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Gutenberg > Gottfried von Straßburg >

Tristan und Isolde

Gottfried von Straßburg: Tristan und Isolde - Kapitel 18
Quellenangabe
typeepos
booktitleTristan und Isolde
authorGottfried von Straßburg
translatorKarl Simrock
firstpub1855
year1855
publisherF. A. Brockhaus
addressLeipzig
titleTristan und Isolde
created20050403
sendergerd.bouillon
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XVII. Die Arznei.

                       

Die Kiele fuhren vom Gestad
Und wieder fröhlich ihren Pfad;
Nur zwei Herzen drinne
Hatte jetzt die Minne
Von ihren Straßen gelenkt.
In Gedanken versenkt
Und bekümmert waren Beide
Von jenem lieben Leide,
Das Wunder weiß zu stellen,
Den Honig zu vergällen,
Das Süße zu durchsäuern,
Das Thauende zu feuern,
Das Sanfte zu durchschmerzen,
Alle Herzen zu entherzen,
Die Welt all zu verkehren:
Das wollte sie versehren,
Tristanden und Isote,
Mit Einer Noth bedrohte
Es sie seltsamer Weise:
Sie mochten auf der Reise
Nicht Ruhe finden hier noch da,
Bis Eins das Andre wiedersah.
Und sahen sie sich wieder,
So schlug sie wieder nieder,
Daß sich nicht frei die Beiden
Aneinander durften weiden.
Die Fremde war es und die Scham,
Die ihre Wonne benahm:
Wenn Blick aus Blick zu saugen
Den angeleimten Augen
In der Einsamkeit verstattet war.
So färbten sie sich immerdar
Dem Herzen gleich und gleich dem Sinn.
Minne schufs, die Färberin.
Sie deucht es nicht daran genug,
Daß man in edeln Herzen trug
Sie heimlich und verstohlen:
Sie wollt auch unverhohlen
Nun offenbaren die Gewalt;
Die war an Beiden mannigfalt.
Ihre Farbe sich nicht lange glich,
Nicht lang glich ihre Farbe sich:
Es tauschte, eh man sichs versah,
Das Bleiche mit dem Rothen da.
Sie wurden bleich, sie wurden roth,
Wie es die Minne gebot.
Daran ersah Jedwedes wohl,
Wie man daran wohl muß und soll,
Daß etwas von der Minne
War in des Einen Sinne
Zu dem Andern hingewandt.
Sie begannen nun zuhand
Sich lieblich zu betrachten,
Auf Stund und Zeit zu achten,
Da sie zu raunen sich gesellten.
Als der Minne Jäger stellten
Sie sich mit holdem Blicke
Ihre Netz und ihre Stricke,
Ihre Wart' und Hinterhalt.
Mit Frage und mit Antwort bald
Trieben sie die Zeit dahin.
Isolde fand den Anbeginn
Der Red in Mädchenweise:
Sie kam dem Trauten leise
Von fern bei und von hinten her:
Ob ihm auch eingedenk noch wär,
Wie er gen Develin allein
In einem kleinen Schifflein
Verwundet angefloßen kam,
Ihre Mutter ihn da zu sich nahm
Und ihm auch Heilung brachte;
Wobei sie auch gedachte,
Wie sie selbst in seiner Pflege
Schreiben lernte alle Wege,
Dazu Latein und Saitenspiel.
Solcher Dinge wurden viel
Ihm vor Augen hier gelegt;
Und welcher Mannheit er gepflegt
Hatt im Kampf mit dem Serpant,
Wie sie ihm zweimal dann erkannt,
Erst im Moor, hernach im Bade.
Der Beiden Reden blieb sich grade:
Sie erzählte ihm, er wieder ihr.
»Ach«, sprach Isolde, »da sich mir
Gelegenheit doch bot und Fug,
Daß ich im Bad euch nicht erschlug,
Herr Gott, wie das mir nur geschah!
Was ich nun weiß, wust ich es da,
Fürwahr, so war es euer Tod.«
»Warum denn?« sprach er, »Schön Isot?
Was wirret euch, was wißet Ihr?«
»Ja, was ich weiß, das wirret mir,
Was ich sehe, thut mir weh:
Der Himmel müht mich und die See,
Leib und Leben ängsten mich.«
Da stützte sie und lehnte sich
Mit dem Ellenbogen wider ihn.
Das war der Keckheit Anbeginn.
Ihre spiegellichten Augen
Schienen Waßer aufzusaugen;
Ihr Herz begann zu quellen,
Ihr süßer Mund zu schwellen,
Ihr sank das Haupt hernieder.
Sie begann ihr Freund auch wieder
Mit Armen zu umfahen,
Und ihr doch nicht zu nahen
Als nur in fremder Weise.
Da sprach er süß und leise:
»Ach, schöne Süße, saget mir,
Was wirret euch, was klaget ihr?«

