Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Georg Ebers: Uarda - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleUarda Band I
authorGeorg Ebers
year1879
publisherEduard Hallberger
addressStuttgart und Leipzig
titleUarda
pagesIII-XIV
created20021019
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1877
Schließen

Navigation:

Dreizehntes Kapitel.

Eine Stunde später fuhr eine schlanke, einfach gekleidete Bürgersfrau, zu deren jugendlichem Gesichte einige dunkle Falten auf ihrer Stirn und Wange wenig passen wollten, mit einem dunkel gefärbten Burschen und einem zarten Knaben über den Nil.

Es war schwer, in ihnen die stolze Bent-Anat, den hellfarbigen Rameri und die schöne Nefert, welche auch in dem langen weißen Gewande der Zöglinge einer Priesterschule reizend genug aussah, wieder zu erkennen.

Als sie das Land betreten hatten, folgten ihnen die beiden starken und treuen Vorsteher der Sänftenträger der Prinzessin, denen der Befehl ertheilt worden war, sich den Anschein zu geben, als stünden sie in keinem Zusammenhang mit ihrer Gebieterin und deren Begleitern.

Die Fahrt über den Nil hatte lange gedauert und das königliche Geschwisterpaar dabei zum ersten Mal erfahren, mit wie vielen Hindernissen gewöhnliche Sterbliche zu kämpfen haben, um zu einem Ziele zu gelangen, das den Kronenträgern gleichsam entgegenkommt.

Niemand bahnte ihnen den Weg, keine Barke wich der ihren aus, jeder war bestrebt, ihnen den Rang abzulaufen und vor ihnen am jenseitigen Ufer anzulangen.

Als sie endlich an der Landungstreppe ausstiegen, war die Prozession bereits bis zum Setihause vorgedrungen. Ameni war ihr mit seinen singenden Chören entgegengezogen und hatte am Ufer des Nil den Gott in Empfang genommen. Die Propheten der Nekropole stellten ihn mit eigenen Händen in die heilige, von Cedernholz und Silbergold kunstreich gearbeitete und mit Edelsteinen besetzte SambarkeS. Anmerkung 178. des Setihauses, dreißig Pastophoren nahmen das köstliche Fahrzeug auf ihre Schultern und trugen es durch die Sphinxallee, welche den Hafen mit dem Tempel verband, in das Sanktuarium des Setihauses, woselbst Amon verweilte, während die Festgesandten aus allen Gauen des Landes ihre Opfergaben in der Vorhalle des Heiligthums niederlegten. Auf dem Wege zu dem letzteren waren KolchytenPeyron, Papyri Graeci regii Taurinenses, t. I. p. 41, 42, 85–88. dem Gotte vorausgeeilt und hatten nach alter Sitte Sand vor ihm hergestreut.

Nach einer Stunde trat die Prozession wiederum in's Freie, zog zunächst gen Süden, rastete zuerst im Riesentempel Amenophis III., vor welchem als Wächter die beiden höchsten Kolosse des Nilthales standen, sodann im Tempel des großen Thutmes noch weiter gen Mittag, kehrte dort um, hielt sich hart an dem gräberreichen Ostabhange des libyschen Gebirges, bestieg die Terrassen des Tempels der Hatasu, welchen wir kennen, hielt sich bei den Grüften der älteren Könige in seiner Nähe auf und gelangte, als die Sonne unterging, zu dem eigentlichen Festplatze, am Eingange des Thales, in welchem das Grab des Seti angelegt worden war und in dessen westlichem Ausläufer sich einige Grüfte der Pharaonen des entthronten Königshauses befanden.

Dieser Theil der Nekropole pflegte bei Lampenlicht und Fackelschein vor der Heimkehr des Gottes und vor den um Mitternacht beginnenden Festspielen auf dem heiligen See im äußersten Süden der Todtenstadt besucht zu werden.

Hinter dem Gotte wurde in einer Vase von durchsichtigen. Krystall, welche auf einer hohen Stange, allem Volk sichtbar, getragen ward, das heilige Widderherz einhergeführt.

Die Königskinder und Nefert schlossen sich, nachdem sie unerkannt ihren Kranz auf den reichen Opferaltar ihrer Ahnen niedergelegt hatten, in später Nachmittagsstunde dem der Prozession folgenden Volke an. Bei der Gruft der Vorfahren des Mena stiegen sie den östlichen Abhang des libyschen Gebirges hinan. Ein Prophet des Amon, Namens Neferhotep, der Urgroßvater des Mena, hatte sie anlegen lassen und ihre enge Pforte war von einer großen Volksmenge belagert, denn in der ersten der Felsenkammern, aus denen sie bestand, sang bei jedem Feste ein Harfner das Sterbelied des längst dahingegangenen Propheten und seiner Gattin und Schwester. Sein Haussänger hatte es erdacht, es war in den Stein des zweiten Gruftzimmers gemeißelt worden und Neferhotep hatte der Verwaltung der Todtenstadt ein Grundstück vermacht mit der Verpflichtung, seine Einkünfte zur Besoldung eines Harfners zu verwenden, welcher bei jedem Todtenfeste zum Saitenspiel zu singen verpflichtet war.

