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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 51
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 50. Historie sagt, wie Eulenspiegel sich bei einem Kürschner verdingte und bei ihm in der Stube furzte, damit ein Gestank den anderen vertriebe.

Einmal kam Eulenspiegel nach Aschersleben. Es war Wintersnot und teure Zeit. Er dachte: was willst du nun anfangen, um durch den Winter und die teure Zeit zu kommen? Es gab niemanden, der eines Gesellen bedurfte. Nur ein dort wohnender Kürschner wollte einen Gesellen annehmen, wenn einer von seinem Handwerk vorbeigewandert käme. Da dachte Eulenspiegel: was willst du tun? Es ist Winter und dazu teure Zeit; du mußt leiden, was du leiden kannst, und mußt es eben die ganze Winterzeit über aushalten. Und er verdingte sich bei dem Kürschner als Geselle.

Als er nun in der Werkstatt saß und Pelze nähen wollte, da war er des Geruches ungewohnt und sagte: »Pfui, pfui! Du bist so weiß wie Kreide und stinkst so übel wie Dreck!« Der Kürschner sagte: »Riechst du das nicht gern und setzt dich doch hierher? Daß es stinkt, das ist natürlich; es kommt von der Wolle, die das Schaf auf der Außenseite des Felles hat.« Eulenspiegel schwieg und dachte: ein Übel pflegt das andere zu vertreiben. Und er ließ einen so übelriechenden Furz, daß sich der Meister und seine Frau die Nase zuhalten mußten. Der Kürschner sprach: »Was machst du? Willst du üble Fürze lassen, so geh aus der Stube in den Hof und furze, soviel du willst.« Eulenspiegel sagte: »Das ist für einen Menschen viel natürlicher und gesünder als der Gestank von den Schaffellen.« Der Kürschner sprach: »Das sei gesund oder nicht, willst du furzen, so geh in den Hof!« Eulenspiegel sagte: »Meister, das wäre vergeblich; alle Fürze wollen nicht gern in der Kälte sein, denn sie sind immer in der Wärme. Und um das zu beweisen: laßt einen Furz, er geht Euch gleich wieder in die Nase in die Wärme, aus der er gekommen ist.«

Der Kürschner schwieg. Er merkte wohl, daß er genarrt wurde, und gedachte, Eulenspiegel nicht lange zu behalten. Dieser saß danach ruhig da, nähte, räusperte sich, spuckte aus und hustete die Haare aus dem Munde. Der Kürschner saß, sah ihn an und schwieg, bis sie abends gegessen hatten. Da sprach der Meister zu ihm: »Lieber Geselle, ich sehe wohl, daß du bei diesem Handwerk nicht gern bist. Mich dünkt, du seiest kein rechter Kürschnergeselle. Das merke ich an deinem Gebaren. Oder du bist nicht lange bei der Kürschnerei gewesen, denn du bist die Arbeit nicht gewohnt. Hättest du dabei auch nur vier Tage geschlafen, so ekeltest du dich nicht so darüber und fragtest auch nicht danach, und es wäre dir nicht so zuwider. Darum, mein lieber Geselle, hast du keine Lust, hier zu bleiben, so kannst du morgen dahin gehen, wo dein Pferd steht.« Eulenspiegel sagte: »Lieber Meister, Ihr sprecht die Wahrheit, ich bin noch nicht lange dabei gewesen. Wenn Ihr mir nun gestatten wollt, vier Nächte bei den Pelzen zu schlafen, damit ich ihrer gewohnt werde, dann sollt Ihr sehen, was ich leisten kann.« Damit war der Kürschner einverstanden, denn er bedurfte seiner, und Eulenspiegel konnte auch gut nähen.

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