der Jüngling und Ramses rief ihm zu. »Brav so, Du Enkel des Seti!«

»Ich will mir ein neues Schwert gewinnen!« rief der Krauskopf zurück und spaltete einem Feinde den Schädel.

Aber schon umringten ihn feindliche Wagen. Der Vater sah, wie Danaerkrieger des Jünglings Gespann zu Boden rissen und wie all' seine Gefährten, und unter ihnen die besten Streiter, fliehend ihre Rosse wandten.

Jetzt wurde auch einer der Löwen von einer Lanze durchbohrt und sank mit einem Alles übertönenden Wuth- und Schmerzensgeheul zu Boden. Schon hatte ihn selbst ein Pfeil gestreift, ein Schwerthieb seinen Schild gespalten und das letzte Geschoß war versendet.

Immer noch Tod verbreitend sah er den Tod sich ihm nahen und erhob, ohne abzulassen vom Kampfe, seine Stimme, um laut zu beten und Amon's Hülfe mit brünstigen Worten anzurufen.

Noch flehte er so in Todesnoth zu dem Herrn des Himmels, als mitten im Kampfgewühl neben seinen Rossen ein Aegypter von hohem Wuchse sich zeigte, die Zügel aufnahm und, indem er den König ehrerbietig grüßte, sich hinter ihn auf den Wagen schwang.

Ramses erbebte zum ersten Male.

Geschah hier ein Wunder? Hatte Amon sein Gebet vernommen? Als er scheu zu seinem neuen Wagenlenker hinschaute und zu erkennen meinte, daß er die Züge des verstorbenen Mohar, des Vaters des Verräthers Paaker, trage, da glaubte er, Amon selbst habe sich in dessen Gestalt gehüllt und sei zu ihm gekommen, um ihn zu retten.

»Hülfe ist nah!« rief sein neuer Wagengenosse, »Nur noch kurze Zeit Stand gehalten, und Du bist gerettet und führst die Deinen zum Siege!«

Da erhob Ramses von Neuem sein Kriegsgeschrei, der nächste Cheta, der sich ihm nahte, sank mit zerschmettertem Haupte zu Boden, während der räthselhafte Helfer an seiner Seite ihn bald mit dem Schilde, den der König ihm übergeben hatte, deckte, bald furchtbare Streiche austheilte.

So vergingen in neuem Kampfe lange Minuten.

Da übertönten wieder Trompetenklänge das laute Brausen der Schlacht.

Dießmal erkannte Ramses ägyptische Hörner und von der niedrigen Bergwand zu seiner Rechten stürzten ohne Weg und Steg viele tausend leicht bewaffnete Fußgänger von der Legion des Ptah unter Führung des Horus in die Flanke der feindlichen Wagenkämpfer.

Die Aegypter sahen den König und seine Gefahr.

Todesmuthig stürzten sie vorwärts, die Wagenkämpfer tödtend und in die Flucht jagend, und bald hielt der Pharao gerettet unter den Seinen.

Aber sein räthselhafter Helfer in der Noth war verschwunden. Ein Pfeilschuß hatte ihn getroffen und er war zu Boden gestürzt.

So enden Menschen; und doch glaubte der König, Amon selbst sei sein Retter gewesen. –

Nur kurze Ruhe gönnte Ramses sich selbst, den Rossen und seinen Streitern, dann wandte er sich auf dem Wege um, den er gekommen, überfiel die Feinde, die ihn von seiner Hauptmacht abgeschnitten hatten, faßte sie, während sie noch mit seinen schon zurückweichenden Wagenkämpfern rangen, im Rücken und führte die meisten Asiaten, welche den ägyptischen Pfeilen und Schwertern entgangen waren, als Gefangene mit sich.

Von Neuem vereint mit den Seinen drang er tiefer in die Ebene vor, traf hier auf asiatische Truppen zu Roß und zu Wagen, die mit ägyptischen Schwerbewaffneten kämpften, und drängte sie in das Wasser des Orontes und des Sees von Kadesch.

