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Georg Ebers: Uarda - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
booktitleUarda Band I
authorGeorg Ebers
year1879
publisherEduard Hallberger
addressStuttgart und Leipzig
titleUarda
pagesIII-XIV
created20021019
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
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Vierzehntes Kapitel.

Nachdem endlich des Wegeführers Boot mit seiner Mutter und der Leiche seines Hundes, die er balsamiren und zu Kynopolis,Das altägyptische Saka (das heutige Samalut), in dem als Hauptgottheit Anubis verehrt ward. Plutarch erzählt, daß die Oxyrynchiten, die den Oxyrynchosfisch verehrten, mit den ihnen benachbarten Kynopoliten, die den Hund heilig hielten, wegen dieser Thiere einen Krieg anfingen. Der Streit begann, indem die Kynopoliten Oxyrynchosfische aßen, die Oxyrynchiten aber aus Rache Hunde fingen, sie schlachteten und als Opfermahl verzehrten. Eine ähnliche Geschichte erzählt Juvenal in der XV. Satire von den Ombiten (doch wohl Koptiten) und Tentyriten. der Stadt, in welcher man die Hunde vor allen anderen Thieren heilig hielt, beisetzen lassen wollte, die Ueberfahrt begonnen hatte, begab er sich in das Setihaus, woselbst in der dem Feste folgenden Nacht ein großes Gastmahl die vornehmen Priester der Nekropole und des jenseitigen Theben, die Festgesandten und auserlesenen Würdenträger zu vereinigen pflegte.

Sein Vater hatte, wenn er sich in Theben befand, niemals bei dieser Gasterei gefehlt; ihm selbst blühte heute zum ersten Male die von Vielen erstrebte Auszeichnung, welche er, Ameni hatte es ihm, als er ihn gestern einlud, ausdrücklich gesagt, dem Statthalter verdankte.

Seine Mutter hatte ihm die von Rameri zerschlagene Hand verbunden. Sie schmerzte ihn heftig, aber er würde um keinen Preis das Gastmahl des Setihauses versäumt haben, wenn er sich auch davor fürchtete.

Sein Geschlecht war so alt und vornehm wie irgend eines in Aegypten, sein Blut reiner als das des Königs, und dennoch fühlte er sich niemals in den Gesellschaften der Großen heimisch.

Er war kein Priester und doch ein Schreiber, er war ein Krieger und stand doch nicht in Reih und Glied mit den Helden des Königs.

Zu strenger Pflichterfüllung war er herangezogen worden und er widmete sich auch eifrig seinem Berufe, seine Lebensgewohnheiten aber wichen weit ab von denen der Gesellschaft, in der er herangewachsen und deren Zierde sein schöner, tapferer und großmütiger Vater gewesen war.

Er hing nicht geizig an seinen ererbten Schätzen und die edle Eigenschaft der Freigebigkeit schien ihm nicht fremd zu sein, aber die Rohheit seines Herzens zeigte sich gerade wenn er gab, am augenfälligsten, denn dann ward er nicht müde, den von ihm abhängigen Beschenkten den Dank, den sie ihm schuldeten, vorzuhalten, und durch seine Gaben glaubte er das Recht erworben zu haben, Denjenigen, welche sie annahmen, nach seinem Gefallen roh und anspruchsvoll zu begegnen. So kam es denn, daß ihm seine besten Thaten eher Feinde als Freunde erwarben.

Paaker war eben eine unedle, das heißt eine eigensüchtige Natur, die, um ihren Weg zu kürzen, ebenso gern auf Blumen wie auf Wüstensand tritt. Diese Eigenart seines Innern trat überall, auch in seinem Aeußern zu Tage; im Klange seiner Stimme, in den breiten Zügen seines Gesichtes und den gespreizten Bewegungen seiner gedrungenen Gestalt.

Im Lager konnte er sich geberden wie er wollte; dieß war unerlaubt in der Gesellschaft seiner Standesgenossen. Darum und weil ihm die Gabe der schnellen Rede und Gegenrede, die ihnen eignete, versagt war, fühlte er sich unwohl und am unrechten Platz in ihrer Mitte und er würde auch der Einladung Ameni's kaum gefolgt sein, wenn sie nicht seiner Eitelkeit geschmeichelt hätte.

Es war spät geworden, aber erst um Mitternacht begann das Mahl, denn die Gäste wohnten vor dem Beginn desselben dem Schauspiele bei, welches auf dem heiligen See im Süden der Nekropole bei Lampenlicht und Fackelschein aufgeführt wurde und das die Schicksale der Isis und des Osiris zur Darstellung brachte.