Der Rosselenker Mena kannte dieß Sterbelied seines Großvaters gar wohl und hatte es Nefert, die ihn mit der Laute begleiten konnte, oftmals vorgesungen, denn auch in den Stunden der Freude, und gerade in diesen, gedachten die Aegypter ihrer Todten.

Jetzt lauschte sie mit ihren Begleitern dem Harfner, welcher sang:Die Gruft des Neferhotep blieb vortrefflich erhalten und in ihr der zuerst von Dümichen (Historische Inschriften, II.) veröffentlichte und von L. Stern (Zeitschrift für ägyptische Sprache, 1873) behandelte Text, aus dem wir die folgende Stelle übersetzt haben.

        »Recht in Ruh' ist dieser Große;
Auf zur Uebung schöner Pflichten!
    Dem Vergehen sind erlesen
    Seit der Götterzeit die Menschen.
    Alte weichen jungem Nachwuchs.
    Eine neue Sonne zeigt sich
    Jeden Morgen, wenn die alte
    Ruhe fand im Schooß des Westens.Manun. Todtenbuch 15, Z. 44. 110, Z. 11.
.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .  
Feiere, mein Prophet, den Festtag;
Duft'ges Salböl, Balsamharze
Bieten wir, und Blumenkränze.
Schlingen wir um Brust und Arme
Deiner vielgeliebten Schwester,
Wenn sie Dir zur Seite ruht.
Lieder singen, Harfe schlagen
Wollen wir vor Deinem Antlitz:
    Laß dahinten alle Sorgen
    Und sei eingedenk der Freuden,
    Bis uns naht der Tag der Reise,
    Da man landend Ruhe findet
    In dem Reich, das hold dem Schweigen.«

Als der Gesang verstummte, drängten sich mehrere Leute in die niedrige Grabkapelle, um ihrem Danke für das Lied durch eine auf dem Opferaltar des Propheten niedergelegte Blume Ausdruck zu geben. Auch Nefert und Rameri traten in das Grab und die Erstere legte, nachdem sie in einem langen stillen Gebete den verklärten Geist der Verstorbenen angefleht hatte, Mena zu schützen, ihren Kranz neben den Mumienschacht, in dem die Mutter ihres Gatten ruhte.

Manches Mitglied des Hofstaats zog dicht an den Königskindern vorüber, ohne sie zu erkennen. Eifrig strebten sie dem Festplatz zu, aber das Gedränge war so groß, daß die Frauen oftmals gezwungen waren, in eine Gruft zu treten, um ihm auszuweichen. In jeder Grabkapelle fanden sie volle Opferaltäre und in den meisten gesellig vereinte Familien, welche hier bei Braten und Früchten, Bier und Wein ihrer Verstorbenen so gedachten, als wären sie Reisende, welche in der Ferne ihr Glück gefunden und die sie früher oder später wiederzusehen hoffen durften.

Schon näherte sich die Sonne dem Untergange, als sie auf dem eigentlichen Festplatze anlangten.

Hier standen viele Tische und Zelte mit Eßwaaren jeder Art, namentlich aber mit süßem Gebäck für die Kinder, Datteln, Feigen, Granatäpfeln und anderen Früchten.

Unter leichten, den Sonnenbrand abwehrenden Schutzdächern wurden Sandalen und Tücher in allen Stoffen und Farben, Schmucksachen, Amulete, Fächer und Schirme, wohlriechende Essenzen jeder Art und andere Gaben für die Opfer und Putztische feilgehalten. Die Körbe der Gärtner und der Blumenhändlerinnen waren schon geleert, aber die Wechsler hatten noch vollauf zu thun und an den Schenk- und Würfeltischen ging es lebendig her.

Freunde und Bekannte begrüßten sich mit frommen Sprüchen, während die Kinder einander ihre neuen Sandalen, den Kuchen, den sie beim Würfeln gewonnen, oder die Kupferringlein zeigten, mit denen sie beschenkt worden waren, und welche heute noch verausgabt werden mußten.

Den bedeutendsten Erfolg ernteten die Wunderthäter des Setihauses, um welche sich dicht am Boden hockende Zuschauermengen im Kreise geschaart hatten, so zwar, daß man den Kindern die vordersten Reihen freiwillig einräumte.

Als unsere Wanderer diesen Platz betraten, war die religiöse Feier bereits beendet.

Noch stand der Baldachin, unter welchem die Familie des Königs der Festrede zuzuhören pflegte und in dessen Schatten heute der Statthalter Ani gethront hatte, noch sah man die Sitze der Großen und die Schranken, welche das Volk fern hielten von dem Adel, der Priesterschaft und dem Herrscherhause.

Hier hatte Ameni mit eigenem Munde das Wunder von dem Widderherzen dem jubelnden Volke mitgetheilt und ihm eröffnet, daß ein neuer Apis unter den Heerden des Statthalters erschienen sei.

