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Georg Ebers: Uarda - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
booktitleUarda Band I
authorGeorg Ebers
year1879
publisherEduard Hallberger
addressStuttgart und Leipzig
titleUarda
pagesIII-XIV
created20021019
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Viertes Kapitel.

Zwei Monate waren seit der Abfahrt Bent-Anat's von Theben und der Gefangennahme Pentaur's vergangen.

Ant-Baba hieß das Thal im westlichen Theile der Sinaihalbinsel,Ueber die Sinaihalbinsel, ihre Geschichte und die heiligen Stätten auf ihr habe ich eingehend gehandelt in meinem 1872 erschienenen Werke »Durch Gosen zum Sinai, aus dem Wanderbuche und der Bibliothek, Leipzig, W. Engelmann«. Die Szenerie der hier geschilderten Ereignisse habe ich der Wirklichkeit so genau als möglich nachzuzeichnen versucht. Wer diese wunderbare Gebirgseinöde durchwandert hat, kann sie nie vergessen. Das heute noch »Baba« genannte Thal hieß in der Pharaonenzeit ebenso. in welchem ein langer Zug von Lastthieren und Menschen dahinzog.

Es war Winter, und dennoch versandte die Mittagssonne glühende, von nackten Felsen abprallende Strahlen.

Dem Zuge voran schritt eine Abtheilung libyscher Soldaten und eine andere beschloß ihn. Jeder Mann war mit einem Dolch und Schlachtbeile, mit Schild und Lanze bewaffnet und bereit, seine Wehr zu brauchen, denn Diejenigen, welche die Krieger zu geleiten hatten, waren Gefangene aus den Mafkatgruben, die zum Strande des Schilfmeeres geführt worden waren,Bei der heute Abu Zelimeh genannten Bucht beim Kap gleichen Namens scheinen die alten, von den Minen zum Meere führenden Straßen gemündet zu haben. um die Ausbeute der Minen dorthin zu bringen und als Rückfracht aus Aegypten angekommene Vorräthe in Empfang zu nehmen und in die Magazine des Bergwerks zu führen.

Gebückt und keuchend schritten sie einher.

Jeder Gefangene trug eine um seine Knöchel geschmiedete kupferne Kette und zerrissene Lumpen schlangen sich als einzige Kleidung um die Hüften dieser Unglücklichen, welche keuchend unter der Last der Säcke, die sie zu tragen hatten, stieren Blickes auf den Weg schauten.

Wenn Einer oder der Andere zusammenzusinken drohte, so ermunterte ihn die Geißel der den Zug umschwärmenden Reiter. Manchem fiel wohl die Wahl nicht leicht, der Müdigkeit oder den Hieben zu erliegen.

Niemand, weder die Gefangenen noch ihre Hüter, sprach ein Wort und selbst die Geschlagenen schrieen nicht, denn wie ausgetrocknet waren ihre Stimmwerkzeuge und im Herzen ihrer Treiber gedieh ebenso wenig eine Regung des Mitleids, als ein grünes Kräutlein aus den Felsen am Wege.

Wie ein Gespensterzug bewegte sich diese traurige Schaar vorwärts, wahrnehmbar für das Ohr nur dann, wenn ein leises Stöhnen sich der Brust eines Gequälten entrang. Der sandige Weg tönte nicht, wenn ihn des Wanderers nackter Fuß betrat, die Berge weigerten sich Schatten zu spenden, das Licht ward zur Plage, unbeseelt und doch feindlich dem Lebenden schien Alles weit und breit. Kein Wurm, keine Pflanze zeigte sich auf den öden, grauen und braunen Gebilden ringsum und kein sich aufschwingender Vogel lud die Bedrückten ein, den Blick zu erheben.

In der Mittagszeit des vergangenen Tages waren sie mit ihrer Ladung von der Hafenbucht aufgebrochen. Zwei Stunden lang hatten sie sich an dem Ufer des in hellem Blaugrün schimmernden SchilfmeersDas rothe Meer (hebräisch und koptisch »das Schilfmeer«) hat eine herrliche blaugrüne Farbe. Nach den Alten ward es entweder nach seinen rothen Ufern oder den es umwohnenden Erythräern, das sind »die Rothen«, also benannt. Auf einer frühen Inschrift heißt es Atur set Descher, d. i. das Gewässer des rothen Landes. S. Ebers, Durch Gosen &c. S. 518, Anm. 37. gehalten, hatten einen Felsvorsprung überschritten und dann eine schmale Ebene durchmessen. Am Eingang der zu den Bergwerken führenden Schlucht ward Nachtruhe gehalten. Die Führer und Soldaten entzündeten Feuer, schaarten sich um dieselben und legten sich im Schutze einer Felsenbucht zum Schlafe nieder. Die Gefangenen streckten sich inmitten des Thales auf dem Boden aus, unbedeckt und von Frost durchschauert, als plötzlich die bittere Kälte der Nacht dem glühenden Tage gefolgt war. Die Erstarrenden begrüßten nun das erdrückende Elend der Tagesarbeit als Erlösung, wie sie wenige Stunden vorher die nächtliche Ruhe herbeigesehnt hatten.

