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Trug-Gold

Rudolf Baumbach: Trug-Gold - Kapitel 15
Quellenangabe
authorRudolf Baumbach
titleTrug-Gold
publisherVerlag von Albert Goldschmidt
printrun63. bis 68. Tausend
year1910
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Vierzehntes Kapitel.
Die gütige Fee erscheint in den Wolken.

Am andern Tage war das gewölbte Zimmer in der Goldenen Gans mit redelustigen Bürgern gefüllt zu einer Stunde, wo sonst nur vereinzelte Gäste hinter den eichenen Tischen saßen. Der Ganswirth war heute eine Person von doppelter Wichtigkeit, erstens als Schenke und zweitens als derjenige, dessen Haus die Hauptpersonen des nächtlichen Dramas beherbergt hatte. Er führte natürlich das große Wort, und so sehr war er als Berichterstatter in Anspruch genommen, daß er dem jungen Kaspar nothgedrungen einen Theil der Geschäfte aufgebürdet hatte. Nächst dem Wirth waren diejenigen am meisten gesucht, die in der Nacht, durch den Hilferuf des Magisters aufgeschreckt, den Schauplatz des Verbrechens betreten hatten, und so oft einer derselben einem Kreis von Neugierigen das Erlebte zum besten gab, fand sich ein neuer Umstand, der bei der letzten Erzählung vergessen worden war.

Am gewohnten Tisch unter den aufhorchenden Altmeistern saß der Hofmetzger, neben ihm der Hofschneider. Beiden war mit der Enthüllung des nächtlichen Abenteuers ein zentnerschwerer Stein vom Herzen gefallen. Als ihnen der Mönch erschienen war, waren die zwei Meister in sich gegangen, denn die Erscheinung war nach dem Urtheil des sachverständigen Hofschneiders eine Mahnung an beide gewesen, das Haus zu bestellen und mit den irdischen Dingen abzuschließen. Am Sonntag, der jener Schauernacht folgte, waren beide in langen, dunklen Feströcken, das Gesangbuch unter dem Arm, einträchtig zur Kirche gegangen und hatten andächtig, ein bischen Schlaf beim zweiten Theil der Predigt abgerechnet, den Worten des Herrn Superintendenten gelauscht, hatten dann den Tag in erbaulichen Gesprächen über das Jenseits verbracht und den Entschluß gefaßt, allen Freuden der Welt, insonderheit dem Wirthshausleben zu entsagen und mit Ergebung ihr sanftseliges Ende zu erwarten. – Das war nun alles nicht mehr nöthig, seitdem man wußte, wer unter der Mönchskutte gesteckt hatte. Der Hofschneider meinte zwar, es sei sündlich, alle guten Vorsätze mit einem Mal wieder fallen zu lassen, und stimmte für einen fortgesetzten gottgefälligen Lebenswandel mit spärlich eingestreutem weltlichen Plaisir, aber der Hofmetzger wollte davon nichts wissen. Er habe große Angst ausgestanden, und diese sei Strafe genug, wenn sein Wandel straffällig sei, was man ihm übrigens erst beweisen müsse. Jetzt wolle er nachholen, was er seither versäumt habe, nach so vielen Leiden werde ihm ein frischer Trunk gut thun, und er sehe gar nicht ein, warum er sich nicht zur Feier des Tages einen Spitz antrinken solle. Der Hofschneider entsetzte sich anfangs über diese Frevelworte, als ihm aber der Freund haarscharf bewies, daß er als Mensch und Familienvater die Verpflichtung habe, seinen durch die ausgestandene Angst heruntergekommenen Leib zu kräftigen, so gab er nach und ging mit seinem dicken Freund in die Goldene Gans. – Da saßen sie also jetzt und besprachen das nächtliche Ereigniß.

Der Hofmetzger war in der angenehmen Lage, eine wesentliche Lücke in der Darstellung des Geschehenen zu ergänzen; er war nämlich darüber unterrichtet, wie die Nachricht von der Verhaftung des Goldmachers und seines Gehilfen am Hof aufgenommen worden war. Er hatte am Morgen, obwohl es sich mit seiner Würde nicht gut vertrug, das Fleisch für den Küchenbedarf des Hofes in eigener Person abgeliefert und bei dieser Gelegenheit mancherlei erfahren.

Der Fürst war in der Nacht geweckt worden, und die Schreckensbotschaft hatte ihn außerordentlich erschüttert. Der Bürgermeister war in's Schloß befohlen und nach einer langen Unterredung äußerst gnädig entlassen worden. Daß man bei dem welschen Grafen, wie er noch immer hieß, eine große Geldsumme gefunden hatte, war bereits bekannt; der Hofmetzger wußte genau, daß es über 2000 Dukaten gewesen seien, die der Goldmacher aus dem Fürsten herausgelockt habe, und das traf mit der Aussage des Ganswirths überein.

