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Gutenberg > Gottfried von Straßburg >

Tristan und Isolde

Gottfried von Straßburg: Tristan und Isolde - Kapitel 9
Quellenangabe
typeepos
booktitleTristan und Isolde
authorGottfried von Straßburg
translatorKarl Simrock
firstpub1855
year1855
publisherF. A. Brockhaus
addressLeipzig
titleTristan und Isolde
created20050403
sendergerd.bouillon
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VIII. Die Schwertleite.

             

So griffen Rual und Tristan
Ihre Sache weislich an
Und brachten sie auch so zu Stand.
Sie erwarben Harnisch und Gewand
Binnen dreißig Mondestagen,
Das dreißig Ritter sollten tragen,
Die der höfsche Tristan
Zu Gesellen sich gewann.

Wer mich nun fragt nach ihrem Kleid
Und seiner Pracht und Zierlichkeit
Und wies zu Stande ward gebracht,
So bin ich kurz hierin bedacht.
Die Märe, sag ich, meldet das;
Sagt' ich anders ihm etwas,
So widersprech er mir nur laut
Und sage was uns mehr erbaut.
Zugeschnitten war ihr Kleid
Aus viererlei Vortrefflichkeit,
Und jedes dieser viere that
Das Beste zu dem Ritterstaat.
Das eine das war hoher Muth,
Das andre das war volles Gut,
Das dritte war Verständigkeit,
Die jene zwei zerschnitt zum Kleid:
Das vierte höfscher Sinn und Muth,
Der nähte allen dreien gut.
So trug ein Jedes dieser vier
In eigner Weise bei zur Zier:
Der hohe Muth begehrte,
Das volle Gut gewährte,
Zurechte schnitts Verständigkeit,
Höfscher Sinn vollbrachte dann ihr Kleid
Und alle andere Zier,
Couvertüre wie Banier
Und was noch bei dem Schwertgeleit
Jungen Rittern ist bereit.
Was das Ross und was den Mann
Als ritterlich erweisen kann,
Das Zeug war reich und wonniglich,
So reich, daß auch kein König sich
Der Zierde dürfte schämen,
Das Schwert darin zu nehmen.

Nun die Gesellen sind bereit
Mit angemeßnem Schmuck und Kleid,
Wie stell ich nun mein Sprechen an,
Daß ich den werthen Tristan,
Meinen Helden, so bereite
Zu seiner Schwertleite,
Daß man es gerne vernähme
Und der Märe wohl zu Statten käme?
Ich weiß nicht wie ichs also sage,
Daß es gefalle und behage
Und dieser Märe lieblich steh,
Denn zu meiner Zeit und eh
Ward so mit Kunst schon und Bedacht
Von Zier gemeldet und Pracht
Und reichem, köstlichem Gewand,
Hätt ich zwölffach den Verstand,
Den ich nur einfach habe,
Zwölffache Dichtergabe,
Und wär mir so gelungen,
Daß ich zwölf Zungen
Im Munde trüg, und reden
Könnte mit einer jeden
Wie ich mit der einen kann,
Doch wüst ichs nicht zu fangen an,
Daß ich von Gepränge
So Gutes sagt' und sänge,
Daß nicht schon Beßres ward gesagt.
Ja was an Ritterzier behagt
Ist so mannigfach beschrieben
Und ist mit Reden so zertrieben,
Daß ich davon nicht reden kann,
Daß sich ein Herz erfreue dran.