Linsenbrei und hartes Brod zur Genüge, aber spärliches Wasser wurde vor dem Aufbruche gereicht, dann ging es fort durch die sich nach und nach erhitzende Schlucht und durch Felsenkessel, von denen einer sich an den andern reihte. Bei jedem schien es, als nähme hier der Pfad sein Ende, aber überall fand sich ein Ausweg, bei dem er sich fortsetzte, ununterbrochen wie die Qual der Gefangenen.

Mächtige Felsenwände boten das Ansehen, als wären sie aus behauenen, eckigen Quadern schichtenweise aufgethürmt, und einer unter den Grubenarbeitern, aber nur Einer, hatte Augen für diese seltsamen Gebilde der mannigfaltig gefügten Natur.

Dieses Einen Schultern waren stärker, als die seiner Genossen, und nur wenig drückte ihn seine Last.

»In dieser Einöde, die den Menschen verbietet, ihr Leben zu fristen, und sie von sich abwehrt,« dachte er bei sich, »haben die Chnemu,S. Anmerkung 57. die Werkleute, welche die Erde erbauten, sich die Mühe gespart, die Fugen zu füllen und die Formen zu runden. Wie kommt es nur, daß man dieses grausame Land, in dem auch die Menschenherzen mitleidlos zu erstarren scheinen, der gütigen HathorS. Anmerkung 4. Die an beiden Minenstätten auf der Sinaihalbinsel Wadi Maghara und Sarbut el Chadem erhaltenen Denkmäler lehren, daß hier die Hathor vor allen anderen Göttern verehrt ward. weihte? Vielleicht weil es der Gaben der freundlichen Herrin der Liebe und Freude am meisten bedarf!«

»In der Reihe geblieben, Huni!« herrschte ihn einer der Treiber an.

Der also Angeredete näherte sich seinem Nebenmanne, dem keuchenden Arzte Nebsecht.

Wir kennen den starken Gefangenen. Es ist Pentaur, der in den Listen der Grubenarbeiter unter dem Namen Huni verzeichnet war und also gerufen wurde.

Der Zug bewegte sich weiter. Immer schroffer wurde das Gefels. Große Haufen von rothen und schwarzen Steinstücken, klein als hätten sie menschliche Hände zerschlagen, lagen an dem nur unmerklich ansteigenden Wege.

Ein neuer Gebirgskessel öffnete sich und dießmal fand sich kein Ausgang.

»Die Last der Esel erleichtern!« rief der Führer der Schaar den Gefangenen zu. Dann wandte er sich an die Soldaten und befahl ihnen, nachdem sie die Grauthiere abgeladen hatten, die Leute schwerer zu belasten.

Mit dem Aufgebot aller Kräfte arbeiteten sich die überbürdeten Menschen den steilen, kaum wahrnehmbaren GebirgspfadHeute Naqb el Buddrah. Der englische Major Macdonald, welcher in den abgebauten Minen Türkise brechen ließ und erst vor einigen Jahren verstorben ist, sorgte für die Erneuerung des alten Saumpfades. hinan.

Pentaur's Vordermann, ein hagerer Greis, sank in der Mitte des Berges mit seiner Last zusammen und ein Treiber, der auf dem schmalen Passe nicht an den Trägern vorbei konnte, warf ihn mit Steinen, um ihn zu einem neuen Aufgebot seiner Kräfte zu zwingen.

Der Alte schrie jammernd auf und Pentaur dachte an den unter Schlägen zusammenbrechenden Paraschiten, seinen Kampf gegen die Menge und an Bent-Anat. Mitleid und das Gefühl der eigenen, gesunden Kraft erfüllte seine Seele. Schnell entschlossen nahm er die Säcke von der Schulter des Greises, warf sie auf die seinen, half dem Zusammengesunkenen auf und die Thiere und Menschen gelangten glücklich über den Berg.

Das Blut hämmerte in Pentaur's Schläfen, sein Athem flog und Schauder erfaßte ihn, als er von der Höhe des Passes abwärts schaute zu dem Bergkessel unter ihm und zu den ihn umgebenden Zacken und Zinken, Klippen und Höhen, in weiß und grau, schwefligem Gelb, blutigem Roth und traurigem Schwarz.

Er dachte an den heiligen See der Muth in Theben,Eine stimmungsvolle Darstellung desselben von Karl Werner findet sich unter seinen bei Seitz zu Wandsbeck in Farbendruck erschienenen Nilbildern. um welchen Hunderte von Bildsäulen der löwenköpfigen Göttin aus schwarzem Basalt auf ihren Postamenten saßen, und die dieß Thal umgebenden Klippen nahmen ähnliche Formen an, die sich zu bewegen und die Rachen zu öffnen schienen. Durch das wilde Sausen vor seinen Ohren glaubte er ihr Gebrüll zu vernehmen und die auch für seine Kraft überschwere Doppellast gab ihm die Empfindung, als preßten sich ihre Hände um seine Brust.

Dennoch gelangte er zum Ziele.

Die anderen Gefangenen warfen die Säcke von den Schultern und rasteten.

Mechanisch that er das Gleiche. Sein Blut begann sich zu beruhigen, die Trugbilder schwanden, seine Augen sahen, seine Ohren hörten wieder und sein Hirn gewann die alte Denkkraft zurück. Der Greis und der Arzt Nebsecht ruhten neben ihm.