Derselbe wurde herangewinkt und mußte zum hundertsten Mal erzählen, was er damals, als der Fürst bei dem Grafen gewesen war, durch das Schlüsselloch erspäht hatte. Er fügte hinzu, er für seinen Theil habe den beiden Fremden von allem Anfang an nichts Gutes zugetraut und jedesmal die Löffel nachgezählt, wenn das Eßgeschirr aus ihrem Zimmer zurückgebracht worden wäre.

Die Meister, die den welschen Grafen gekannt hatten, behaupteten, es sei ihnen ebenso gegangen, und der Hofmetzger sagte:

»Wißt Ihr, Meister, wer ich jetzt sein möchte?«

»Na, der welsche Graf doch nicht?«

»Meister Schuhmacher, laßt Eure ungehörigen Bemerkungen! Daß der gehenkt wird, ist sicher. He, Meister Seiler! Habt Ihr noch nicht den Auftrag bekommen, einen festen, gedrehten Strick zu liefern?«

»Das geht nicht so schnell,« erklärte der Seiler, »erst kommt die Untersuchung, dann, wenn Inculpat nicht gesteht, die peinliche Frage und dann erst das Urteil. Der Strick wird's übrigens bei dem nicht thun, der wird gerädert, und wenn's nach mir ginge, von unten auf.«

»Verdient hätt' er's freilich,« nickte der Hofschneider, »aber Ihr kennt nicht die Milde unseres durchlauchtigsten Herrn; denkt an mich, Meister, er wird zum Galgen begnadigt.«

»Na, meinetwegen,« sagte der Hofmetzger, »aber Ihr habt mich vorhin nicht ausreden lassen. Wißt Ihr, wer ich jetzt sein möchte?«

»Na, wer denn, Hofmetzger?«

»Der Fritz Hederich möcht' ich sein, der hat jetzt ausgesorgt. Er ist aber auch ein Staatsbursch«

»Ja,« knurrte der Hofschneider, »es ist wirklich schade, daß er kein hiesiger Bürgerssohn ist, denn daß ein Fremder die Jungfer Thomasius kriegt, das ist doch nicht in der Ordnung. Ich hätte sie lieber dem gelahrten Magister Xylander gegönnt.«

»Der Hasenfuß,« versetzte der Hofmetzger verächtlich, »der verdient ein so braves Mädel nicht.«

»Na, mit der Bravheit wird's wohl nicht weit her sein,« bemerkte der Schneider hämisch, »wenn Eine Nachts mit ihrem Schatz im Garten –«

»Hofschneider,« unterbrach der Metzger, »Ihr bedenkt nicht, was Ihr sprecht. Wenn die Jungfer Thomasius nicht ein Techtelmechtel mit dem Subjekt gehabt hätt' und nicht mit ihm im Garten zusammengekommen wäre, so hätten die beiden Spitzbuben ungestört ihr verruchtes Werk vollbringen können, und unser gnädigster Herr wäre um 2000 Dukaten betrogen worden. Hofschneider, Ihr seid doch sonst ein verständiger Mann, seht Ihr denn hierin nicht den Finger Gottes?«

Dagegen ließ sich nichts sagen, die Meister nickten dem Sprecher Beifall zu, und der Schneider trat den Rückzug an.

»Aber,« sagte er, »es ist doch nicht recht, daß ein Fremder dem Magister seine Zukünftige wegnimmt.«

»Lirum, larum,« erwiderte der Hofmetzger, »der Hederich ist so gut wie ein Hiesiger, oder er kann's wenigstens werden.«

»Und dann,« fiel der Ganswirth ein, »ist ja der Magister auch kein geborener Finkenburger, sondern ein Ammerstädter.«

»Richtig, richtig!« riefen die Meister mit erleichtertem Herzen, und der Hofschneider sagte überwunden:

»Nun so will ich denn nichts weiter dagegen haben, daß sie sich kriegen.«

»So ist's recht, Gevatter!« brüllte der Hofmetzger. »Ganswirth, bringt eine große Kanne, ich bezahl' sie, wir wollen dem Hofschneider zu Ehren eins herum trinken.«

*

Während man in der Goldenen Gans auf solche Weise über die Zukunft der bei dem Abenteuer betheiligten Personen entschied, befanden sich diese selbst in großer Ungewißheit über die Folgen ihrer Handlungsweise.

Am wenigsten im Zweifel über ihr Schicksal brauchten jedenfalls die beiden Gefangenen zu sein. Sie saßen jeder in einem besonderen Kerker, Doktor Rapontiko schweigend vor sich hinstarrend, Balthasar Klipperling aus Wien zitternd und zähneklappernd, oft mit der Hand seinen Hals befühlend, der ihm zusammengeschnürt vorkam, als ob er schon das hänfene Halsband trüge.

In der Löwenapotheke stand es in den ersten Tagen, welche der Schreckensnacht folgten, nicht gut. Herr Thomasius lag hart mitgenommen in seinem Bett, und der Doktor schüttelte den Kopf. Fritz und Else schlichen zaghaft durch die Krankenstube und wachten des Nachts abwechselnd am Lager des Vaters.

