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Tuberkulose als Schicksal

Erich Ebstein: Tuberkulose als Schicksal - Kapitel 22
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authorErich Ebstein
titleTuberkulose als Schicksal
publisherFerdinand Enke Verlag
editorGeorg B. Gruber
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August Wilhelm Iffland

1759 – 1814

Über Iffland's, des großen Schauspielers der klassischen Epoche, Krankheit und Tod habe ich schon 1920 in Bd. 44 der Beiträge zur Klinik der Tuberkulose S. 291–296 gehandelt. Danach erlag Iffland, der, wie sein Arzt Formey bezeugt, von Natur einen robusten Körper hatte, noch nicht 56 Jahre alt, einem »der langwierigsten, martervollsten Übel, der Brustwassersucht, als Folge einer Verderbnis des rechten Lungenflügels.«

Im Herbst 1811, als Iffland 52 Jahre alt war, eröffnete ein Blutauswurf das Krankheitsbild. Es bestanden abendliche Temperaturen, dabei verstärkter Husten, verbunden mit Heiserkeit. In diesem Zustand hatte es sich Iffland nicht nehmen lassen, vom 4. August bis 4. September zwanzig Rollen zu spielen und 140 Meilen zurückzulegen. Die Heiserkeit bekämpfte Iffland »durch mancherlei nicht immer zweckmäßige Mittel.« Indes hörte der Husten »mit einem verdächtigen Auswurfe, weder damals, noch je wieder gänzlich auf.« Bereits Ende Dezember 1812 war Iffland abgemagert und gewaltig vom Husten geplagt. Im folgenden Jahr traten besonders nachts Erstickungsanfälle auf, und es bestand Atemnot bei der geringsten körperlichen Bewegung. Der Auswurf vermehrte sich, und leichte Fieberbewegungen, häufiges freiwilliges Erbrechen, griffen ihn an. Dabei schwand der Appetit und mit ihm die Kräfte; der Körper magerte sichtbar ab, das Gesicht fiel zusammen. Bereits als die Füße anzuschwellen fingen, was Iffland sehr erschreckte, ging er noch über Breslau nach Bad Reinerz, um Molkenkur und Brunnen zu gebrauchen (vom 12. Mai bis 5. September). Ziemlich gestärkt, mußte er doch nach Berlin zurückkehren, wo er »ermattet, atemschwach, geschwollen an Händen und Füßen, des Nachts mit Erstickungsgefahr kämpfend«, ankam.

Das Euphorische der Stimmung, wie es vielen solchen schweren Lungenschwindsüchtigen eigen ist, erleichterte auch ihm die Lage. So schrieb er noch zwei Tage vor seinem Tode an seine Schwester: »Der Arzt ist sehr zufrieden und ich bin es auch.« Am 21. September sah ihn Formey »zufrieden mit allem, nicht klagend.« Man erlaubte Iffland noch eine Spazierfahrt und bereits in der Frühe des nächsten Morgens war er sanft entschlafen.

Am 22. September 1814 nachmittags machte der Generalchirurgus Görcke die Obduktion: »Bei Eröffnung der Brusthöhle stürzten sechs bis sieben Maß helles Wasser entgegen; die beiden Lungenflügel waren größtenteils davon bedeckt gewesen. Der rechte war in eine verhärtete, knorpelartige Substanz verwandelt und zeigte beim tiefer Einschneiden vielfache mit Eiter angefüllte Stellen. Der linke war völlig gesund, das Herz groß, das Rippenfell an mehreren Stellen angewachsen. Der Unterleib enthielt an 20 Maß gelbliche Lymphe. Die Leber, sowie alle Eingeweide des Unterleibes, waren in ihrem naturgemäßen Zustande. In der Gallenblase fand sich ein unbedeutender Gallenstein.«

Es mag hier noch hervorgehoben werden, daß Iffland genau wie Schiller, im Jahre 1782 eine schwere Influenza durchgemacht hatte. Vielleicht hat diese Erkrankung Ifflands dazu beigetragen, den früher anscheinend gesunden Organismus für einen Lungenkatarrh empfänglicher zu machen.

Die Worte, die Formey an den Anfang seiner Krankengeschichte über Iffland stellte, möchte ich an das Ende setzen:

»Krankheiten, welche weder an sich, noch durch die Eigentümlichkeit ihres Verlaufs, oder durch ihre Seltenheit merkwürdig sind, erhalten oft durch das Individuelle desjenigen, der sie erleidet und den sie zum Tode führen, einen besonderen Charakter und gewähren dem Beobachter eigene interessante Ansichten.«

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