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Georg Ebers: Uarda - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
booktitleUarda Band I
authorGeorg Ebers
year1879
publisherEduard Hallberger
addressStuttgart und Leipzig
titleUarda
pagesIII-XIV
created20021019
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Drittes Kapitel.

Eine Stunde später zog Ani auf seinem glänzenden Wagen in reicher Kleidung, aus der Gruft seiner Väter kommend, an der Höhle der Zauberin und der Hütte des Vaters der Uarda vorbei.

Nemu hockte auf dem Trittbrett, dem gewöhnlichen Sitze der Zwerge. Der Kleine schaute zu der neu hergestellten Hütte hinüber und seine Zähne knirschten, als er bei Uarda einen Mann, dessen weißes Gewand durch die Oeffnungen des Zaunes schimmerte, sitzen sah.

Der Besucher des schönen Kindes war der Prinz Rameri, der im weißen Kleid eines jungen Schreibers des Schatzhauses in der Morgenfrühe über den Nil gefahren war, um Erkundigungen über Pentaur einzuziehen und Uarda eine Rose in's Haar zu stecken.

Dieß Vorhaben war doch wohl das wichtigere, denn das andere mußte wenigstens in der Zeitfolge hinter ihm zurückbleiben.

Er fand es auch nöthig, sich vor sich selbst mit mancherlei triftigen Gründen zu entschuldigen. Erstens lief ja die Rose, die wohlverwahrt in den Falten seines Gewandes ruhte, Gefahr, zu verwelken, wenn er zuerst beim Setihaus auf seine Genossen wartete, dann konnte ja auch eine schnelle Rückkehr von dort nach Theben nothwendig werden, und endlich schien es ihm nicht unmöglich, daß Bent-Anat ihm den Ceremonienmeister nachschicken würde, und wenn das geschah, so konnte jede Verzögerung sein Vorhaben gänzlich vereiteln.

Sein Herz schlug laut und heftig nicht nur dem Mädchen entgegen, sondern auch weil er fühlte, daß er unrecht handle.

Der Ort, den er betreten wollte, war unrein und Uarda gegenüber hatte er zum ersten Mal gelogen. Für einen Edelknaben aus dem Gefolge Bent-Anat's hatte er sich ausgegeben, und wie eine Unwahrheit andere nach sich zu ziehen pflegt, auf ihre Fragen falsche Auskunft über seine Eltern und sein Leben ertheilt.

War das Böse an dieser unreinen Stätte mächtiger über ihn als im Setihaus und im Palast seines Vaters? So verhielt es sich doch wohl, denn alle Unruhe in der Natur und im Menschen war das Theil des Seth, und wie wogte es so stürmisch in seiner Brust!

Und doch! Er wollte Uarda ja nur Gutes erweisen. Sie war so schön und hold, recht wie ein Götterkind, und das weiße Mädchen war gewiß ein geraubtes Kind und gehörte gar nicht zu den Unreinen.

Als der Prinz den Hof der Hütte betrat, war Uarda nicht zu sehen, aber bald vernahm er ihre aus der geöffneten Thür dringende Stimme.

Sie trat in's Freie, denn ihr Hund bellte Rameri feindlich an.

Als sie den Prinzen erblickte, erschrak sie und sagte: »Da bist Du schon wieder und ich habe Dich doch gewarnt. Die Großmutter drinnen ist eines Paraschiten Weib.«

»Die besuch' ich auch nicht,« gab der Prinz zurück, » sondern Dich allein und Du gehörst nicht zu diesen, das hab' ich mir jetzt überlegt. In der Wüste wachsen keine Rosen.«

»Und doch bin ich meines Vaters Kind,« sagte Uarda entschieden, »und meines armen, erschlagenen Großvaters Enkelin. Gewiß gehör' ich zu diesen, und wem ich zu schlecht bin, der kann ja fern von mir bleiben.«

Bei diesen Worten erhob sie den Fuß und schickte sich an, in die Hütte zurückzugehen, aber Rameri faßte ihre Hand, hielt sie zurück und sagte:

»Wie böse Du bist! Ich habe Dich ja zu retten versucht und kam schon zu Dir, eh' ich mir dachte, Du könntest . . . nun ja, Du wärest recht unähnlich den Leuten, die Du Deine Angehörigen nennst. Du darfst mich nicht mißverstehen; es war mir nur schrecklich, zu denken, daß Du, die Du so lilienweiß und schön bist, mit Theil haben sollst an dem schrecklichen Fluche. Es zieht ja Jeden, selbst meine Herrin Bent-Anat, zu Dir hin und da schien es mir so unmöglich . . .«

»Daß ich zu den Unreinen gehöre; sprich es nur aus!« sagte Uarda leise und schlug die Augen nieder.