Auch der Magister hütete das Bett, alle wollenen Tücher und Kleidungsstücke, die er besaß, und es waren ihrer viele, hatte er um seinen Leib gewickelt und leerte ohne Widerstreben einen Humpen Thee nach dem andern, eine Arzneiflasche nach der andern.

Die alte Hanne hatte viel zu thun, aber sie trug ihre Bürde mit Ausdauer, denn sie hatte die Überzeugung, daß alles gut werden müsse.

Und sie täuschte sich nicht. Nach ein paar bangen Tagen kehrten dem Alten die Kräfte wieder, und der Tod, der dem Tränklein des Apothekers schon oft hatte weichen müssen, mußte auch diesmal vor den Medizinflaschen und Pillenschachteln des Goldenen Löwen die Flagge streichen.

Wieder einige Tage später saß Herr Thomasius, zwar noch etwas schwach, in seinem großen Lehnstuhl, und daneben auf dem Tisch stand ein Glas mit goldbraun schillerndem Cyperwein, den er für besondere Fälle in dem hintersten Winkel seines Kellers aufbewahrte.

Die Oktobersonne schien durch die runden Fensterscheiben und beleuchtete das blonde Haar der Jungfer Else, so daß es schien, als ob alles Licht in der Stube von dem Haupt des schönen Mädchens strahlte; die Sonne fiel aber auch auf einen von braunen Locken umwallten Kopf und zwei runzelige Hände, die auf dem blonden und dem braunen Scheitel lagen.

Herr Thomasius mußte eine sehr rührende Rede gehalten haben, denn Fritz und Else sahen sehr ergriffen aus und küßten nach einander mit Inbrunst den grauen Kopf des Alten, während etwas abseits die alte Hanne stand und mit dem unvermeidlichen Schürzenzipfel das reichlich quellende Wasser ihrer treuen Augen trocknete.

»Es war eine böse Krankheit,« sagte der Apotheker, »die mich seit langen Jahren gefangen hielt; das Goldfieber hat mir meine beste Lebenszeit vergällt. Jetzt bin ich geheilt, und glücklicher Weise ist es noch nicht zu spät, das Verlorene einzubringen. So Gott will, wird mein Lebensabend noch lang sein, und meine Kinder werden sorgen, daß er heiter sei. – Jetzt geht! Du, Fritz, siehst zu, wie es in der Officin aussieht; ich mag nicht daran denken, was sie da alles zerbrochen und verdorben haben werden, seitdem ich ihnen nicht auf die Finger gesehen habe. Du wirst Arbeit finden. – Du, Else, gehst in die Küche! Jetzt wird sich's zeigen, ob Du zur Hausfrau reif bist. Wenn Du heute, nachdem ich schwacher, alter Mann Euch meinen Segen gegeben habe, ein ordentliches Mittagsessen zu Stand bringst, so mögt Ihr immerhin Hochzeit machen. Brennst Du aber die Suppe an, oder verbrauchst Du auch nur ein Korn Salz zu viel, so wird noch ein Jahr gewartet. Punktum. Jetzt marsch! – Sie, Hanne, hört jetzt vor allen Dingen auf, zu flennen; Sie weiß, daß mir das in den Tod zuwider ist –«

»Ich bin schon ruhig, Herr Thomasius!«

»Gut, und nun geh' Sie hinauf zum Magister und bitte Sie ihn, er möge einmal zu mir kommen, ich habe etwas mit ihm zu sprechen.«

Auch der Magister war von seiner Krankheit, die von allem Anfang an nicht bedenklich gewesen war, genesen, aber seine Stimmung war eine sehr düstere.

Bald nachdem er den ersten Schrecken überwunden hatte, war es ihm fürchterlich klar geworden, wie Fritz Hederich zu der blonden Else stehe, und theilnehmende Freunde, die den kranken Magister besuchten, ermangelten nicht, ihm all' die interessanten Einzelheiten mitzutheilen, die ihm bisher unbekannt geblieben waren. Fritz Hederich hatte selbst am zweiten Tage den Magister ausgesucht und ihm Generalbeichte abgelegt, der Magister aber hatte den Kopf nach der Wand gedreht und gethan, als ob er schliefe, worauf Fritz, gestärkt durch das Bewußtsein, sein Möglichstes gethan zu haben, wieder gegangen war.

Jetzt saß der Magister, sorgfältig bis an den Hals eingewickelt in seinem Arbeitsstuhl und dichtete. Ach, es war keine Komödie, kein tiefsinniges Lehrgedicht, was er schrieb; es war eine Trauerode, lieblich und zu Zähren rührend wie der Gesang eines todtwunden Nachtigallenmännchens:

Du hast verschmäht den liebenden Magister,
Deß Herz vergebens brannte lichterloh,
Dich hat bethöret des Subjekts Geflüster,
Du gabst Dich hin dem Baccalaureo.
Ich selber unter meiner Toga Kragen
Hab' arglos Botschaft hin und her getragen.