Der Erstere streichelte die hochaufgeschwollenen Adern seines Halses und rief den Segen aller Götter auf ihn hernieder; der Führer der Schaar schnitt aber dem Greise das Wort ab und rief, an dem Rastenden vorüberschreitend: »Du hast Kräfte für Drei, Huni, wir werden Dich fernerhin schwerer belasten.«

»Wie liebreich doch Deine freundlichen Götter fromme Segenswünsche zu erhören und eine gute That zu belohnen verstehen!« sagte der Arzt Nebsecht.

»Ich bin belohnt genug,« erwiederte Pentaur und schaute den Alten freundlich an, »aber Du, ewiger Spötter, bist sehr blaß; wie fühlst Du Dich?«

»Als wär' ich einer der Esel dort,« gab der Forscher zurück. »Meine Kniee zittern wie ihre und ich denke und wünsche nichts mehr und nichts weniger als sie, das heißt: ich wollte, wir lägen im Stalle.«

»Wenn Du nur denkst,« lächelte Pentaur, »dann steht es nicht übel mit Dir.«

»Einen weisen Gedanken hatte ich sogar, während Du vorhin in die Luft hinausstiertest. Die Intelligenz sei ein leuchtender Hauch des ewigen Weltengeistes und unsere Seele sei die Form des Materienstückes, das man Mensch nennt, lehren die Priester. Ich suchte den Geist erst im Herzen, dann im Gehirn; nun aber weiß ich, daß er in den Armen und Beinen steckt, denn seitdem ich die übermüden muß, ist es aus mit dem Denken. Ich bin zu faul, um mich auf weitere Beweise einzulassen, aber ich werde künftig meine Beine mit größerer Achtung behandeln.«

»Zankt ihr Beiden wieder? Auf, ihr Leute!« rief der Treiber.

Die müden Unglücklichen erhoben sich langsam, die Thiere wurden neu beladen und fort schwankte die beklagenswerthe Schaar, um, als die Sonne unterging, bei den Bergwerken anzulangen.

Das Ziel der Wanderung des Gefangenenzuges war ein von zwei hohen und felsigen Bergabhängen eingeschlossenes, breites Thal; Ta Mafka nannten es die Aegypter, DophkaNum. 33, 13. Ebers, Durch Gosen &c. S. 140. die Hebräer. Seine südlichere Höhenwand bestand ans dunklem Granit, seine nördlichere, in der sich die Türkisminen befanden, aus rothem Sandstein. In einem entfernten QuerthaleVon Palmer und Wilson entdeckt, und zwar im Wadi Umm Themaim. Wir weisen gern auf das interessante Werk von M. A. Palmer, The desert of the Exodus etc. Cambridge 1871. lagen die Erzgruben, in denen Kupfer anstand. In der Mitte des Thales erhob sich ein von einer Mauer umgebener Hügel mit kleinen Steinhäusern für die Wachtmannschaften, Offiziere und Aufseher. Nach der alten Vorschrift sollten sie unbedeckt sein, weil aber in Folge der Nachtfröste viele Erkrankungen und Todesfälle unter den Arbeitern eingetreten waren, hatte man sie mit Palmenzweigen ans der unfernen Amalekiter-Oase spärlich geschützt.

Auf der äußersten, dem Winde am meisten ausgesetzten Spitze des Hügels befanden sich die Schmelzöfen und stand die Fabrik, in der man grüne Glasflüsse verfertigte, die unter dem Namen Mafkat, das ist Smaragd, in den Handel kamen. Der echte Edelstein dieses Namens wurde an der Westküste des Schilfmeeres weiter nach Süden hin gefunden und in Aegypten hoch geschätzt.

Unsere Freunde gehörten schon länger als einen Monat zu der Knappschaft des Mafkatthales und Pentaur wußte noch immer nicht, wie er statt in die Sandsteinbrüche von Chennu hieher und mit Nebsecht zusammengekommen war.

Daß Uarda's Vater diesen Tausch veranlaßt hatte, war unzweifelhaft und der Dichter glaubte dem rauhen aber braven Soldaten, der sich auch jetzt noch in seiner Nähe befand, die besten Absichten zutrauen zu dürfen, obgleich er sich ihm nur ein einziges Mal seit ihrem Ausbruch von Theben genähert hatte.

Gleich in der ersten Nacht war der Paraschitensohn zu ihm herangetreten und hatte ihm zugeflüstert: »Ich sorge für Dich! Du wirst den Arzt Nebsecht hier wiederfinden. Begegnet einander feindlich, wenn ihr nicht wollt, daß man euch trenne.«

Pentaur hatte seinem Freunde den Rath des Soldaten mitgetheilt und der Arzt befolgte ihn in seiner Weise.

Es gewährte ihm eine geheime Lust, zu sehen, wie das Leben Pentaur's Glauben an eine gerechte und gütige Lenkung des menschlichen Geschickes Lügen strafte, und je Schwereres ihm und dem Dichter aufgelegt wurde, mit je bitterer, oft bis zur Ausgelassenheit gesteigerter Ironie griff der friedliche Forscher den Letztern an.

Er liebte Pentaur, denn dieser bewahrte in seiner Seele die Schlüssel, welche Einlaß in eine seinem eigenen Wesen verschlossene, schönere Welt gewährten, und doch wurde es ihm leicht, wenn er sich beobachtet sah, seine Rolle zu spielen und den Dichter mit Worten zu überschütten, welche die Treiber für sinnlos hielten und sie durch die seltsame Form, in der sie über seine stammelnden Lippen polterten, zum Lachen reizten.