Als er den festlich geschmückten Hof betrat, in dem die Tafeln aufgerichtet waren, fand er alle Gäste versammelt. Auch der Statthalter Ani war erschienen und saß zur Rechten Ameni's an der Spitze des mittelsten, vornehmsten Tisches, an dem mehrere Plätze unbesetzt waren, denn die Propheten und Geweihten des Amon von Theben hatten ihr Ausbleiben entschuldigen lassen. Sie hingen treu an Ramses und seinem Hause, ihr greiser Vorsteher mißbilligte das kühne Vorgehen Ameni's gegen die Königskinder und sie hielten das Wunder des Widderherzens für einen feindseligen Streich der Nekropole gegen den von dem Pharao vielfach bevorzugten Reichstempel.S. Bd. II. S. 24. Fast alle Könige im neuen Reiche sorgten mit verschwenderischer Freigebigkeit für den Tempel von Karnak. Der älteste in ihm erhaltene Name ist der Usertesen I. (12. Dyn.). Während der Hyksoszeit ruhten die Arbeiten an ihm, aber die Könige der 18. und 19. Dynastie erweiterten ihn mit Anlagen von unübertroffenen Dimensionen. Die große Halle, welche Ramses I. gründete, Seti I. baute und Ramses II. ausschmückte, enthielt 134 Säulen und war 102 : 51 Meter groß, auch den mit Karnak verbundenen Tempel von Luqsor, der in der 18. Dynastie gegründet worden war, vollendete Ramses durch großartige Bauten. Zu der Ostseite von Karnak fügte er neue Theile und ungeheuer waren die königlichen Geschenke, welche in die Schatzkammern dieses Heiligthums flossen. Treffliche Grundrisse aller Theile des Tempels von Karnak sind jüngst veröffentlicht worden von Mariette in seinem Karnak.

Der Wegeführer ging der Tafel zu, an welcher der Feldhauptmann der siegreich aus Aethiopien heimgekehrten Truppen mit andern hohen Offizieren saß. Neben den Erstern war ein Platz frei. Paaker faßte denselben in's Auge; als er aber bemerkte, daß der General seinem Nebenmanne winkte, näher an ihn heran zu rücken, glaubte der Wegeführer, daß Jener ihn verhindern wolle, sein Nachbar zu werden, und wandte mit einem ingrimmigen Blicke der Tafel der Krieger den Rücken.

Der Mohar war kein gern gesehener Zechgenosse. »Mein Wem wird mir sauer, wenn der Tölpel hineinsieht,« sagte der Feldhauptmann.

Die Augen der Gäste richteten sich auf Paaker, welcher nach einem Platze ausschaute. Als ihn Niemand zu sich heranwinkte, fühlte er, wie sich sein Blut erhitzte. Am liebsten hätte er sogleich mit einem Fluche den Festsaal verlassen.

Schon wandte er sich der Thür zu, als der Statthalter, der mit Ameni einige Worte im Flüsterton gewechselt hatte, ihn anrief, ihn bat, den für ihn aufbewahrten Platz einzunehmen, und auf den Stuhl an seiner Seite, der dem ersten Propheten des Reichstempels bestimmt gewesen war, deutete.

Paaker nahm, sich tief verneigend, diesen Ehrenplatz ein und wagte es nicht, von der Tafel aufzuschauen, weil er spöttischen oder verwunderten Gesichtern zu begegnen fürchtete. Und doch hatte er sich seinen Großvater Assa und seinen Vater nur in der Nähe dieses ihnen auch wirklich oft genug eingeräumten Platzes denken können.

Und war er denn nicht ihr Nachfolger und Erbe? Stammte seine Mutter Setchem nicht aus einem königlichen Geschlechte? War das Setihaus ihm nicht zu größerem Danke verpflichtet, als jenen?

Ein Diener legte ihm einen Kranz um die breiten Schultern und ein anderer reichte ihm Wein und Speisen.

Nun erhob er den Blick und begegnete dabei den ihn munter anfunkelnden Augen des ihm gegenüber sitzenden zweiten Propheten Gagabu.

Von Neuem schaute er auf die Tafel.

Da redete ihn der Statthalter an und erzählte, sich halb an die Umsitzenden wendend, daß der Mohar morgen nach Syrien zu ziehen und seine schweren Pflichten von Neuem aufzunehmen gedenke.

Es klang Paaker, als wollte sich Ani bei den Anderen entschuldigen, weil er ihm einen Ehrenplatz angewiesen habe. Endlich erhob der Statthalter den Becher und trank auf den guten Erfolg der Kundschaftsfahrten und ein siegreiches Ende aller Kämpfe des Mohar.

Der Oberpriester that dem Letztern Bescheid und dankte ihm laut im Namen des Setihauses für das schöne Stück Ackerland, das er ihm als Festgabe am heutigen Morgen verehrt hatte.Schenkungen von Ackerland an die Tempel durch die Könige sind etwas ganz Gewöhnliches und tausend Denkmäler haben das Andenken an solche bewahrt; aber auch reiche Privatleute beschenkten nicht nur die Heiligthümer mit Grund und Boden, sondern stifteten sogar Summen zu ihrer Erweiterung. So Amen em apt zu Medinet Habu.

Ein beifälliges Gemurmel ward laut und mit diesem begann das Gefühl der Unsicherheit von ihm zu weichen.

Paaker trug seine ihn immer noch heftig schmerzende Hand in der ihm von seiner Mutter umgelegten Binde.