Der Minne Federspiel Isot,
»Lameir«, sprach sie, »ist meine Noth,
Lameir beschwert mir so den Muth,
Lameir ist was mir wehe thut.«
Da sie Lameir so oftmals sprach,
Da dacht er auch darüber nach
Mit ängstlichem Befleißen,
Was das Wörtchen möge heißen.
Er begann sich zu entsinnen
Ameir bedeute Minnen,
Amer bitter, la Mer das Meer:
Es hat der Sinne schier ein Heer.
Eins übersah er von den Drein
Und fragte nur nach jenen Zwein:
Er verschwieg die Minne,
Die Vögtin ihrer Sinne,
Ihr Beider Trost und ihr Begehr,
Und sprach von Bitter nur und Meer.
»Ich wähne«, sprach er, »Schön Isot,
Euch schaffen Meer und Nebel Noth:
Euch ängsten Meer und feuchter Wind;
Die sind es, die euch bitter sind.«
»Nein, nicht doch, Herr, was saget ihr?
Der beiden keines wirret mir.
Mir widern weder Luft noch See,
Lameir alleine thut mir weh.«

Als er dem Wort kam auf die Spur,
Und Minne nur darin erfuhr,
Gar heimlich hub er an zu ihr:
»In Treuen, Schöne, so ist mir.
Lameir und Ihr seid meine Noth:
Herzensherrin, lieb' Isot,
Nur ihr und eure Minne,
Ihr habt mir gar die Sinne
Verkehrt und benommen.
Ich bin vom Weg gekommen
Also stark und also sehr,
Ich finde mich zurecht nicht mehr.
Mich mühet und mich irret,
Mir widert und mir wirret
Alles was mein Auge sieht.
Es ist in aller Welt Gebiet
Nichts meinem Herzen lieb als Ihr.«
Isot sprach: »Herr, so seid ihr mir.«

Da die Gelieben sicherlich
Nun wusten Einen Sinn an sich,
Ein Herz und Einen Willen,
Ihr Leid beganns zu stillen
Und zu verrathen doch die Qual.
Jedweder sprach und sah zumal
Nun das Andre kecker an,
Der Mann die Magd, die Magd den Mann.
Jene erste Fremde war dahin:
Er küsste sie, sie küsste ihn
Mit holdem Kuss und süßem.
Das war die Noth zu büßen
Ein wonniglicher Anfang.
Jedwedes schenkte da und trank
Die Süße, die vom Herzen kam.
So oft die Hut es nicht benahm
So gieng der Austausch her und hin,
Der ein Schleichhandel schien;
Denn so heimlich ward er angestellt,
Daß Niemand in der ganzen Welt
Ihren Muth und Willen noch befand
Als Eine: der war er bekannt.

Brangäne, die weise,
Warf oft die Blicke leise
Und heimlich auf das Liebespaar,
Nahm ihrer Heimlichkeiten wahr
Und dachte manchmal still bei sich:
»O wehe, nun verseh ich mich,
Die Minne hebt mit diesen an.«
Nicht lange mehr und sie begann
Den Ernst an Beiden klar zu sehn,
An ihnen außen zu erspähn
Die innerlichen Schmerzen
Des Sinnes und der Herzen.
Da gieng ihr Ungemach ihr nah,
Die sie zu allen Zeiten sah
Ameiren und amuren so,
Seufzen, trauern, selten froh
Trachten und pensieren,
Die Farbe wandelieren.
Sie mochten nicht vor Trachten
Auf Trank und Speise achten
Bis der Mangel und der innre Gram
Auch äußerlich zu Tage kam
Und Brangän in Angst gerieth
Und von der Sorge nicht mehr schied,
Es wär ihr Beider Ende.
»Nun erkühne dich behende«,
Sprach sie, »was ihnen sei, erfrags.«
Da saß bei ihnen eines Tags
Heimlicherweise
Die stolze Maid, die weise:
»Hier ist Niemand«, sprach sie, »als wir Drei:
Was ist euch, sagt mir an, ihr Zwei?
Ich seh zu allen Stunden
In Gedanken wie gebunden
Euch seufzen, trauern nur und klagen.«
»Höfsche, dürft ich euch es sagen,
Ich sagt' es gerne«, sprach Tristan.
»Ja Herr, das dürft ihr, hebt nur an.
Was ihr wollt, das sagt mir.«
»Selge, Gute«, sprach zu ihr
Tristan, »ich darf nicht sagen mehr,
Versichert ihr uns nicht vorher
Mit Händen und mit Eiden,
Daß ihr uns Armen beiden
Gut und gnädig wollet sein;
Wir können anders nicht gedeihn.«