Dann fuhr sie lebhafter fort: »Aber ungerecht, sage ich Dir, ist der Fluch, denn besser ist nie ein Mensch gewesen, als der arme Großvater war.«

Thränen quollen aus ihren Augen; Rameri aber sagte:

»Ich glaub' es Dir gern und es muß recht schwer sein, gut zu bleiben, wenn uns die Menschen verachten und schelten; ich wenigstens bin durch Tadel zu nichts, durch Lob zu allem Guten zu bringen. Freilich, die Leute sind ja gezwungen, den Meinen und mir mit Achtung zu begegnen.«

»Und uns mit Verachtung,« unterbrach ihn Uarda. »Aber ich will Dir etwas sagen! Wenn man weiß, daß man gut ist, dann ist es ganz gleich, ob man von Andern verachtet ober geehrt wird. Ja wir dürfen stolzer sein als ihr, denn ihr Großen müßt euch oft sagen, daß ihr weniger seid, als wofür man euch schätzt, wir aber wissen, daß wir mehr sind.«

»So hab' ich mir Dich gedacht!« rief Rameri aus, »und Einen gibt es doch, der Deinen Werth anerkennt, und das bin ich! Müßt' ich sonst wohl immer und immer an Dich denken?«

»Ich habe auch an Dich gedacht,« sagte Uarda. »Erst eben, als ich bei der kranken Großmutter saß, ging es mir durch den Sinn, wie schön es wäre, wenn ich einen Bruder hätte, der Dir gliche. Weißt Du, was ich thäte, wenn Du mein Bruder wärst?«

»Nun?«

»Ich kaufte Dir einen Wagen und Rosse und Du müßtest ausziehen mit den Kämpfern des Königs.«

»Bist Du so reich?« fragte Rameri lächelnd.

»O ja,« erwiederte Uarda. »Freilich erst seit kaum einer Stunde. Kannst Du lesen?«

»Ja.«

»Denke nur, als ich krank war, schickten sie mir vom Setihause einen Arzt. Er war sehr geschickt, aber seltsam. Er schaute mich oft mit Augen an wie ein Trunkener und er stammelte, wenn er sprach.«

»Hieß er Nebsecht?« fragte der Prinz.

»Ja, Nebsecht. Er hatte auch seltsame Dinge mit dem Großvater vor und bei dem schrecklichen Angriff auf uns trat er, nachdem Pentaur und Du uns gerettet hattest, mit für uns ein. Seitdem ist er nicht wieder gekommen; es ging mir ja auch viel besser. Heute nun, vor etwa zwei Stunden, bellt der Hund und ein älterer, fremder Mann tritt mir entgegen und sagt mir, er wäre Nebsecht's Bruder und bewahre sehr viel Geld für mich. Er gab mir auch einen Ring und sagte, er werde Jedem, der ihm den von mir bringe, das Geld auszahlen. Dann las er mir dieß Schreiben vor.«

Rameri nahm den Brief und las:

»Nebsecht an die schöne Uarda.

»Nebsecht grüßt Uarda und theilt ihr mit, daß er ihrem osirischen Großvater Pinem, dessen Leib die Kolchyten balsamiren wie den eines Großen, eine Summe von tausend Goldringen schuldet. Diese beauftragte er seinen Bruder Teta für sie zu jeder Stunde bereit zu halten. Sie soll Teta ganz vertrauen, denn er ist redlich, und ihn um Geld bitten, wenn sie solches braucht. Am besten wär' es, sie überließe es dem Bruder, das Geld für sie zu verwalten und ihr ein Haus und ein Ackerland zu kaufen. Dann soll sie das Haus mit ihrer Großmutter beziehen und sorglos darin wohnen. Ein Jahr lang möge sie warten, bis sie einem Manne folgt. Nebsecht liebt Uarda sehr. Ist er nach Ablauf von dreizehn Monaten nicht bei ihr gewesen, so möge sie zum Gatten wählen, wen sie mag; aber nicht bevor sie dem Dolmetscher des Königs das ihr von ihrer Mutter hinterlassene Kleinod gezeigt hat.«

»Seltsam!« rief Rameri. »Wer hätte dem sonderbaren Arzte, der immer unsaubere Kleider trug, solchen Edelmuth zugetraut! Aber was hast Du für ein Kleinod?«

Uarda öffnete ihr Gewand und zeigte dem Prinzen das blitzende Geschmeide.