Herr Hartmann der Auwäre,
Ahi, wie der die Märe
So außen als auch innen
Mit Worten und mit Sinnen
Durchfärbet und durchschmücket!
Wie seine Rede zücket
Auf der Aventüre Sinn!
Wie hell und klar von Anbeginn
Sind seine Wörtlein von Krystall
Und bleiben es auch immer all!
Mit Sitten treten sie heran
Und schmiegen nahe sich uns an
Und gelieben sich dem reinen Muth.
Die gute Rede für gut
Nehmen und verstehen können,
Die müßen Dem von Aue gönnen
Den Kranz und seinen Lorberzweig.
Wer aber einem Hasen gleich
Auf der Worthaide
Hohe Sprüng und ferne Waide
Mit Würfelworten sucht und jagt
Und ohne daß er Andre fragt
Das Lorberkränzlein sich verficht,
Der versäume unsre Stimmen nicht;
Wir sind immer bei der Wahl gewesen.
Wir, die die Blumen helfen lesen,
Womit durchflochten und geschmückt
Das Lorberreis wird aufgedrückt,
Wir fragen nach des Manns Begehr;
Will er das Reis, so tret er her
Und bring uns seiner Blumen Zier:
An den Blumen dann erkennen wir,
Ob sie den Kranz so lieblich schmücken,
Daß sich der Auer vor ihm bücken
Und ihm das Reis soll zugestehn.
Doch weil noch Keiner ward gesehn,
Dem es so wohl steht zu Gesicht,
Helf Gott, so nehmen wirs ihm nicht;
Und soll das Kränzlein Keiner haschen,
Seine Worte sei'n denn wohl gewaschen
Und eben seine Red und schlicht,
Daß man den Hals nicht drüber bricht,
Wenn man aufrecht kommt gegangen,
Nicht will mit Hahnenschritten prangen.
Doch Die in Mären wildern,
Uns wilde Märe schildern,
Die mit den Ketten klirren
Und stumpfen Sinn verwirren,
Die Gold aus schlechten Sachen
Den Kindern wollen machen,
Die ihre Büchse rütteln,
Statt Perlen Staub entschütteln,
Die möchten schatten mit der Stange,
Nicht mit dem grünen Laubbehange,
Mit Zweigen noch mit Ästen.
Ihr Schatte thut den Gästen
Gar selten an den Augen wohl,
Wenn ich die Wahrheit sagen soll;
Er füllt uns nicht mit Muth die Brust,
Er gießt ins Herz uns keine Lust;
Ihre Rede hat die Farbe nicht,
Die froh zu edeln Herzen spricht.
So wilder Märe Jäger
Müßen Ausleger
Mit ihren Mären laßen gehn:
Wir können so sie nicht verstehn
Wie man sie lesen hört und liest
Den Klugen auch die Zeit verdrießt,
Daß er im schwarzen Buche
Nach der Glosse suche.

Noch sind der Farbenmeister mehr:
Von Steinach Herr Blickher
Freut mit Worten, wonnesamen,
Als stickten Fraun sie, die am Rahmen
In Gold und Seide wirken;
Man sollte sie durchzirken
Mit griechischen Borten.
Er hat die Fülle von Worten;
Seinen Sinn, den reinen,
Ich mein, ihn haben Feinen
Wunderbar gesponnen
Und haben ihn im Bronnen
Geläutert und gereinet:
Er ist fürwahr gefeinet.
Seine Zunge mit den Harfensaiten,
Die hat zwei volle Seligkeiten:
Das ist der Sinn, das ist das Wort;
Die harfen mit einander fort
Ihre Mär in seltnem Preise.
Derselbe Wortweise,
Nehmet wahr wie der dabei
An dem Vorhang Wunder mancherlei
Mit der Kunst der Red entwirft
Und die Meßer in die Lüfte wirft
Mit behendiglichen Reimen!
Wie kann er Reime leimen,
Als ob sie so gewachsen sein!
Es ist auch noch der Glaube mein,
Er müße Buch und Buchstaben
Für Federn angebunden haben,
Denn seine Worte, nehmt nur wahr,.
Fliegen, schweben wie der Aar.

Wen soll ich ferner auserlesen?
Noch viele sind, und sind gewesen,
An Sinn und Rede wonniglich.
Von Veldeck Herr Heinrich,
Der sprach aus vollem Sinne!
Wie wohl er sang von Minne!
Wie schön ist seines Sinnes Hülle,
Als hätt er seiner Weisheit Fülle
Aus dem Quell des Pegasus genommen,
Von dem die Weisheit all ist kommen.
Ich hab ihn selber nicht gesehn,
Die Besten aber gestehn,
Die da in seinen Jahren
Und seither noch Meister waren,
Die geben all ihm Einen Preis:
Er impfte das erste Reis
In unsrer deutschen Zungen:
Davon sind Äst entsprungen,
Von welchen Blüthen kamen,
Denen sie die Zier entnahmen
Zu jedem meisterlichen Funde.
Seitdem nun ward diese Kunde
So weithin verbreitet,
So mannigfach geleitet,
Daß Alle, die nun sprechen,
Sich da die Fülle brechen
Von Blüthen und von Reisen,
An Worten und an Weisen.

