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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 40
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 39. Historie sagt, wie Eulenspiegel in dem Dorfe Peine einem kranken Kinde zum Scheißen verhalf und großen Dank verdiente.

Recht bewährte Arznei scheut man zuweilen wegen eines kleinen Geldbetrages, und man muß den herumziehenden Händlern oft noch viel mehr geben. So geschah es einmal im Stift Hildesheim. Dahin kam einst auch Eulenspiegel, und zwar in eine Herberge, deren Wirt nicht daheim war. Eulenspiegel war dort gut bekannt. Die Wirtin hatte ein krankes Kind. Eulenspiegel fragte die Wirtin, was dem Kinde fehle und was es für eine Krankheit habe. Da sprach die Wirtin: »Das Kind kann nicht zu Stuhl gehen. Könnte es zu Stuhl gehen, so würde es mit ihm besser werden.« Eulenspiegel sagte: »Da gibt es noch guten Rat.« Die Frau sprach, wenn er etwas dazu tun könne und dem Kinde hülfe, so wolle sie ihm geben, was er haben wolle. Eulenspiegel sagte, dafür wolle er nichts nehmen, das sei ihm eine leichte Kunst: »Wartet eine kleine Weile, es soll bald geschehen.«

Nun hatte die Frau hinten im Hof etwas zu tun und ging dorthin. Derweilen schiß Eulenspiegel einen großen Haufen an die Wand, stellte gleich des Kindes Kackstühlchen darüber und setzte das kranke Kind darauf. Als die Frau wieder aus dem Hof zurückkam, sah sie das Kind auf dem Stühlchen sitzen und sprach »Ach, wer hat das getan? « Eulenspiegel sagte: »Das habe ich getan. Ihr sagtet, das Kind könne nicht zu Stuhl gehn, also habe ich es darauf gesetzt.« Da wurde sie gewahr, was unter dem Stuhle lag, und sprach: »Ach, lieber Eulenspiegel, seht her, das hat dem Kind im Leibe gelegen! Habt Dank, daß Ihr dem Kind geholfen habt!« Eulenspiegel sagte: »Von dieser Arznei kann ich viel machen mit Gottes Hilfe.«

Die Frau bat ihn freundlich, daß er auch sie diese Kunst lehre, sie wolle ihm dafür geben, was er haben wolle. Da sagte Eulenspiegel, daß er reisefertig sei. Wenn er aber wiederkäme, so wolle er sie die Kunst lehren.

Er sattelte sein Pferd und ritt gen Rosenthal. Doch kehrte er wieder um, ritt wieder auf Peine zu und wollte hindurch reiten nach Celle. Da standen halbnackte Bankerte von der Burg und fragten Eulenspiegel, welchen Weg er daherkäme. Eulenspiegel sprach: »Ich komme von Koldingen. « Denn er sah wohl, daß sie nicht viel anhatten. Sie sagten: »Höre, wenn du von Koldingen kommst, was läßt uns denn der Winter sagen?« Eulenspiegel sprach: »Der will euch nichts sagen lassen, er will euch selber ansprechen.« Und er ritt weiter und ließ die halbnackten Buben stehn.

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