»Bist Du verwundet?« fragte der Statthalter.

»Es hat nichts zu sagen,« antwortete der Wegeführer. »Als ich meine Mutter zum Boote geleitete, da fiel . . . .«

»Da fiel,« lachte ein früherer Mitschüler von ihm, der sehr hoch gestellte Befehlshaber der Wachtmannschaften von Theben, »da fiel ein Stock oder Ruder auf seine Finger.«

»Das wäre!« rief der Statthalter.

»Und ein ganz junges Bürschchen hat sich an ihm vergriffen,« fuhr der Befehlshaber fort. »Haarklein berichteten meine Leute Alles. Erst erschlug der Knabe seinen Hund . . . .«

»Den schönen Descher?« fragte der greise Vorsteher der Jagden voller Bedauern. »Dein Vater war oft mit ihm an meiner Seite beim Stellen der Eber.«

Paaker nickte; der Andere aber begann im sichern Gefühl seiner Stellung und Würde, nicht achtend der Zornesglut, welche die Wangen des Wegeführers bedeckte, von Neuem: »Als der Hund am Boden lag, da schlug Dir der Wagehals den Dolch aus der Hand.«

»Und hat dieser Streit zu Unruhen geführt?« fragte Ameni ernst.

»Nein,« sagte der Befehlshaber. »Das heutige Fest verlief überhaupt in ungewöhnlicher Ruhe. Hätte nicht der unglückliche Zwischenfall mit dem verrückten Paraschiten die Prozession gestört, so könnten wir die Menge nur loben. Außer dem kampflustigen Priester, den wir Euch ausgeliefert, sind nur einige Diebe eingebracht worden. Sie gehörten sämmtlich zur Kaste,Es soll nach Diodor I. 80 eine eigene Diebeskaste in Aegypten gegeben haben. Alle Bürger mußten sich in die Civilstandsregister eintragen lassen und angeben, wovon sie lebten; also auch die Diebe. Beim Diebshauptmann wurde der Name eingeschrieben, und ihm mußte alles Gestohlene ausgeliefert werden. Der Beraubte hatte ein schriftliches Verzeichniß der von ihm vermißten Gegenstände einzureichen und dabei auch Tag und Stunde anzugeben, an denen sie ihm fortgekommen waren. So fand man leicht das gestohlene Gut bei dem Hauptmanne wieder und dieser lieferte es dem Besitzer aus gegen Zahlung des vierten Theils des Werthes seines zurückerlangten Eigentums, das dann den Dieben zu Gute kam. Eine ähnliche Einrichtung soll noch vor verhältnißmäßig kurzer Zeit in Kairo bestanden haben. darum nahmen wir ihnen einfach ihren Raub ab und ließen sie laufen. Aber sage, Paaker, welche freundlichen Geister sind dort am Hafen in Dich gefahren, daß Du den Burschen ungestraft entwischen ließest?«

»Das thatest Du?« rief der alte Gagabu, »der Haß ist doch sonst Dein Handwerk . . . .«

Ameni warf dem Greise einen so vorwurfsvollen Blick zu, daß er schwieg, und fragte dann den Wegesichrer: »Wie entstand der Streit und wer war der Bursche?«

»Freches Volk,« rief Paaker, »wollte seinen Nachen dem Boot, auf das meine Mutter wartete, vordrängen und ich behauptete mein Recht; da fiel der Bursche mich an, tödtete den Hund und, bei meinem osirischen Vater, der das Thier geliebt hat, die Krokodile hätten ihn längst gefressen, wenn nicht ein Weib zwischen ihn und mich getreten wäre und sich mir zu erkennen gegeben hätte als Bent-Anat, die Tochter des Ramses. Sie war es selber und der Bursche der junge Prinz Rameri, den ihr gestern aus diesem Hause verwiesen habt.«

»Oho,« rief der alte Jägermeister, »oho, mein Herr Mohar, spricht man so von den Kindern des Königs?«

Auch andere dem Pharao anhängende Beamte zeigten sich unwillig; Ameni aber flüsterte dem Wegeführer zu: »Schweige jetzt!« dann sagte er laut: »Das Wägen der Worte, mein Freund, war nie Deine Sache und heute, so scheint es, sprichst Du im Fieber. Komm' her, Gagabu, und untersuche Paaker's Wunde, die ihn nicht schändet, denn ein Königssohn hat sie geschlagen.«

Der Alte löste die Binde von der stark angeschwollenen Hand des Mohar und rief: »Das war ein böser Schlag, drei Finger sind Dir gebrochen und mit ihnen, sieh' da, der Smaragd in Deinem Siegelringe.«

Paaker blickte auf seine schmerzenden Finger hernieder und athmete auf, denn nicht sein Orakelring mit dem Namen Thutmes III., sondern der kostbare Reifen, den der regierende König einst seinem Vater geschenkt hatte, war zertrümmert. Nur noch einzelne Splitter des flach geschliffenen Siegelsteines hingen in der goldenen Fassung. Der Name des Königs war mit den fehlenden Stücken zu Boden gefallen und verschwunden. Paaker's blutlose Lippen bewegten sich wieder und eine innere Stimme rief ihm zu: »Die Götter zeigen Dir Deinen Weg! Der Name ist vernichtet, sein Träger soll folgen!«