Der Nachtigallen ist noch viel,
Davon ich hier nicht sprechen will:
Sie gehören nicht zu diesem Reigen.
Drum will ich Andres gern verschweigen
Als was ich immer muß gestehn,
Daß sie Alle recht ihr Amt versehn
Und singen wohl zu Preise
Ihre süße Sommerweise.
Ihr Sang ist lauter und ist gut:
Er gibt der Welt viel hohen Muth
Und thut so recht von Herzen wohl.
Die Welt wär Überdrußes voll,
Die Weile würd uns Allen lang
Ohne den lieben Vogelsang.
Der mahnt und mahnte stäts den Mann,
Der je zur Freude Muth gewann,
Viel Lieb- und Gutes zu beginnen;
Läßt ihn zu Manchem Muth gewinnen,
Das sanft den edeln Herzen thut;
Er weckt ihm freundlichen Muth.
Es erneut den jugendlichen Drang,
Wenn der süße Vogelsang
Der Welt von ihren Freuden spricht.
Nun vergeßt der Nachtigallen nicht:
Die sind ihr Amt zu thun bereit
Und können all ihr sehnlich Leid
So wohl besingen und besagen.
Welche soll das Banner tragen?
Seit die Hagenauerin,
Der ganzen Schar Geleiterin,
So der Welt verstummen muste,
Die aller Töne Hauptkunst wuste,
Und ihr Siegel auf der Zunge trug.
An die gedenk ich oft genug,
Woher von ihren Tönen
Den süßen, den schönen,
Sie so Viele hab entnommen,
Daß ihr das Wunder sei gekommen
So mancher Wandlung, mancher Weisen.
Des Orpheus Zunge, des weisen,
Entscholl wohl ihrem Munde
Mit aller Töne Kunde.

Da nun die Welt sie nicht mehr hat,
So geb uns Einer guten Rath
(Das thät ein selger Mann fürwahr):
Wer leitet nun die liebe Schar,
Wer weiset dieß Gesinde?
Mich dünkt, daß ich sie finde,
Die nun das Banner führen soll:
Ihre Meisterin die kann es wohl,
Die von der Vogelweide.
Hei, wie die über Haide
Mit hoher Stimme klingen kann
Und wunderhoch sich schwingen kann!
Wie fein sie organieret,
Ihr Singen wandelieret!
Sie thut es, mein ich, in dem Ton,
Der da schallt vom Berge Citheron,
Wo die Göttin Minne
Gebeut von hoher Zinne.
Die ist am Hofe Kämmrerin,
Die sei der Schar Geleiterin,
Die kann den Weg ihr weisen wohl,
Die weiß wohl, wo sie suchen soll
Der Minne Melodieen.
Sie und Die da mit ihr ziehen,
Die mögen immer singen,
Daß sie zu Freuden bringen
Ihr Trauern und ihr sehnlich Klagen;
Das geschehe noch in meinen Tagen.

Der Worte legt' ich genug
Von guter Leute Kunst und Fug
Nun gefügen Leuten vor,
Und unbereit noch wie zuvor
Ist Tristan zu der Schwertleite.
Ich weiß nicht wie ihn bereite:
Der Sinn getraut sich nicht dazu
Und die Zunge weiß nicht was sie thu,
Verlaßen von des Sinnes Rath,
Der ihr das Amt verliehen hat;
Doch was sie irrt, die Beiden,
Das kann ich euch bescheiden.

Die Zwei hat das geirret,
Was tausend Andern wirret:
Dem Mann, der nicht wohl reden kann
Kommt dem ein wohlberedter Mann,
So erlischt ihm auch die Kunde,
Die er noch hatt, im Munde.
Ich glaube, so ist mir geschehn.
Ich seh und habe nun gesehn
So manchen redekundgen Mann,
Daß Alles was ich reden kann
Mich ein Nichts dünkt, im Vergleich
Mit diesen, die so redereich.
Man spricht so schön seit manchem Tag,
Daß ich mit vollem Grunde mag
Meiner Worte nehmen wahr,
Ob sie so lauter sind und klar
Als ich wollte daß sie wären,
Hör ich fremder Leute Mären,
Und als ich Rede finden kann
Wohl bei manchem andern Mann.