»Geprügelte Hülle des göttlichen Selbstbewußtseins«, »Auf's Maul geschlagener Gerechtigkeitssachwalter,« »Taschenspieler, der diese Welt, die die schlechteste ist unter den möglichen, auf den Kopf stellt, als wär' sie die beste,« »Bewunderer der schönen Farbe seiner blauen Flecke«. Solche und ähnliche nur ihm selbst und dem Geschmähten verständliche Schimpfworte konnte er in immer neuen Kombinationen ausstoßen und reizte dadurch Pentaur zu treffenden, für den Uneingeweihten dunklen und nicht selten witzigen Entgegnungen.

Oftmals ging ihr sich Anschmähen in förmliche Disputationen über, welche den doppelten Nutzen gewährten, daß ihr an ernstes Denken gewöhnter Geist unter der ihre Hand mörderisch nach ihm ausstreckenden Last der Zwangsarbeit Bewegung fand, und endlich auch, daß man sie wirklich für Feinde hielt.

Beide schliefen in demselben Hofe und wußten einander dort dann und wann heimlich zu sprechen; bei Tage arbeitete Nebsecht in den Türkisgruben, Pentaur aber in den Erzminen.

Für den schwächern Arzt war die behutsame Ausmeißelung des Edelsteins aus seinem Felsenlager, für Pentaur's Riesenkraft das Losschlagen von hartem Gestein die angemessenere Beschäftigung.

Die Treiber staunten oft den gewaltigen Jüngling an, wenn er mit der Hacke wild auf das Gestein losschlug.

Welche mächtigen Bilder sich in solchen Momenten der wüthenden Arbeit vor die Seele des Dichters stellten, welche furchtbaren und bestrickenden Töne sein inneres Ohr vernahm, das ahnte Niemand.

Gewöhnlich zeigte ihm seine erregte Einbildungskraft Bent-Anat's Gestalt und ein sie umringendes Heer, und dieses glaubte er zu Boden zu strecken, Mann für Mann, wenn er auf die Felsen einschlug. Oft warf er mitten in solcher Arbeit die Hacke fort, breitete seine Arme aus, aber nur um tief aufzustöhnen und die triefende Stirn mit der Hand zu wischen.

Die Aufseher wußten nicht, wofür sie diesen starken Jüngling halten sollten, der oft freundlich war wie ein Kind, und den doch wohl jener Dämon in Besitz zu nehmen begann, dem so viele der Zwangsarbeiter anheimfielen.Das schreckliche Schicksal der ägyptischen Grubenarbeiter wird ausführlich geschildert in einer berühmten Stelle des Agatharchides von Knidos, welche sich bei Diodor III. 12, 13 und 14 findet. Hier werden freilich nicht die erwähnten Minen, sondern die äthiopischen Goldbergwerke gemeint, von denen wir schon mehrmals geredet haben und die von Linant-Pascha und Bonomi 1832 und 33 zwischen dem Nil und rothen Meere wieder aufgefunden worden sind. Die Goldlager in den Quarzfelsen des Bischarigebiets sind gegenwärtig gänzlich erschöpft.

Er selbst war sich ein Räthsel geworden, denn woher kam seit jener Nacht vor dem Hause des Paraschiten dem im Frieden des Setihauses erzogenen Gärtnerssohn dieß immerwährende Verlangen nach Kampf und Streit?

Die müden Schaaren hatten sich zur Ruhe begeben; vor dem Hause des Obersten der Bergwerke brannte aber noch ein helles Feuer und um dieses hockten, im Kreise gelagert, die Aufseher und Unterbefehlshaber der Soldaten.

»Stellt jetzt die Becher fort,« sagte der Oberst, »denn es gilt ernsten Rath zu halten. Gestern habe ich auf Befehl des Statthalters die Hälfte der Wachtmannschaften nach Pelusium schicken müssen. Er braucht Soldaten; wir aber sind so schwach an Zahl geworden, daß, wenn die Sträflinge es wüßten, sie selbst ohne Waffen mit uns fertig werden könnten. Steine gibt es genug hier unten und bei Tage haben sie Meißel und Hämmer. Am schlimmsten sieht es aus bei den Hebräern in der Kupfergrube. Das ist aufsäßiges Volk, das ihr kurz halten müßt. Ihr kennt mich; Furcht ist mir fremd, aber eine Sorge tritt an mich heran. Hier in diesem Feuer brennen die letzten Kohlen und die Schmelzöfen und Glasgießereien dürfen nicht stille stehen. Morgen noch müssen Leute nach RaphidimDie Oase am Fuße des Choreb, bei welcher die ausziehenden Juden unter Josua's Führung die Amalekiter besiegten, während Aaron und Hur die Arme des betenden Mose stützten. Exod. 17, 8 ff. ausgesandt werden, um Kohlen von den Amalekitern zu fordern. Sie schulden noch hundert Ladungen.Die Beduinen auf der Sinaihalbinsel brennen heute noch viele Kohlen aus dem Holze des Sejâlbaumes (Acacia tortilis Hayne) und bringen sie nach Kairo auf den Markt. Belastet die Gefangenen mit einigem Kupfer, um sie müde und die Oasenbewohner gefügig zu machen. – Was thun wir, um zu erlangen, was wir brauchen, und doch die Mannschaften hier nicht zu sehr zu schwächen?«

Es ward hin und her berathen und endlich festgestellt, daß eine ganz kleine Abtheilung, von wenigen Soldaten geführt, täglich ausmarschiren sollte, um immer von heute auf morgen den Bedarf an Kohlen zu decken.