O, Else, wie mißfällt mir Dein Benehmen!
Fürwahr, das hätt' ich nicht von Dir gedacht!
Durch meinen Busen zieht ein tiefes Grämen,
Und einsam klag' ich in der stillen Nacht
Mein Leid dem Mond, der durch die Wolken wandelt:
Nein, Else, nein, Du hast nicht schön gehandelt!

Ihm, der gerettet mich aus Mörderhänden,
Der mannhaft mit der Keule für mich stritt,
Ihm sei verzieh'n, doch kann ich Dank nicht spenden
Dem, der mir Else raubte. – Wir sind quitt.
Zieht hin und werdet glücklich mit einander!
Dies wünscht Euch Hieronymus Xylander! – –

Die beiden letzten Verse waren ihm ganz unversehens aus der Feder geflossen, und als er sie niedergeschrieben hatte, zogen milde, versöhnliche Gedanken in sein mißhandeltes Herze ein. Unschuldig leiden ist auch ein Genuß; er gleicht dem des Dulcamarastengels, der anfangs abscheulich bitter, dann aber süß wie Honig schmeckt. Der Magister begann bereits die Süßigkeit des Märtyrerthums zu schmecken.

In blasser Verklärung, wie ein richtiger Märtyrer, der geradewegs von dem glühenden Rost oder vom Rad kommt, das ihm die Gebeine gebrochen hat, trat der von der alten Hanne gerufene Magister vor seinen gewesenen zukünftigen Schwiegervater.

Die beiden Männer sahen sich seit der Schreckensnacht heute zum ersten Mal, und die Fragen nach dem beiderseitigen Befinden halfen ihnen daher über den Eingang der Unterredung, die für beide Theile peinlich sein mußte, hinweg.

Dann hub Herr Thomasius an, das Thema »der Mensch denkt, Gott lenkt« ausführlich zu behandeln. Er sprach wie ein Buch, und der arme Magister hörte geduldig zu, denn er mußte sich wohl oder übel die Logik des Apothekers gefallen lassen, der ihm bewies, Else sei keine Frau für einen so gelehrten Herrn; er solle froh sein, daß ihm die Augen geöffnet worden seien, bevor es zu spät geworden.

Der Magister sagte zu allem Ja und hing den Kopf wie eine geknickte Lilie.

»Ich wüßte wohl eine Frau für Euch,« fuhr der Apotheker fort.

Die geknickte Lilie hob das Haupt ein wenig.

»Da ist des Bürgermeisters Tochter, die Käthe. Das wäre ein Weib für Euch. Der Bürgermeister ist mein Gevattersmann, die Sache würde sich machen, wenn ich ein Wort mitspräche. Was meint Ihr zu dem Vorschlag?«

Der Magister lächelte trüb: »Sie ist schön, aber sehr stolz.«

»Was macht das aus?« fiel der Apotheker eifrig ein. »Ihr seid ein angesehener Mann, und jeder Jungfrau muß es eine Ehre sein, wenn Ihr ihre Hand begehrt. Magister, verlaßt Euch auf mich, daraus muß etwas werden; wir sprechen noch darüber. – Und jetzt noch eins, lieber Magister, ich habe eine große Bitte an Euch. Seht, ich habe vormals oft verächtlich von Eurer Poeterei gesprochen; es war eine böse Zeit, die leidige Goldmacherei hatte mir den Kopf verrückt und meinen Geist umnachtet; ich wußte nicht mehr, was rechts oder links, was schön oder häßlich sei. Das ist nun Gott sei Dank vorbei, mein Kopf ist wieder klar, und ich sehe ein, wie ungerecht ich gegen Euch war. »Wollt Ihr mir verzeihen?«

Der Magister reichte gerührt dem Alten die Hand. »Nun,« fuhr der Apotheker fort, »wenn Ihr mir nichts mehr nachtragt, und wenn's Euch Eure Gesundheit erlaubt, so thut mir den Gefallen und leset mir etwas von Eurer Poesei vor.«

»Mit tausend Freuden!« rief der Magister, und seine blassen Wänglein rötheten sich. »Ich gehe sogleich, ein Manuskriptum zu holen. Wollt Ihr etwas Ernstes, oder etwas Lustiges?«

»Was Ihr wollt, lieber Magister, mir ist's gleich.«

Der Magister ging und kam bald mit einem dicken Heft zurück. Er setzte sich dem Apotheker gegenüber und begann den ersten Gesang seines Heldengedichtes zu lesen. Er las lange. Zuweilen nickte der Apotheker und murmelte Worte der Anerkennung, endlich war er still, und als der Magister den ersten Gesang, der aus eintausendsiebenhundert Versen bestand, zu Ende gelesen hatte, war Herr Thomasius sänftlich eingeschlafen.

