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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 74
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 73. Historie sagt, wie sich Eulenspiegel in Hamburg bei einem Barbier verdingte, dem Meister durch die Fenster in die Stube ging usw.

Einmal kam Eulenspiegel nach Hamburg auf den Hopfenmarkt, blieb dort stehen und sah sich um. Da kam ein Bartscherer gegangen, der fragte ihn, woher er komme. Eulenspiegel sagte: »Ich komme von dort her.« Der Meister fragte ihn: »Was bist du für ein Handwerksgeselle?« Eulenspiegel antwortete: »Ich bin, kurz gesagt, ein Barbier.« Der Meister dingte ihn. Und der Bartscherer wohnte auf dem Hopfenmarkt, gerade gegenüber, wo sie standen. Das Haus hatte dort, wo die Barbierstube war, bis zum Erdboden reichende Fenster nach der Straße zu. Da sagte der Meister zu Eulenspiegel: »Sieh, das Haus gegenüber, wo die hohen Fenster sind, da geh hinein! Ich komme gleich nach.«

Eulenspiegel sagte ja, ging geradeswegs zu dem Haus hin und durch die hohen Fenster hinein und sagte: »Gott zur Ehr! Gott grüße das Handwerk!« Die Frau des Bartscherers saß in der Stube und spann. Sie erschrak und sprach: »Dich führt wohl der Teufel! Warum kommst du durch die Fenster? Ist dir die Tür nicht weit genug?« Eulenspiegel sagte: »Liebe Frau, zürnt mir nicht! Euer Ehemann hat mich das geheißen und hat mich gedingt als Geselle.« Die Frau sprach: »Das ist mir ein getreuer Geselle, der seinem Meister Schaden tut.« Eulenspiegel sagte: »Liebe Frau, soll ein Geselle nicht das tun, was ihn sein Meister heißet?«

Derweilen kam der Meister und hörte und sah, was Eulenspiegel getan hatte. Da sprach der Meister: »Wie, Geselle, konntest du nicht zur Tür hineingehn und mir meine Fenster ganz lassen? Welchen Grund hast du gehabt, daß du mir durch die Fenster hereingekommen bist?« »Lieber Meister, Ihr hießet mich, da hineinzugehen, wo die hohen Fenster seien; Ihr wolltet bald nachkommen. So habe ich nach Eurem Geheiß getan; aber Ihr seid mir da nicht nachgekommen, wo Ihr sagtet, daß ich vorausgehen sollte.« Der Meister schwieg still, denn er bedurfte Eulenspiegels und dachte: Wenn ich mit ihm mein Geschäft verbessern kann, so will ich das hingehen lassen und ihm das von seinem Lohn abziehn.

Also ließ der Meister Eulenspiegel etwa drei Tage arbeiten. Dann hieß er Eulenspiegel die Rasiermesser schleifen. Eulenspiegel sprach: »Ja, gern.« Der Meister sagte: »Schleife sie glatt auf dem Rücken gleich der Schneide.« Eulenspiegel sagte ja und begann, den Schermessern die Rücken ebenso wie die Schneiden zu schleifen. Der Meister kam und wollte zusehen, was er machte. Da sah er, daß bei den Messern, die Eulenspiegel geschliffen hatte, der Rücken ebenso wie die Schneide war. Und die Messer, die er auf dem Schleifstein hatte, die schliff er nach derselben Weise. Da sagte der Meister: »Was machst du bloß? Das wird ein böses Ding!« Eulenspiegel sprach: »Wie sollte das ein böses Ding werden? Es tut ihnen doch nicht weh, ich tue, wie Ihr mich geheißen habt.« Der Meister wurde zornig und sagte: »Ich hieß dich einen bösen, heimtückischen Schalk. Hör auf und laß dein Schleifen! Und gehe wieder hin, wo du hergekommen bist!« Eulenspiegel sagte ja, ging in die Stube und sprang da zum Fenster wieder heraus, wo er hineingekommen war.

Da wurde der Bartscherer noch zorniger und lief ihm nach mit dem Büttel und wollte ihn fangen, damit er ihm die Fenster bezahle, die er zerbrochen hatte. Aber Eulenspiegel war schneller, er entkam in ein Schiff und fuhr von Land.

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