»Das sind Diamanten! Das ist sehr köstlich!« rief der Prinz, »und da in der Mitte in dem halben Oval von Onyx stehen auch scharf geschnittene Schriftzeichen. Ich kann sie nicht lesen, aber ich will sie dem Dolmetscher zeigen! Hat das Deine Mutter getragen?«

»Der Vater fand es bei ihr, als sie starb,« erwiederte Uarda. »Als Kriegsgefangene kam sie nach Aegypten und sie war so weiß wie ich, aber stumm und konnte den Namen ihrer Heimat nicht nennen.«

»Einem großen Hause der Fremde gehörte sie an, und die Mutter bestimmt die Herkunft der Kinder,« rief Rameri lebhaft. »Ein Prinzeßchen bist Du, Uarda! O wie mich das freut und wie lieb ich Dich habe!«

Das Mädchen lächelte und sagte: »Nun brauchst Du auch nicht mehr zu befürchten, das unreine Mädchen zu berühren!«

»Du bist hart!« gab der Prinz zurück. »Soll ich Dir sagen, was ich mir gestern vornahm, was mich heute Nacht nicht schlafen ließ und weßwegen ich eigentlich herkam?«

»Nun?«

Rameri zog die schönste weiße Rose aus seinem Gewand und sagte. »Es ist eigentlich kindisch, aber ich habe mir gedacht, wie das wäre, wenn ich Dir diese Blume hier mit meinen eigenen Fingern in Dein schimmerndes Haar stecken könnte. Darf ich?«

»Die Rose ist köstlich. Eine so schöne hab' ich noch niemals gesehen!«

»Sie ist auch für mein stolzes Prinzeßchen. Nun, bitte, laß mich Dich schmücken! Wie Seide aus Tyrus, wie des Schwanes Brust, wie die Strahlen der goldenen Sterne sind Deine schimmernden Haare! Da steckt sie fest! Nein, lasse sie so! Wenn die sieben Hathoren Dich sehen, sie müssen Dich beneiden, denn Du bist schöner als sie alle.«

»Wie Du schmeichelst!« sagte Uarda beschämt und erröthend und blickte ihm doch in die leuchtenden Augen.

»Ach, Uarda,« rief der Prinz und preßte seine Hand auf das Herz. »Nun hätte ich doch noch einen Wunsch. Fühl' nur, wie es hier hämmert und pocht. Ich glaube, das kommt nicht eher zur Ruhe, als bis Du mir, nun ja, Uarda – als bis Du mir erlaubst, Dir einen Kuß, einen einzigen nur, zu geben!«

Da trat das Mädchen zurück und sagte ernst: »Nein! Nun seh' ich, was Du willst. Die alte Hekt kennt die Menschen und hat mich gewarnt.«

»Wer ist Hekt, was kann die denn von mir wissen?«

»Sie hat mir gesagt, es werde die Zeit erscheinen, in der ein Mann sich mir nahen werde. Sein Auge würde das meine suchen, und wenn ich seinen Blick erwiedere, so würde er nach meinen Lippen verlangen. Die sollte ich ihm weigern, denn wenn ich mir seinen Kuß gefallen ließe, dann griffe er nach meiner Seele und nähme sie mir fort und seelenlos müßte ich wandern wie die ruhelosen Geister, die die Tiefe ausstößt und der Sturm fortwirbelt und das Meer ausspeit und der Himmel nicht will. Geh' fort von mir, denn ich möchte Dir den Kuß nicht weigern und will doch nicht ruhelos ohne Seele wandern!«

»Ist die Alte gut, die Dich das gelehrt hat?« fragte der Prinz.

Uarda schüttelte verneinend das Haupt.

»Das kann sie auch gar nicht sein!« rief Rameri. »Denn Unwahres hat sie gesprochen. Ich will Dir Deine Seele nicht nehmen; ich will Dir meine zu der Deinen schenken und Du sollst nur Deine geben zu der meinen und so werden wir Beide nicht ärmer, sondern reicher werden!«

»Wohl möchte ich das glauben,« sagte Uarda nachdenklich, »und Aehnliches hab' ich selbst schon gedacht. Als ich noch gesund war, da mußt' ich manchmal spät an den Nil, um Wasser zu schöpfen beim Landungsplatze, wo das große Schöpfrad steht. Tausend Tropfen fielen da nieder von den thönernen Eimern und in jedem spiegelte sich ein Mond, und es stand doch nur einer am Himmel. Da dacht' ich bei mir; so mag es auch sein mit der Liebe im Herzen. Man hat ja nur eine und wir flößen sie doch in verschiedene Herzen, ohne daß sie kleiner würde an Kraft und matter an Glanz. Ich dachte an die Großeltern, den Vater, den kleinen Scherau und die Götter und Pentaur. Nun möcht' ich wohl auch Dir einen Theil von ihr geben!«

»Nur einen Theil?« fragte Rameri.

»Die ganze,« sagte Uarda, »soll sich in Dir abspiegeln, wie der ganze Mond in jedem Tropfen zu sehen war.«

»Das soll sie!« rief der Königssohn, umfaßte den schlanken Leib des zitternden Kindes und die beiden jungen Menschenseelen verbanden sich in ihrem ersten Kusse.

»Geh' nun!« bat Uarda.