So weiß ich nicht, wie ichs beginne:
Meine Zunge, meine Sinne
Mögen hierzu nicht frommen;
Die Furcht hat mir genommen
Mitten aus dem Munde,
Die ich besaß, die Kunde.
Nun weiß ich nichts hierbei zu thun,
Ich thäte denn das Eine nun
Was Niemand mich hat thun gesehn.
Meine Bitt und mein inbrünstig Flehn
Will ich zuerst nun senden
Mit Herzen und mit Händen
Hin zu dem Helikone,
Zu dem neunfalten Throne,
Von dem die Bronnen fließen,
Aus dem die Gaben sprießen
Der Worte wie der Sinnen.
Der Wirth, die neun Wirthinnen,
Apoll und die Camenen,
Der Ohren neun Syrenen,
Die da bei Hofe spenden
Gnaden aus vollen Händen
Dem, der ihre Gunst gewonnen:
Die gaben ihrer Sinne Bronnen
In solcher Fülle Manchem schon,
Daß sie einen Tropfen mir davon
Mit Ehren nicht versagen.
Mag ich nur den erjagen,
So behaupt ich meinen Platz da wohl,
Wo der Dichter ihn behaupten soll.
Der Tropfen, den ich so empfieng,
Der ist auch nicht so gar gering,
Er mag mir wieder richten,
Zurechterichtend schlichten
Sowohl die Zunge wie den Sinn,
An denen ich entrichtet bin.
Meine Worte, die so zierlos stehn,
Laß er durch den Tiegel gehn
Der camenischen Sinne
Und schmelze sie darinne
Zu wunderbarer Reine,
So rein wie das feine
Gold ist der Araben.
Die Spender solcher Gaben
Des wahren Helikones,
Des obersten Thrones,
Dem solche Wort' entspringen,
Die durch die Ohren klingen
Und in die Herzen lachen,
Das Gedicht durchleuchtend machen
Wie Edelstein und Gimme,
Die mögen meine Stimme
Und meine Bitt erhören
In ihren Himmelschören
Und laßen mich den Wunsch empfahn.
Nun setzt, dieß Alles wär gethan,
Daß mir die Fülle wär gewährt
An Worten, wie ich sie begehrt,
So hab ich also vollen Hort,
Versüße jedem Ohr mein Wort,
Jedem Herzen kommt mein Schatte
Von dem grünen Lindenblatte;
Auch ebn ich so der Rede Schritt,
Daß ich ihr bei jedem Tritt
Die Straße räum und fege,
Und auf keinem ihrer Wege
Ein Stäublein laße noch so klein,
Das nicht vertrieben müste sein,
So daß sie nur auf grünem Klee
Und auf lichten Blumen geh:
So bring ich dennoch meinen Sinn
Seht, wie kleingemuth ich bin!
Kaum oder nimmer an das Ziel,
An dem der Andern schon so viel
Sich Preis erwarben in Gedichten:
Fürwahr, ich muß darauf verzichten.
Und kehrt' ich alle meine Kraft
Auf Zier und Schmuck der Ritterschaft,
Wie, weiß Gott, Mancher hat gethan,
Und sagt', es habe Gott Vulcan,
Der weise, vielbekannte,
In jeder Kunst gewandte,
Tristans Schwert und Panzerkleid,
Stahl, Hosen und all das Geschmeid,
Womit ein Ritter wird versehn,
Durch seine Hände laßen gehn;
Schön und nach meisterlichen Sitten
Ihm entworfen und geschnitten,
Dem Degen kühn und milde,
Den Eber auf dem Schilde,
Wie er ihm auch den Helm entwarf
Und oben drauf, so heiß und scharf
Als der Minne Qualen,
Der feurgen Pfeile Stralen,
Und Manches noch, das wunderbar
Und wie nach Wunsch zu schauen war,
Bildete dem jungen Mann;
Wie Jungfrau Kassandra dann,
Jene weise Trojerin,
All ihre Kunst und allen Sinn
Ganz allein darauf gewandt,
Daß sie Tristans Gewand
Bereite und schmücke
Zu einem Meisterstücke
Der Kunst, so auserlesen
Als Sie im Stand gewesen,
Deren Geist im Himmel, wie man meint,
Von den Göttern ward gefeint –
Was hätte das viel andre Macht
Als wie ich es vorher erdacht,
Da ich Tristans Geleite
Versah zu seiner Schwertleite?
Stimmt ihr meiner Meinung bei,
Ich will nicht bergen wie die sei:
Hoher Muth und volles Gut,
Wer zu den Zwein Geräthen thut
Bescheidenheit und höfschen Sinn,
Die Vieren wirken immerhin
So viel und gut als Einer kann.
Ja nicht Kassandra noch Vulcan
Möchten Ritter beßer rüsten
Als es diese Viere wüsten.

