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Töchter

Karl Adolph: Töchter - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
booktitleTöchter
authorKarl Adolph
year1921
firstpub1914
publisherAnzengruber Verlag
addressWien / Leipzig
titleTöchter
pages419
created20130620
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Drittes Kapitel

Erzählt von traurigen und lustigen Verhältnissen, von einer begrabenen Liebe, einem Lumpen und einem bürgerlich tugendsamen Menschen, und eignet sich für ein Lesebuch.

In der Tür stand also Poldis Vater und bot einen keineswegs schönen Anblick. Mit der allen Trunkenen (die ein schlechtes Gewissen fühlen) eigenen Hilflosigkeit versuchte er ein harmloses Lächeln, das auf Poldi herzzerreißend wirkte. Wenn wirklich einen Augenblick der Unmut sie übermannt hatte, vor dem jammervollen Anblick dieses Krüppels schmolz er in lauter Zärtlichkeit um.

»Grüaß di Gott, Vatta!« sagte sie so harmlos und liebenswürdig, als wäre nichts Außergewöhnliches an dem zu Empfangenden zu betrachten. Dabei ging sie ihm entgegen, reichte ihm die Hand wie zum Willkommen, während es doch nur zu einer verstohlenen Führung geschah. Dann geleitete sie ihn zum Sofa, in dessen Ecke sie den Vater sorgsam niederließ.

Frau Schaumann, die in steter Angst um den krüppelhaften Mann lebte, glaubte den empfundenen 61 Druck dieser Besorgnis nicht besser lösen zu können, als indem sie zu schelten anheben wollte. Ein bittender Blick der Tochter brachte sie zur Ruhe. Aber an ihrer gefurchten Stirn konnte man den in ihr tobenden Sturm des Unmuts erkennen.

»Tummel di, Mutter,« sagte Poldi, die bemüht war, die böse Gewitterstimmung zu zerteilen, »daß das Nachtmahl bald am Tisch kummt. D'r Vatta wird aa an' Hunger hab'n.«

»Na, Poldi,« sagte der arme Vater, der, seiner Schwäche bewußt, sich sehr demütig zeigte, »i hab' wirkli . . . kan' Hunger. Waßt, sie hab'n mi beim Schwertner . . . ausg'halten. I . . . vertrag' halt nix . . . Därfts m'r net bös sein . . .« Es war wirklich schwer, dieses zu sein.

Nun konnte die Mutter, die mittlerweile einen Einkaufkorb genommen, sich nicht enthalten.

»Traurig von solche Freund', daß s' net g'scheiter san. Soll'n d'r liaber 's Geld geb'n, was die Trinkerei kost'. Fast jeden Samstag muaß m'r si für di fürchten, daß d' mit'n Rausch hamkummst.«

Diesen Moment hielt Reserl für geeignet, die Stimmung durch eine Coupletstelle zu illustrieren, wie sie überhaupt jede passende, öfter auch unpassende Gelegenheit wahrnahm, ihre Sangeskunst glänzen zu lassen:

A so a Räuscherl, dös is m'r liaber
Als wia a Krankheit und wia a Fiaber . . .

Im nächsten Augenblick brannte ihr eine Ohrfeige auf der Wange. Poldi war über die unkindliche Taktlosigkeit Reserls so ergrimmt, daß diese, bevor sie 62 wußte, wie sie daran war, die Hand der Schwester zu fühlen bekam. Darob ein großes Geheul. Denn die Sängerin, die da vermeinte, es sei an ihrem Genius gesündigt worden, war im Weinen nicht minder laut als in der Ausübung ihrer Kunst.

»Den Augenblick wirst stad sein«, herrschte Poldi sie mit flammenden Blicken am »An dir is a bißl z' viel versamt word'n, was i aber nachhol'n wir. Wan' net lang, sondern nimm in Krug und geh mit der Mutter.«

»I mag net«, heulte Reserl.

»So? Du magst net? Wart', daß d' seg'n wirst, daß d' mög'n muaßt.« Damit nahm Poldi die Schwester beim Arme und führte sie zur Küche hinaus, wo ihr ohne weiteres der Krug aufgedrängt wurde.

Es ist anzunehmen, daß Energie am rechten Platz unter allen Umständen Wunder wirkt. Denn Reserl bequemte sich, wenn auch sehr unwillig, doch zur Begleitung der Mutter. Der Samstageinkauf bestand außer dem Nachtmahl, Wurst und Käse und einem Liter Abzugbier (Poldi hielt darauf, daß gewisse kleine Überschreitungen am Samstag stattfanden), noch aus den geringen Bedürfnissen an Mehl, Zucker, Kaffee usw.