Brangäne bot die Treue gern:
Sie verhieß der Herrin und dem Herrn
Mit Eiden, daß sie ihr Gebot
Stäts leisten wolle bis zum Tod.
»Getreue, Gute«, sprach Tristan,
»Nun sehet Gott zuvörderst an
Und darnach eure Gütigkeit:
Bedenket unser Beider Leid
Und unsre ängstliche Noth.
Ich armer und die arm' Isot,
Ich weiß nicht, wies ergangen ist,
Wir Beide sind in kurzer Frist
Unsinnig worden Beide
In verwunderlichem Leide:
Wir sterben vor Minnen
Und können nicht gewinnen
Stunde noch Gelegenheit:
Ihr irrt und stört uns allezeit,
Und sicherlich, ersterben wir,
So ist Niemand Schuld daran als Ihr.
Unser Tod und unser Leben
Ist in eure Hand gegeben.
Hiemit ist euch genug gesagt.
Brangäne, selige Magd,
Nun helfet und genadet ihr
Isolden, eurer Frau, und mir.«

Brangäne zu Isolden sprach:
»Frau, ist euer Ungemach,
Wie er da spricht, von solcher Noth?«
»Ja, Herzensniftel«, sprach Isot.
Brangäne sprach: »Erbarm es Gott,
Daß der Teufel seinen Spott
So mit uns Drein getrieben hat!
Nun seh ich wohl, es ist kein Rath,
Ich muß für euch Beide
Mir selber zum Leide
Und euch zur Schande werben:
Eh ich euch laße sterben,
Verstatt ich euch Gelegenheit.
Was ihr zu thun nun Willens seid,
Das laßt um meinetwillen nicht,
Wenn ihr es um Ehr und Pflicht
Nicht meiden mögt und laßen.
Könnt ihr euch aber faßen
Und enthalten es zu thun,
So enthaltet euch, das rath ich nun;
Laßt auch die Schande bei uns Drein
Verschwiegen und verhalten sein.
Verhehlt ihr nicht die Märe,
Es geht euch an die Ehre;
Erfährts ein Andrer noch als wir,
Bin ich verloren und auch Ihr.
Herzensfräulein, Schön Isot,
Euer Leben, euer Tod
Sind euch anheim gegeben:
Nun lenket Tod und Leben
Nach eignem Willen und Begehr;
Habt von jetzt an nimmermehr
Irgend Furcht vor meiner Hut.
Was euch gefallen mag, das thut.«

Da Nachts allein die Schöne lag,
Der Trauer und des Trachtens pflag
Nach dem Freund in alter Weise,
Da kam geschlichen leise
Zu der Kemenate hin
Ihr Freund und ihre Ärztin,
Tristan und die Minne,
Die Ärztin ihrer Sinne,
Ihren Siechen an der Hand,
Tristan, der vor Minne schwand.
Sie fand auch ihre Sieche dort.
Die Siechen nahm sie da sofort
Und gab ihn ihr, sie ihm dabei,
Einander Beide zur Arznei.
Was hätt auch diese Beide
Von ihrem gleichen Leide
Gesondert und geschieden,
Als Einigung in Frieden,
Verstrickung ihrer Sinne?
Die verstrickende Minne
Verstrickte Sein Herz und der Maid
Mit den Stricken ihrer Süßigkeit,
Mit also großer Meisterschaft,
Mit also wunderbarer Kraft,
Daß sie unerlöset waren
In allen ihren Jahren.