Die Gefährlichsten, wurde gerathen, sollten, zwei und zwei zusammengeschmiedet, den Trägerdienst verrichten.

Der Oberst gab zu bedenken, daß zwei aneinandergefesselte Starke furchtbar werden könnten, wenn sie einträchtig handelten.

»So verbinde man einen Starken mit einem Schwachen,« sagte der Führer des Rechnungswesens der Minen, den man den Schreiber der Metalle nannte. »Schmiedet auch womöglich Solche zusammen, die einander feindlich gesinnt sind.«

»Den baumstarken Huni zum Beispiel mit dem schimpfenden Sperling, dem stammelnden Nebsecht,« rief ein Unterbefehlshaber.

»An dieselben dachte ich auch,« lachte der Schreiber.

Noch drei andere Paare wurden, erst heiter, dann mit wachsendem Ernste ausgewählt, und endlich zu den Treibern auch Uarda's Vater gesellt.

Am folgenden Morgen schmiedete man Nebsecht und Pentaur mit einer kupfernen Kette zusammen und als die Sonne in der Mittagshöhe stand, brachen vier Paare Gefangener, mit schweren Kupferbarren beladen, auf, um, von sechs Soldaten und dem Paraschitensohne geleitet, aus der Amalekiter-Oase Brennmaterial für die Schmelzöfen zu holen.

Bei der Stätte AlusNumeri 33, 13 und 14. hielten sie Rast, dann zogen sie weiter zwischen kahlen, immer höher anzeigenden graugrünen und braunen Porphyrwänden hin. Von Zeit zu Zeit sahen sie, die niederen Berge hoch überragend, die zackige Spitze eines Riesen des Gebirges, aber gebückt unter der Last des Kupfers, welches sie trugen, achteten sie seiner nur wenig.

Die Sonne neigte sich zum Untergang, als sie bei dem kleinen Heiligthum der Smaragden-Hathor vorbeikamen.

Einige graue und schwarze Vögel flogen ihnen hier zwitschernd entgegen und Pentaur schaute erfreut zu ihnen auf.

Wie lange hatte er ihren Anblick und den Ton ihrer Stimme entbehrt! Nebsecht aber sagte. »Dort sind Vögel, wir müssen uns dem Wasser nähern!«

Da stand schon die erste Palme!

Nun ließ sich das Murmeln eines Baches vernehmen und dieser leise Klang berührte die Seele der Wüstenwanderer wie Regen das verdorrende Gras.

Zur Linken des Wassers lagerte in weitem Bogen eine Abtheilung ägyptischer Soldaten und umschloß so drei große Zelte aus kostbaren, blau und roth gestreiften und mit Gold durchwirkten Stoffen.

Von den Bewohnern dieser Zelte war nichts zu sehen; als aber die Gefangenen an ihnen vorüber geschritten waren und ihre Treiber die Wachtposten begrüßt hatten, trat ihnen ein Mädchen in dem langen Gewand einer Aegypterin entgegen und schaute sie an.

Pentaur schrak zurück, als wäre ein Geist ihm begegnet; Nebsecht aber ließ einen lauten Ruf der Ueberraschung vernehmen.

In demselben Augenblicke schwang ein Treiber seine Geißel über die Schultern der Beiden und lachend rief er: »Mit den Mäulern mögt ihr euch herumschlagen so viel ihr wollt, aber nicht mit den Händen!«

Dann wandte er sich an einen seiner Genossen und fragte. »Hast Du das schöne Fräulein vor dem Zelte gesehen?«

»Hilft uns nichts!« antwortete der also Angeredete, »die gehört zum Hofstaat der Prinzessin, die schon seit drei Wochen die Smaragden-Hathor besucht.«

»Schwere Unthaten muß sie begangen haben,« gab der Andere zurück. »Wäre sie unseresgleichen, so würde sie bei den Gruben Sand schaufeln oder Farben zerstoßen müssen und nicht hier im goldenen Zelte wohnen. Wo ist der Rothbart?«

Uarda's Vater war ein wenig hinter dem Zuge zurückgeblieben, denn das Mädchen hatte ihm gewinkt und einige Worte mit ihm gewechselt.

»Hast Du auch noch Augen für die Frauenzimmer?« fragte ihn, als er sich wieder zu dem Zuge gesellte, der jüngste unter den Treibern.