»Laß mich noch bleiben!« rief der Prinz. »Setze Dich her zu mir auf die Bank vor der Hütte. Der Zaun verbirgt uns den Wanderern und dieß Thal ist jetzt ohnehin verlassen und öde.«

»Es ist nicht recht, was wir thun,« sagte Uarda nachdenklich, »denn wäre es das, so brauchten wir uns nicht zu verbergen.«

»Hältst Du für Unrecht, was der Priester im Allerheiligsten verrichtet?« fragte Rameri, »und es wird doch versteckt vor allen Blicken.«

»Wie Du überreden kannst!« lächelte Uarda. »Das macht, Du kannst schreiben und Du bist ja sein Schüler gewesen.«

»Sein! sein!« rief Rameri. »Du meinst Pentaur. Er ist mir immer der liebste von all' meinen Lehrern gewesen, aber es ärgert mich, wenn Du so von ihm sprichst, als gält' er Dir mehr, als ich und die Andern. Der Dichter, sagtest Du, sei einer der Tropfen, in denen der Mond Deiner Liebe sich spiegle, und mit vielen mag ich nicht theilen!«

»Wie Du nur redest!« unterbrach ihn Uarda. »Ehrst Du nicht Deinen Vater und die Götter? Wie Dich, so liebe ich keinen Andern, und das, was ich empfand, als Du mich küßtest, das war auch nicht wie Mondenlicht, sondern heiß wie die Sonne in dieser Mittagsstunde. Als ich Deiner gedachte, floh mich die Ruhe. Ich will's nur gestehen, wohl zwanzigmal schaut' ich vorhin zur Thüre hinaus und fragte mich: ›Ob mein Retter, der liebe freundliche Krauskopf, wohl kommen wird, oder ob er mich armes Mädchen verachtet?‹ Du bist gekommen und ich bin so glücklich und jubeln könnt' ich mit Dir so recht aus vollem Herzen! Sei wieder freundlich, sonst zaus' ich Dir die Locken!«

»Nur zu!« rief Rameri. »Du kannst mit den kleinen Händchen nicht weh thun, wohl aber mit Worten. Pentaur ist ja weiser und besser als ich, Du dankst ihm auch Vieles, und ich möchte dennoch . . .«

»Laß das!« unterbrach ihn das Mädchen und wurde ernst. »Er ist kein Mensch wie die anderen. Wollte er mich küssen, ich zerfiele in Staub wie die von der Sonne gehärtete Asche, die man mit dem Finger berührt, und fürchten könnt' ich seine Lippen wie die eines Löwen. Wenn Du auch spottest, so glaub' ich doch immer, er sei der Himmlischen Einer. Sein eigener Vater hat mir gesagt, ein großes Wunder habe sich an ihm schon am Tage nach seiner Geburt vollzogen. Die alte Hekt hat mich oft zu dem Gärtner geschickt und mir den Auftrag gegeben, nach seinem Sohne zu fragen. Der Mann ist rauh, aber gut. Erst war er nicht freundlich, aber als er sah, wie sehr mir seine Blumen gefielen, gewann er mich lieb und gab mir zu thun, denn er ließ mich Kränze und Sträuße binden und zu den Kunden tragen. Wenn wir so saßen und eine Blüte an die andere legten, da erzählte er stets von dem Sohne und seiner Schönheit und Weisheit und Güte. Als kleiner Knabe schon konnte er dichten, und lesen hat er gelernt, ohne daß es ihm Einer gezeigt hätte. Das erfuhr der Oberpriester Ameni und nahm ihn dann in's Setihaus. Da erwuchs er zum Staunen des Gärtners. Vor Kurzem ging ich mit dem Alten durch die Beete. Er sprach von Pentaur wie immer und blieb dann vor einem herrlichen Strauche mit breiten Blättern stehen und sagte: ›Mein Sohn ist wie diese Pflanze, die bei mir erwuchs, ich weiß selber nicht wie. Mit anderen Körnern, die ich drüben in Theben gekauft, legte ich ihren Samen in's Land. Nun kann Niemand sagen, woher sie stammt, und doch ist sie mein Eigen. Nach Aegypten gehört sie gewiß nicht. Und überragt nicht Pentaur mich und seine Mutter und seine Geschwister wie dieser Strauch die anderen Blumen? Knochig und klein sind wir Alle und er ist schlank, dunkel ist unsere Haut und röthlich die seine, rauh ist unsere Sprache, die seine klingt wie Gesang. Ich bleibe dabei, ein Götterkind ist er, das die Himmlischen in mein schlichtes Haus legten. Wer kennt ihren Rathschluß?‹ Manchmal sah ich dann Pentaur bei den Festen und sage nun selbst: Welcher andere Priester des Setihauses käme ihm gleich an Gestalt und Geberde? Ich hielt ihn für einen Gott, und nun ich ihn, da er mir das Leben rettete, mit übermenschlicher Kraft ganze Schaaren überwältigen sah, sollt' ich ihn nicht für ein höheres Wesen halten? Wie zu einem solchen blicke ich auf zu ihm; aber in die Augen ihm schauen wie Dir, das könnte ich niemals. Das würde mein Blut nicht schneller fließen, das würd' es gerinnen lassen. Wie soll ich nur sagen! Dich findet meine Seele, wenn sie vorwärts blickt, und um ihn zu finden, müßte sie in die Höhe schauen. Du bist mir ein frischer Rosenkranz, mit dem ich mich schmücke, und er ist ein heiliger Perseabaum, vor dem ich mich neige!«