»Schade um den Ring,« sagte Gagabu, »und wenn die Hand ihm nicht folgen soll – zum Glück ist es nur die linke – so höre jetzt auf zu trinken, laß Dich zum Arzte Nebsecht führen und bitte ihn, die gebrochenen Knochen hübsch einzurichten und zu verbinden.«

Paaker erhob und verabschiedete sich, nachdem ihn für den folgenden Tag Ameni in das Setihaus und der Statthalter in den Palast beschieden hatten.

Als sich die Thür hinter dem Wegeführer schloß, sagte der Schatzmeister des Setihauses: »Das war ein schlimmer Tag für den Mohar, der ihn vielleicht lehren wird, daß man hier in Theben nicht wüthen darf wie im Felde. Ihm ist heute noch eine andere Geschichte begegnet. Wollt ihr sie hören?«

»Erzähle!« riefen seine Tischgenossen.

»Ihr kennt den alten Seni,« begann der Schatzmeister. »Er war ein reicher Mann, aber gab seine Habe dahin für die Armen, nachdem ihm sieben blühende Söhne, einer nach dem andern, im Krieg und durch Krankheit entrissen waren. Nur ein kleines Haus mit einem Gärtchen behielt er für sich und sagte, wie die Götter sich seiner Kinder annehmen sollten im Jenseits, so wollt' er sich der Verlassenen hier erbarmen. Speist den Hungrigen, tränkt den Durstigen, kleidet den Nackten, sagt das Gesetz,S. Anmerkung 66. und weil Seni nichts mehr zu verschenken hat, so zieht er, wie ihr wißt, selbst hungernd und dürstend und kaum bekleidet durch die Stadt und auf den Festplätzen umher und bettelt für seine angenommenen Kinder, die Armen. Wir haben ihm ja Alle gegeben, denn Jeder weiß, für wen er sich erniedrigt und die Hand ausstreckt. Heute nun zog er wieder umher mit seinem Säckchen und bat mit seinen guten Augen um Almosen. Paaker hat uns ein schönes Stück Acker zum Feste geschenkt und meint, vielleicht auch mit Recht, er hätte das Seine gethan. Als Seni ihn ansprach, hieß er ihn gehen; der Alte aber ließ nicht nach zu bitten und folgte ihm unablässig bis zu dem Grabe seines Vaters, und viele Leute zogen ihm nach. Da wies ihn der Wegeführer heftig zurück und als ihn der Bettler endlich am Kleid faßte, erhob er die Geißel und schlug ihn zweimal und dreimal, indem er ausrief: ›Da hast Du Dein Theil!‹ Der gute alte Mann hielt geduldig still und sagte, indem er den Sack aufthat, mit Thränen im Auge: ›Mein Theil hätt' ich also bekommen; aber nun meine Armen!‹

»Ich stand dabei, wie das geschah, und sah, wie Paaker sich rasch in die Gruft zurückzog und wie seine Mutter Setchem ihren vollen Beutel dem Seni zuwarf. Andere folgten ihrem Beispiel und niemals hat der Alte so reich geerntet wie heute. Die Armen mögen's dem Mohar danken! Vor seiner Gruft schaarte sich viel Volks zusammen und es würde ihm übel ergangen sein, wenn die Sicherheitswache die Menge nicht auseinander getrieben hätte.«

Während dieser Erzählung, welche mit großem Beifall aufgenommen wurde, denn Niemand ist des Erfolges sicherer als Derjenige, welcher von der Niederlage eines unbeliebten Uebermüthigen zu berichten weiß, hatten der Statthalter und der Oberpriester eifrig miteinander geflüstert.

»Es unterliegt also keinem Zweifel,« sagte Ameni, »daß Bent-Anat dem Feste beigewohnt hat.«

»Und wieder machte sie sich mit dem Priester, den Du so warm vertheidigst, zu schaffen,« flüsterte der Andere.

»Pentaur soll noch in dieser Nacht verhört werden,« gab der Oberpriester zurück. »Die Schüsseln werden schon abgetragen und das Trinkgelage beginnt. Brechen wir auf und vernehmen wir den Dichter.«

»Es fehlt jetzt an Zeugen,« entgegnete Ani.