Nach dem Abgang von Mutter und Reserl war Poldi durch einiges Aufräumen des Zimmers sowie durch Ausbreiten eines zwar geflickten, aber reinen und weißen Tischtuches bemüht, jene Stimmung zu erzeugen, die viele Arbeitende ergreift, wenn sie aufatmend das Handwerkszeug beiseite legen und es sich 63 wohl sein lassen. Es sollte wohl immer so sein, aber in wie vielen Fällen geschieht es?

Der Vater war in der Ecke des Sofas eingeschlummert und Katherl, die mit einiger Scheu nach der sonst so gütigen Schwester geschaut, hatte in der Schultasche gekramt. Diesen Augenblick hielt Poldi für geeignet, der umstrittenen Rose ein würdiges Leichenbegängnis zu veranstalten. Sie öffnete eine Lade des Schubladenkastens und entnahm dieser eine Pappschachtel, die all die geringen Schätze bewahrte, die eine arme Nähmamsell zu hüten hat, und besäße eine solche selbst die Schönheit Poldis.

Noch einmal roch diese an der zum Begräbnis bestimmten Blume und dann wanderte das Opfer hinein mit all seinem süßen Duft, der oft nach Jahren in Augen alter Frauen Tränen hervorzulocken vermag und welche Tränen oft Kinder verwundert schauen. Großmutter hat geweint.

Poldi hatte hiermit ganz still und einfach ihre Liebe begraben. Ohne Zeremonie, ohne Geschrei, nur mit der Sucht, die Überreste von etwas Liebem aufzubewahren, mit der wir uns bestreben, die Gebeine unserer Teuren einem bestimmten Boden anzuvertrauen. Aber bei einem Begräbnis ist man still und traurig und beklommen. Sei es auch, daß man nur eine erste dumme Liebe begräbt. Und wenn man aufschaut von einem verscharrten Glücke in die Trostlosigkeit seiner Umgebung, in das Grau der Zukunft, so mag dann den Stärksten und Stolzesten ein Wanken befallen.

64 Jede Krankheit verlangt ihren Ausbruch, ihre Krisen voll Fieber, Verzweiflung, Hoffnungsverlangen. Man vergeht nicht an einer ersten oder zweiten oder dritten Liebe. Aber die erste Liebe gleicht dem Fieber bei Kindern, das der Arzt oft ernster beurteilt als bei vielen Erwachsenen.

Poldi, die nun einen stillen Abschied nahm von etwas, das sich in ihrem Falle mit dem Allgemeinheitsworte Schönheit nur notdürftig erklären läßt, verließ in diesem Augenblick ihre Kraft. Durch die sie umgebende Stille verführt, brach sie plötzlich in ein letztes stilles Schluchzen aus und stammelte einigemal vor sich hin.

»Julius! Julius! . . .«

Ihre zitternden Hände vermochten fast nicht den Deckel der Pappschachtel zu schließen, der perlende Vorhang vor ihren Augen hinderte diese, den Händen gefällig zu sein.

Jedoch so schnell, wie sie gekommen, war die Bewegung überwunden. Und ehe noch Katherl, aus ihrem Lesebuch aufschauend, in das sie sich vertieft, mit dem vorhandenen zärtlichen Mißtrauen das Geheimnis der Schwester ergründen konnte, war dieses Geheimnis eines tapferen Überwindens mit dem Dufte der Rose eingesargt. Katherl merkte nichts weiter, als daß Poldi, wie sie in Feierstunden öfter zu tun pflegte, in der Schublade herumkramte. Und als sich Poldi nach beendetem Herumkramen erhob und ihr Antlitz zeigte, war dieses so heiter wie immer. Selbst die Spuren vergossener Tränen mochten noch von früher stammen. Kinder machen sich keine lange 65 währenden Skrupel über eine Sache, besonders wenn sie mit dem eigenen Wohl und Wehe in keinem Zusammenhang steht.

Da sich aber der Hunger meldete, gab es einen Zusammenhang mit dem Warten auf das Abendessen.

»Poldi, die Mutter kummt lang net mit'n Nachtmahl.«

»Sie muaß glei da sein, Herzerl«, tröstete Poldi. »Horch! D'r Müller kummt mit ihr.«

»D'r Müller!« jauchzte Katherl und stürzte nach der Küche, wo sich schon von der Gangtür eine Männerstimme vernehmlich machte.

»Gelt'n S', Muatta, a Mann, a Wurt. Was d'r Müller sagt, is Eisen. Da hab'n S' umasunst a Angst g'habt.«

»War' aa ka Wunder, wann m'r a Angst hätt'. Net um Ihna, o Gott, na! Unkraut verdirbt net, aber ums Geld«, war die Antwort Frau Schaumanns, die mit halbem Unwillen es duldete, daß ihr Begleiter ihren Arm in seinen gelegt, indes Reserl den anderen in Besitz genommen.