»Sie ist eine Zofe der Prinzessin,« entgegnete nicht ohne Verlegenheit der Soldat. »Wir sollen ihr morgen einen Brief an den Schreiber der Metalle mitnehmen und dafür wollte sie uns, wenn wir in der Nähe der Zelte lagern würden, Wein schicken.«

»Seht den alten Rothbart!« rief der jüngere Treiber. »Er wittert den Wein wie der Fuchs die Gänse. Laßt uns hier rasten! Man weiß ohnehin nie, wie man mit den Mentu dran ist, und der Oberst hat befohlen, wir sollten außerhalb der Oase lagern. – Die Säcke herunter, Leute! Hier gibt es frisches Wasser, und einige Datteln und süßes Man»Man« nennen heute die Beduinen der Sinaihalbinsel die süße Ausschwitzung der in den Wadis ihrer Heimat wachsenden Tamariske, tamarix mannifera. Im Mai pflegt die Ausschwitzung zu erfolgen. Sie läßt sich aber aufbewahren und ist wohl mit Recht für das Manna der Bibel gehalten worden. auf's Brod fällt für euch vielleicht auch mit ab. Aber daß ihr Frieden haltet, ihr Kampfwachteln Huni und Nebsecht!«

Bent-Anat's Reise zur Smaragden-Hathor war lang gewesen. Bis nach KeftS. Band III S. 42. war sie mit ihren Begleitern auf dem Nil gefahren; von dort hatte sie in kleinen Tagesmärschen die Wüste durchzogen und in der größtenteils von Phöniziern bewohnten Hafenstadt am Schilfmeere eine volle Woche auf das Schiff warten müssen, welches sie endlich nach dem Schifferdorfe Pharan führte. Von dort aus zogen sie durch das Gebirge zu der Oase, an deren nördlichem Eingange sich das Heiligthum der Smaragden-Hathor befand.

Die alten Priester, welche dem Dienste der Göttin vorstanden, hatten die Tochter des Ramses ehrerbietig empfangen und unternahmen es Tag für Tag mit Hülfe des klaren und kühlen Wassers des Gebirgsbachs, der die Palmen der Amalekiter tränkte, von Räucherungen, frommen Sprüchen und hundert Ceremonien ihr die Reinheit zurückzugeben. Endlich zeigte sich die Göttin befriedigt und Bent-Anat wollte nun nach Norden zu ihrem Vater aufbrechen, aber der Befehlshaber der sie begleitenden Truppe, ein ergrauter äthiopischer Feldhauptmann, dessen Söhne Ani zu hohen Graden befördert hatte, erklärte dem Ceremonienmeister, er habe Befehl, die Prinzessin so lange in der Oase zurückzuhalten, bis der Statthalter ihr aufzubrechen gestatten würde.

Nun hoffte Bent-Anat auf den Beistand ihres Vaters, der täglich, wenn ihrem Bruder Rameri kein Unfall zugestoßen war, eintreffen konnte. Aber vergebens.

Die Lage der Frauen war höchst peinlich, denn sie fühlten, daß man sie in einen Hinterhalt gelockt habe und daß sie gefangen wären. Dazu kam, daß die sie begleitenden Aethiopier sich gegen die Oasenbewohner vergangen hatten und es täglich unter ihren Augen zu Streitigkeiten kam, die in den letzten Tagen einen blutigen Ausgang genommen hatten.

Bent-Anat's Seele war krank.

Die beiden mächtigen Flügel, die ihr gewachsen, um sie hoch aufzuschwingen über all' ihre Schwestern, ihr fürstlicher Stolz und ihre freudige Klarheit schienen ihr wie gebrochen, und sie fühlte, daß sie einmal geliebt hatte, um nie mehr zu lieben, und daß sie, die in Träumen Nichts und in der Wirklichkeit Alles gesucht hatte, den besten Theil ihres Ich an ein Traumbild verschenke. Lebendig und dabei immer größere und reinere Formen gewinnend, stand Pentaur's Bild vor ihrer Seele; er selbst war für sie gestorben, denn nur einmal war ein Brief aus Aegypten zu ihr gekommen und diesen hatte Frau Katuti an Nefert gerichtet, um ihr mitzutheilen, daß neue Nachrichten bestätigten, ihr Gatte habe eine gefangene Fürstentochter als Beuteantheil in sein Zelt genommen. Ferner enthielt das Schreiben der Wittwe die Nachricht, der zu den Zwangsarbeiten verurtheilte Dichter Pentaur sei nicht bis zu den Bergwerken gelangt, sondern, wie man wohl annehmen dürfe, unterwegs gestorben.

Nefert hielt auch dießmal an dem Glauben, daß ihr Gatte ihr Treue und Liebe bewahre, unerschütterlich fest und der Zauber ihrer von einer großen und reinen Leidenschaft vollkommen beherrschten und darum harmonischen Natur bewährte sich in diesen bangen und schweren Tagen.

Es schien, als habe sie mit Bent-Anat die Rollen getauscht.

Immer hoffnungsvoll verhieß sie von einem Tage zum andern, es werde Hülfe vom Könige nahen. Dabei glaubte sie gern, daß, wenn Mena von Rameri erführe, daß sie bei Bent-Anat sei, er wohl selber kommen würde, um sie zu holen, wenn sein Dienst es gestatte.

In den Stunden der lebhafteren Erwartung konnte sie so weit gehen, sich auszumalen, wie die Bewohner des Zeltes zu vertheilen wären und wer Bent-Anat Gesellschaft leisten würde, wenn Mena sie mit sich in sein Lager nähme, an welcher Stelle der Oase dieses letztere am besten aufzuschlagen wäre und Aehnliches mehr.

Uarda konnte wohl bei Bent-Anat ihre Stelle vertreten, denn das Mädchen hatte sich schön auf der Reise entwickelt. Sie trug die stattlichen Gewänder, welche Bent-Anat ihr gab, als hätte sie niemals andere getragen, sie wußte bescheiden zu hören, sich zu rechter Zeit zu entfernen, und wurde sie gefragt, reizend zu plaudern. Ihr Lachen war silberrein und nichts war Bent-Anat so tröstlich als dieses.