»Die brauchen wir nicht,« versicherte Ameni. »Er kann nicht lügen.«

»So brich denn auf,« lächelte der Statthalter, »denn nun bin ich auch neugierig auf diesen weißen Neger und wie er sich mit der Wahrheit abfinden wird. Du vergißt, daß hier eine Frau mit im Spiel ist.«

»Das ist sie überall,« entgegnete Ameni, rief Gagabu zu sich heran, übertrug ihm seinen Sitz, bat ihn, muntere Gespräche anzuregen, die Gäste zu tüchtigem Trunk zu ermuntern und jede Unterhaltung über den König, den Staat und den Krieg zu unterbrechen. »Du weißt,« so schloß er, »daß wir heute nicht unter uns sind. Was hat der Wein schon Alles verrathen! Denke daran! Rückwärtsschauen ist die Mutter der Vorsicht!«

Der Statthalter Ani klopfte dem Alten auf die Schulter und sagte: »Es wird heute Platz geschafft werden in euern Weinspeichern. Man sagt von Dir, Du könntest kein leeres Glas und kein volles sehen! Laß heute Deinem Widerwillen gegen beide die Zügel frei und wenn Du meinst, daß es Zeit sei, so winke meinem Hausmeister, der dort in der Ecke hockt. Er hat einige Krüge vom edelsten Rebensaft von ByblosGebal-Byblos in Phönizien. Dort wuchs ein auch unter den Griechen hochberühmter Wein. mit herübergebracht und soll ihn euch einschenken. Ich komme wieder und sage euch gute Nacht.«

Ameni pflegte sich gewöhnlich beim Beginn der Trinkgelage zu entfernen.

Als sich die Thür hinter ihm und seinem Begleiter geschlossen hatte, neue Rosenkränze für den Hals der Gäste gebracht, Lotosblumen an jedem Scheitel befestigt und die Becher frisch gefüllt worden waren, erschien ein Musikchor, das auf Harfen, Lauten, Flöten und Handtrommeln fröhliche Weisen spielte. Ihr Dirigent schlug den Takt, indem er in die Hände klatschte, und als sich die Stimmung der Zecher hob, halfen sie ihm mit rhythmischen Schlägen.

Der lebhafte Gagabu bewährte seinen Ruhm als tüchtiger Zecher und Leiter eines Gelages.

Bald strahlte Heiterkeit von den ernsten Priestergesichtern, und die Krieger und Hofbeamten überboten sich in ausgelassenen Scherzen.

Nun winkte der Alte und ein junger, reich bekränzter Tempeldiener erschien mit einer kleinen vergoldeten Mumiengestalt, reichte sie im Kreise umher und rief. »Sehet Diesen. Seid fröhlich und trinket so lang ihr auf Erden wandelt, denn bald werdet ihr wie Dieser sein.«Eine von Herodot II. 78 mitgetheilte Sitte. Lucian sah als Augenzeuge solche Mumien bei einem Gastmahle herumgeben. Die Griechen adoptirten diese Sitte, setzten aber, auch hier verschönernd, einen geflügelten Genius des Todes an die Stelle der Mumie. Wir erinnern auch an die «larva» der Römer.

Er winkte noch einmal, und des Statthalters Hausmeister brachte den edlen Wein von Byblos. Man pries Ani, den Geber, und die wunderbare Herrlichkeit dieses Getränkes.

»Solcher Wein,« rief der sonst besonders ernste Erste der Pastophoren, »ist wie die Seife.«Diese Vergleiche sind echt orientalisch. Kisrâ nannte den Wein »die Seife der Sorge«. Die Mohammedaner, denen der Wein verboten ist, haben ihn doch ähnlich wie die Gäste des Setihauses gefeiert. So sagt 'Abdelmâlik ibn Sâlih Hâschimî: »Das Artigste, womit die Welt sich vergnügt, ist der Wein.« Gâhiz sagt: »Der Wein, wenn er in Deine Knochen geht und in Deine Glieder rinnt, so verleiht er Dir Wahrheit des Gefühls und Vollendung der Seele; er schmeidigt Deinen Geist, hebt die Beklommenheit, veredelt Deine Stimmung &c.« Als man dem Ibn 'Aischah von Jemandem berichtete, daß er keinen Wein trinke, sagte er: »Der hat die Welt schon dreimal verstoßen.« Ibn el Mu'tazz sang:

»Laß die Zeit, ob sie dir säumet, oder ob sie durch Dir geht!
Klag den Kummer nur dem Weine, der im Bechere vor Dir steht.
Doch hast dreimal Du getrunken, so behüte wohl Dein Herz,
Daß die Freud' ihm nicht entfliege und zurück Dir bleibt der Schmerz.
Dieß ist aller Kümmernisse wohlerprobte Arzenei;
Drum so höre, was ich rathe, wissend was Dir dienlich sei.
Laß die Zeit, denn o wie Mancher wünschte manchem armen Wicht
Schon die böse Zeit zu bessern – aber ach! er konnt' es nicht!«

»Welch' ein Vergleich!« lachte Gagabu, »das mußt Du erklären!«

»Er wäscht aus der Seele die Sorge!« versetzte der Andere.

