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Tuberkulose als Schicksal

Erich Ebstein: Tuberkulose als Schicksal - Kapitel 2
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authorErich Ebstein
titleTuberkulose als Schicksal
publisherFerdinand Enke Verlag
editorGeorg B. Gruber
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Johannes Calvin

1509 – 1564

wurde am 10. Juli 1509 zu Noyon in der Picardie geboren, wandte sich 1534 der Reformation zu, mußte aus Frankreich fliehen, war 1536–1538 in Genf, ging von da nach Straßburg, wurde hier Lehrer der Theologie und Prediger der französischen Flüchtlingsgemeinde. Als kirchlicher Diktator und orthodoxer Fanatiker bestrafte er Serveto (1535) mit dem Feuertode und erhob Genf zur Hochburg des reformierten Protestantismus, dem er Glaubensbekenntnis und Verfassung verlieh. Er starb am 27. Mai 1564.

In einer interessanten Arbeit hat Leon Gautier die Krankheiten Calvins nach Professor Doumergue besprochen. (Revue medicale de la Suisse Romande, 24. Jahrgang. Genf 1905. S. 494–502.)

Schon in seiner Jugend litt er an dyspeptischen Beschwerden und an einer Schwäche des Magens (ventriculi imbecillitas), die sich zu Gastralgien steigerte. Diese wechselten mit häufigen Migräneanfällen, von denen er oft berichtet. So schreibt er am 4. Oktober 1546, daß seine Migräne so stark war, daß er kaum den Mund öffnen kann. Seit 1536 treten aber unangenehme Bronchialkatarrhe auf, besonders im Oktober 1536 und im September 1540. Im Jahre 1546 kamen Hämorrhoidalleiden dazu, die ihm das Reiten sehr erschwerten. Dazu traten seit September 1555 pleuritische Schmerzen, die die Vorläufer von schweren Lungenaffektionen waren. Nicht genug, dazwischen traten Malariaanfälle. Am 24. Dezember 1559 hatte er sich beim Predigen überanstrengt und es befiel ihn ein schwerer Blutsturz, der sich zwei oder drei mal wiederholte. Seitdem quälte Calvin ständig Husten und fortschreitende Atemnot. Im Frühjahr 1560 galt er bei seinen Freunden als lungenkrank, und man sagte ihm, daß er sehr lungenleidend sei (prorsum te pulmonarium esse).

Zu diesen Leiden gesellten sich starke gichtische Beschwerden und Nierensteinkoliken. Er schrieb daher im Oktober 1561: «S'il a paru bon à Dieu d'ajouter la goutte aux autres maladies, il faudra supporter avec patience sa repréhension (castigatio) paternelle.« Die Gicht schmerzt ihn nicht nur in der großen Zehe, sondern er kann kaum vom Bett bis zum Tisch kriechen (reptando). Im Juli 1563 geht ein nußgroßer Stein ab, dem viele kleine folgten. Ende des Jahres änderte sich der Allgemeinzustand. Abmagerung und Körperschwäche wurden hochgradig. Allabendlich zeigte sich Fieber, die Atmung war kurz und angestrengt, und der Husten unaufhörlich.

Calvins Briefe schildern seine Leiden sehr genau. Trotzdem hat er in diesen schweren Krankheitstagen u.a. Kommentarien zu den Büchern Moses und zum Neuen Testament geliefert.

Gautier betont, daß es schwierig ist, die unmittelbare Todesursache anzugeben. Einmal kann er der fortschreitenden Tuberkulose erlegen sein. Dann könnte auch das Nierensteinleiden sich mit einer Pyelonephritis kombiniert haben, der man das hektische Fieber zuschreiben könnte. Schließlich scheint Gautier sich der Ansicht hinzuneigen, daß Calvin an einer sklerosierenden Phthise der Arthritiker litt. Unter den Calvin betreuenden Ärzten werden Benoit Textor († 1556) und Philibert Sarasin genannt, deren Rat er getreu einhielt. Gautier stellt zum Schluß die These auf, daß die Gicht ihn quasi vor dem Fortschreiten der Phthise bewahrt habe. Wäre Calvin als Skrofulöser geboren, so würde er wahrscheinlich nichts der Nachwelt überlassen haben. Lange-Eichbaum (Genie, Irrsinn und Ruhm. München 1928. S. 360) hält Calvin für einen extrem schizoiden Psychopathen und für einen Typus des Fanatikers. Hermann Weber (Die Theologie Calvins, ihre innere Systematik usw. Berlin 1930) schildert als charakteristisch für Calvins Persönlichkeit seine schizoide Konstitution.

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