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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 50
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 49. Historie sagt, wie Eulenspiegel an einem Feiertag Wolle schlug, weil der Tuchmacher ihm verboten hatte, am Montag zu feiern.

Als Eulenspiegel nach Stendal kam, gab er sich als Wollweber aus. Eines Sonntags sagte der Wollweber zu ihm: »Lieber Knecht, ihr Gesellen feiert gern am Montag. Wer das zu tun pflegt, den habe ich nicht gern in meinem Dienst; bei mir muß er die Woche durcharbeiten.« Eulenspiegel sprach: »Ja, Meister, das ist mir sehr lieb.« Da stand er am Montagmorgen auf und schlug Wolle, desgleichen am Dienstag. Das gefiel dem Wollweber wohl.

Am Mittwoch war ein Aposteltag, so daß sie feiern mußten. Aber Eulenspiegel tat, als ob er von dem Feiertag nichts wüßte, stand des Morgens auf, spannte eine Schnur und schlug Wolle, daß man es über die ganze Straße hörte. Der Meister fuhr sogleich aus dem Bett und sagte zu ihm: »Hör auf! Hör auf! Es ist heute ein Feiertag, wir dürfen nicht arbeiten.« Eulenspiegel sprach: »Lieber Meister, Ihr kündigtet mir doch am Sonntag keinen Feiertag an, sondern Ihr sagtet, ich solle die ganze Woche durcharbeiten.« Der Wollweber sprach: »Lieber Geselle, das meinte ich nicht so. Hör auf und schlag keine Wolle mehr! Was du den Tag verdienen könntest, will ich dir gleichwohl geben.«

Eulenspiegel war damit zufrieden und arbeitete an diesem Tage nicht. Am Abend unterhielt er sich mit seinem Meister. Da sagte der Wollweber zu ihm, daß ihm das Wolleschlagen wohl gelinge, aber er müsse die Wolle ein wenig höher schlagen. Eulenspiegel sagte ja, stand des Morgens früh auf, spannte den Bogen oben an die Latte und setzte eine Leiter daran. Er stieg hinauf und richtete es so ein, daß der Schlagstock bis oben auf die Darre hinaufreichte. Dann holte er unten von der Darre, die vom Fußboden bis zum Dachboden reichte, Wolle nach oben und schlug sie, daß sie über das Haus stob. Der Wollweber lag im Bett und hörte schon am Schlag, daß Eulenspiegel es nicht richtig machte. Er stand auf und sah nach ihm. Eulenspiegel sprach: »Meister, was dünkt Euch, ist das hoch genug?« Der Meister sagte zu ihm: »Meiner Treu! Stündest du auf dem Dach, so wärst du noch höher. Wenn du so die Wolle schlagen willst, so kannst du sie ebenso gut auf dem Dach sitzend schlagen, als daß du hier auf der Leiter stehst.« Damit ging er aus dem Haus in die Kirche.

Eulenspiegel merkte sich die Rede, nahm den Schlagstock, stieg auf das Dach und schlug die Wolle auf dem Dache. Dessen wurde der Meister draußen auf der Gasse gewahr, kam sogleich zurückgelaufen und sprach: »Was, zum Teufel, machst du? Hör auf! Pflegt man die Wolle auf dem Dach zu schlagen?« Eulenspiegel sagte: »Was sagt Ihr jetzt? Ihr spracht doch vorhin, es sei besser auf dem Dach als auf der Leiter, denn das sei noch höher als die Balken!« Der Wollweber sprach: »Willst du Wolle schlagen, so schlage sie! Willst du Narretei treiben, so treibe sie! Steig von dem Dach und scheiß in die Darre.« Damit ging der Wollweber in das Haus und in den Hof.

Eulenspiegel stieg eilig vom Dach, ging in das Haus in die Stube und schiß dort einen großen Haufen Dreck in die Darre. Der Wollweber kam aus dem Hof, sah, daß er in die Stube schiß, und sagte: »Daß dir nimmer Gutes geschehe! Du tust, wie alle Schälke zu tun pflegen.« Eulenspiegel sprach: »Meister, ich tue doch nichts anderes, als was Ihr mich geheißen habt. Ihr sagtet, ich solle vom Dach steigen und in die Darre scheißen. Warum zürnt Ihr darum? Ich tue, wie Ihr mich heißer.« Der Wollweber sagte: »Du schissest mir wohl auf den Kopf, auch ungeheißen. Nimm den Dreck und trag ihn an einen Ort, wo ihn niemand haben will!«

Eulenspiegel sagte ja, nahm den Dreck auf ein Stück Holz und trug ihn in die Speisekammer. Da sprach der Wollweber: »Laß ihn draußen, ich will ihn nicht darin haben!« Eulenspiegel sagte: »Daß weiß ich wohl, daß Ihr ihn da nicht haben wollt. Niemand will ihn da haben, aber ich tue, wie Ihr mich heißet.« Der Wollweber wurde zornig, lief zum Stall und wollte Eulenspiegel ein Scheit Holz an den Kopf werfen. Da ging Eulenspiegel aus der Türe zum Haus hinaus und sagte: »Kann ich denn nirgends Dank verdienen?« Der Wollweber wollte nun das Holz mit dem Dreck rasch ergreifen, aber er besudelte sich die Finger. Da ließ er den Dreck fallen, lief zum Brunnen und wusch sich die Hände. Inzwischen ging Eulenspiegel hinweg.

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