Rameri hatte ihr schweigend zugehört und sagte dann: »Ich bin ja noch jung und habe noch nichts geleistet, aber es soll eine Zeit kommen, in der Du auch zu mir wie zu einem Baum aufsehen wirst, aber nicht wie zu einem heiligen, sondern wie zu der Sykomore, unter deren Schatten wir am liebsten ruhen. Ich bin nicht mehr fröhlich und ich will Dich verlassen, denn ich habe eine ernste Pflicht zu erfüllen. Pentaur ist ein ganzer Mann und ich will es werden. Du aber sollst der Rosenkranz sein, der mich schmückt. Männer, die man mit Blumen vergleicht, sind mir zuwider.«

Der Prinz erhob sich und reichte Uarda seine Rechte.

»Du hast eine starke Hand,« sagte das Mädchen. »Du wirst ein herrlicher Mann werden und sie zu Gutem und Großem gebrauchen; sieh' nur, meine Finger sind roth geworden von ihrem Drucke. Ganz unnütz sind sie doch auch nicht. Schweres angefaßt haben sie freilich niemals; aber was sie pflegen, sagte der Großvater oft, das gedeiht, und er nannte sie ›glücklich‹. Sieh' nur die schönen Lilien und den Granatenstrauch in jenem Eckchen dort. Die Erde hat der Großvater mir vom Nil hierher getragen, den Samen schenkte mir Pentaur's Vater, und jedes Pflänzchen, das als grüner Trieb aus der Erdschicht hervorzuschauen wagte, das hab' ich so lange gehegt und gepflegt und mit Mühe begossen, denn in meinem Krüglein mußt' ich mir das Wasser holen, – bis er lebenskräftig war und mir mit Blumen dankte. Nimm diese Granate. Sie ist die erste, die mein Strauch mir getragen, und seltsam ist es doch; denn als sich die feste Knospe lang streckte und rundlicher ward und sich röthlich färbte, da hat die Großmutter gesagt: Nun wird Dein Herzchen wohl auch bald Knospen treiben und lieben. Jetzt weiß ich auch, was sie meint, und Dir gehören die beiden ersten Blumen, die rothe vom Strauche hier und die andere, die man nicht sieht, und die doch wohl noch feuriger glänzt.«

Rameri drückte die Granatenblüte an seine Lippen und streckte seine Hand nach Uarda aus, aber sie wich zurück, denn durch eine Oeffnung des Zaunes schlüpfte eine Gestalt.

Es war der kleine Scherau, den die alte Hekt zum Zwerge erzog.

Sein hübsches Gesichtchen glühte vom schnellen Lauf und sein Athem flog. Eine Zeitlang rang er vergeblich nach Worten und schaute dabei ängstlich auf den Prinzen.

Uarda sah ihm an, daß ihn etwas Ungewöhnliches bewege, redete ihm freundlich zu und sagte, als er sie allein zu sprechen begehrte, Rameri sei ihr bester Freund, vor dem er sich nicht zu scheuen brauche.

»Aber es betrifft ja nicht Dich und mich,« erwiederte der Kleine, »sondern den guten heiligen Vater Pentaur, der so freundlich gegen mich war und der Dir das Leben gerettet.«

»Ich bin Pentaur wohl gesinnt,« sagte der Prinz. »Nicht wahr, Uarda, er darf getrost vor mir reden?«

»Ich darf?« fragte Scherau. »Das ist gut. Ich habe mich ja fortgeschlichen. Hekt kann jeden Augenblick wieder kommen und wenn sie merkt, daß ich mich davon gemacht, so bekomm' ich Schläge und nichts zu essen.«

»Wer ist denn diese schändliche Hekt?« fragte der Prinz entrüstet.

»Das kann Dir Uarda nachher erzählen,« eilte der Kleine. »Jetzt hört nur. Sie hatte mich auf meinem Brett in die Höhle gelegt und mit dem Sacke bedeckt, da kam erst Nemu und dann ein anderer Mann, den sie ›Haushofmeister‹ nannte. Mit dem sprach sie Manches. Erst hört' ich nicht hin, dann aber verstand ich den Namen Pentaur, machte mir den Kopf frei und verstand nun Alles. Der Haushofmeister sagte, der gute Pentaur sei böse und stünde ihm im Wege, und erzählte, der Oberpriester Ameni wollte ihn in die Steinbrüche von Chennu schicken, aber diese Strafe wäre viel zu gering! Da rieth ihm Hekt, er möge heimlich dem Schiffsführer gebieten, ihn an Chennu vorbei und nach Aethiopien zu führen, in die schrecklichen Bergwerke, von denen sie mir oft erzählt hat, denn ihr Vater und ihre Brüder sind dort zu Tode gequält worden.«

»Keiner kehrte wieder von dort,« rief der Prinz, »aber weiter!«

»Ja, was nun kam, das konnte ich nur halb verstehen, aber von einem Tranke sprach sie, der wahnsinnig macht. O was ich Alles sehe und höre! Gern läg' ich mein Lebenlang auf dem Brett, aber das Alles ist gar zu gräßlich; ich wollte, daß ich todt wäre!«

Der Kleine begann bitterlich zu weinen.