Seine Deutung dieser göttlichen Zeichen ging von Mund zu Munde. Sie verhießen Frieden und Glück dem Lande durch einen Liebling der Götter, und wenn er es auch nicht aussprach, so konnte es doch auch dem Blödesten nicht entgehen, daß unter diesem Lieblinge kein Anderer gemeint sei als Ani, der Nachkomme der großen Hatasu, deren Prophet mit dem heiligen Widderherzen begnadigt worden war.

Alles schaute bei Ameni's Worten auf Ani und dieser opferte vor dem Volke unter dem heiligen Widderherzen und empfing des Oberpriesters Segen.

Auch Pentaur hatte seine Rede beendet, als Bent-Anat mit ihren Begleitern den Festplatz betrat. Sie hörte, wie ein Greis zu seinem Sohne sagte: »Das Leben ist schwer. Oft erschien es mir wie eine Bürde, die grausame Götter auf unsere armen Schultern laden, aber als ich den jungen Priester vom Setihause hörte, da fühlt' ich doch, daß die Himmlischen gut sind, und daß wir ihnen für Vieles zu danken haben.«

An einer andern Stelle sagte eine Priestersfrau zu ihrem Knaben: »Hast Du Dir den Pentaur recht angesehen, Hor-uza? Er ist aus niederem Hause, aber er überragt die Größten an Geist und Gaben und wird es weit bringen.«

Zwei Mädchen sprachen mit einander und die eine sagte zur andern: »Der Festredner ist der schönste Mann, den ich je gesehen habe, und seine Stimme schallte wie reiner Gesang.«

»Und wie seine Augen glänzten, als er die Wahrheit pries als die höchste Tugend,« entgegnete die Andere. »Alle Götter, mein' ich, müssen in ihm wohnen.«

Bent-Anat erröthete, als sie diese Worte vernahm. Sie wünschte, da es dunkelte, heimzukehren; Rameri aber wollte gern der mit Lampen und Fackeln wandelnden Prozession durch das Thal des Westens folgen, damit auch das Grab ihres Großvaters Seti nicht unbesucht bleibe.

Die Prinzessin gab ungern nach, aber es war in diesem Augenblicke schwer zum Strom zu gelangen, denn Alles eilte nach der andern Richtung hin. So ließen sich auch die Geschwister und Nefert von der Menge fortdrängen und gelangten, als die Sonne schon untergegangen war, in das Thal des Westens, in dem in dieser Nacht kein Raubthier sich zeigte, denn Schakale und Hyänen waren vor dem Lichte der Laternen aus buntem Papyrus und der Fackeln in der Hand der Nekropolenbesucher in die Wüste geflohen.

Der Rauch der Fackeln und Lichter und der von zahllosen Wanderern aufgewirbelte Staub vereinten sich, um den gestirnten Himmel den Blicken zu entziehen und wie mit einer Wolke die Prozession und die ihr folgende Menge zu umhüllen.

Die Geschwister und Nefert hatten sich bis zu der Hütte des Paraschiten Pinem vorwärts gearbeitet, hier aber waren sie stehen zu bleiben gezwungen, denn Sicherheitswächter drängten die sich fortbewegende Menge mit langen Stäben nach rechts und links zurück, um freie Bahn für die nahende Prozession zu schaffen.

»Sieh, Rameri,« sagte Bent-Anat, indem sie auf den wenige Schritte von ihr entfernten Hof des Paraschiten deutete, »da wohnt das überfahrene weiße Mädchen. Es geht ihr doch besser. Dreh' Dich um, dort hinter dem Dornenzaune bei dem kleinen Feuer, das ihr gerade in's Gesicht scheint, sitzt sie neben ihrem Großvater.«

Der Prinz stellte sich auf die Zehen, schaute in den ärmlichen Hof und rief dann mit gedämpfter Stimme: »Ist das ein reizendes Geschöpf! Aber was sie nur mit dem Alten macht? Der scheint zu beten und sie hält ihm bald ein Tuch vor den Mund, bald reibt sie ihm die Schläfe. Und wie ängstlich sie aussieht!«

»Der Paraschit muß trank sein,« erwiederte Bent-Anat.

»Er hat gewiß auf dem Festplatz einen Krug Wein zu viel getrunken,« lachte der Prinz. »Ganz gewiß. Sieh' nur, wie sich seine Lippen hin und her bewegen und seine Augen rollen. Gräßlich! Er sieht aus wie ein Besessener.«

»Er ist ja unrein,« sagte Nefert.

