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Till Eulenspiegel

Hermann Bote: Till Eulenspiegel - Kapitel 31
Quellenangabe
typenarrative
booktitleTill Eulenspiegel
authorHermann Bote
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32036-9
titleTill Eulenspiegel
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1510
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Die 30. Historie sagt, wie Eulenspiegel bei Sangerhausen im Lande Thüringen den Frauen die Pelze wusch.

Eulenspiegel kam in das Land Thüringen in das Dorf Nienstedt und bat dort um Herberge. Da kam die Wirtin heraus und fragte ihn, welches Handwerk er ausübe. Eulenspiegel sprach: »Ich bin kein Handwerksgesell, sondern ich pflege die Wahrheit zu sagen.« Die Wirtin entgegnete: »Denen, die die Wahrheit sagen, bin ich besonders günstig gesonnen und beherberge sie gern.« Und als Eulenspiegel umherblickte, sah er, daß die Wirtin schielte. Er sprach: »Schielende Frau, schielende Frau, wo soll ich sitzen, und wo lege ich meinen Stab und Sack hin?« Die Wirtin sagte: »Ach, daß dir nimmer Gutes geschehe! All mein Lebtag hat mir niemand vorgeworfen, daß ich schiele.« Eulenspiegel sprach: »Liebe Wirtin, soll ich allezeit die Wahrheit sagen, so kann ich das nicht verschweigen.« Die Wirtin war damit zufrieden und lachte darüber.

Als Eulenspiegel die Nacht dablieb, kam er mit der Wirtin ins Gespräch. Dabei kam die Rede darauf, daß er alte Pelze waschen könne. Das gefiel der Frau wohl, und sie bat ihn, er möge die Pelze waschen. Sie wolle es ihren Nachbarinnen sagen, daß sie alle ihre Pelze brächten, damit er sie wüsche. Eulenspiegel sagte: »Ja.« Die Frau rief ihre Nachbarinnen zusammen, und sie brachten alle ihre Pelze. Eulenspiegel sprach: »Ihr müßt Milch dazu haben.« Die Frauen hatten Verlangen und Lust nach den neuen Pelzen und holten alle die Milch, die sie in den Häusern hatten. Eulenspiegel setzte drei Kessel aufs Feuer und goß die Milch hinein, warf die Pelze dazu und ließ sie sieden und kochen.

Als es ihm gut dünkte, sprach er zu den Frauen: »Ihr müßt jetzt in den Wald gehen und mir weißes, junges Lindenholz holen und die kleinen Äste davon abreißen. Wenn ihr wiederkommt, will ich die Pelze herausnehmen, denn sie sind dann genug eingeweicht. Ich will sie alsdann auswaschen, und dazu muß ich das Holz haben.«

Die Weiber gingen willig in den Wald, und ihre Kinder liefen neben ihnen her. Sie nahmen sie bei den Händen und sprangen und sangen: »Oho, gute neue Pelze! Oho, gute neue Pelze!« Eulenspiegel stand und lachte und sprach: »Ja, wartet, die Pelze sind noch nicht fertig!« Als die Frauen im Wald waren, legte Eulenspiegel noch mehr Feuerholz unter und ließ dann die Kessel mit den Pelzen stehn. Er ging aus dem Dorfe fort und soll noch wiederkommen und die Pelze auswaschen. Und die Frauen kamen wieder mit dem Lindenholz, fanden Eulenspiegel nicht und glaubten, daß er hinweg sei. Da wollte immer eine vor der anderen ihren Pelz aus dem Kessel nehmen: aber die waren ganz verdorben, so daß sie auseinanderfielen. Also ließen sie die Pelze stehen und meinten, er käme noch wieder und würde ihnen die Pelze auswaschen. Eulenspiegel aber dankte Gott, daß er so glimpflich davongekommen war.

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