Der Magister erhob sich, ging leise aus dem Zimmer und sprach draußen zu der alten Hanne:

»Er ist wie umgewandelt. Denke Sie sich, Hanne, ich habe ihm eins meiner Gedichte vorlesen müssen.«

Hanne schlug vor Verwunderung die Hände über dem Kopfe zusammen.

»Das kommt,« fuhr der Magister fort, »von der Erschütterung seines Gehirns, die er neulich davongetragen hat. Man hat Beispiele, daß Narren, die aus dem Fenster gesprungen und dabei auf den Kopf gefallen sind, plötzlich ihren Verstand wiederbekommen haben. Daß er jetzt den Werth der Poesei erkennt, das ist die beste Bürgschaft für seine völlige Genesung.«

Sei es, daß Hanne von der Wahrheit des Gesagten überzeugt war, sei es, daß sie den Magister, dessen Kummer sogar seiner alten Widersacherin zu Herzen ging, durch Widerspruch nicht erzürnen wollte, sie nickte zustimmend mit dem Kopf und sagte:

»Ihr seid ein gelehrter Herr und trefft immer das Richtige. Aber, wenn ich Euch einen guten Rath geben soll, so bleibt nicht hier im Zug stehen, sondern macht, daß Ihr in Eure Stube kommt.«

»Sie hat Recht, Hanne,« versetzte erschrocken der Magister und ging eiligen Schrittes nach seinem Museum.

*

Fürst Rochus hielt viel auf Popularität; denn die Popularität gewinnt die Herzen der Unterthanen, und dann kostet sie auch nichts.

Wie Harun al Raschid mit seinem Vezir die Straßen von Bagdad durchstreifte, so liebte es der Fürst, mit seinem Kammerherrn zeitweilig sich unerkannt unter das Volk zu mischen, um sich durch eigene Anschauung über das Leben und Treiben der Bürger zu unterrichten.

Bei solchen Gelegenheiten kam es oft zu komischen Auftritten. Einmal wurde Serenissimus von einem alten Weib aufgefordert, ihr den Tragkorb auf den Rücken zu heben, was er ohne eine Miene zu verziehen auch wirklich that, so gut er konnte. Ein anderes Mal sah er sich durch die geschwärzten Fäuste eines eifersüchtigen Schlossergesellen, der in dem hohen Herrn einen Nebenbuhler vermuthete, ernstlich bedroht und konnte sich nur dadurch der Gefahr entziehen, daß er aus seinem Inkognito heraustrat, worauf der Schlossergeselle kniefällig um Gnade bat, die ihm auch zu Theil wurde. Und wieder einmal mußte der neue Harun al Raschid die Flucht ergreifen, als ihn ein paar Gassenbuben, die er bei ihrem Spiel in der Gasse gestört hatte, mit allerlei Stoffen, die ihnen gerade zur Hand kamen, bewarfen.

Bei der Liebhaberei des Fürsten, in die Privatangelegenheiten seiner Unterthanen handelnd einzugreifen, darf es nicht Wunder nehmen, daß, als die näheren Umstände der Mordgeschichte bekannt geworden, Serenissimus mit großem Eifer die Gelegenheit ergriff, die gütige Fee aus dem Märchen zu spielen, die mit ihrem Zauberstab den Wirrwarr zu aller Betheiligten Zufriedenheit schlichtet. Er fühlte sich um so mehr bewogen, die Rolle des Vermittlers zu spielen, da er dem Haupthelden des nächtlichen Dramas, dem Baccalaureus, der ihn vor einem empfindlichen Geldverlust bewahrt hatte, Dank schuldete, den er bei dieser Gelegenheit bequem abtragen konnte. Daß der Magister Xylander, für den der Fürst schon seit mehreren Tagen eine Überraschung bereit hielt, in die Geschichte verwickelt war, war ein Zusammentreffen, wie es sich der Fürst nicht besser hätte wünschen können. Der hohe Herr ging diesmal allein und überdachte unterwegs noch einmal sein Programm.

Es war ein paar Tage nach den zuletzt geschilderten Ereignissen, als der Fürst unvermuthet die Löwenapotheke betrat.

Herr Thomasius ruhte in seinem Lehnstuhl, Else und Fritz saßen abseits und sagten sich das, was sie sich bereits unter dem Hollunderbaum gesagt, zum tausendsten Male, der Magister aber stand am Fenster und blickte gedankenvoll nach den Wolken. Da wurde die Thür aufgerissen, und vor der tief knixenden Hanne vorüber schritt Serenissimus über die Schwelle.

Verlegene Stille, tiefe Verbeugungen.

»Bleib' Er nur sitzen,« sagte der Fürst gnädig zu dem Alten, »Er ist der Apotheker Thomasius?«

»Mit Verlaub, durchlauchtigster Herr, ja.«

»Wir sind beide von einem Spitzbuben angeführt worden, Er aber ist am schlimmsten dabei weggekommen. Ich habe mit großem Bedauern gehört, wie übel Ihm die Schufte mitgespielt haben. Jetzt geht's Ihm wieder besser?«

Herr Thomasius dankte tiefgerührt.