»Aber doch ein guter und braver Mann mit zärtlichem Herzen,« entgegnen die Prinzessin lebhaft. »Ich habe mich nach ihm erkundigt. Er soll redlich sein und nüchtern und ist gewiß krank und nicht trunken.«

»Jetzt steht das Mädchen auf,« rief Rameri, indem er die Papierlaterne, welche er auf dem Festplatze gekauft hatte, senkte. »Tritt zurück, Bent-Anat, sie muß Jemanden erwarten. Hast Du jemals ein so weißes Menschenkind gesehen und ein so reizendes Köpfchen? Selbst die typhonischen Haare stehen ihr wunderschön. Aber sie wankt ja selbst hin und her. Sie muß noch recht schwach sein! Da sitzt sie wieder bei dem Alten und reibt ihm die Stirn. Die Aermste! Sieh' nur, wie sie schluchzt. Ich werfe ihr meine Börse hinüber!«

»Laß das!« rief Bent-Anat. »Ich habe sie reich beschenkt und die Thränen, die da vergossen werden, sehen nicht aus, als ließen sie sich mit Gold stillen. Ich schicke morgen die alte Asnath hieher und frage an, womit man etwa helfen könnte. Sieh' Dich vor, Nefert, da kommt die Prozession. Wie ungezogen die Leute drängen! Sobald der Gott vorüber ist, gehen wir nach Hause!«

»Bitte,« sagte Nefert, »ich ängstige mich so sehr!« Bei diesen Worten schmiegte sie sich zitternd an die Prinzessin.

»Ich wünschte auch, daß wir zu Hause wären,« entgegnete Bent-Anat.

»Seht doch nur!« rief Rameri. »Da sind sie! Nicht wahr, das ist herrlich! Und wie das Herz jetzt leuchtet, als war' es ein Stern!«

Alles Volk und mit ihm unsere Freunde warfen sich aus die Kniee.

Ihnen gegenüber hielt die Prozession, wie immer, wenn sie tausend Schritte zurückgelegt hatte; ein Herold trat vor und pries mit weithin schallender Stimme das große Wunder, zu dem vor Kurzem ein neues getreten war, denn das heilige Widderherz hatte beim Einbruch der Nacht zu leuchten begonnen.

Seit seiner Heimkehr aus dem Hause der Balsamirer hatte der Paraschit Pinem keine Nahrung zu sich genommen und auf alle Fragen der geängstigten Seinen kein Wort erwiedert.

Starr vor sich hinschauend murmelte er unverständliche Worte und griff oft mit der Hand an die Stirn. Vor einigen Stunden hatte er plötzlich laut aufgelacht, und sogleich war sein geängstigtes Weib in das Setihaus gegangen, um den Arzt Nebsecht zu rufen.

Während ihrer Abwesenheit sollte Uarda ihrem Großvater die Schläfen mit den Blättern reiben, welche die Zauberin Hekt auf ihre Brust gelegt hatte, und da sie einmal sich wirksam erwiesen, ja wohl auch zum zweiten Mal den Dämon der Krankheit verscheuchen konnten.

Als die von tausend Fackeln und Lampen beleuchtete Prozession vor dem im Dunkel verschwindenden Hause des Paraschiten anhielt und ein Bürger dem andern zurief: »Das heilige Widderherz kommt!« schrak der Alte zusammen und richtete sich auf. Seine Augen starrten unverwandt auf das strahlende Heiligthum in seinem kristallenen Gefäße. Langsam, am ganzen Körper bebend und mit weit vorgestrecktem Kopfe, richtete er sich auf.

Der Herold begann sein Lob des Wunders.

Da, während noch das Volk in Andacht versunken, regungslos den Worten des laut Rufenden lauschte, stürzte, bevor er geendet, der Paraschit aus der Thür seines Hauses hervor, schlug seine Stirn mit Fäusten und brach dabei gegenüber dem heiligen Herzen in ein wahnsinniges, weithin schallendes, von den nackten Felsen des Thales wiederhabendes Hohngelächter aus.

Entsetzen ergriff die sich jählings von den Knieen erhebende Menge.

Auch der dicht hinter dem Herzen wandelnde Ameni erschrak und wandte sich um nach dem furchtbaren Lacher.

Er hatte den Paraschiten niemals gesehen, aber er gewahrte das durch Staub und Dunkel trübe schimmernde kleine Feuer in seinem Hofe, er wußte, daß der Leicheneröffner an dieser Stelle wohne, und schnell gefaßt flüsterte er einem der Offiziere, welche mit ihren Leuten zu beiden Seiten des Zuges marschirten, einige nur diesem verständliche Worte zu, dann gab er ein Zeichen und die Prozession bewegte sich weiter, als wäre nichts geschehen.

Der Alte versuchte es, immer lauter und unheimlicher lachend, auf das Herz loszustürzen, aber die Menge stieß ihn zurück. Während die letzten Gruppen des Festzuges an ihm vorüber wallten, schleppte er sich, schwer gemißhandelt, bis an das Thor seiner Hütte. Dort brach er zusammen und Uarda stürzte sich über den Greis, der im Staub und Dunkel kaum erkennbar am Boden lag.

»Zertretet den Spötter!«

»Reißt ihn in Stücke!«

»Verbrennt das unreine Nest!«

»Werft ihn und die Dirne in's Feuer!« brüllte das in seiner Andacht gestörte Volk mit wildem Ingrimm.