Uarda, deren Wangen sich entfärbt hatten, streichelte ihn liebreich; Rameri aber rief: »Das ist furchtbar und unerhört! Wer war der Haushofmeister? Verstandest Du nicht seinen Namen? Nimm Dich zusammen, Bursche, und hör' auf zu weinen! Es handelt sich um eines Menschen Leben! Wer war der Schurke? Nannte sie ihn nicht? Besinne Dich!«

Scherau biß sich auf die rothen Lippen und rang nach Fassung. Seine Thränen versiegten und plötzlich rief er, indem er in die Brustöffnung seines durchlöcherten Röckchens griff: »Warte, vielleicht erkennt ihr ihn wieder; ich hab' ihn gemacht!«

»Was hast Du?« fragte der Prinz.

»Gemacht hab' ich ihn,« wiederholte der kleine Künstler und zog behutsam eine in ein Läppchen eingeschlagene Masse hervor. »Ich konnte seinen Kopf gerade ganz scharf von der Seite sehen, so lange er sprach, und mein Thon lag neben mir. Ich muß immer formen, wenn das Herz mir bewegt ist, und dießmal machte ich schnell sein Gesicht und weil mir das Bild gelungen schien, so steckt' ich es zu mir, um es, wenn Hekt fortgehen würde, dem Meister zu zeigen!«Die Portraits aus den Denkmälern, namentlich die in Basrelief behandelten Profilköpfe, sind außerordentlich scharf und charakteristisch modellirt. Die Umrißzeichnungen in einem unvollendeten Saale des Grabes Seti I. zu Biban el Muluk erregen heute noch die lebhafte Bewunderung unserer Künstler. Eine schöne Sammlung von charakteristischen Portraitköpfen der Pharaonen findet sich in Lepsius' Denkmälern aus Aegypten und Aethiopien.

Der Kleine hatte, während er diese Worte sprach, mit zitternden Fingern den Lappen von dem Modell entfernt und reichte es Uarda.

»Ani!« rief der Prinz. »Er ist's und kein Anderer! Wer konnte das denken! Was will er von Pentaur? Was that ihm der Priester?«

Einen Augenblick sann er nach, dann schlug er sich mit der Hand vor die Stirn und rief heftig: »Ich Narr, ich Kind! So ist's, so ist's! Ich weiß Alles! Ani hat um die Hand Bent-Anat's geworben und sie – ja nun erst seit ich Dich liebe, Uarda, seh' ich, was in ihr vorgeht! Fort mit dem Truge! Ich will nicht mehr lügen. Ich bin kein Edelknabe Bent-Anat's, ich bin ihr Bruder und des König Ramses eigener Sohn. Schlag' nicht die Hand vor Dein Angesicht, Uarda, denn hätte ich auch nicht das Kleinod Deiner Mutter gesehen und wär' ich kein Prinz, sondern Horus selbst, der Sohn der Isis, ich müßte Dich lieben und ließe Dich nicht. Aber jetzt gibt es Anderes zu thun als mit Dir zu tändeln. Jetzt werd' ich Dir zeigen, daß ich ein Mann bin, jetzt gilt es, Pentaur zu retten. Leb' wohl, Uarda, und denke an mich!«

Er wollte von dannen eilen, Scherau aber hielt ihn am Kleide zurück und sprach schüchtern: »Du sagst, Du wärest ein Sohn des Ramses. Auch von dem hat die alte Hekt mit ihm geredet. Sie verglich ihn mit unserem mausernden Sperber.«

»Bald wird er die Fänge des Königsadlers verspüren,« rief der Prinz. »Noch einmal leb' wohl!«

Er reichte Uarda die Hand, sie drückte ihre Lippen heiß auf dieselbe, er aber entzog sie ihr, küßte ihre Stirn und eilte davon.

Sprachlos und bleich schaute das Mädchen ihm nach.

Sie sah, wie er an einem Manne vorüber eilte, und erkannte in dem Letztern ihren Vater. Schnell ging sie ihm entgegen. Der Soldat kam, um Abschied von ihr zu nehmen; er hatte Gefangene fortzuführen.

»Nach Chennu?« fragte Uarda.

»Nein, nach Norden,« entgegnete der Rothbart.

Nun erzählte ihm seine Tochter, was sie vernommen, und fragte, ob er dem Priester, der ihr das Leben gerettet, helfen könne.

»Hätt' ich Geld, hätt' ich Geld!« murmelte der Soldat nachdenklich.