»Ist diese da« – der Fürst deutete auf Else – »Seine Tochter?«

»Ja, Durchlaucht, mein Kind, die Else.«

Else verneigte sich tief. Der Fürst betrachtete mit Wohlgefallen das schöne Bürgerkind, aber er zwang sich, recht streng auszusehen, als er zu Else gewandt sprach:

»Wie ich höre, hat die Jungfer eine große Vorliebe für das Klosterleben, da kann Ihr geholfen werden. Zwei Stunden von meiner Residenz Ammerstadt liegt ein hübsches Schlößlein im Wald. Dort führt meine fromme Base, die Prinzessin Emerentia, als Äbtissin das Regiment über ein Dutzend Stiftsfräulein, die ein gottseliges Leben führen. Wenn die Betstunden vorüber sind, gehen sie im Garten spazieren, und wenn der Spaziergang vorüber ist, so beten sie. Dabei fehlt es ihnen auch nicht an Kurzweil, denn zweimal in der Woche kommt mein Hofprediger zu ihnen hinaus und führt mit ihnen allerlei erbauliche Gespräche über die Sündhaftigkeit der Welt und die Freuden des Jenseits. Das wäre so etwas für die Jungfer. – Freilich,« fuhr der Fürst achselzuckend fort, »werden eigentlich nur Edelfräulein in das Stift aufgenommen, indessen glaube ich, meine erlauchte Base wird mir zu Gefallen einmal eine Ausnahme von der Regel machen. Was meint die Jungfer Thomasius zu dem Vorschlag?«

Else stand da mit gesenkten Augen und zupfte in der Verlegenheit an ihrer Schürze, Fritz räusperte sich und trat einen Schritt näher, Herr Thomasius aber erhob sich von seinem Sitz und ergriff das Wort:

»Mit Permiß, gnädigster Herr, die Else ist die Freude meines Alters; es würde mir schwer ankommen, das Kind zu entbehren. Zudem ist sie auch bereits die Verlobte von diesem da« – er zeigte auf Fritz Hederich – »und der durchlauchtigste Herr werden gewißlich nicht wollen, daß ich mein gegebenes Wort zurücknehme.«

»O weh!« lachte der Fürst, »da komme ich also zu spät. Seht, Kinder, es war nur Spaß von wegen des Stifts; ich hatte mir ausgedacht, ich wollte den Freiwerber für den Baccalaureus machen, weil ich ihm zum Dank verpflichtet bin, und nun verderbt Ihr mir so den Spaß! Hättet Ihr nicht noch ein paar Tage warten können?«

»Wenn wir gewußt hätten,« sagte Fritz, »daß Durchlaucht sich selbst –«

»So hättet Ihr gewartet?« fiel der Fürst ein, »das glaube Euch ein anderer. Wann soll denn die Hochzeit sein?«

»Noch vor Weihnachten.«

»So, nun Ihr habt's eilig. Als Freiwerber habt Ihr mich also nicht nöthig, wenn Ihr mich aber über's Jahr brauchen könnt – –«

Else wandte sich ab.

»– so erinnert Euch, daß ich Euer wohlaffektionirter Fürst bin.«

Der Magister, der noch immer gänzlich unbeachtet im Hintergrunde stand, seufzte tief auf.

»Nun komme Er einmal näher, Freund Hederich!« fuhr der Fürst fort. »Er hat mich neulich durch Sein Komödienspielen delektirt und mich neuerdings durch Seine kühne That vor einem großen Verlust bewahrt, ich bin Ihm also zwiefachen Dank schuldig. Da es nun einem Fürsten nicht wohl ansteht, der Schuldner eines seiner Unterthanen zu sein, so bitte Er sich eine Gnade aus und spreche Er frisch von der Leber weg.«

»Durchlauchtigster Herr, seitdem ich meine Else habe, trage ich nach nichts weiter Verlangen; ich bin glücklich.«

»Seht mir den Diogenes an! Soll ich Ihm etwa aus der Sonne gehen? Hm? Er scheint mir so ein Dickkopf zu sein, den man zu seinem Vortheil zwingen muß. Weiß Er, daß ich Ihm bereits eine Gnade erwiesen habe? Ja, sperr' Er nur die Augen auf! Der Betrüger, den Er niedergeschlagen hat, ist, wie bekannt, zum Galgen verurtheilt worden und wird demnächst baumeln. Da hat er nun in der Meinung, dies könne ihn vom Tod retten, höchst sonderbare Aussagen über seinen ehemaligen Gehilfen, einen gewesenen Studenten, gemacht, der wegen einer Teufelsbeschwörung flüchtig geworden sei. Nun ist zwar der Goldmacher ein Spitzbube, dem nicht das dritte Wort zu glauben ist. Dennoch aber haben die Herren von meinem Gericht große Lust verspürt, der Sache auf den Grund zu kommen, und wer weiß, was für kuriose Dinge dabei zu Tage gefördert worden wären, wenn ich nicht den Befehl gegeben hätte, die Angelegenheit niederzuschlagen. Das hab' ich gethan; warum? Das ist meine Sache. Wenn aber der Herr Baccalaureus von meiner Gnade nichts wissen will, so bedarf es nur eines Wortes, und die Untersuchung beginnt. Was dabei herauskommen würde, weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß dann die Hochzeit in der Löwenapotheke nicht vor Weihnachten gefeiert werden würde.«