Zwei alte Weiber rissen die Laternen von den Stöcken und schlugen auf den Unglücklichen los, während ein äthiopischer Soldat Uarda in die Haare faßte und sie von ihrem Großvater fortriß.

In diesem Augenblick erschien die Frau des Paraschiten und mit ihr Pentaur.

Die Greisin hatte Nebsecht nicht gefunden, wohl aber den Dichter, welcher nach seiner Rede in das Setihaus zurückgekehrt war. Ihm erzählte sie von den Dämonen,Man glaubte, die Wahnsinnigen würden von Dämonen besessen. Die berühmte, von E. de Rougé schön behandelte Stele in der pariser Bibliothek erzählt von der von Dämonen besessenen Schwägerin Ramses XII., daß die bösen Geister, von denen sie besessen ward, durch die in ihre asiatische Heimat gesandte Statue des Chunsu ausgetrieben worden wären. die ihren Mann überfallen hatten, und flehte ihn an, mit ihr zu kommen. Pentaur folgte ihr ungesäumt im Arbeitskleide, wie er ging und stand, ohne das weiße, ihm bei diesem Gange unerwünschte Priestergewand anzulegen.

In der Nähe der Paraschitenhütte angelangt, vernahm er das Gebrüll des Volkes und, dieses übertönend, Uarda's helles Angstgeschrei.

Er eilte vorwärts, er sah, von dem spärlichen Herdfeuer und dem bunten Laternenlichte trüb erleuchtet, die Hand des schwarzen Soldaten im Haare des hülflosen Kindes und schnell wie der Gedanke hatte er den Hals des Kriegers mit seinen eisernen Händen umklammert. Dann faßte er ihn um den Leib, schwang ihn aufwärts und warf ihn wie einen Felsstein in den Hof des Paraschiten.

Wuthentbrannt stürzte die Menge auf ihn ein; ihn aber hatte eine ihm bis dahin fremde Kampflust erfaßt. Mit einem Ruck riß er den Pfahl von schwerem äthiopischen Holze, welcher das Zeltdach stützte, das der sorgsame Großvater für seine kranke Enkelin aufgerichtet hatte, aus der Erde, schwang ihn wie einen Rohrstab in raschen Kreisen über seinem Haupte hin, jagte die Menge zurück und rief Uarda zu, sich an ihm zu halten.

»Der ist ein Kind des Todes,« schrie er, »der das Mädchen berührt. Schande über euch, die ihr schwache Greise und hülflose Kinder überfallt am heiligen Feste!«

Einen Augenblick schwieg die Menge; aber gleich darauf drängte sie von Neuem vor und wilder erklang das Geheul. »Zerreißt die Unreinen! Die Flamme in das Haus!«

Einige Handwerker aus Theben drangen auf den durch nichts als Priester erkennbaren Dichter ein; dieser aber brauchte seinen Pfahl, der sie fällte, ehe ihre Fäuste und Stöcke ihn zu berühren vermochten. Wohin das schwere Holz traf, fiel ein Mann. Aber lange konnte der Kampf nicht dauern, denn einige Bursche übersprangen den Zaun, um ihm in den Rücken zu fallen. Pentaur ward nun von tageshellem Licht umflossen, denn Feuerbrände waren auf die trockenen Palmenzweige des Hüttendaches hinter ihm geschleudert worden und knisternde Flammen lohten auf zum nächtlichen Himmel.

Der Dichter hörte in seinem Rücken die Rasenden, breitete seine Linke über das Haupt des sich bebend an ihn schmiegenden Mädchens und schwang in dem Gefühle, daß sie Beide verloren seien, daß er aber die Unschuld und das Leben dieses lieblichen Geschöpfes bis zum letzten Athemzuge vertheidigen müsse, seinen Pfahl.

Zum letzten Mal, denn es gelang zwei Männern, das furchtbare Holz zu ergreifen, Andere standen ihnen bei und entwanden dem Kämpfer seine Waffe, während sich von der Seite her wüthende, aber unbewaffnete und die unbändige Kraft ihres Gegners fürchtende Feinde zaghaft näherten.

Mit fliegendem Athem und bebend wie eine geängstigte Antilope hielt sich Uarda an ihrem Beschützer fest.

Dumpf stöhnte Pentaur auf, als er sich entwaffnet fühlte. Da sprang, als habe er sich aus dem Boden erhoben, ein Jüngling ihm an die Seite, reichte ihm das Schwert des gefallenen Soldaten, welches zu seinen Füßen gelegen hatte, und lehnte seinen Rücken an den des Dichters. Im selben Augenblicke richtete Pentaur sich auf, stieß einen Schlachtruf aus wie ein Held auf der letzten freien Schanze seiner bestürmten Festung und schwang seine neue Waffe.

Mit flammenden Augen wie ein Löwe, der die Meute von dem Wilde verjagen will, das er fällte, stand er da und einen Augenblick wichen seine Gegner zurück, denn auch sein Bundesgenosse, der junge Rameri, hatte drohend sein Beil erhoben.

