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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 82
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 81. Historie sagt, wie Eulenspiegel einen Hund schund und das Fell der Wirtin als Bezahlung gab, weil er mit ihm aß.

Nun begab es sich, daß Eulenspiegel in ein Dorf in der Nähe von Staßfurt kam. In einem Haus fand er die Wirtin allein. Die Wirtin hatte ein zierliches Hündlein, das sie sehr liebte. Es mußte ihr allezeit auf dem Schoß liegen, wenn es nichts anderes vorhatte.

Eulenspiegel saß am Feuer und trank aus der Kanne. Die Frau hatte den Hund daran gewöhnt: Wenn sie Bier trank, gab sie dem Hund auch Bier in eine Schüssel, damit er ebenfalls trinken konnte. Als nun Eulenspiegel dasaß und trank, stand der Hund auf, schmeichelte sich an Eulenspiegel heran und sprang an seinem Hals empor. Das sah die Wirtin, und sie sprach: »Ach, gebt ihm auch zu trinken in der Schüssel! Das ist sein Wunsch.« Eulenspiegel sagte zu ihr: »Gern«. Die Wirtin ging und tat die Dinge, die sie zu erledigen hatte. Eulenspiegel trank und gab dem Hund auch zu trinken in der Schüssel und legte darein noch einen Bissen Fleisch, so daß der Hund satt wurde, sich ans Feuer legte und sich ausstreckte, so lang er war.

Dann sagte Eulenspiegel zu der Wirtin: »Wir wollen abrechnen« und sprach weiter: »Liebe Wirtin, wenn ein Gast Eure Kost ißt und von Eurem Bier trinkt und kein Geld hat, borgt Ihr dem Gast?« Die Wirtin dachte nicht daran, daß er den Hund meinen könnte, sondern glaubte, er selbst sei dieser Gast, und sagte zu ihm: »Herr Gast, man borgt hier nicht, man muß Geld geben oder ein Pfand.« Eulenspiegel sprach: »Damit bin ich für meinen Teil zufrieden; ein anderer sorge für das Seine!« Dann ging die Wirtin fort. Und sobald Eulenspiegel es zuwege bringen konnte, nahm er den Hund unter den Rock und ging mit ihm in den Stall. Dort zog er ihm das Fell ab und ging wieder in das Haus zum Feuer und hatte das Fell des Hundes unter dem Rock. Dann hieß Eulenspiegel die Wirtin kommen und sagte wiederum: »Laßt uns abrechnen.«

Die Wirtin rechnete, und Eulenspiegel legte die halbe Zeche hin. Da fragte die Wirtin, wer die andere Hälfte bezahlen solle, er habe das Bier doch allein getrunken. Eulenspiegel sagte: »Nein, ich habe es nicht allein getrunken, ich hatte einen Gast. Der trank mit, und der hat kein Geld, aber er hat ein gutes Pfand; der soll die andere Hälfte bezahlen.« Die Wirtin sprach: »Was ist das für ein Gast? Was habt Ihr für ein Pfand?« Eulenspiegel antwortete: »Das ist sein allerbester Rock, den er anhatte.« Und er zog das Hundefell unter dem Rock hervor und sprach: »Seht, Wirtin, das ist der Rock des Gastes, der mit mir trank.«

Die Wirtin erschrak und sah, daß es ihres Hundes Fell war. Sie wurde zornig und sprach: »Daß dir nimmer Glück geschehe! Warum hast du mir meinen Hund abgezogen?« Und sie fluchte. Eulenspiegel antwortete: »Wirtin, das ist Eure eigene Schuld, also laß ich Euch fluchen. Ihr sagtet mir selbst, ich solle dem Hund einschenken. Und ich sagte, der Gast habe kein Geld. Ihr wolltet ihm nicht borgen, Ihr wolltet Geld oder Pfand haben. Da er kein Geld hatte und das Bier bezahlt werden mußte, so mußte er den Rock als Pfand lassen. Den nehmt jetzt für sein Bier, das er getrunken hat.«

Die Wirtin wurde noch zorniger und hieß ihn aus dem Haus gehen; und er solle niemals wiederkommen. Eulenspiegel sprach: »Ich will aus Euerm Haus nicht gehn, sondern reiten.« Und er sattelte sein Pferd, ritt zum Tor hinaus und sagte: »Wirtin, bewahrt das Pfand so lange auf, bis ich Euer Geld zusammengebracht habe, dann will ich noch einmal ungeladen wiederkommen. Wenn ich dann nicht mit Euch trinke, brauche ich auch kein Bier zu bezahlen.«

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