Die männliche Stimme, dem schon einigemal erwähnten Herrn Müller gehörig, brach sich in einem glucksenden Lachen. Das Trio betrat das Zimmer. Die Mutter schwankte halb zwischen Unwillen und ebenfalls einem Lachen, aber es stand in ihrem Gesicht die Befriedigung über die mit so viel Sorge erwartete Heimkehr Müllers zu lesen.

Dieser war ein etwas hagerer, aufgeschossener Jüngling von ungefähr vierundzwanzig Jahren. Seine 66 Miene drückte, die der Frau Schaumann ergänzend, ebenfalls tiefe Befriedigung aus. Und zwar über die Durchführung eines Entschlusses, den er sich selbst äußerst hoch anrechnete.

»Na alsdann, Muatta, mir san hamkumma. G'sund san m'r, nix is g'scheg'n. Guat'n Ab'nd, Fräulein Poldi,« wendete er sich an diese, »hab'n S' ka Freud' über mi? Solid. Was? Wia g'sagt, a Mann, a Wurt. G'riss'n hat's mi, sag' i Ihner . . . an wenigstens zwanzig Wirtshäuser. Aber na, hab' i m'r denkt, d' Muatta laßt d' net sitz'n heut, da war'st do d'r ölendigste Schuft auf Gottes Erdbod'n.«

Herr Müller, dessen Arm sich mittlerweile Frau Schaumann entwunden und dessen Hand Katherl in Besitz genommen, blickte befriedigt über die Kraft seiner Entschlüsse und seines moralischen Empfindens im Kreise der Familie umher.

»O d'r Vatta schlaft'«, fügt er leise mit einem Blick auf das Familienoberhaupt hinzu. Dabei war seine Miene sehr ausdrucksvoll.

Frau Schaumann begnügte sich, bedeutend die Achseln zu schupfen, und ging an das Ausraumen ihres Korbes.

Müller war ein lustiger und lustiger Zimmermalergeselle und bewohnte mit einem zweiten Mieter, einem Fachkollegen, das von der Küche betretbare Kabinett. Er war der ausgesprochene Liebling der Familie. Die Kinder hingen an ihm wie an einem lieben Spielkameraden. Poldi tadelte ihn oft wegen seines Leichtsinns mit der herben Zärtlichkeit einer Schwester, der Vater lächelte aus seiner sonstigen 67 Traurigkeit heraus der guten Laune des jungen Mannes zu und die Mutter schalt mit ihm, wie es nur eine eigene Mutter hätte tun können.

Ein lustiger, fremder Hausgenosse bringt in ein sorgenvolles Familienleben einen Hauch der Heiterkeit, den ein Angehöriger nicht zu bringen vermöchte. Die Sorgen verbergen sich einen Augenblick, denn sie scheuen ein fröhliches Gesicht, das nicht dem engsten Kreise angehört, aber ihm dennoch so vertraut ist.

»Heut bleib' i daham und trink mein Bier in der Familie, dazua san alle eing'lad'n«, sagte Müller, als er die Vorbereitungen für das Abendessen sah. »Nix reden«, fügte er hinzu, als Poldi protestieren wollte.

»War' grad nur für a Beleidigung g'rechn't. Ob i da unten in dem faden Wirtshaus mein Geld verjux oder i trink' daham a paar Glas'ln Bier, is do alles ans. He, Reserl! Kumm her!«

Reserl war so rasch und eingehend instruiert, ihre Auffassung eine so scharfe, daß selbst der ernsthafteste Protest lahm nachgezogen gekommen wäre.

In kurzem saßen alle um den gedeckten Tisch und ließen sich die samstägige Delikatesse von Wurst und Käse wohl schmecken. Dazu das Bier.

Der Vater hatte mittlerweile seine Augen aufgeschlagen. Wenn aber das Geschlossensein dieser allein jemals Schlaf bedeutet, so könnten wir uns diese herrlichste Gottesgabe jederzeit verschaffen.

»No, Vatter,« sagte Müller mit allem Zartgefühl, »guat'n Ab'nd. Lustig san m'r heut a bißl. Alle Tag is net Kirtag.«

68 Zwei fiebernde Augen eines Mannes hingen einen Moment mit einem so rätselhaften, alle Liebe ausdrückenden Blicke an der ältesten Tochter, daß nochmals gegen geschlossene Lider als Zeichen des Schlafes aufgetreten werden muß.

Da nun auch der Vater sich bequemte, an dem Abendessen teilzunehmen, und da der Krug Bier nebst zwei anderen die Gläser speiste, und da Herr Müller fortwährend in seiner trockenen Weise humorvoll schwatzte, hatte das Zimmer in all seiner Armseligkeit einen Anstrich von Heiterkeit bekommen, den nur die Anwesenheit einer vollzähligen, mit einem fröhlichen Gaste gesegneten Familie ihm zu verleihen vermag.

