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Tuberkulose als Schicksal

Erich Ebstein: Tuberkulose als Schicksal - Kapitel 11
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authorErich Ebstein
titleTuberkulose als Schicksal
publisherFerdinand Enke Verlag
editorGeorg B. Gruber
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Laurence Sterne

1713 – 1768

Sterne, von Beruf Geistlicher, ist am 24. November 1713 in Irland geboren. Seine Hauptwerke sind »Leben und Meinungen von Tristram Shandy« (1757–1767) und »Sentimentale Reise durch Frankreich und Italien« (London 1768). Dieses letzte Werk ist in seinem Todesjahr erschienen. Goethe, dessen »Werther« stark von diesem Werk beeinflußt wurde, nennt Sterne den schönsten Geist, der je gewirkt hat. Der Zweck seiner Reisen war vor allen Dingen der, sich von seinem Leiden zu befreien.

Schon als Student in Cambridge (1733) hatte er den ersten der Anfälle von Lungenbluten, die auch in seinem späteren Leben immer wieder auftraten. Bei diesem ersten Anfall kam er gerade mit dem Leben davon und erinnerte sich später noch lange daran. Von seinen Eltern hatte er eine schwächliche Konstitution geerbt. Ständig quälte ihn ein hartnäckiger Husten sowohl bei Tag wie bei Nacht. Ehe Sterne 1761/62 nach Paris reiste – im totkranken Zustande – machte er sein Testament. Niemand seiner Freunde glaubte, daß er den Winter überstehen würde. In den Zeitungen wurde er fälschlich tot gesagt. In Paris hatte er einen Fieberanfall mit Blutsturz. Aber bereits im folgenden Monat fühlte er sich soweit wieder hergestellt, daß er die Heimreise aus Frankreich vorbereiten wollte. Doch die Gesundheit von Sterne's Tochter, deren Asthma, an dem sie schon länger litt, zugenommen hatte, bestimmte ihn anders. Sterne nennt die Krankheit seiner Tochter eine angeborene Schwäche der Lungen, genau wie bei ihm selbst. Er wollte ihr dieselben Chancen zum Leben geben, die das seinige gerettet hatten. Im Juni brachte ihn ein neuer Anfall von Lungenbluten an den Rand des Grabes. Ein Aderlaß rettet ihn, und er muß drei Tage lang eine Schweigekur durchmachen. Dieses Vorkommnis bewog Sterne um so mehr, mit der Tochter nach dem Süden von Frankreich zu gehen. Dazu hatten ihm die Ärzte in Paris geraten. Während der Zustand der Tochter sich dort gebessert hatte, litt er selbst ständig an Schüttelfrösten und Fieber und mußte ärztlich behandelt werden. Man verordnete ihm kräftige Fleischbrühen und Suppen, von denen er annahm, daß sie ihm wieder Fieber machten, das Fieber zu Blutverlust führe und dieser wieder zu Schüttelfrösten. Sterne spricht weiterhin von seiner miserablen Konstitution und legt sich die Frage vor, wieviele solcher Anfälle er noch aushalten könne. Er will bis an sein Ende dagegen kämpfen. In Toulouse verordnen ihm die ihn behandelnden Ärzte morgens Eselsmilch und abends Kuhmilch zwischen den Mahlzeiten. Dort muß er außerdem noch an einem epidemisch auftretenden Fieber liegen.

Auf Anraten der Ärzte geht Sterne nach Bagnères in den Pyrenäen, um dort die Kur zu gebrauchen. Dann will er noch über den folgenden Winter nach Nizza, von wo er im Frühjahr heimzukehren hofft. Er scheint den Winter aber in Montpellier verbracht zu haben, wohin damals viele Kranke zu Winterkuren gingen. Von hier begab sich Sterne in die Heimat zurück. In York befiel ihn Ende April 1765 ein erneuter Blutsturz, der ihn zwang, sehr ruhig zu leben. Er war in Behandlung des Dr. Dealtry. Aber bereits im Spätsommer begab sich Sterne auf die Reise nach Italien. Auf der Reise über Florenz nach Rom hätte er sich gern in den kleineren oberitalienischen Städten aufgehalten, aber er sagte sich, daß es bei seiner schwachen Gesundheit zweckmäßiger sei, in Rom zu sein. Dort fühlte er sich im ganzen recht wohl und war der Ansicht, durch diese Reise sein Leben um 10 Jahre verlängert zu haben. Nach mehreren Monaten Aufenthalt in Rom besuchte er in der Franche-Comte seine Frau und Tochter. Seine Frau war erschrocken über sein krankes Aussehen, Sterne aber reiste nach England zurück. Im April 1767, als seine Freundin Eliza Draper nach Indien reiste, hatte er am Abend desselben Tages wieder schwere Lungenblutungen, die erst am nächsten Morgen gestillt werden konnten.

Gegen Mitte März 1768 hatte Sterne einen Krankheitsanfall, den er für Influenza hielt. Er war aber hartnäckiger als gewöhnlich, denn es war der Beginn einer Rippenfellentzündung. Am 10. März ließ man ihm dreimal zur Ader und legte ihm Zugpflaster auf. Danach war er mehrere Tage sehr erschöpft, und in diesem Zustand schrieb er den letzten Brief an Mrs. James, der er seine Tochter empfahl. Am 18. März 1768 ist Sterne in London gestorben. Seine Leiche wurde nach zwei Tagen aus dem Grabe gestohlen und von den Räubern an die Anatomie nach Cambridge verkauft. Der Professor Collignon hatte zu der Anatomierung einige Freunde eingeladen. Erst zu spät erkannte ein Freund Sterne's dessen Leiche. Auch das Skelett Sterne's war auf der Anatomie in Cambridge zu sehen.

Im Tristram Shandy (Buch 8, Kapitel 6) hat Sterne offenbar seines eigenen Leidens gedacht: »Und ist es nicht zwei Monate her, daß Du durch einen Lachkrampf, der Dich befiel, als Du sahest, wie ein Cardinal gleich einem Chorsänger sein Wasser mit Hilfe beider Hände lassen wollte, Dir ein Lungengefäß sprengtest, so daß Du binnen zwei Stunden zwei Quartmaß Blut verlorst? so daß, wie die Herren von der Fakultät Dich versicherten, Du ein Stübchen verloren haben würdest, wenn es noch einmal soviel gewesen wäre als es war?« (Vgl. Percy Fitzgerald, The Life of Laurence Sterne. 2 Bände. London 1864 und W. L. Cross. The Life and Time of Laurence Sterne. 2 Bde. New Haven 1925.)

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