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Tuberkulose als Schicksal

Erich Ebstein: Tuberkulose als Schicksal - Kapitel 27
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authorErich Ebstein
titleTuberkulose als Schicksal
publisherFerdinand Enke Verlag
editorGeorg B. Gruber
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Niccolo Paganini

1782 – 1840

Der berühmte Violinvirtuose Paganini wurde am 27. Oktober 1782 in Genua geboren. Von 1828–1834 machte er Kunstreisen nicht nur durch Italien, sondern auch durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien. In den letzten Jahren zog er sich – offenbar durch seine Krankheit gezwungen – auf seine Villa bei Parma zurück.

In der Biographie von Schottky (1830, S. 266) wird von seiner großen Krankheit, die Brust und Unterleib betraf, gesprochen und daß er dreimal operiert wurde. In einem anderen Werk (Mendel-Reimann, Musikal. Conversationslexicon. Bd. 7. 1877, S. 465 ff) wird von Paganinis »in schleichenden Fieber- und Brustkrämpfen stetig zunehmenden Hinfälligkeit des Körpers« gesprochen. Fetis (Biographie universelle des musiciens Bd. 6, 413) bezeichnet Paganinis Krankheit als Kehlkopfschwindsucht. Danach scheint sich die Kehlkopftuberkulose sekundär im Verlauf seiner chronischen Lungentuberkulöse entwickelt zu haben. Genaueres über Paganinis Krankheitszustände und deren Entwicklung erfahren wir aus dem Buche von Julius Kapp (1. Aufl. 1913; 14. Aufl. 1929 Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart). Danach hat er 1813 einen neuen Anfall seines Unterleibsleidens durchgemacht. Im Oktober 1816 hatte sich Paganini wieder von einem schweren Krankheitsfall zu erholen. Bereits im Sommer 1819 verbreitete sich die Kunde, er sei von der Schwindsucht befallen. Der Wirt hielt ihn für ansteckend und stellte kurz entschlossen sein Bett mit all seinem Hab und Gut ins Freie. Im März 1824 bezauberte ihn die junge Antonia Bianchi, die er heiratete, und mit ihr ging er für längere Zeit nach Sizilien. Dieser Aufenthalt tat seiner angegriffenen Gesundheit sehr gut. (April 1825.) Im Herbst 1827 erkrankt Paganini wieder in Florenz und beginnt seine Kur mit Elixier de »Le Roi«. Im August 1828 sehen wir Paganini zur Badekur in Karlsbad. Aber bereits Ende Dezember hören wir von seiner schweren Erkrankung in Prag.

Sein chronisches Halsleiden – die Kehlkopfschwindsucht – war auch in Italien nicht besser geworden. »Kaum vermochte man«, erzählt Berlioz, »wenn man das Ohr nahe an seinen Mund hielt, ein paar Worte zu verstehen.« Im Juli- August machte er eine Badekur in Ems und Ende 1830 in Baden-Baden. Seine Hände, die stark abgemagert waren, hingen mit ihren stahlharten Sehnen an seinem Körper herab. Es existiert auch ein Gipsabguß von Paganinis rechter Hand. Im August 1839 nahm er nicht nur Schwefelbäder in Vernet-les-Bains, sondern griff immer zu neuen Arzneien und Geheimmitteln, doch alles vergebens. Die Unruhe trieb ihn von Ort zu Ort, und er landete schließlich in Nizza, auf dessen mildes Klima sich seine letzte Hoffnung gründete. Seine Leiden wurden mit jedem Tage unerträglicher. Er mußte ins Bett. Die Stimme war völlig vernichtet, seinem heiß geliebten Sohn konnte er nur mit zittriger Hand seine Wünsche auf kleine Zettel kritzeln. Das Schlucken war so erschwert, daß er sich oft stundenlang quälte, den kleinsten Bissen herunterzuwürgen. Dabei bestanden die heftigsten Brustkrämpfe, die ihm schließlich den Rest gaben. Als Paganini einmal – 1830 – in Cassel auftrat, charakterisierte man ihn Ludwig Spohr gegenüber dahin, daß ersterer wie ein Teufel und letzterer wie ein Engel spiele. (Vgl. E. Ebstein, Paganini auf der Konzertreise in Göttingen. Die Spinnstube. 1927, Nr. 9. S. 140.)

Paganini starb am 27. Mai 1840 in Nizza. (G. Conestabile. Vita di Paganini. Perugia 1851. S. 168-174: Ultima malattia e morte.)

Der Pariser Physiologe Dr. Bennati hat 1831 – als Paganini nach Paris kam – der Akademie eine »Notice physiologique« eingereicht, die bei Kapp abgedruckt ist. (S. 116-120.)

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