»Die feigen Mörder werfen mit Bränden,« rief der Prinz. »Zu mir, Mädchen! Ich lösche das brennende Pech auf Deinem Kleide.«

Mit diesen Worten faßte er Uarda's Hand, zog sie an sich und erdrückte die Flamme an ihrem Kleidchen, während Pentaur ihn mit seinem Schwerte beschützte.

Wenige Augenblicke hatten der Prinz und der Dichter Rücken an Rücken gestanden, als ein Steinwurf das Haupt des Letzteren streifte. Pentaur taumelte, und schon drang die Menge brüllend heran, als der Zaun des kleinen Hofes von kräftigen Händen zusammengerissen einstürzte, eine hohe Frauengestalt auf den Schauplatz des Kampfes trat und dem erstaunten Volke zurief: »Laßt Diese! Ich befehl' es! Ich bin Bent-Anat, die Tochter des Ramses!«

Erstaunt wich die wüthende Menge zurück.

Die Betäubung war von dem Dichter gewichen und er glaubte doch von einem Irrwahne befangen zu sein. Er sah und hörte und meinte einen himmlischen Traum zu träumen. Es war ihm, als sollte er sich niederwerfen vor der Tochter des Ramses, aber sein in Ameni's Schule an rasches Denken gewöhnter Geist ließ ihn blitzschnell Bent-Anat's Lage übersehen und statt das Knie zu beugen, rief er: »Wer diese Frau auch sein mag, ihr Leute, und ob sie ihr auch gleiche, sie ist nicht Bent-Anat, die Tochter des Ramses; ich aber bin, obgleich ich das weiße Gewand nicht trage, ein Priester vom Setihause, Pentaur genannt, und der CherhebFestredner. S. Anmerkung 169. vom heutigen Feste. Verlaß diese Stätte, Frau! Ich befehl' es im Namen meines heiligen Amtes!«

Und Bent-Anat gehorchte. –

Pentaur war gerettet, denn als das Volk sich von seinem Erstaunen zu erholen begann, als die von ihm Verletzten und ihre Angehörigen sich von Neuem gegen ihn erhoben, als ein Bursche, dem er die Hand zerschlagen, wüthend schrie: »Er ist ein Fechter, aber kein heiliger Vater, zerreißt den Betrüger!« rief eine Stimme aus dem Volke: »Macht Platz meinem weißen Gewande und laßt von dem Festredner Pentaur, der mein Freund ist. – Viele von euch müssen mich kennen!«

»Du bist Nebsecht der Arzt, der meinen zerbrochenen Schenkel heilte,« rief ein Matrose.

»Und mein krankes Auge,« ein Weber.

»Der schöne Große ist der Redner, ich erkenne ihn wohl,« rief eines der Mädchen, deren Urtheil über Pentaur Bent-Anat auf dem Festplatze vernommen hatte.

»Redner hin, Redner her!« rief der Bursche und stürzte vorwärts, aber das Volk hielt ihn zurück und trat ehrerbietig auseinander, als Nebsecht es bat, ihm Platz zu machen, damit er die Verwundeten untersuchen könne.

Zunächst beugte er sich über den alten Paraschiten und rief entsetzt: »Schande über euch, ihr habt den alten Mann erschlagen!«

»Und ich,« sagte Pentaur, »mußte meine friedliche Hand mit Blut färben, um sein unschuldiges krankes Enkelkind vor dem gleichen Schicksal zu retten.«

»Giftherzen, Skorpione, Otterngezücht, Menschenkehricht!« schrie Nebsecht in die Menge und sprang heftig auf, um Uarda mit den Blicken zu suchen.

Als er sie wohlbehalten zu den Füßen der Zauberin Hekt, welche sich in den Hof gedrängt hatte, sitzen sah, athmete er hoch auf und wandte dann seine Aufmerksamkeit den Verwundeten zu.

»Hast Du das Alles, was hier umherliegt, umgeworfen?« fragte er flüsternd seinen Freund.

Pentaur nickte bejahend und lächelte; aber nicht triumphirend, sondern beschämt wie ein Knabe, der den gefangenen Vogel gegen seinen Willen in seiner Hand erdrückte.

Nebsecht schaute ihn verwundert und besorglich an und fragte: »Warum gabst Du Dich nicht gleich zu erkennen?«

»Weil mich der Geist des Kriegsgottes Menth erfaßte,« erwiederte Pentaur, »als ich sah, wie der vermaledeite Schurke dort das Mädchen an den Haaren riß. Ich sah und hörte nichts, ich . . .«

»Du hast recht gehandelt,« unterbrach ihn der Arzt, »aber wie wird das enden?«

In diesem Augenblicke erscholl Trompetengeschmetter. Der von Ameni zur Verhaftung des Paraschiten abgesandte Hauptmann nahte mit seinen Soldaten.