Da nun die vier genannten Kräfte
So tüchtig sind zu dem Geschäfte,
Das Schwertgeleit zu zieren,
Befehlen wir den vieren
Unsern Freund Tristanden.
Die nehmen ihn bei Handen
Und schmücken uns den jungen Mann
(Da es nicht beßer werden kann)
Mit dem Gezeug und mit dem Schnitt
Wie sein Geleit auch bei dem Ritt
Geschmückt ist und bereitet.
So sei Tristan geleitet
Zu Hof und auch zum Ringe:
Er ist in jedem Dinge
Den Gesellen ebengleich,
Eben zierlich, eben reich;
Ich meine nur an dem Gewand,
Das da nähte Frauenhand,
Nicht an dem angebornen Kleid,
Das des Herzens Kammer leiht,
Was sonst sie heißen edeln Muth,
Der den Mann macht wohlgemuth
Und adelt Leib zumal und Leben:
Dieß Kleid ward ihm gar schön gegeben;
Den Gesellen nicht das gleiche.
Ja, weiß Gott, der muthesreiche,
Der ehrbegierge Tristan
Legt' erlesne Kleider an,
Die von Ansehn und von Zier
Nicht ihres Gleichen hatten hier.
Er übertraf an schönen Sitten
Und Zucht sie All, die mit ihm ritten;
Nur allein an dem Gewand,
Das da nähte Frauenhand,
War kein Unterschied des Kleids:
Das trug der Hauptmann des Geleits
Den Andern eben schlecht und gut.

Nun war der Jüngling reich an Muth,
Der Vogt von Parmenîe
Und seine Messenîe
Mit ihm ins Münster gekommen
Und hatten Messe vernommen
Und empfangen auch den Segen
Wie Brauch ist allerwegen.
Herr Marke nahm Tristanden,
Seinen Neffen, da zu Handen,
Und legt' ihm Schwert und Sporen an.
»Sieh«, sprach er, »Neffe Tristan,
Nun dir dein Schwert gesegnet ist
Und du zum Ritter worden bist,
So bedenke was den Ritter preist,
Und auch dich selber, wer du seist,
Und hab vor Augen allezeit
Deine Geburt und Edelkeit.
Sei an Demuth unbetrogen,
Sei wahrhaft und wohlgezogen,
Sei den Armen hold und gut
Und mit den Reichen hochgemuth.
Laß deinen Leib in Würde schaun;
Ehr und minne alle Fraun.
Sei immer mild und immer treu,
In Mild und Treue täglich neu,
Und mein Ehrenwort verpfänd ich dir,
Daß Gold und Zobel nicht die Zier
Dem Sper bringt und dem Schilde
Wie Treue thut und Milde.«

Hiemit bot er den Schild ihm dar,
Küsst' ihn und sprach: »Nun, Neffe, fahr
Und gebe Gott nach seiner Kraft
Dir Heil zu deiner Ritterschaft:
Sei immer höfisch, immer froh.«
Da versorgte Tristan eben so
Die Gefährten Mann für Mann,
Wie ihm der Oheim gethan
Mit Sper und Sporn und Schilde.
Demuth, Treue, Milde,
Die legt' er eines Jeden Kür
Mit sinnreicher Lehre für.
Dann aber ward nicht lang verweilt,
Zum Ritt und Buhurd geeilt
Ward, das glaubet auf mein Wort.
Doch wie sie sich getummelt dort,
Wie sie mit Schäften stachen,
Und wie manchen sie zerbrachen,
Das mögen die Garzone sagen,
Die sie zusammen halfen tragen:
Ich bin ihr Buhurdieren
Nicht da zu bekroijieren.

Doch zu Einem Dienst erbiet ich mich:
Ich wünsche ihnen williglich,
Daß sich ihr aller Ehre
In allen Dingen mehre
Und ihnen ritterliches Leben
Zur Ritterschaft Gott möge geben.

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