Auch ihrem Gesange lauschten die Freundinnen gern, obgleich die wenigen Lieder, welche das Mädchen kannte, ernst und schwermüthig waren. Sie hatte sie der alten Hekt abgelauscht, die manchmal im Dunkeln auf einer Laute spielte und die, als sie wahrnahm, daß Uarda ihre Melodieen erfaßte, sie auf Fehler hinwies und mit Rath unterstützte. »Sie kommt doch einmal in meine Hand,« dachte die Hexe, »und je besser sie singen kann, je theurer wird sie bezahlt.«

Auch Bent-Anat versuchte sich an Uarda als Lehrerin, aber das Lesenlernen ward der jungen Schülerin sauer, so große Mühe sie sich auch gab. Dennoch ließ die Prinzessin die Buchstabirende nicht los, denn die Unthätigkeit, zu der sie zu Füßen des ungeheuren heiligen Berges, zu dessen Gipfeln sie oft mit Schauer und Sehnsucht hinaufschaute, verdammt war, bedrückte sie um so schwerer, je mehr gerade hier in ihr vorging, was sie aus sich heraus zu arbeiten wünschte. Uarda kannte die Ursache des Grams ihrer Herrin und sie liebte sie um seinetwillen wie eine Heilige. Oftmals erzählte sie von Pentaur und seinem Vater, was sie wußte, und immer so, daß die Prinzessin nicht ahnte, sie habe Kunde von ihrer Liebe.

Als die Gefangenen an Bent-Anat's Zelte vorübergeführt wurden, saß sie mit Nefert in seinem Innern und sprach, wie gewöhnlich in der Dämmerstunde, von ihrem Vater, seinem Rosselenker Mena, Rameri und Pentaur.

»Er lebt noch,« sagte Nefert, »die Mutter schrieb ja, man wüßte nicht sicher, wo er verblieben sei. Wenn er entkam, so sucht er gewiß das Lager des Königs zu erreichen, und wenn wir erst dort sind, so findest Du ihn bei Deinem Vater.«

Die Prinzessin schaute bekümmert zu Boden.

Nefert blickte sie liebreich an und fragte: »Denkst Du an den Unterschied des Standes, der Dich von Deinem Erwählten trennt?«

»Wem ich meine Hand reiche,« erwiederte Bent-Anat sicher, »den mache ich zum Fürsten, aber könnt' ich Pentaur auch zum Herrscher über die Welt erheben, so würde er dennoch mehr sein und besser als ich.«

»Aber Dein Vater?« fragte Nefert bescheiden.

»Er ist mein Freund und hört und versteht mich. Alles soll er erfahren, wenn ich bei ihm bin; ich kenne sein väterliches und königliches Herz.«

Lange schwiegen Beide; dann sagte Bent-Anat: »Bitte, lasse Licht bringen, ich möchte meine Weberei beenden.«

Die Gattin des Mena erhob sich, trat vor die Thüre des Zeltes und begegnete hier Uarda, die ihre Hand erfaßte und sie schweigend in's Freie zog.

»Was hast Du, Mädchen, Du zitterst?« rief Nefert.

»Mein Vater ist hier,« entgegnete Uarda schnell. »Er bewacht Gefangene aus den Mafkatgruben. Unter ihnen sind zwei zusammengeschmiedete Männer, und Einer von diesen, Du sollst nicht erschrecken, Einer von diesen ist der Dichter Pentaur. Bleibe um der Götter willen, bleib' und höre mich weiter. Schon zweimal hab' ich meinen Vater gesehen und mit ihm gesprochen, als er mit anderen Zwangsarbeitern hieher kam. Heute muß Pentaur befreit werden, aber Bent-Anat darf noch nichts wissen, denn wenn mein Plan mißglückt . . .«

»Kind, Mädchen!« unterbrach sie Nefert mit Lebhaftigkeit. »Wie kann ich Dir helfen?«

»Befiehl dem Hausmeister, den Treibern der Gefangenen im Namen der Prinzessin einen Schlauch voll Wein zu bringen und nimm aus Bent-Anat's Reiseapotheke das Fläschchen, welches den Trank gegen die Schlaflosigkeit enthält, den sie trotz Deiner Bitten nicht benutzen wollte. Ich warte hier draußen und werde ihn brauchen.«

Nefert fand den Hausmeister sogleich und befahl ihm, Uarda mit einem Schlauch voll Wein zu folgen. Dann ging sie zur Prinzessin zurück und öffnete die Reiseapotheke.Eine solche, und zwar aus weit älterer Zeit als die des Ramses, wird im berliner Museum konservirt.

»Was bedarfst Du?« fragte Bent-Anat.

»Ein Mittel gegen Herzklopfen,« erwiederte Nefert, steckte heimlich das verlangte Fläschchen zu sich und wenige Minuten später befand es sich in Uarda's Hand.

Das Mädchen bat den Hausmeister, den Schlauch zu öffnen und sie den Wein kosten zu lassen. Während sie zu trinken schien, goß sie den Schlaftrunk in den Rebensaft und ließ dann das Geschenk Bent-Anat's den durstigen Treibern überbringen.