Schani wurde von niemandem vermißt. Müller hatte seine Brieftasche hervorgezogen und eine Banknote in die Hände Frau Schaumanns gelegt, die mit einem Blick voll Gier das Geld und einem Blicke der Dankbarkeit ihren Mieter anblickte. Im Handumdrehen war das Geld in einer Lade des Schubladenkastens unter einem Bündel Wäschestücke zu dem anderen versorgt.

Das Bier ging allmählich zur Neige, dank der Mithilfe Herrn Müllers, der Vater rauchte eine ihm von diesem angebotene Zigarre und hatte sich von der Betäubung des Alkohols durch den kurzen Schlummer hinlänglich erholt. Alle sahen befriedigt aus, und für eine Stunde war eine arme, fast wunschlose Familie vollkommen glücklich und aller Sorgen ledig.

Poldi in ihrer Liebe zu den Angehörigen, mit ihrem Sinne für reine bürgerliche Ordnung, fühlte 69 sich im Augenblick den Miseren des Alltags entrückt. Sie wollte nicht mehr haben, als in steter heiterer Vereinigung mit ihren Lieben eine bescheidene Existenz verleben.

Man kann den Anfang des Verfalls eines Menschen oder einer Familie im Rückblick bis auf den Tag, oft bis auf die Stunde bestimmen. Arm waren Poldis Eltern stets gewesen, solange jene denken konnte. Sie hatten im Vertrauen auf ihre Jugend und ihrer Hände Kraft, ohne Berechnung, mit dem Leichtsinn derer, die nie etwas zu verlieren haben, ihren Hausstand begründet.

Was der Vater verdiente, genügte zu einem Durchkommen von einer Woche zur andern, wie es Millionen genügen muß. Man litt keinen Hunger, solange die Hände Kraft besaßen, keine Sorgen für den nächsten Tag und erübrigte sich sogar noch einige Gulden.

Schani war das erste Kind gewesen. Ein Jahr darauf folgte Poldi. Nun ging es schon knapper mit dem Leben und Ersparen. Doch folgten zwischen und nach Reserl und Katherl noch zwei oder drei, die es gleich beim Anblick dieser Welt zu frieren angefangen hatte, so daß sie sich schleunigst aufs beste empfahlen. Es muß gesagt werden, daß ihnen dies seitens der Eltern nicht als Unhöflichkeit verargt wurde. Daß höchstens die Mutter einige Zähren vergoß und es somit ein von beiden Seiten sehr wohlwollender Abschied war.

Bis nun war es nur erhöhte Sorge und Einschränkung gewesen. Aber das Elend hatte seinen Anfang 70 genommen, als sich der Vater bei der Arbeit die Hand verletzte. Die Krankheitszeit war kurz und Schaumann selbst achtete der kaum geheilten Wunde nicht. Für Wehleidigkeit hat die »Arbeit« keinen Raum. Nebstbei gesagt, würden so manchem Militär die Knie schlottern angesichts der in den Zeitungen mit einer kurzen Notiz abgetanen Fälle von »Verletzungen«. »Minder schwer«, »schwer« oder »sehr schwer« liest sich so leicht. Nur Ärzte und noch mehr Wärterinnen sind sich über die Bedeutung der Zertrümmerung des kostbaren und doch so wohlfeilen Artikels Mensch bewußt.

Aber mit der rasch »verheilten« und nicht geschonten Hand wurde es allmählich immer schlimmer. Monatelang lief Schaumann zum Kassenarzt, der endlich als der Weisheit letzten Schluß achselzuckend das Spital anriet. Und dort ward unter weiterem Achselzucken erklärt, daß der Arm verloren sei und schleunigst amputiert werden müsse. Da solches Schauspiel zur heilsamen Übung für angehende Chirurgen ein seltener Fall war, wurde gleich dazu geschritten und nach Stunden erwachte der arme Mann als ein Krüppel. Bis zum Gelenk war der Arm ausgelöst worden.

Da die Verletzung als ein bei der Arbeit geschehener Unfall konstatiert werden konnte, so bezog Schaumann als Krüppel eine kleine Rente, die »zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel« war. Man ging bei ihrer Bemessung von gewissen geometrischen Voraussetzungen aus: daß ein Ding mit vier Teilen, zu einem Teile verkürzt, noch immer ein Ding mit drei Teilen sei, daher nur um den Gebrauchswert eines Viertels 71 geschädigt erscheine. Ungeachtet des sonst noch atmenden, mittleren Korpus.

Aber ach! Es war der Schlachtarm, der dem Helden der Arbeit geraubt worden war. Der hammerschwingende, nervige, nie rastende Arm. Hätte man den Krüppel zum Überfluß noch eines Beines und eines Auges entledigt, er hätte nicht hilfloser sein können.