»Das haben wir!« rief Uarda, erzählte ihm von Nebsecht's Schenkung und sagte: »Führe mich über den Nil und in zwei Stunden hast Du, was einen Menschen reich macht.Es sei bemerkt, daß die Frauen in Aegypten dispositionsfähig über ihr Vermögen waren. Siehe z. B. den VII. gr. Papyrus im Louvre. Es schließen in demselben die Tochter des Schuldners und der Sohn des Gläubigers einen Vergleich. Beide gehören denselben Kreisen an wie Uarda, denn Arsiesis ist der Sohn eines Kolchyten von Theben. und Asklepias, genannt Senimuthis, die Frau (oder Dienerin) eines Leichenbestatters in der gleichen Stadt. Aber nein, ich kann ja die kranke Großmutter nicht verlassen! Nimm Du selbst den Ring und denke, daß sie Pentaur strafen, weil er uns zu beschützen wagte.«

»Das bedenke ich,« sagte der Soldat. »Ich habe nur ein Leben, aber das will ich gern daran setzen, um seines zu retten. Anschläge ersinnen kann ich nicht, aber etwas weiß ich und wenn mir das glückt, so braucht er nicht in die Goldbergwerke. Hier stell' ich die Weinflasche her, gib mir einen Schluck Wasser, denn ich brauche in den nächsten Stunden einen nüchternen Kopf.«

»Da hast Du das Wasser, und einen Schluck Wein gieße ich doch darunter! Kommst Du wieder und bringst mir Nachricht?«

»Das wird nicht angehen, denn um Mitternacht brechen wir auf; aber wenn Dir Jemand den Ring zurückbringt, so ist das, was ich vorhabe, gelungen.«

Uarda ging in die Hütte, ihr Vater folgte ihr, nahm Abschied von seiner kranken Mutter und seiner Tochter und sagte, als sie in's Freie traten: »Ihr habt zu leben von den Geschenken der Prinzessin bis zu meiner Heimkehr und ich brauche nur die Hälfte von der Gabe des Arztes. Aber wo ist Deine Granatenblüte?«

»Ich habe sie gepflückt und an einem lieben Orte aufbewahrt.«

»Seltsame Weiber!« murmelte der bärtige Mann, küßte behutsam die Stirn seines Kinder und kehrte zum Nil zurück, woher er gekommen.

Der Prinz war unterdessen fortgeeilt und erkundigte sich im Hafen der Nekropole, – denn von dort aus pflegten die Schiffe mit den Gefangenen in nächtlicher Stunde abzufahren, – wo das für Chennu bestimmte Fahrzeug vor Anker liege. Dann ließ er sich über den Nil setzen und eilte zu Bent-Anat. Er fand sie und Nefert in ungewöhnlicher Erregung, denn der treue Ceremonienmeister hatte durch Freunde des Königs in Ani's Umgebung erfahren, daß der Statthalter alle nach Syrien bestimmten Briefe und unter ihnen auch die der Königskinder in Theben zurückgehalten habe.

Ein dem Ramses ergebener Kammerherr theilte sodann, durch den Ceremonienmeister ermuthigt, Bent-Anat Anderes mit, was an den ehrgeizigen Plänen ihres Oheims kaum zu zweifeln gestattete. Sie wurde auch gebeten, sich vor Nefert zu hüten, deren Mutter des Statthalters vertraute Rathgeberin sei.

Bent-Anat lächelte über diese Warnung und schickte in derselben Stunde einen Boten an Ani, um ihm mitzutheilen, daß sie bereit sei, die Pilgerfahrt zur Smaragden-Hathor zu unternehmen und sich in ihrem Heiligthume reinigen zu lassen.

Sie gedachte, von dort aus Boten an ihren Vater zu schicken und ihm, wenn er es gestattete, in's Feldlager zu folgen.

Diesen Plan theilte sie ihrer Freundin mit und Nefert hielt jeden Weg für den besten, der sie ihrem Gatten entgegenführte.

Rameri wurde schnell in Alles eingeweiht; er berichtete dagegen, was er erfahren, und ließ Bent-Anat ahnen, daß er das Geheimniß ihres Herzens durchschaue.

So würdig, so ernst war die Haltung und Rede des sonst so übermüthigen Tollkopfs, daß Bent-Anat bei sich dachte, die Gefahr seines Hauses habe plötzlich den Knaben zum Manne gereift.

Auch hatte sie nichts gegen seine Anordnungen einzuwenden. Er selbst wollte mit einem einzigen treuen Diener nach Sonnenuntergang mit schnellen Rossen nach Keft fahren, und von dort eilig durch die Wüste zum Schilfmeere reiten, um daselbst ein phönizisches Schiff zu miethen und nach Aila zu segeln. Von dort aus wollte er die Felsenberge der Sinaihalbinsel überschreiten und in Eilmärschen dem ägyptischen Heere und seinem Vater zustreben, um ihn von Ani's verbrecherischem Treiben in Kenntniß zu setzen.