»Gut, Freund!« rief der Alte. »Nun soll Jeder den edlen Saft mit einem rühmenden Worte loben; Du erster Prophet des Amenophistempels, beginne.«

»Die Sorge ist Gift,« sagte dieser, »und der Wein ist das Gegengift gegen das Gift der Sorge!«

»Recht so; doch weiter! An Dir ist die Reihe, geheimer Rath des Königs!«

»Jedes Ding hat sein Geheimniß,« sagte der Beamte, »und das Geheimniß des Weins ist die Freude.«

»An Dir ist's, Siegelbewahrer!«

»Der Wein versiegelt die Thüren des Grams und verschließt die Pforten der Sorge!«

»Das thut er, das thut er gewißlich! Nun, Du ehrwürdiger Gouverneur von Hermonthis, Du ältester unter uns Allen!«

»Der Wein reift recht eigentlich für uns Alte und nicht für euch junges Volk.«

»Das sollst Du erklären,« rief es von der Tafel der Krieger.

»Er macht,« lachte der Achtzigjährige, »aus Greisen Jünglinge, und aus Jünglingen Kinder.«

»Da habt ihr's, ihr Buben!« rief Gagabu. »Dein Sprüchlein, Vorsteher der Horoskopen!«

»Der Wein ist Gift,« sagte der griesgrämliche Priester, »denn er macht Weise zu Narren.«

»Dann hast Du wenig von ihm zu befürchten, ach und weh,« lachte Gagabu. »Weiter, Herr Jägermeister!«

»Der Rand der Becher,« sagte dieser, »ist wie die Lippen der Geliebten. Berührt man sie und netzt der Wein die Zunge, so küßt uns die Braut!«

»Feldhauptmann, an Dir ist die Reihe!«

»Ich wollte, der Nil führte solchen Wein, statt des Wassers,« rief der Krieger, »und ich wäre so groß wie der Koloß des Amenophis und Hatasu's größter ObeliskEr steht heute noch aufrecht im Tempel von Karnak und ist 33 Meter hoch. Derjenige, welchen die Franzosen von Luqsor nach Paris brachten und der die place de la concorde ziert, ist um 11 Meter kleiner. wäre mein Spitzglas und ich dürfte trinken so viel als ich wollte. – Nun aber sage Du selbst Deinen Spruch zum Lobe des Weines, ehrwürdiger Gagabu!«

Der zweite Prophet hob seinen Becher, betrachtete liebreich das goldene Naß, schlürfte es langsam aus und sagte dann mit gen Himmel gerichteten Augen: »Ich fürchte, daß ich zu gering bin, den erhabenen Göttern für solche Wohlthat zu danken.«

»Gut gesagt!« rief der Statthalter Ani, welcher unbemerkt von den Gästen zu ihnen zurückgekehrt war. »Wenn mein Wein reden könnte, so würd' er Dir für diese Worte über ihn danken!«

»Heil dem Statthalter Ani!« riefen die Zecher und hoben ihre mit seinem edlen Geschenke gefüllten Schalen.

Er that ihnen Bescheid, erhob sich dann und rief: »Wem unter euch dieser Wein gemundet hat, den lade ich morgen zu mir zur Tafel. Da findet er ihn wieder und schmeckt er ihm dann noch, so sei er mein herzlich willkommener Gast jeden Abend! Gute Nacht jetzt, ihr Freunde!«

Ein donnernder Jubelruf tönte ihm nach.

Schon graute der Morgen, als die Zecher die Halle verließen. Nur wenige fanden ihren Weg allein aus dem Hofe. Die meisten wurden sonst von ihren ihrer harrenden Sklaven aufgehoben, auf ihre Köpfe gelegt und wie Balken zu den Sänften getragen, welche sie heimwärts führten, heute aber bereitete man ihnen Lagerstätten im Setihause, denn ein furchtbares Unwetter war ausgebrochen.

Während die Gäste die Becher erhoben und ihre Freude hohe Wogen schlug, war der als Gefangener eingebrachte Pentaur in Gegenwart des Statthalters verhört worden.

Ameni's Boten hatten den Dichter auf den Knieen gefunden, so tief in sich selbst versunken, daß er ihr Nahen nicht hörte. Die Ruhe seines Geistes war von ihm gewichen, sein Gemüth war in Aufruhr und es wollte ihm nicht gelingen, sich in Ruhe zu fassen und Klarheit zu erlangen über das neue ungestüme Leben in seiner Brust.

Er war bisher niemals zu Bette gegangen, ohne sich Rechenschaft abzulegen über den vergangenen Tag, und leicht und fein hatte er unterschieden, was gut und was unrecht gewesen in seinem Thun.

Heute zeigten sich seinem rückwärtsschauenden Auge wirr durcheinanderflutende Bilder, und wenn er sich sie zu sondern und zu ordnen bemühte, so sah er Bent-Anat's Gestalt und sie legte ihm Fesseln um Herz und Sinn.

Seine friedliche Hand hatte sich gegen Mitmenschen erhoben und Blut vergossen; er wollte sich der Sünde zeihen und sie bereuen, aber er vermocht' es nicht, denn so oft er sich schalt und verdammte, sah er die Hand des Soldaten in des Kindes Haar und der Prinzessin Billigung, ja Bewunderung strahlendes Auge, und er sagte sich, daß er gut gehandelt habe und morgen in der gleichen Lage das Gleiche thun würde.

