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Tomlinsoniana

Edward Bulwer-Lytton: Tomlinsoniana - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorEdward Bulwer-Lytton
titleTomlinsoniana
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20061113
projectid45639c2e
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Einleitung.

Auf einer Reise, die ich kürzlich durch Deutschland machte, verweilte ich einige Zeit auf der Universität, bei welcher Augustus Tomlinson als Professor der Moralfilosofie angestellt war. Ich erfuhr, daß der große Mann nach einer langwierigen Krankheit im Anfang des Jahres 1819 gestorben war, mit vollkommner Ergebung in sein Schicksal und noch auf seinem Sterbebett über die göttlichen Geheimnisse der Sittenlehre sich besprechend. Trotz der kleinen Sündchen, deren ich in den letzten Blättern von Paul Clifford Erwähnung that und welche seine Schüler

»dem lästigen Geschwätz der strengen Welt«

zu entziehen für räthlich erachteten, lebte sein Andenken in zarter Verehrung. Vielleicht machen, wie dieß bei dem berühmten Burns der Fall war, die Fehler eines großen Mannes uns seinen Geist noch theurer. In seinen spätern Zeiten pflegte der Professor einen hellgrünen, seidenen Schlafrock, und weil er ganz kahl war, eine kleine schwarze Sammtmütze zu tragen; die kleinen Kleidungsstücke waren von Pfeffer und Salz. Diese merkwürdigen Thatsachen erfuhr ich von Einem seiner Schüler, der seitdem Herausgeber eines neuen trefflichen Journals, Frasers Magazin genannt, geworden ist. Seine alten Tage verbrachte er mit Lektüre, mit Gesprächen und mit Abfassung der Fragmente von Weisheit, die wir dem Publikum vorlegen. In diesen Versuchen und Maximen, so kurz sie sind, scheint er die Weisheit seines geschäftvollen und ehrenhaften Lebens zusammengedrängt zu haben. Mit großer Schwierigkeit verschaffte ich mir von den Testaments-Vollstreckern das Manuscript, das man schon für die deutsche Presse zum Druck vorbereitete. Eine vollwichtige Ueberlegung vermochte diese Herrn, ein Wert der Menschenliebe zu thun und den unschätzbaren Segen zu bedenken, welchen sie über unser Land verbreiten würden, wenn sie mir gestatteten, die folgenden Versuche der Oeffentlichkeit zu übergeben und zwar in ihrer angebornen englischen Tracht, und an demselben Tage, wo sie in Deutschland in der Armuth einer ausländischen Verkappung erscheinen.

In einem Zeitalter, wo, weil die Heuchelei durch das Land stolzirt, lächelt, sich brüstet, strotzt und humpelt, auch die Wahrheit anfängt jede Bewegung ihrer Feindin zu beobachten, und die verschiedenen, von jener angenommnen Geberdungen allmälig auszudeuten, muß ich diese Lehren des Augustus Tomlinson für ganz besonders zeitgemäß halten. Ich gebe sie als eine natürliche Beilage zu einer Erzählung, die man nicht unpassend als eine Abhandlung über die Tücken in der Gesellschaft bezeichnen könnte; und wenn sie die Anschaulichkeit sorgfältiger Beobachtung und den unverrückten Gesichtspunkt der Sittlichkeit beurkunden, vermöge deren allein die Satire gegen das Laster den Keim zur Entlarvung desselben in sich trägt, so werden sie nicht ganz unbeachtet vorübergehen, obgleich erst der zweiten Ausgabe unserer Erzählung angehängt, und auch nicht zu jener hastigen Durchblätterung verdammt werden, bei welcher die Gleichgültigkeit von heute nur die Vorbereitung auf die morgen eintretende Vergessenheit ist.

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