Bent-Anat wurde die Aufgabe ertheilt, mit Hülfe des getreuen Ceremonienmeisters Pentaur zu retten.

An Geld fehlte es nicht, denn auch der Schatzmeister war ihr ergeben. Es kam darauf an, den Schiffsführer zu bestimmen, in Chennu zu landen. Des Dichters Loos war dort im schlimmsten Fall ein erträgliches. Zu gleicher Zeit sollte ein treuer Bote mit einem Schreiben an den Gouverneur von Chennu abgesandt werden, welches diesem Letztern im Namen des Königs Ramses befahl, jedes die Stromenge von Chennu bei Nacht passirende Schiff anzuhalten und zu verhindern, daß die zur Arbeit in den Sandsteinbrüchen seiner Stadt verurteilten Gefangenen nach Aethiopien geschleppt würden.

Rameri nahm Abschied von den Frauen und es gelang ihm, Theben unbemerkt zu verlassen.

Bent-Anat lag betend vor den Bildern ihrer osirischen Mutter, der Hathor und der Schutzgötter ihres Hauses, bis der Ceremonienmeister heimkehrte und ihr mittheilte, der Schiffsführer sei von ihm bestimmt worden, in Chennu zu landen und Ani zu verschweigen, daß sein Anschlag verrathen sei.

Tief athmete die Königstochter auf, denn sie hatte den Entschluß gefaßt, wenn des treuen Dieners Sendung fehlschlage, in die Nekropole zu fahren, die Abfahrt des Schiffes zu verbieten und im äußersten Falle das Volk im Namen ihres Vaters gegen Ani aufzurufen.

Am folgenden Morgen ließ Frau Katuti die Prinzessin um Erlaubniß bitten, ihre Tochter sprechen zu dürfen. Bent-Anat zeigte sich nicht der Wittwe, deren Versuch, ihr Kind von der Reise mit der Königstochter abzuhalten und in ihr Haus zurückzuführen, scheiterte.

Empört und unruhig eilte die gekränkte Mutter zu Ani und bat ihn, Nefert mit Gewalt zurückzuhalten; der Statthalter wünschte jedoch jedes Aufsehen zu vermeiden und Bent-Anat mit dem Gefühle der vollsten Sicherheit abreisen zu lassen.

»Sei unbesorgt,« sagte er, »ich gebe den Frauen eine treue Schaar mit, die sie bei der Smaragden-Hathor zurückhalten wird, bis sich Alles entschieden hat. Dann magst Du Nefert dem rauhen Paaker zuführen, wenn er Dir noch als Schwiegersohn genehm sein sollte, nach Manchem, was ich in Erfahrung brachte. Was mich betrifft, so bewege ich am Ende meine stolze Nichte doch noch, statt niederwärts, aufwärts zu schauen. Ich werde ihre zweite Liebe sein, aber sie ist ja auch nicht meine erste!«

Am folgenden Tage brachen die Frauen auf.

Ani verabschiedete sich von ihnen mit freundlicher, kühl erwiederter Förmlichkeit.

Die Priesterschaft des Amontempels von Theben und an ihrer Spitze der alte Bek en Chunsu gaben ihnen das Geleit an den Hafen. Das Volk am Ufer rief Bent-Anat's Namen und viele Segenswünsche, aber auch viele höhnische Worte ließen sich vernehmen.

Dem Nilschiff der Pilgerinnen folgten zwei andere voller Soldaten, welche die Frauen »zu ihrem Schutze« begleiten sollten.

Der Südwind schwellte die Segel und führte das Fahrzeug schnell stromabwärts. Die Prinzessin schaute bald hinüber zu dem Palaste ihrer Väter, bald hin zu den Gräbern und Tempeln der Nekropole. Endlich verschwanden auch die Kolosse des Amenophis und die letzten Häuser von Theben. Schmerzlich seufzte die starke Jungfrau und Thränen rollten über ihre Wangen. Ihr war als flöhe sie aus einer verlorenen Schlacht, aber doch nicht muthlos, sondern hoffend auf künftige Siege.

Als sie sich wandte, um das Kajütenhaus aufzusuchen, trat ihr ein verschleiertes Mädchen entgegen, nahm die Hülle von ihrem Angesicht und sagte:

»Verzeih' mir, Prinzessin, ich bin die Uarda, die Du überfahren hast und gegen die Du so gütig gewesen. Meine Großmutter ist gestorben und ich bin nun ganz allein. Mit Deinen Dienerinnen schlich ich mich zu Dir, denn ich will Dir folgen und Alles thun, was Du befiehlst. Nur weise mich nicht von Dir!«

»Bleibe, liebes Kind,« sagte die Prinzessin und legte die Hand auf ihr Haar.

Ueberrascht von ihrem wunderbaren Liebreiz, dachte sie an ihren Bruder und seinen Wunsch, Uarda's glänzende Flechten mit einer Rose zu schmücken.

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