So sprach der Fürst und weidete sich an der Zerknirschung des Baccalaureus und der Verlegenheit der Übrigen.

»Seht, Kinder,« sprach er dann in väterlichem Ton, »es ist immer gut, wenn man einen Mächtigen zum Freund und Beschützer hat. Jetzt gebt mir die Hände und nehmt meinen Glückwunsch!«

Zu Aller Erstaunen begann jetzt Else, nachdem sie dem Fürsten die Hand geküßt hatte, mit schüchterner Stimme:

»Ist es denn wirklich wahr, daß der Goldmacher gehenkt werden soll?«

»Das ist so gewiß wie das Amen in der Kirche,« versetzte der Fürst.

»Gnädigster Herr,« flehte Else, »laßt ihn nicht henken, schenkt ihm das Leben! Wenn er nicht gewesen wäre, hätte ich meinen Fritz nicht bekommen – und dann – er hat freilich ein großes Verbrechen begangen, aber, durchlauchtigster Herr, ich könnte nie wieder froh werden, wenn jetzt in meinem Brautstand der Mann gerichtet würde, der einmal, so zu sagen, der Meister meines Verlobten gewesen ist.«

»Was schwatzest Du da für Zeug durcheinander!« unterbrach Herr Thomasius ärgerlich den unlogischen Sermon seiner Tochter. »Davon verstehst Du nichts, Else! Gerechtigkeit muß sein. Der saubere Doktor Rapontiko gehört an den Galgen, schon allein wegen seiner gefälschten Alraunwurzeln.«

»Der Vater hat Recht, Jungfer, die Gerechtigkeit muß ihren Lauf haben,« sagte der Fürst ernst. »Nichts weiter davon.«

Der erste Theil der Handlung war vorüber, der Fürst schritt jetzt zu dem zweiten.

»Magister Xylander, trete Er näher!« rief er und senkte die Hand in die Rocktasche, in welcher ein leises Klirren vernehmbar wurde.

Der Magister kam eilfertig aus seinem Winkel hervor und machte seinen zierlichsten Kratzfuß.

»Ich stehe noch in Seiner Schuld,« hub der Fürst an, »von wegen der höchst ergötzlichen Komödie, die Er mir zu Ehren gedichtet hat – aber warum hat Er denn das dicke Tuch um den Hals gewickelt?«

»Ich bin leidend noch von der Schreckensnacht her,« versetzte der Magister.

»Hm, so – kann Er das Tuch nicht für ein paar Augenblicke abnehmen?«

»Zu Befehl, Durchlaucht.«

Der Magister wickelte bedächtig eine Elle Wollenzeug nach der andern von seinem Hals, daß der Fürst Mühe hatte, seinen Ernst, den er für die nächste Scene durchaus nöthig hatte, zu bewahren. Endlich war die Halsberge beseitigt.

»Bücke Er sich!« befahl der Fürst.

Der Magister that's, und im nächsten Augenblick hing ihm ein güldenes Kettlein, welches vorn eine große Schaumünze trug, um den Hals.

Hieronymus Xylander erglühte wie ein Gletscher in der Abendsonne und verbeugte sich so tief, daß die Münze an der Gnadenkette fast den Boden berührte.

Der Fürst hatte unterdessen aus seiner andern Rocktasche ein Pergament hervorgezogen. Er hielt dasselbe in die Höhe und sprach in feierlichem Ton:

»Kraft dieses Dekrets ernennen Wir Ihn, Hieronymus Xylander, alias Holzmann, Magister der freien Künste und bisherigen Quartus an dem städtischen Lyceo zu Finkenburg, zu Unserm Hofbibliothekarius und Archivarius mit dem Gehalt und Deputat eines fürstlichen Rathes und hoffen, daß Er Uns treu und gewissenhaft dienen werde.«

Das war zu viel des Glücks für den Magister. Er fand kein Wort des Dankes und hätte um ein Haar vergessen, dem Spender der Gnade die Hand zu küssen ...

