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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 53
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 52. Historie sagt, wie Eulenspiegel in Berlin einem Kürschner Wölfe statt Wolfspelze machte.

Sehr schlaue und kluge Leute sind die Schwaben. Wo die zuerst hinkommen und kein Auskommen finden, da verdirbt ein anderer ganz. Doch sind etliche von ihnen mehr den Bierkrügen und dem Saufen zugeneigt als ihrer Arbeit. Deshalb liegen ihre Werkstätten oft wüst usw.

Einmal wohnte ein Kürschner in Berlin, der war in Schwaben geboren und in seinem Gewerbe sehr kunstreich. Er hatte auch gute Einfälle, war reich und unterhielt eine einträgliche Werkstatt. Denn er zählte zu seinem Kundenkreis den Fürsten des Landes, die Ritterschaft und viele gute Leute und Bürger. Nun begab es sich, daß der Fürst des Landes zur Winterszeit ein großes Turnier mit Rennen und Stechen abhalten wollte, wozu er seine Ritterschaft und andere Herren einlud. Da keiner als altmodisch gelten wollte, wurden zu dieser Zeit viele Wolfspelze bei dem genannten Kürschner bestellt.

Das bemerkte Eulenspiegel, kam zu dem Meister und bat ihn um Arbeit. Der Meister, der zu dieser Zeit des Gesindes bedurfte, war froh über sein Kommen und fragte ihn, ob er auch Wölfe machen könne. Eulenspiegel sagte ja, darin sei er nicht als der schlechteste im Sachsenland bekannt. Der Kürschner sprach: »Lieber Geselle, du kommst mir eben recht. Komm her, über den Lohn werden wir uns wohl einigen.« Eulenspiegel sagte: »Ja, Meister, ich halte Euch für so redlich; Ihr sollt selbst den Lohn bestimmen, wenn Ihr meine Arbeit seht. Ich arbeite aber nicht bei den anderen Gesellen; ich muß allein sein, nur so kann ich meine Arbeit nach meinem Kopf und unbeirrt tun.« Da gab ihm der Kürschner ein Stübchen und legte ihm viele Wolfshäute vor, die gehärt und zu Pelzen zugerichtet waren. Und er gab ihm die Maße von etlichen Pelzen, großen und kleinen. Da begann Eulenspiegel, sich mit den Wolfsfellen an die Arbeit zu machen. Er schnitt sie zu, machte aus allen Fellen nichts als Wölfe, füllte sie mit Heu und gab ihnen Beine von Stecken, als ob sie lebten.

Als er nun die Felle alle verschnitten und nur Wölfe daraus gemacht hatte, sprach er: »Meister, die Wölfe sind fertig. Ist noch mehr zu tun?« Der Meister sagte: »Ja, mein Geselle, nähe Wölfe, so viel du nur immer kannst." Damit ging er hinaus in Eulenspiegels Stube. Da lagen die Wölfe auf der Erde, kleine und große. Die sah der Meister an und sagte: »Was soll das sein? Daß dich das Fieber schüttle! Was hast du mir für einen großen Schaden getan! Ich will dich einsperren und bestrafen lassen.« Eulenspiegel sprach: »Meister, ist das mein Lohn und Dank? Ich habe das nach Euren eigenen Worten gemacht. Ihr hießet mich doch, Wölfe zu machen. Hättet Ihr gesagt: ›Mach mir Wolfspelze! ‹, so hätte ich das auch getan. Und hätte ich gewußt, daß ich nicht mehr Dank verdienen würde, ich hätte so großen Fleiß nicht darauf verwendet.«

Also schied Eulenspiegel von Berlin, ließ nirgends einen guten Ruf zurück und zog nach Leipzig.

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