Ein lang Gespräch von Minne
Belästigt höfsche Sinne;
Ein gutes Wort von Minne
Ist gut für gute Sinne.

Wie wenig ich in meinen Tagen
Des lieben Leides hab ertragen,
Der sanften Herzensschmerzen,
Die innerhalb der Herzen
So recht sanft und unsanft thun,
So weißagt mir das Herz doch nun,
Und gerne halt ich es für wahr,
Diesen zwein Gelieben war
Nun gar sanft und wohl zu Muth,
Da sie die leidige Hut,
Die Qual verliebter Sinne,
Die Feindin der Minne,
Von ihren Pfaden weggebracht.
Über Beide hab ich viel gedacht
Und denke heut und allezeit:
Wenn ich Liebeslust und Leid
Mir will vor Augen breiten,
Ihr Wechseln und ihr Streiten
Im Herzen zu betrachten,
So wächst mein sehnlich Trachten
Und Muth, mein Heergeselle,
Als ob er in den Himmel schwelle.
Wenn ich der Wunder denke,
Mich wundernd drein versenke,
Die an der Liebe fände
Wer zu suchen nur verstände
Was Freud an Liebe läge,
So man sie mit Treue pfläge –
So wird das Herz mir gleich zur Stund
Größer fast als Septimund,
Und erbarmt mich dann die Minne
Von ganzem Herzenssinne,
Daß die Meisten, die da leben,
An Minne haften und kleben,
Und der ihr Recht doch Niemand thut.
Wir haben alle guten Muth
Zu wandeln auf der Liebe Bahn.
Nein, Minne ist nicht so gethan
Wie wir uns weis wohl machen
Mit trügerischen Sachen.
Man nimmt der Dinge übel wahr,
Sät Bilsen aus im Februar,
Und wundert sich am Erntetage,
Daß er Rosen nicht und Lilien trage.
In Treuen, das mag nimmer sein:
Wir heimsen andre Frucht nicht ein
Als wir in das Feld gestreut:
Wir ernten was der Same beut.
Wir müßen schneiden und mähn
Was wir in den Acker sän.
Wir bauen die Minne
Mit galligem Sinne,
Trug und Falschheit in der Brust,
Und fordern dann von ihr die Lust
Des Lebens und der Herzen.
So bringt sie uns nur Schmerzen,
Unsüße Frucht von arger Art,
Die von uns selbst gezogen ward.
Hernach, wenn uns die Reue trifft,
Uns in dem Herzen schwiet ihr Gift
Und tödtet uns darinne,
So zeihen wir's die Minne
Und geben ihr die Schuld daran,
Die nie daran die Schuld gewann.
Wir hatten Falschheit ausgesät
Und billig jetzt nur Leid gemäht.
Thut uns dieß Leid nun schmerzlich weh,
So sollen wirs bedenken eh,
Künftig beßern Samen streun,
Uns beßrer Ernte zu erfreun.
Da hin zur Welt uns steht der Muth,
Mög er bös sein oder gut,
Wie thun wir unsern Lebenstagen,
Die wir verspielen und verjagen
Im Namen der Minne
Und finden nichts darinne
Als die Mühsal und Pein,
Die wir selber legten drein,
Nur Misslingen und Verdruß;
Finden nichts von dem Genuß,
Des unser Jeglicher begehrt
Und der uns billig bleibt verwehrt.
Den Genuß giebt stäter Freundesmuth,
Der sanft zu allen Stunden thut,
Der bei dem Dorn auch Rosen trägt,
Und Süßigkeit bei Schmerzen hegt,
In dem bei allen Sorgen
Die Minne liegt verborgen,
Der stäts am Ende Freude schenkt,
Wie oft er auch in Kummer senkt:
Den findet man so selten nun,
Die Ernte bringt das falsche Thun.