Was sollte er noch? Den ganzen Tag müßig herumstehen und sich in ohnmächtigem Schmerze über sein Schicksal verzehren? Anfangs, wenn er oft an Fabriken vorbeistrich und an sein Ohr der Klang niedersausender Hämmer drang, dann meinte er wohl, mit der Rechten weit und wuchtig ausholen zu müssen, in der Faust den Stiel eines solchen Werkzeuges. Er fühlte in dem Stumpf förmlich das Zucken der Finger . . .

Dann hatte er Beschäftigung gesucht. Irgendwo als Wächter oder dergleichen. Aber für den Krüppel fand sich nirgends etwas, wo so viele arbeitslose Leute mit zwei gesunden Armen herumrennen. Nun verfiel er darauf, Gesellschaft, Zerstreuung, Vergessen zu suchen. Alte Kameraden, die sein Schicksal dauerte, gaben ihm öfter einige Kreuzer und zahlten ihm einen Trunk.

Schaumann war weit entfernt davon, ein Trinker zu sein. Aber die Betäubung, das augenblickliche Hinwegsetzen über die Kümmernisse seines zertrümmerten Lebens lockten doch manchmal zu sehr, und da er wenig vertrug, erweckte sein Zustand den Anschein starker Trunkenheit.

72 Der erzwungene Müßiggang des fleißigen Handwerkers fühlte die Schwere des körperlichen Verlustes verdoppelt. Ein Philosoph würde darüber mit einem wehmütigen Lächeln hinweggegangen sein. Nämlich ein Philosoph, dem Lektüre und andere geistige Zerstreuung zu Gebote stand. Aber zum Teufel – den Verlust des Schwertarmes hätte selbst Don Quichotte nicht verwunden. Und die Rechte des Arbeiters . . .

Damals griff mit voller Energie die Mutter ein. Nicht mit Tröstungen und verweichlichender Zärtlichkeit, nein, mit rauher Arbeitstätigkeit. Dieses schwache Weib vermochte es, Jahre hindurch die Familie zu erhalten. Viele Nächte verweilte es in den Waschküchen und oft von vier Uhr früh bis zum nächsten Abend. Zu jener Zeit stand Poldi noch im letzten Schuljahr. Ihre dann später verdienten Kreuzer bildeten schon einen kleinen Zuschuß. Allmählich ward dieser größer, dank der freundschaftlichen Laune einer Kameradin, die im ersten Kapitel die Bewunderung, im zweiten die Teilnahme aller herausfordert: der Trümmler Tini, die weiter zu schildern einer anderen Stelle vorbehalten bleibt.

»Es gibt nix über a solides Familienleb'n, was, Vatta?« sagte Müller, indem er seine Uhr zog und zerstreut das Zifferblatt betrachtete.

»Daß S' es anmal einseg'n, Sie Lump,« warf Frau Schaumann ein. »Sie g'hörten aa scho bald untern Pantoffel. A bißl war' no was zum retten bei Ihnen, wann S' bald dazua schaueten.«

»D' anzige war' d' Fräul'n Poldi, und die mag net«, erwiderte Müller mit humoristischer Wehmut.

73 Die Bezeichnete lächelte.

»Die für Ihner geht no in d' Schul. Warten S' auf d' Reserl.«

»Hör'n S' denn net auf? Dös gebert das größte Lumpenpaarl. Was, Reserl? Mir zwa drahrerten erst die Welt abi.«

Reserl hätte ihre Natur verleugnen oder die Zurechtweisung durch Poldi hätte noch anhalten müssen, wäre ihr nicht der passende Coupletreim eingefallen:

Drahn m'r um und drahn m'r auf, es liegt nix dran,
weil ma 's Geld auf derer Welt net fressen kann . . .

»Bravo, Reserl! Auf di wart i. Du hast die richtige Idee vom Leb'n. Teufel!« unterbrach er sich, »i hab' ja ka Zigarr'n mehr. Da muaß i g'schwind an' Sprung in d' Trafik machen.«

Aber Herr Müller war gezeichnet. Es gibt Menschen, denen man selbst nicht das Totsein glauben will, da sie ihren Mitmenschen zu viel Enttäuschungen bereitet hatten. Frau Schaumann, mit allen Instinkten der Weiblichkeit, Mütterlichkeit und der Quartierfrau begabt, durchschaute das Manöver.

»Zu was san denn die Kinder da?« sagte sie voll Mißtrauen. »Reserl, hol' in Herrn Müller Zigarren.«

»Freili – so an' Kind hängt die Trafikantin all'n Dreck an. Die Zigarr'n muaß i mir scho selber aussuach'n. Net wahr, Vatta?«

»Ja, a Mannsbild, a b'soffenes, hilft den andern.« »Nix, nix! Brennen Ihna die paar Netsch, die S' no im Sack' hab'n?«

74 »Aber Mutter!« warf Poldi ein, die die Bevormundung eines erwachsenen fremden Menschen genierte.