Ehe er den Hof betrat, befahl er dem Volke auseinander zu gehen. Die Widerstrebenden wurden mit Gewalt vertrieben und in wenigen Minuten war das Thal von der heulenden und schreienden Menge gesäubert und das brennende Haus umstellt. Auch die Königskinder und Nefert wurden gezwungen, ihren Platz am Zaun des Paraschitenhofes zu verlassen. Rameri war, sobald er sah, daß Uarda gerettet sei, seiner Schwester gefolgt.

Nefert war vor Angst und Erregung dem Umsinken nahe, die Vorsteher der Sänftenträger gaben sich die Hände, sie setzte sich auf dieselben und man trug sie den Geschwistern voran. Keiner von ihnen sprach ein Wort, selbst nicht Rameri, denn er konnte Uarda und den dankbaren Blick nicht vergessen, mit dem sie ihm nachgeschaut hatte. Nur einmal sagte Bent-Anat: »Das Paraschitenhaus brennt. Wo werden die Armen nun schlafen?«

Nachdem das Thal von dem Volke gesäubert war, betrat der Offizier den Hof und fand hier außer der Zauberin Hekt und Uarda auch den Dichter und den mit der Pflege der Verwundeten beschäftigten Nebsecht.

Pentaur unterrichtete den Hauptmann kurz von dem Geschehenen und nannte ihm seinen Namen.

Der Letztere reichte ihm die Hand und sagte. »Gäb' es viele Krieger von Deinem Schlage, heiliger Vater, im Heere des Ramses, der Chetakrieg wäre bald zu Ende. Aber Du hast keine Asiaten, sondern Leute von Theben erschlagen und, so leid es mir thut, ich muß Dich als meinen Gefangenen zu Ameni führen.«

»Du folgst Deiner Pflicht,« entgegnete Pentaur und verneigte sich vor dem Hauptmann, welcher seinen Leuten befahl, die Leiche des Paraschiten aufzunehmen und in das Setihaus zu tragen.

»Ich sollte das Mädchen wohl auch verhaften,« sagte er, sich an Pentaur wendend.

»Sie ist krank,« entgegnete der Dichter.

»Und kommt sie nicht bald zur Ruhe,« fügte der Arzt hinzu, »so ist sie des Todes. Laß sie, sie ist der besondere Schützling der Prinzessin Bent-Anat, die sie jüngst überfuhr.«

»Ich führe sie in mein Haus,« sagte die Zauberin, »und will für sie sorgen. Da liegt ihre Großmutter; sie ist halb erstickt von den Flammen, aber sie kommt schon zu sich und ich habe Platz für Beide.«

»Bis morgen,« entgegnete der Arzt, »dann werde ich für sie eine andere Unterkunft schaffen.«

Die Alte lachte ihn an und murmelte: »Es werden noch Mehrere für sie sorgen wollen.«

Die Soldaten folgten dem Kommandoworte ihres Führers, nahmen die Verwundeten auf und entfernten sich mit Pentaur und der Leiche des Paraschiten.

Indessen waren die Geschwister und Nefert mit vielen Hindernissen zum Landungsplatz der Nilschiffe gelangt.

Einer der Sänftenträger wurde abgeschickt, um das ihrer wartende Boot heranzuholen, und ihm Eile eingeschärft, denn schon sah man die Lichter der Prozession nahen, welche den Gott in den Tempel des Amon nach Theben zurückführte.

Gelang es ihnen jetzt nicht, ungesäumt ihren Kahn zu besteigen, so stand ihnen ein stundenlanges Warten bevor, denn bei nächtlicher Weile durfte, während die Prozession den Strom kreuzte, kein nicht zu dieser gehörendes Fahrzeug, ja selbst kein Schiff eines Großen, vom Lande abstoßen.

In höchster Ungeduld erwarteten die Geschwister das Zeichen ihres Boten, denn Nefert war zum Umsinken erschöpft und Bent-Anat, auf die sie sich stützte, fühlte das Zittern ihrer Glieder.

Endlich winkte der Sänftenträger; der schnelle, aber unscheinbare Nachen, welcher sonst nur bei Vogeljagden benützt wurde, schoß heran, Rameri ließ sich das Ruder eines Matrosen reichen und zog das Fahrzeug näher an die Landungstreppe.

Der Oberste der Sicherheitswächter trat im selben Augenblicke vor und rief. »Dieß Boot ist das letzte, welches abstößt vor der Ueberfahrt des Gottes.«

Bent-Anat schritt, so schnell als es ihr der schwer an ihrem Arm hängenden Nefert Schwäche gestattete, die halbdunkle, jetzt nur von mattem Laternenlicht dürftig bestrahlte Treppe hinab, welche erst, wenn der Gott nahte, mit Pechpfannen und Fackeln tageshell erleuchtet werden sollte. Aber ehe sie die letzte Stufe erreicht hatte, fühlte sie eine harte Hand an ihrer Schulter und die rauhe Stimme des Wegeführers Paaker rief: »Zurück, Pack! Erst kommen wir!«

Die Sicherheitswächter wehrten ihm nicht, denn sie kannten den Wegeführer und sein gewalttätiges Wesen; er aber führte seine Finger an den Mund und pfiff, daß es laut durch die Nacht hingellte.