»Hier hat Er das Dekretum, mein lieber Hofbibliothekarius,« sagte der Fürst, dem die sprachlose Rührung des Magisters sehr gut gefiel, mit wohlwollendem Lächeln. »Richte Er sich ein, daß Er mir bald nach Ammerstadt nachkommen kann, Sein Verhältniß zu dem Lyceo ist bereits gelöst. Und sobald Er in Ammerstadt warm geworden ist, dann muß Er mir die Hochzeit zu Kana noch einmal aufführen, damit auch meine getreuen Ammerstädter den Genuß haben. Verspricht Er mir das?«

»Alles, alles, was mein gnädigster Herr zu befehlen geruht!« rief der Magister begeistert und hob die Hand zum Schwur gen Himmel.

»Gut, und nun wickele Er die Wollenschlange immerhin wieder um seinen Hals, damit Er keinen Rückfall bekommt.«

Aber der Magister war plötzlich genesen von aller Krankheit und allem Kummer.

Der Fürst warf einen Blick auf seine Umgebung. Die Scene war wider Erwarten gut ausgefallen. Rasch entzog er sich den Danksagungen der vier Personen und schritt nach freundlichem Gruß der Thür zu. Dort blieb er noch einmal stehen, winkte Else heran und flüsterte ihr etwas in's Ohr, worauf Else ihm mit einem dankbaren Blick die Hand küßte. Dann eilte er rasch von hinnen. Er war außerordentlich zufrieden mit sich und hatte sich so lebhaft in die Rolle einer gütigen Fee hineingespielt, daß er sich vor der Thür der Apotheke nach seinem mit Tauben bespannten Wagen umsah, aber den hatte er nicht.

»Else,« fragte Fritz Hederich, »was hat Dir der Fürst in's Ohr gesagt?«

»Etwas Gutes, es betraf die beiden armen Sünder, aber ich darf's nicht verrathen.«

Herr Thomasius war bemüht, sich den Anschein zu geben, als mache er sich aus der Ehre des fürstlichen Besuches blutwenig.

»Laßt mich doch einmal Euer Gnadenkettlein besehen, Herr Hofbibliothekarius! Hm, recht hübsch, aber schlechtes Gold, achtkarätig und leichte Arbeit.«

»Und wenn's Katzensilber wäre,« warf Hieronymus Xylander gereizt ein, »die Sache bliebe dieselbe. Ehre, das ist's, worauf's ankommt, nicht der Goldwerth. Dafür habt Ihr freilich kein Verständniß!«

»Hofbibliothekarius, Ihr werdet grob! Na, wenn Ihr zufrieden seid, ich bin's auch. Aber, Else, wann werden wir denn eigentlich zu Mittag essen? Die Ehre macht wenigstens nicht satt, soviel verstehe ich doch davon. Gebt Ihr das zu, Herr Hofbibliothekarius?«

Dieser zuckte die Achseln und entfernte sich, um das güldene Kettlein und das Pergament in sein Heiligthum zu tragen. Auf welche Weise der neucreirte Hofbibliothekarius und Archivarius innerhalb der vier Pfähle seines Musei seiner Freude Luft gemacht hat, wissen wir nicht, sicher ist, daß er den ganzen Tag über in sehr gehobener Stimmung war, welche die beiden Verlobten und in gelindem Grad auch Herr Thomasius mit ihm theilten.

Spät Abends, als Fritz Hederich nach seiner Kammer ging, vertrat ihm noch der Magister den Weg und nöthigte ihn in seine Stube.

»Herr Baccalaureus,« sagte er, »ich war in der letzten Zeit nicht besonders gut auf Euch zu sprechen, und Ihr wißt auch, warum.«

»Ich weiß es und wiederhole Euch –«

»Laßt's nur gut sein, es ist alles vergeben und vergessen. Und die paar Wochen, die ich noch hier bei Euch zubringe, bevor ich mein neues Amt in Ammerstadt antrete, wollen wir als gute Freunde wie ehemals miteinander verleben. Das Carmen für Eure Hochzeit dichte ich, und das soll meine letzte Arbeit hierorts sein.«

Die beiden ausgesöhnten Nebenbuhler reichten sich die Hände. Der Magister sprach noch viel von seinen Plänen für die Zukunft; dabei wurde mehr als ein Becher geleert, und als sich Fritz in später Nachtstunde von seinem Freund trennte, sagte ihm dieser in's Ohr:

»Im Vertrauen, Fritz, mir ist's jetzt im Grund gar nicht unlieb, daß Ihr mir die Else weggekapert habt, denn – Ihr seid ein verständiger Mann, der ein wahres Wort nicht übel nimmt – ein fürstlicher Hofbibliothekarius und eine Apothekerstochter – Ihr versteht mich schon, nicht wahr?«

»Ich verstehe Euch, Herr Hofbibliothekarius,« nickte Fritz zustimmend. »Nein, es ist besser so, Ihr wäret mit der Else nicht glücklich geworden.«

»Das meine ich auch,« versetzte der Magister, »aber das bleibt unter uns.«

»Es bleibt unter uns. Geruhsame Nacht, Herr Hofbibliothekarius.«

»Gute Nacht, mein Lieber!«

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