»Halt's nur alle z'samm'. I man's guat mit dem Früchterl! Von mir aus soll er gehn, wo eahm d'r Wind hintragt, aber aufg'schriebn wird dann nix. Murg'n is d' Muatta wieder guat mit a paar Kreuzer auf an' Tabak. Schamen S' Ihner denn net?«

»Mutter!« . . . sagte Poldi wieder.

»Na ja, meinetweg'n!« . . .

»Aber Muatta, was denken S' denn eigentlich von mir?« fragte Müller ziemlich kleinlaut in der Art von Leuten, die sich durchschaut sehen.

»Was i denk? Daß S' abfahr'n und die paar Kranln, die S' in Sack spür'n, anbringen woll'n. Das denk' i. Und weil i a Frau bin, die's mit Ihner ehrli mant, desweg'n red' i.«

Alle Resolutheit der praktischen, schwer verdienenden Frau, zeigte sich nun, da das Zinsgeld geborgen im Kasten lag.

Und mit Herrn Müllers Freiheitsgelüsten hatte es seine Bewandtnis. Er besaß, wie die Mutter ganz richtig vermutete, noch Geld, das ihn in der Tasche brannte. Denn er besaß außerdem noch eine Art von Noblesse, die ihn drängte, fremden Zechkumpanen einen Liter um den andern zum besten zu geben, im Kaffeehause Animiermädchen freizuhalten und gewagte Kartenspiele zu machen.

Dann kam er meist am Sonntag früh oder vormittags, oft noch später heim, den Hut schief und 75 zerdrückt auf dem Kopfe, die Krawatte verrückt, den Kragen vollständig verschweißt, verbogen und verschmutzt, jedoch die Taschen vollgepfropft mit Zuckerschachterln und Feigenkränzen, die er sich schmeichelte, den diversen »Kranern« »abgewonnen« zu haben.

Dafür konnte er jedoch Frau Schaumann den Betrag für die Wochenmiete, das Frühstück sowie die Wäsche nicht bezahlen.

Bei solcher Heimkehr pflegte Herr Müller mit schlauer Benützung der mütterlichen Gefühle erst die mitgebrachten Süßigkeiten auszuteilen und vor dem losbrechenden Sturm der wirtschaftlichen, sorgenden Hausfrau die Flucht nach seinem Kabinett und in sein Bett zu ergreifen.

Wenn er dann erwachte, mit einem grimmigen Kater gesegnet, Reserl und Katherl an seinem Lager fand, pflegte er beide mit einer Art düsterer Moralphilosophie zu erbauen, die vom allgemeinen stets auf seine Person lenkte: daß er, der bejammernswerte Müller, nichts anderes als ein unverbesserlicher Schuft sei.

Zu Frau Schaumann sagte er dann stets sehr reuevoll:

»Bin i a Viech, wia's kan's mehr gibt. Aber, Muatta (er gebrauchte stets den zärtlichen familiären Ausdruck), dös schwir i Ihna, heut war's wirkli 's letztemal. So a arm's Weiberl, wia Sie, muaß si um a paar nackerte Netsch die halberte Nacht o'rackern und i Fallot, i ölendiger, hau 's Geld am Schäd'l für nix und wieder nix.«

76 Und äußerst ergriffen von seiner moralischen Schwäche steckte Müller dann den Kopf tief unter die Tuchent und weinte, indes die Mutter fürchterlich schalt, Poldi vermittelte, der Vater den Indifferenten spielte und Reserl und Katherl, mit ihren Leckereien beschäftigt, den armen Herrn Müller zu trösten suchten.

Die heute bewiesene Festigkeit seiner Moral schien diesem jedoch als das höchste Zugeständnis, das man an menschliche Willensstärke zu stellen vermag. Die Absicht, vermittelst des Zigarrenholens spurlos entschwinden zu können, war vor dem allzuoft geschärften Blick der »Mutter« in ein Nichts aufgegangen.

Daher suchte er vor allem gute Miene zum bösen Spiel zu machen und völlige Gleichgültigkeit zu heucheln. In der Zerstreuung zog er einige Zigarren hervor, offerierte eine Herrn Schaumann und zündete sich dann selbst eine zweite an. Damit war der Vorwand des Zigarrenholens hinfällig geworden.

»Wia hab'n m'r's im G'schäft, Fräul'n Poldi?« fragte er nun voll blasierter Teilnahme.

»I dank' schön. So . . . so. Sie wissen ja, g'schenkt wird an' nix. Haßt halt arbeiten und wieder arbeiten.«

Eine Pause trat ein, in der Müller unerhörte Pläne im Kopfe wälzte, wie mit Anstand fortzukommen wäre. Er fühlte an der linken Brustseite förmlich das »Brennen«.