Aber er fühlte doch, daß er die ihm von der Schickung gesteckten Schranken überall durchbrochen habe, und es schien ihm, als sollte es ihm nie wieder gelingen, sich in das stille, beengte, aber friedensreiche Leben von früher zurückzufinden.

Er bat den Einen und den verklärten Geist der schlichten frommen Frau, die er seine Mutter genannt hatte, um Seelenruhe und bescheidenes Genügen; aber vergeblich, denn je länger er auf den Knieen lag und die Arme flehend erhob, je kühner wurden seine Wünsche, je weniger gelang es ihm, sich schuldig zu fühlen und zu bereuen.

Ameni's Ruf zum Verhör erschien ihm wie eine Erlösung und er folgte den Boten, auf strenge Strafe rechnend, aber ohne Furcht, ja fast freudig.

Gehorsam dem Befehle des ernst blickenden Oberpriesters, erstattete Pentaur Bericht und erzählte, wie er, weil sich keiner der Aerzte zu Hause befunden habe, der alten Paraschitenfrau zu ihrem von Dämonen besessenen Manne gefolgt sei, wie er, um ein der Mißhandlung des Volkes verfallenes Mädchen zu retten, seine Hand erhoben und dabei schwere Streiche ausgetheilt habe.

»Du hast vier Menschen getödtet und doppelt so viele schwer verwundet,« sagte Ameni. »Warum gabst Du Dich nicht als Priester, als den Festredner des heutigen Tages zu erkennen und versuchtest das Volk statt mit roher Gewalt mit mahnenden Worten zu besänftigen?«

»Ich trug kein Priestergewand,« erwiederte Pentaur.

»Auch darin fehltest Du,« sagte Ameni, »denn Du weißt, daß das Gesetz Jedem von uns gebietet, nur in weißem Gewande dieß Haus zu verlassen. Aber solltest Du die Macht Deiner Rede nicht kennen und meinst Du mir widersprechen zu dürfen, wenn ich behaupte, daß Du auch im schlichten Arbeitskittel im Stande gewesen wärst, mit Worten dasselbe zu bewirken, wie mit tödtlichen Schlägen?«

»Es wäre mir vielleicht gelungen,« gab Pentaur zurück, »aber thierische Wuth hatte sich der Menge bemächtigt; ich fand keine Zeit zu ruhiger Ueberlegung und als ich den Bösewicht, der das unschuldige Kind an den Haaren riß, wie eine Giftschlange fortgeschleudert hatte, da kam der Geist des Kampfes über mich, mein Leben galt mir nichts mehr und um das Kind zu retten, würde ich Tausende erschlagen haben!«

»Deine Augen leuchten,« sagte Ameni, »als hättest Du eine Heldenthat verrichtet, und doch erschlugst Du nur wehrlose und fromme Bürger, die ein schändlicher Frevel mit Entrüstung erfüllte. Ich weiß nicht, woher dem Gärtnerssohn und Diener der Gottheit die Gesinnung eines Kriegers kommt.«

»Ja,« rief Pentaur, »als mich die Menge bedrängte und ich sie mit dem Aufgebot aller Kräfte abwehrte, da habe ich etwas von der Lust des Streiters empfunden, der die drängenden Feinde abwehrt von der seinem Schutze anvertrauten Standarte. Sündhaft ist das gewiß für den Priester und ich will es büßen, aber ich hab' es empfunden!«

»Du hast es empfunden und wirst es büßen,« sagte Ameni ernst. »Auch hast Du untreu Bericht erstattet. Warum verschwiegest Du, daß Bent-Anat, die Tochter des Ramses, sich in den Kampf mischte und Dich rettete, indem sie sich der Menge zu erkennen gab und ihr von Dir abzulassen befahl? Straftest Du sie Lügen vor dem Volke, weil Du sie nicht für Bent-Anat hieltest? Nun, Mann, der so fest steht auf der höchsten Stufe, nun, Du Bannerträger der Wahrheit, gib Antwort!«

Pentaur war bleich geworden bei diesen Worten seines Meisters und sagte, indem er mit den Augen auf den Statthalter wies: »Wir sind nicht allein.«

»Es gibt nur eine Wahrheit,« sagte Ameni kühl. »Was Du mir zu vertrauen geneigt bist, das darf auch dieser hohe Herr, der Vertreter des Königs, vernehmen. Hast Du Bent-Anat erkannt, ja oder nein?«

»Meine Retterin glich ihr und glich ihr doch nicht,« antwortete der Dichter, dem der feine Spott in der Rede seines Meisters das Blut von Neuem erregte, »und hätt' ich auch so sicher gewußt, sie sei die Prinzessin. als ich weiß, daß Du der Mann bist, der mich einst werth hielt und der mich nun zu erniedrigen trachtet, so würde ich dennoch ebenso gehandelt haben wie ich es that, um üble Stunden einer Frau zu ersparen, die mehr Göttin ist als Weib und die, um mich Armen zu retten, von dem Throne herab in den Staub stieg.«

»Noch immer der Festredner,« sagte Ameni. Dann fügte er streng hinzu. »Ich bitte um kurze, klare Antworten. Wir wissen sicher, denn sie gab sich dem Wegeführer des Königs zu erkennen, daß Bent-Anat, als schlichtes Weib verkleidet, an unserem Feste Theil nahm, und daß sie es war, die Dich rettete. Wußtest Du, daß sie den Nil überschreiten würde?«

»Wie sollt' ich?« entgegnete Pentaur.