Sogleich ließen sich Ruderschläge vernehmen und Paaker rief seinem Schiffsvolke zu: »Stoßt den Nachen hier zur Seite! Das Volk kann warten!«

Das Schiff des Wegeführers war größer und stärker bemannt, als das der Königskinder.

»Schnell in das Boot!« rief Rameri.

Bent-Anat schritt wiederum vorwärts, schweigend, denn sie durfte sich hier um des Volkes und Nefert's willen nicht abermals zu erkennen geben; aber Paaker stellte sich ihr in den Weg und rief. »Habt ihr nicht gehört, Gesindel, daß ihr warten sollt, bis wir fort sind? Zieht den Nachen der Menschen hier in den Strom zurück, Leute!«

Bent-Anat fühlte ihr Blut erstarren, als sich gleich darauf ein lauter Wortwechsel an der Landungstreppe erhob.

Rameri's Stimme übertönte alle anderen; der Wegeführer aber rief: »Widerstand leistet das Lumpenpack? Ich will sie lehren! Halloh, hierher, Descher! Stell' das Weib und den Jungen!«

Auf diesen Ruf sprang seine große rothe Dogge, die schon seinem Vater gehört hatte und ihn stets begleitete, wenn er wie heute mit seiner Mutter das Grab des Verstorbenen besuchte, bellend heran.

Nefert schrie geängstigt auf, der Hund aber erkannte sie sogleich und schmiegte sich mit einem ihm eigenen Freudengeheul an sie.

Paaker, der sich schon den Booten genähert hatte, wandte sich verwundert um, sah das sich zu den Fußen der in ihren Knabenkleidern unkenntlichen Nefert wälzende Thier, sprang zurück und schrie. »Ich will Dich lehren, Bursche, mit Gift oder Zauberei den Hund zu verderben!«

Dabei erhob er seine Peitsche und schlug nach den Schultern der mit einem gellenden Angstschrei zu Boden sinkenden Gattin des Mena.

Die Schnüre der Geißel waren dicht an der Wange des zusammenbrechenden zarten Weibes vorbeigesaust, denn Bent-Anat war dem Wegeführer kräftig in den Arm gefallen.

Entsetzen, Abscheu, Zorn hemmte ihre Zunge; Rameri aber hatte Nefert's Schrei vernommen und näherte sich in zwei Sprüngen den Frauen.

»Feiger Schurke!« rief er und erhob das Ruder in seiner Hand. Der an Kampf gewöhnte Paaker bewahrte seine Ruhe und rief dem Hunde mit einem eigenthümlichen Zischen der Lippen zu. »Reiß' ihn nieder, Descher!«

Der Hund stürzte auf den Prinzen los; dieser aber, der seinen Vater schon als Kind auf manche Jagd begleitet hatte, hieb dem wüthenden Thiere mit dem schweren Holze so wuchtig auf die Schnauze, daß es röchelnd zusammensank.

Paaker glaubte in der ganzen Welt keinen zuverlässigern Freund zu besitzen, als dieses Thier, seinen treuen Begleiter auf seinen Zügen durch Einöden und die Lande feindseliger Menschen. Als er es nun zuckend zu Boden sinken sah, erfaßte ihn grimme Wuth und mit hoch erhobener Geißel stürzte er auf den Jüngling los; dieser aber, auf's Höchste erregt von den bunten Ereignissen dieser Nacht, ganz erfüllt von dem kriegerischen Geiste seiner Väter, auf's Höchste aufgebracht gegen den rohen Beleidiger der Frauen, als deren Beschützer er sich ansah, fühlte sich jedem Manne gewachsen und schlug dem Wegeführer mit dem Ruder so kräftig auf die linke Hand, daß ihm die Geißel entsank und er nun aufheulend mit der rechten nach dem Dolch in seinem Gürtel griff.

Da warf sich Bent-Anat zwischen den Mann und den kaum dem Knabenalter entwachsenen Jüngling, nannte zum zweiten Mal ihren eigenen und dießmal auch ihres Bruders Namen, befahl Paaker, seine Matrosen zur Ruhe zu bringen, führte die unerkannt bleibende Nefert an das Boot, bestieg es mit ihren Begleitern und landete in Kurzem bei dem Palaste, während Paaker und seine Mutter Setchem, für die er sein Nilschiff herbeigerufen und welche oberhalb der Stromtreppe von ihrer Sänfte aus den Streit, ohne doch die Reden zu verstehen und die Personen zu erkennen, beobachtet hatte, noch lange auf der Stromtreppe warten mußten.

Sein Hund war todt, seine Hand schmerzte ihn empfindlich und in seinem Herzen kochte neuer Ingrimm.

»Die Ramsesbrut,« murmelte er vor sich hin, »die Abenteuersucher! Sie werden mich kennen lernen! Mena und Ramses stehen nahe genug beisammen. Ich opfere sie Beide!«

 << Kapitel 28  Kapitel 30 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.