Der Einbruch der Nacht machte dem Kampf ein Ende, aber in der Frühe des folgenden Morgens begann er auf's Neue.

Tiefe Muthlosigkeit hatte sich der asiatischen Verbündeten bemächtigt, die voll Siegesgewißheit in die Schlacht gezogen waren; hatte doch der Wegeführer Paaker ihnen seinen König verrathen.

Als der Pharao auszog, waren die besten Wagenkämpfer der Cheta von der Stadt verborgen aufgestellt und Ramses durch die nördliche Oeffnung des Thales, in dem er heranzog, entgegengeschickt worden, während ihm andere Elitetruppen durch ein Querthal, das sie in der Nacht besetzt hatten, im Ganzen zweitausendfünfhundert Wagen, in die Flanke fallen sollten.

Diese Pläne waren zur Ausführung gekommen, und trotzdem hatten die Asiaten eine schwere Niederlage erlitten und ihre vornehmsten Helden verloren, unter ihnen Titure, den Kanzler, und Chiropasar, den Bücherschreiber des Königs der Cheta,Aus dem Gemälde dieser Schlacht an den Pylonen des Ramesseums zu Theben ist über einem der gefallenen Cheta dieser Name und Titel zu lesen. welcher das Schwert so gut zu führen verstand wie das Schreibrohr und den Sieg der Asiaten zu schildern und auf die Nachwelt zu bringen ausersehen war.

Ramses hatte den einen und sein Kampfgenosse den andern mit eigenen Händen erschlagen und außer ihnen viele andere Führer der Cheta und ihrer Hülfsvölker.

Wie ein Gott wurde der König mit Jubelrufen und Lobgesängen im Lager begrüßt.

Selbst die Tempelhörigen und die des langen Krieges überdrüssigen und von Ani erkauften, in Oberägypten ausgehobenen Bürger wurden mit fortgerissen von der allgemeinen Begeisterung und huldigten freudig dem großen Helden und Könige und dem mächtigen Beuger widerspenstiger Nacken, dem Erfolge.

Nun wurden auch die Todten und Verwundeten auf dem Schlachtfelde aufgesucht. Unter den letzteren hatte man Mena gefunden.

Rameri ward vermißt; in den nächsten Tagen stellte es sich heraus, daß er als Gefangener in Feindeshand gefallen sei, und er ward sogleich gegen die in Mena's Zelt zurückgehaltene Tochter des Danaerfürsten ausgewechselt.

Paaker war verschwunden; aber die Goldfüchse, welche ihn in die Schlacht geführt hatten, wurden unversehrt vor seinem zerschmetterten und mit Blut befleckten Wagen gefunden.

Die Aegypter besetzten Kadesch und der Chetafürst Chetasar versuchte in seinem eigenen und seiner Bundesgenossen Namen in Friedensverhandlungen mit dem Pharao zu treten; aber Ramses bestand darauf, ihnen nicht hier, sondern an der Grenze Aegyptens seine Bedingungen vorzuschreiben.

Es blieb den Besiegten keine Wahl und des Chetakönigs Vertreter (er selbst war verwundet) sammt zwölf Fürsten der größten, gegen den Pharao in's Feld gezogenen Völker mußten sich seinem Siegeszuge anschließen.

Man zollte ihnen alle Ehren und hielt sie wie den König selbst, aber sie waren dennoch nichts mehr und nichts weniger als seine Gefangenen.

Der Pharao wünschte keine Zeit zu verlieren, denn trübe Ahnungen erfüllten sein Herz und über seine sonnige Seele breitete sich der Schleier einer ihm sonst fremden Verdüsterung.

Zum ersten Male war er von einem ihm nahe stehenden Aegypter an den Feind verrathen worden.

Paaker's That erschütterte sein freudiges Zutrauen und der Chetafürst hatte in seiner Bitte um Frieden andeuten lassen, daß Ramses im eigenen Hause Manches mit Gewalt der Waffen zu schlichten finden werde.

