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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 67
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 66. Historie sagt, wie Eulenspiegel bei Uelzen einen Bauern um ein grünes Londoner Tuch betrog und ihn überredete, daß es blau sei.

Gesottenes und Gebratenes wollte Eulenspiegel allezeit essen, darum mußte er sehen, woher er das nahm. Einmal kam er auf den Jahrmarkt nach Uelzen, wohin auch viele Wenden und anderes Landvolk kamen. Da ging er hin und her und sah sich überall danach um, was dort zu tun oder zu schaffen sei. Unter anderem sah er, daß ein Landmann ein grünes Londoner Tuch kaufte und damit nach Hause wollte. Da überlegte Eulenspiegel, wie er den Bauern um das Tuch betrügen könne, und fragte nach dem Dorf, wo der Bauer daheim war. Und er nahm einen Schottenpfaffen und einen anderen losen Gesellen mit sich und ging mit ihnen aus der Stadt auf den Weg, den der Bauer entlang kommen mußte. Eulenspiegel machte einen Plan, was sie tun sollten, wenn der Bauer mit dem grünen Tuch käme, das blau sein sollte. Einer sollte immer eine halbe Ackerlänge Weges von dem anderen entfernt stadtwärts gehen.

Als der Bauer mit dem Tuch aus der Stadt kam und es heimtragen wollte, sprach ihn Eulenspiegel an, wo er das schöne, blaue Tuch gekauft habe. Der Bauer antwortete, es sei grün und nicht blau. Eulenspiegel sagte, das Tuch sei blau, darauf wolle er 20 Gulden setzen. Der nächste Mensch, der des Weges käme und der grün und blau unterscheiden könne, solle ihnen das sagen, damit sie sich einig werden könnten.

Dann gab Eulenspiegel dem ersten seiner Gesellen ein Zeichen zu kommen. Zu dem sprach der Bauer: »Freund, wir zwei sind uneinig über die Farbe dieses Tuches. Sag die Wahrheit, ob dies grün oder blau ist. Was du sagst, dabei wollen wir es bewenden lassen.« Da sagte der: »Das ist ein recht schönes, blaues Tuch.« Der Bauer sprach: »Nein, ihr seid zwei Schälke. Ihr habt es vielleicht miteinander darauf angelegt, mich zu betrügen.« Da sagte Eulenspiegel: »Wohlan, damit du siehst, daß ich recht habe, will ich nachgeben und es dem frommen Priester überlassen, der daherkommt; was er uns sagt, das soll entscheidend sein.« Damit war auch der Bauer zufrieden.

Als der Pfaffe nähergekommen war, sprach Eulenspiegel: »Herr, sagt recht, welche Farbe hat dieses Tuch?« Der Pfaffe sprach: »Freund, das seht Ihr wohl selber.« Der Bauer sprach: »Ja, Herr, das ist wahr. Aber die beiden wollen mir etwas einreden, von dem ich weiß, daß es gelogen ist.« Der Pfaffe sagte: »Was habe ich mit euerm Hader zu schaffen? Was frage ich danach, ob es schwarz oder weiß ist?« »Ach, lieber Herr«, sagte der Bauer, »entscheidet zwischen uns, ich bitte Euch darum.« »Wenn Ihr es haben wollt,« sprach der Pfaffe, »so kann ich nichts anderes erkennen, als daß das Tuch blau ist.« »Hörst du das wohl?« sagte Eulenspiegel, »das Tuch ist mein.« Der Bauer sprach: »Fürwahr, Herr, wenn Ihr nicht ein geweihter Priester wärt, so meinte ich, daß Ihr lügt und daß Ihr alle drei Schälke seid. Aber da Ihr Priester seid, muß ich Euch das glauben.« Und er überließ Eulenspiegel und seinen Gesellen das Tuch, mit dem sie sich für den Winter einkleideten. Der Bauer mußte in seinem zerrissenen Rock davongehen.

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