Sie selbst näherte sich dem Küchenzelte und fand vor demselben einen jungen Amalekiter mit den Dienern der Prinzessin am Boden sitzend. Er sprang auf, sobald er das Mädchen bemerkte und sagte: »Heute bring' ich vier schöne Rebhühner,An der Gebel Katherîn genannten Spitze des Sinais der Mönche entspringt ein Wässerchen, welches ma'yan esch schunnàr oder Rebhuhnquelle heißt und von dem mehrere Sagen erzählt werden. Gott soll es z. B. für die Rebhühner erweckt haben, welche den Engeln gefolgt waren, die den Körper der heiligen Katharina von Alexandria nach dem Sinai brachten. die ich selbst erlegte, und für Dich diesen Türkis, den mein Bruder an einem Felsen gefunden.Die Serbal-Türkise sind schöner und halten besser Farbe als die von Wadi Maghara. Der Stein bringt Glück und ist gut für die Augen, verschafft Sieg über die Feinde und vertreibt böse Träume.«Diese Eigenschaften werden heute von den Arabern dem Türkise zugeschrieben.

»Ich danke Dir,« sagte Uarda und faßte, während sie den himmelblauen Stein in Empfang nahm, die Hand des Burschen, um ihn mit sich fort in das Dunkel zu ziehen.

»Höre, Salich!« sagte sie leise, sobald sie sich weit genug von den Anderen entfernt zu haben glaubte, »Du bist ein braver Junge und die Dienerinnen haben mir erzählt, Du hättest gesagt, ich wäre ein Stern,Die Bewohner der Sinaihalbinsel waren in ältester Zeit sabäischen Kulten, d. h. dem Dienste der Gestirne ergeben. Dieß lehren besonders die von Beer entzifferten nabathäischen Inschriften, deren älteste Schreiber sich »Diener«, »Fürchtende« oder »Priester« der »Sonne«, »des Mondes«, »des Baal« &c. nennen. Der Sonnengott hieß Dusare. Die ältesten unter diesen Inschriften gehören erst in das zweite Jahrhundert vor Chr. der sich vom Himmel herniedergelassen, um ein Weib zu werden. Das sagt man nur von Jemand, den man gern hat, und daß Du freundlich an mich denkst, das zeigst Du mir täglich durch die Blumen, die Du mir bringst, wenn Du das Wild, das Dein Vater erlegt, dem Hausmeister ablieferst. Sage nun, willst Du mir und zugleich der Prinzessin einen großen Dienst leisten? Ja? und gern? Ja? Das wußt' ich! Nun höre. Ein Freund der hohen Frau Bent-Anat, der heute Nacht hieher kommen wird, muß einen, vielleicht mehrere Tage vor seinen Verfolgern versteckt werden. Wird er, oder werden sie, denn es sind vielleicht ihrer zwei, in dem Hause Deines Vaters, das hoch oben am heiligen Berge liegen soll, Aufnahme und Schutz finden können?«

»Wen ich meinem Vater bringe,« sagte der Jüngling, »der ist ihm willkommen und wir vertheidigen erst unsere Gäste und dann uns selbst. Wo sind die Fremden?«

»Sie werden in einigen Stunden kommen. Willst Du hier warten, bis der Mond hoch steht?«

»Bis der letzte von all' den tausend Monden, die hinter dem Berge verschwinden, untergeht.«

»Gut denn, harre jenseits des Baches und führe Diejenigen in Dein Haus, die Dir dreimal meinen Namen nennen. Du weißt, wie ich heiße?«

»Ich nenne Dich den Silberstern, aber sie rufen Dich Uarda.«

»Du führst die Fremden in Deine Hütte und wenn sie dort von Deinem Vater aufgenommen worden sind, so kommst Du zurück und theilst es mir mit. Ich wache hier an der Thüre des Zeltes. Leider bin ich arm und kann Dich nicht belohnen, aber Deinem Vater wird die Prinzessin fürstlich zu danken wissen. Sei wachsam, Salich!«

Das Mädchen verschwand und begab sich zu den Treibern der Gefangenen, wünschte ihnen flüchtig vergnügte Stunden und eilte dann zu Bent-Anat zurück, die ihr besorglich das volle Haar streichelte und sie fragte, warum sie so bleich sei.

»Lege Dich nieder,« sagte die Prinzessin freundlich, »Du fieberst. Sieh' nur, Nefert, man erkennt den Lauf des Blutes in den blauen Adern an ihrer Stirn!«

Indessen zechten die Treiber, priesen den königlichen Wein und den glücklichen Tag, und als Uarda's Vater vorschlug, auch die Gefangenen ein Schlückchen kosten zu lassen, rief einer seiner Genossen: »Nur zu, das arme Vieh will sich auch einmal freuen.«

Der Rothbart füllte einen großen Becher und reichte ihn zuerst einem mit seinem Angeber zusammengeschmiedeten Fälscher, dann näherte er sich Pentaur und flüsterte ihm zu: »Trink nicht und bleibe wach!«

Als er sich auch dem Arzte, um ihn zu warnen, zuwenden wollte, kam ihm einer seiner Genossen zuvor und rief, indem er Nebsecht seinen Becher reichte. »Da, Rohrdommel, trink Eins! Seht nur, wie er zieht! Jetzt ist ihm das stotternde Maul behende genug!«

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