»Aber Du glaubtest Bent-Anat vor Dir zu sehen, als sie sich auf den Kampfplatz wagte?«

»Ich glaubte es,« entgegnete Pentaur zaudernd mit niedergeschlagenen Augen.

»Dann war es sehr kühn von Dir, die Königstochter wie eine Betrügerin fortzuweisen.«

»Das war es,« gab Pentaur zurück; »aber um meinetwillen gefährdete sie den Glanz ihres Namens und den ihres herrlichen Vaters, und ich, ich hätte nicht Freiheit und Leben einsetzen sollen um . . .«

»Wir haben genug gehört,« unterbrach ihn Ameni.

»Doch nicht,« sagte nunmehr der Statthalter. »Was ward aus dem Mädchen, das Du gerettet?«

»Eine alte Zauberin, Hekt heißt sie, eine Nachbarin der Paraschiten, nahm sie mit ihrer Großmutter zu sich in ihre Höhle,« antwortete der Dichter, welcher sodann auf des Oberpriesters Befehl in das Gefängniß des Setihauses zurückgeführt wurde.

Kaum war er verschwunden, als der Statthalter ausrief: »Ein gefährlicher Mensch! Ein Schwärmer! Ein glühender Verehrer des Ramses!«

»Und seiner Tochter,« lächelte Ameni. »Aber nur ein Verehrer. Du hast nichts von ihm zu befürchten, denn ich bürge für die Reinheit seiner Gesinnung.«

»Aber er ist schön und seine Rede ist gewaltig,« entgegnete Ani. »Ich nehme ihn als meinen Gefangenen in Anspruch, denn er hat einen Soldaten von meinen Truppen erschlagen.«

Ameni's Züge verfinsterten sich und mit großem Ernste gab er zurück: »Unserem Priesterrathe allein, so bestimmt es unser Freibrief, steht es zu, über die Mitglieder dieses Hauses zu richten. Volle Gewährleistung unserer Rechte hast Du, der künftige König, den Vorkämpfern für Dein eigenes heiliges, altes Recht freiwillig verheißen.«

»Und sie soll euch werden,« sagte Ani mit einem beschwichtigenden Lächeln, »aber dieser Mann ist gefährlich und ungestraft wollt' ihr ihn doch nicht lassen!«

»Er soll streng gerichtet werden,« sagte Ameni, »aber von uns und in diesem Hause.«

»Er hat gemordet,« rief Ani, »und mehrfach gemordet. Er ist des Todes schuldig!«

»Er handelte im Stande der Nothwehr,« entgegnete Ameni, »und einen gottbegnadigten Mann, wie diesen, gibt man nicht auf, wenn ihn auch unzeitiger Edelmuth zu schlimmen Thaten führte. Ich weiß und seh' es Dir an, daß Du ihm übel willst. Versprich mir, wenn anders Du mich als Bundesgenossen schätzest, ihm nicht nach dem Leben zu stehen.«

»Gern!« lächelte der Statthalter und reichte dem Oberpriester die Hand.

»Nimm meinen Dank,« sagte Ameni. »Pentaur war der hoffnungsvollste meiner Schüler und ich halt' ihn trotz mancher Verirrung immer noch werth. Als er von der Kampfeslust erzählte, die ihn heute überfallen, sah er da nicht aus wie der große Assa oder sein Sohn, der ältere Mohar, der osirische Vater des Wegeführers Paaker?«

»Diese Aehnlichkeit ist überraschend,« gab der Andere zurück. »Und doch soll er einem niedern Hause entstammen. Wer war seine Mutter?«

»Unseres Pförtners Tochter, ein unschönes, frommes und stilles Geschöpf.«

»Ich kehre jetzt zu den Zechern zurück,« sagte der Statthalter nach kurzem Besinnen; »doch möchte ich Dich noch um etwas bitten. Ich sagte Dir von dem Geheimnisse, das den Wegeführer Paaker in unsere Hand gibt. Die alte Zauberin Hekt, die das Weib des Paraschiten bei sich aufnahm, weiß darum. Schicke Sicherheitswächter nach ihr aus und laß sie gefangen hieher führen. Ich verhöre sie selbst und kann sie so, ohne Aufsehen zu erregen, ausfragen.«

Ameni sandte sogleich einige Bewaffnete aus und befahl dann leise einem vertrauten Diener, das sogenannte Zimmer des Gehörs zu erleuchten und in dem Nebenraum einen Sitz für ihn zu rüsten.

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