Es ist wohl Wahrheit was man sagt:
»Vertrieben wird und ausgejagt
Die Minne bis zum fernsten Ort.«
Von ihr verblieb allein das Wort,
Uns ist der Name nur geblieben;
Den haben wir auch so zertrieben,
So abgejagt und lahm gehetzt,
Ermüdet schämt sie sein sich jetzt,
Das Wort macht ihr Beschwerde;
Sie ward sich auf der Erde
Schier selbst zuwider und zur Last;
Sie ist da ein unwerther Gast.
Sie geht von Haus zu Hause bitten
Und führt mit lästerlichen Sitten
Angefüllten Sack herum
Mit Diebeswaar und Bettelthum,
Das sie sich selbst vom Munde schlägt
Und feil auf allen Straßen trägt.
Ach, solchen Markt besuchen wir,
Den Unfug treiben wir mit ihr,
Und wähnen uns nicht Schuld darin.
Minn, aller Herzen Königin,
Mit ihren freien Gaben
Ist nun um Geld zu haben.
Wir würdgen unsre Herrlichkeit
An ihr herab zur Zinsbarkeit;
Wir faßen einen falschen Stein
Ins edle Gold am Fingerlein
Und trügen so uns selber auch.
Welch armselger Lügenbrauch,
Wer Freunden also lüget,
Daß er sich selber trüget!
Wir Minner falscher Sinne,
Verfälscher wahrer Minne,
Wie vergehn uns unsre Tage,
Daß wir unsrer Klage
So selten liebes Ende geben!
Wie verthun wir unser Leben
So ohne Lieb und wahres Gut.
Giebt es uns doch guten Muth,
Wo es aus fremdem Felde sprießt.
Was Jemand schöner Mären liest
Von freundlichen Dingen,
Was wir zur Sprache bringen
Von Solchen, die da waren
Vor manchen hundert Jahren,
Das thut uns in den Herzen wohl,
Und sind des gleichen Fugs so voll,
Daß selten Jemand wäre,
Der Treue trüg und Ehre
Und dem Freund kein Falsch in seiner Brust,
Er möchte sogethane Lust
In Herzen und in Sinnen
Sich selber wohl gewinnen.
Denn unter unsern Füßen liegt
Mit Jammer kläglich hingeschmiegt,
Wovon so holdes Glück entsteht:
Das ist Treue, die von Herzen geht;
Die trägt sich uns vergebens an:
Die Augen kehren wir hindann
Und treten leider die Süße
Gleichgültig unter die Füße.
Die wir da liegen ließen
Und in die Erde stießen,
Wollten wir sie suchen dort,
Wir wüsten kaum sogleich den Ort.
So guten Lohn die rechte
Treu unter Freunden brächte,
Warum lieben wir sie nicht?
Ein Blick von holdem Angesicht
Aus den geliebten Augen
Mag doch zu löschen taugen
Hundert tausend Schmerzen
Des Leibes und der Herzen.
Ein Kuss von liebem Munde,
Der von des Herzens Grunde
Herausgedrungen käme,
Ah, wie viel benähme
Der sehnlich Leid und Herzensnoth!

Ich weiß wohl, Tristan und Isot,
Die ungeduldgen Beiden,
Benahmen auch des leiden
Kummers sich einander viel,
Als sie reichten an das Ziel,
Da gleicher Willen band den Sinn.
Jenes Schmachten war dahin,
Das da hangen muß und bangen.
Was Verliebte mag verlangen,
Das trieben Beide nun genug.
Brachte nur die Zeit den Fug,
Daß sie zusammenkamen,
So gaben sie und nahmen
Mit getreulichem Sinne
Sich selber und der Minne
Willigen Zins und Zoll.
Es war ihnen innig wohl
Nun auf der Fahrt zu allen Stunden.
Da die Fremde war geschwunden,
So war ihre Heimlichkeit
Reich an reicher Seligkeit
Und war das klug und weise doch.
Denn Die sich hehlen wollen noch,
Wenn sie sich offenbarten,
Und der Scham zuviel bewahrten,
Sich fremd thun in der Liebe,
Die sind sich selber Diebe.
Jemehr sie sich dann hehlen,
Jemehr sie selbst sich stehlen
Und mischen Lieb mit Leide.
Diese Gelieben beide
Hehlten sich nicht länger viel:
Mit Red und mit der Blicke Spiel
War heimlich ihre Heimlichkeit.
So verbrachten sie der Reise Zeit
In wonniglichem Leben,
Obwohl nicht ohne Beben.
Ihnen schwebte schon die Sorge vor,
Sie besorgten schon zuvor,
Wozu es dann auch leider kam,
Was ihnen Freude viel benahm
Und brachte sie zu mancher Noth:
Dieß war die Noth, daß Schön Isot
Dem Manne werden sollte,
Dem sie nicht werden wollte.

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