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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 41
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 40. Historie sagt, wie Eulenspiegel sich bei einem Schmied verdingte und wie er ihm die Bälge in den Hof trug.

Eulenspiegel kam nach Rostock im Lande Mecklenburg und verdingte sich dort als Schmiedegeselle. Der Schmied hatte eine Redensart: wenn der Geselle kräftig den Blasebalg treten sollte, sprach er: »Haho, folge mit den Bälgen nach!« Nun stand Eulenspiegel auf den Bälgen und blies. Da sprach der Schmied zu Eulenspiegel mit harten Worten: »Haho, folg mit den Bälgen nach!« Und mit diesen Worten ging er hinaus in den Hof und wollte sich seines Wassers entledigen. Also nahm Eulenspiegel den einen Balg auf den Nacken, folgte dem Meister nach in den Hof und sprach: »Meister, hier bring ich den einen Balg, wo soll ich ihn hintun? Ich will gehen und den anderen auch holen.« Der Meister sah sich um und sagte: »Lieber Geselle, ich meinte es nicht so. Geh hin und leg den Balg wieder an seine Stelle, wo er vorher lag!« Das tat Eulenspiegel und trug ihn wieder an seinen Ort.

Da überlegte der Meister, wie er ihm das vergelten könnte, und wurde mit sich selber einig: fünf Tage lang wollte er um Mitternacht aufstehen, den Gesellen wecken und ihn arbeiten lassen. So weckte er die Gesellen und ließ sie schmieden. Eulenspiegels Mitgeselle begann zu fragen: »Was meint unser Meister damit, daß er uns so früh weckt? Das pflegte er sonst nicht zu tun.« Da sprach Eulenspiegel: »Willst du, so will ich ihn fragen.« Der Geselle sagte ja. Nun sprach Eulenspiegel: »Lieber Meister, wie geht es zu, daß Ihr uns so früh weckt? Es ist erst Mitternacht.« Der Meister antwortete: »Es ist meine Art, daß zu Anfang meine Gesellen acht Tage auf meinen Betten nicht länger liegen sollen als eine halbe Nacht.« Eulenspiegel schwieg still, und sein Kumpan wagte nicht zu sprechen.

In der nächsten Nacht weckte sie der Meister wieder um Mitternacht. Da ging Eulenspiegels Mitgeselle zum Arbeiten. Eulenspiegel aber nahm das Bett und band es sich auf den Rücken. Und als das Eisen heiß war, kam er eilends vom Dachboden zum Amboß gelaufen und schlug mit zu, daß die Funken ins Bett stoben. Der Schmied sprach: »Nun sieh doch, was tust du da? Bist du toll geworden? Mag das Bett nicht liegen bleiben, wo es liegen soll?« Eulenspiegel sagte: »Meister, zürnet nicht, es ist meine Art in der ersten Woche, daß ich eine halbe Nacht auf dem Bette liegen will, und die andere halbe Nacht soll das Bett auf mir liegen.« Der Meister wurde zornig und sprach zu ihm, er solle das Bett wieder dahin tragen, wo er es hergenommen habe. Und weiter sprach er zu ihm in jähem Ärger: »Und geh mir da oben aus meinem Haus, du wahnwitziger Schalk!« Eulenspiegel sagte ja, ging auf den Dachboden und legte das Bett wieder dorthin, woher er es genommen hatte. Er holte eine Leiter, stieg in den Dachfirst, brach das Dach oben auf und ging auf die Dachlatten. Dann nahm er die Leiter, zog sie nach sich, setzte sie vom Dach aus auf die Straße, stieg hinab und ging davon.

Der Schmied hörte, daß er polterte, ging ihm mit dem anderen Gesellen auf den Dachboden nach und sah, daß Eulenspiegel das Dach aufgebrochen hatte und dadurch hinausgestiegen war. Da wurde er noch zorniger, suchte den Spieß und lief aus dem Hause ihm nach. Der Geselle hielt den Meister zurück und sprach zu ihm: »Meister, nicht also! Laßt Euch sagen: er hat doch nichts anderes getan, als was Ihr ihn geheißen habt. Denn Ihr spracht zu ihm, er solle Euch da oben aus dem Hause gehn. Das hat er getan, wie Ihr seht.« Der Schmied ließ sich belehren. Und was sollte er auch tun? Eulenspiegel war fort, und der Meister mußte das Dach wieder flicken lassen und dessen zufrieden sein. Der Geselle sprach: »An solchen Kumpanen ist nicht viel zu gewinnen. Wer Eulenspiegel nicht kennt, der habe nur mit ihm zu tun, dann lernt er ihn kennen.«

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