Seinen Nöten kam eine Art Vorsehung zu Hilfe. Denn es wurde an die Tür geklopft und herein trat Herr Hanisch, der zweite Mitbewohner des Kabinetts. Somit erschien der Haushalt Schaumann komplettiert. 77 Herr Hanisch war einer jener Mustermenschen, die pünktlich ihren Obliegenheiten nachkommen (er war, wie erwähnt, ein Fachkollege des fidelen Müller), ihre Rückstände stets glatt berichtigen, keine Freude an geldraubenden Vergnügungen finden, ein Sparkassenbuch besitzen, sich aber im übrigen nicht im geringsten um das Wohl und Wehe ihrer Mitbürger kümmern. Herr Hanisch hätte (wienerisch gesprochen) »keiner schreierten Katz« was gegeben. Er war schon gekennzeichnet durch seine Augen, die etwas Fischähnliches in ihrer Starrheit besaßen und volle Gleichgültigkeit gegen die Leiden jedweder Kreatur ausdrückten.

Aber er war ein bis zum Extrem pünktlicher Zahler und Sparmeister, der sich durch diese zwei gesellschaftlichen Tugenden in das Herz der Mutter Schaumann eingeschlichen hatte. Nebstbei verband er mit diesen eine Art reservierter Höflichkeit, die wohl dem Unterrichteten in dieser Kunst ein Lächeln abrang, die jedoch allen, die mit Herrn Hanisch in Verkehr zu treten gewohnt waren, höchlichst imponierte.

»Guten Abend allseits«, sagte er nach einem von der Mutter gerufenen »Herein!« Als er die von der stattgehabten Mahlzeit zeugenden Teller sah, sagte er wieder: »Wünsch' allseits g'speist zu hab'n«. Der diensteifrigen Aufforderung zum Niedersetzen seitens Frau Schaumanns, die einen herbeigeholten Stuhl rasch mit ihrer Schürze polierte, begegnete er mit einem äußerst korrekten: »Danke ergebenst, ich bin so frech«. Dann zog er mit würdevoller Umständlichkeit seine Geldbörse hervor, zählte den Betrag auf den 78 Tisch, überzählte ihn, überzählte ihn noch einmal und als Frau Schaumann mit ihren zittrigen Händen den Betrag einstrich, folgte er diesem Beginnen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, die einen etwa zu viel gegebenen Heller dank einer Art hypnotischen Kraft hätte nötigen können, in die Börse seines rechtmäßigen Besitzers zurückzuwandern.

»Auf Ihner kann ma si halt verlassen, Herr Hanisch«, sagte Frau Schaumann mit einer gewissen Ergriffenheit. »Das Zinsgeld is halt die Hauptsach'. Der Zins is a Heiligtum, d'r Hausherr braucht aa sei Geld, denn am End' hat er a Massa Steuern zum zahl'n, was herentgeg'n unserans net braucht.« Die arme, unwissende Mutter Schaumann! Sie bedachte nicht, daß ihre erarbeiteten und durch Miete hereingebrachten Kreuzer im Verein mit denen anderer Millionen Menschen die größte Steuersumme aufbrachten, ohne das sie und alle anderen sich dessen bewußt gewesen wären. Sie zahlte zwanzigfache Steuer. Beim Greisler, beim Kaufmann, beim Fleischhauer und am meisten beim »Zins«.

Herr Hanisch, dessen Herz nur am Metall und von Staats wegen bedruckten Papier hing, so man Staats- oder Banknoten heißt, hatte alle ihm verfügbaren Geisteskräfte auf dessen Erwerb und Festhalten konzentriert. Er hatte auch die eherne Philosophie all dieser Leute, die den Mitmenschen nur nach seinem Besitz beurteilen. Er gab dieser Weltanschauung auch gern in einer gravitätischen, diktatorischen Weise Ausdruck, die sich in gar nichts von der Herrn Weißmanns, Gustls Hausherrn, unterschied, den man später kennen 79 lernen wird. Nur hatte er sich eine geschraubte Art der Rede angewöhnt, die er für die glücklichste Verkörperung von vornehmer Manier hielt.

»Jeder Mensch is eine Pflanze der Natur«, begann er nach einer Weile und sah voll Erhabenheit um sich. »Jede Natur braucht ihr Gegebensein. Wenn aber die Natur unsittlich im Menschen is, wia Kant beweist, is er a Unkraut am Stamme der Menschheit. Jeder Mensch is verpflichtet, daß er so wia a Mensch leb'n soll. Sobald a Mensch lumpt, Schulden macht und net zahlt, is er ka Mensch.« Diese Sentenz hätte eigentlich gegen Müller gerichtet sein sollen, den sein Wohngenosse als Lumpen und stets »stieren« Menschen in der tiefsten Tiefe seiner korrekten Seele verachtete. Aber wo war Müller? Auf seinem Platze nicht, im Zimmer nicht . . .

