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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 58
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 57. Historie sagt, wie Eulenspiegel in Helmstedt eine große Tasche machen ließ.

Mit einer Tasche richtete Eulenspiegel eine weitere Schalkheit an. In Helmstedt wohnte ein Taschenmacher. Zu dem kam Eulenspiegel und fragte, ob er ihm eine große, hübsche Tasche machen wolle. Der Taschenmacher sprach: »Ja, wie groß soll sie sein?« Eulenspiegel sagte, er möchte sie groß genug haben. Denn zu der Zeit trug man große Taschen, die breit und weit waren. Der Taschenmacher machte Eulenspiegel eine große Tasche. Als er kam und sich die Tasche ansah, sprach er: »Die Tasche ist nicht groß genug. Das ist ein Täschlein. Macht mir eine, die groß genug ist, ich will sie Euch gut bezahlen.« Der Taschenmacher fertigte ihm eine Tasche von einer ganzen Kuhhaut an und machte sie so groß, daß man wohl ein einjähriges Kalb hätte hineinstecken können, so daß ein Mann daran zu tragen hatte.

Als Eulenspiegel dazukam, gefiel ihm die Tasche wiederum nicht, und er sprach, die Tasche sei nicht groß genug. Wolle er aber eine Tasche machen, die ihm groß genug sei, so wolle er ihm zwei Gulden als Anzahlung geben. Der Taschenmacher nahm die zwei Gulden und machte ihm eine Tasche, zu der er drei Ochsenhäute nahm, so daß drei Mann vollauf zu tun hatten, sie auf einem Tragegestell zu tragen; man hätte wohl einen Scheffel Korn hineinschütten können.

Als Eulenspiegel kam, sprach er: »Meister, diese Tasche ist groß genug; aber die große Tasche, die ich meine, das ist diese Tasche doch nicht. Ich will sie auch nicht haben, sie ist im Grunde noch zu klein. Wenn Ihr mir die große Tasche machen wolltet, aus der ich immer einen Pfennig herausnehmen kann und zwei bleiben stets darin liegen, so daß ich niemals ohne Geld wäre und nie an den Boden der Tasche greifen kann: die würde ich Euch abkaufen und bezahlen. Die Taschen, die Ihr mir gemacht habt, das sind leere Taschen, die nutzen mir nichts. Ich muß volle Taschen haben, anders kann ich nicht zu den Leuten kommen.«

Damit ging er hin, ließ dem Taschenmacher seine Taschen und sprach: »Meine Anzahlung für den Kauf kannst du behalten.« Und er ließ ihm die zwei Gulden; der Taschenmacher hatte aber wohl für zehn Gulden Leder verschnitten.

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