Der Pharao fühlte sich Ani, den Priestern und Allem, was er in Aegypten gelassen, mehr als gewachsen, aber es schmerzte ihn, Mißtrauen empfinden zu müssen, und Ungewißheit war ihm schwerer zu ertragen als Unglück.

Es drängte ihn nach Aegypten zurück.

Ein Anderes noch war es, was ihm den Krieg verleidete.

Mena, den er wie seinen Sohn liebte, der seine leisesten Winke verstand, der, sobald er den Wagen betrat, zu ihm gehörte wie ein Theil seines Leibes, lenkte nicht mehr seine Rosse und war durch den Spruch der Führer des Heeres seines Amtes entsetzt worden. Er selbst hatte dieß Urtheil bestätigen müssen als ein gerechtes und mildes, denn todeswürdig war die That des Mannes, der seinen Herrscher preisgab, um eigene Rache zu üben.

Seit seinem Kampfe mit Paaker hatte Ramses den Rosselenker nicht wiedergesehen, aber er hörte Denen theilnehmend zu, welche ihm Nachricht über die Fortschritte der Genesung des schwer Verwundeten brachten.

Alles Traumwesen war der freudigen, entschiedenen und wachen Natur des Pharao unangemessen und Niemand hatte ihn, selbst in den Stunden der schwersten Ermüdung, befangen gesehen von trübem Brüten in's Leere. Jetzt blickte er manchmal wie mit umflortem Geiste zu Boden und schrak wie ein geweckter Schläfer zusammen, wenn die Anforderungen der Außenwelt sich ihm aufdringlich nahten. Hundertmal hatte er dem Tode in's Antlitz geschaut und seinem drohenden Blicke getrotzt wie dem jedes andern Feindes, dießmal aber war es ihm gewesen, als habe er schon die kalte Hand des übermächtigen Gegners an seinem Herzen gefühlt.

Die Empfindung der Ohnmacht, welche sich ihm aufgedrängt hatte, als er, wie ein vom Winde entführtes Blatt dem Willen seiner ungezügelten Rosse preisgegeben, durch ein Wunder gerettet ward, wollte ihn nicht verlassen.

Ein Wunder!

War Amon wirklich in Menschengestalt auf seinen Ruf erschienen, war er thatsächlich ein Sonnensohn und floß göttliches Blut in seinen Adern?

Ungewöhnliche Gunst hatten die Himmlischen ihm erwiesen, aber er war doch nur ein Mensch; das lehrten ihn die Schmerzen in seiner Wunde und die Täuschungen, denen er zum Opfer gefallen. Ja, wie ein vor dem Richtblocke Begnadigter war er sich vorgekommen. Ein Mensch war er wie alle anderen Menschen und er wollte ein Mensch sein. Er freute sich des Dunkels, das auch seine Zukunft bedeckte, und der mancherlei Schwächen, die er mit Denen theilte, welche er liebte, und endlich des Bewußtseins, unter den gleichen Bedingungen, wie seine Zeitgenossen, mehr zu leisten als diese.

Kurze Zeit nach seinem Siege und nachdem alle wichtigen Pässe und festen Plätze in Syrien von seinen Leuten besetzt worden waren, brach er mit den Fürsten der besiegten Völker in seinem Gefolge nach Aegypten auf.

Zwei seiner Söhne sandte er nach Megiddo zu Bent-Anat, um sie zur See nach Pelusium zu begleiten. Er wußte, daß der Befehlshaber des Hafens der Grenzfestung im äußersten Osten seines Reiches ihm treu ergeben war, und ließ seiner Tochter befehlen, bis zu seiner Ankunft das Schiff nicht zu verlassen, um sie vor jedem Anschlage des Statthalters zu sichern.

Auch ein großer Theil des Kriegsmaterials und die Mehrzahl der Verwundeten wurde zur See nach Aegypten befördert.

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