»Müller, alter Lump!« schrie plötzlich die Mutter, »wo san S' denn? Der is heili abg'fahr'n. Ja habts eahm denn gar net fortschleichen seg'n? Der hat no a paar Netsch im Sack, dö heut no hin sein müassen. Unser Herrgott wird wissen, was er da für a Früchtl auf d' Welt g'stellt hat. I bin nur froh, daß er überhaupt hamkumma is und sei' Sach'n zahlt hat. Murg'n hat er kan' Knopf Geld mehr und dann putzt er alle Reindeln aus, daß ma 's Abwaschen derspart. So was kann do net weitergehn.«

Poldi mußte wider Willen über das schemenhafte Verschwinden Müllers lächeln. Weit entfernt, seinen Leichtsinn und sein Drahrertum zu billigen, zog aber dennoch ihr natürliches Gefühl seine Lebensauffassung der des trockenen, pedantischen, geizigen Hanisch vor. 80 Ein Sparkassenbuch und eine geregelte, ordentliche Lebensweise waren gewiß sehr schätzenswerte Dinge. Wenn aber dabei das Herz unter der Rinde einer zahlungsfähigen Wohlanständigkeit erstarrt, zieht man lieber den Bruder Leichtsinn vor.

Poldi fühlte schon oft mit Unbehagen die Fischaugen Hanischs auf sich gerichtet, wenn er zu kurzem Besuch im Zimmer weilte. Förmlich taxierend hingen diese Augen an Poldis schönem Gesicht, ihrem schönen Körper. Sollte sich dieser Sparmensch im Ernste in Poldi verliebt haben? Eine Vorstellung, die dieser zu absurd vorkam, als daß sie nicht darüber hätte lachen müssen.

Aber im Ernst. Herr Hanisch war auf seine Weise wirklich in Poldi verliebt. Wer hätte sich auch dem Einfluß ihrer Schönheit gänzlich entziehen können? Wer weiß, was Müller zu seinen Schlemmereien bewog? Vielleicht die Unmöglichkeit, dieses begehrenswerte Mädchen jemals erringen zu können. Er fühlte, trotz Poldis Armut, wohl die große Kluft, die beide trennte. Nicht so Hanisch, der, auf ein wohlausgefülltes Sparkassenbuch pochend, unerhörte Pläne in seinem Hirn wälzte, unter denen die nicht in letzter Reihe standen, Poldi könnte vermittelst eines vorgeschossenen Betrages selbständig werden und es zu einem Salon bringen. Eine gute Kapitalsanlage und ein schönes Weib – wer vermöchte derlei zu widerstehen?

Herr Hanisch machte nur nach Art aller Leute seines Schlages den Fehler vieler, selbst berühmter Mathematiker. Sie stellen eine falsche Voraussetzung 81 auf und von dieser wirken sie unentwegt auf das Endergebnis hin, das sich zum Schluß zu ihrem ungemessenen Erstaunen als falsch erweist. Zur Stunde reihte aber Hanisch, unbewußt des grundlegenden Kardinalfehlers, Gleichung an Gleichung. Er war, wie er sich stolz einbildete, ein gründlicher Rechner, Menschen- und auch Weiberkenner. Wer wollte es ihm wehren, zur richtigen Zeit das rechte Fazit seiner Aufstellung triumphierend zu verkünden? Ach, hätte er etwas von einer welkenden Rose gewußt, etwas von stillen, heimlichen, heißen Tränen!

Nun aber sagte er mit der hochtrabenden Gravität, die die Mutter entzückte (deren Zukunftshoffnungen mit seinen zusammengetroffen wären), Reserl in eine mühsam zurückgehaltene Heiterkeit versetzte, Poldi aber geradezu mit Widerwillen erfüllte, mit Bezug auf den echappierten Müller.

»Die Lebensregeln san verschieden im Menschen. Aner taumelt um das Licht wie a Falter. Der andere is wia a Biene, dö was an' Honigseim einsammelt. Kant beweist uns das auffallenderweise folgendermaßen. Nix erfüllt mi so mit Bewunderung wia das G'setz. A leichtsinniger Mensch wird a nia a G'setz hab'n, weil die Voraussetzung, aus dö imperialistisch si die Moral erklärt, und dö in ihrer Gesamtheit grundsätzlich genommen wia der Pol in der Weltachse . . . Kurz und guat, daß die Moral vom G'setz abstammt und Unsolidität is der Feind vom G'setz, das uns Kant g'lernt hat.«

Noch manche Weisheitssprüche gab Herr Hanisch von sich, ehe er sich nach seinem Kabinett begab, das 82 er für heute nimmer verließ. Reserl war in die Küche gelaufen, um ungesehen austoben zu können. Poldi hörte mit einem sehr gezwungenen Lächeln, die Mutter voll Andacht zu und der Vater war zum zweitenmal sanft entschlummert. 83

 


 

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