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Thomas Münzer und seine Genossen. Zweiter Band: Thomas Münzer - Der Bundschuh

Ludwig Köhler: Thomas Münzer und seine Genossen. Zweiter Band: Thomas Münzer - Der Bundschuh - Kapitel 1
Quellenangabe
authorLudwig Köhler
titleThomas Münzer und seine Genossen. Zweiter Band: Thomas Münzer - Der Bundschuh
publisherVerlag von Joh. Ambr. Barth
year1845
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20170825
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Drittes Buch:
Thomas Münzer

 

Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt
Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
Doch Euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,
Auch euren Herzen menschlich näher bringen: –
Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang
Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld
Den unglücksseligen Gestirnen zu.

Schiller.

 

I.

Heinrich's Auge schweifte träumerisch hinaus in die Ferne, in die das gottgesegnete Land, das unter ihm lag, wie ein irdisches Paradies. Dort schlang sich die Jaxt durch grüne Hügelgelände, der Odenwald streckte seine grünen Bergkegel gen Himmel und in weiter Ferne blitzte es durchs Gebüsch, wie leuchtendes Silber, der Neckar vielleicht, dessen Bett mit Reben bekränzt ist. Heinrich stand auf dem Balcon einer Burg, die wie ein Edelstein im Waldesgrün schlummerte; der Wind spielte mit seinen langen goldblonden Locken, die auf seine breiten Schultern niederwallten.

»Himmel, wie bist du so blau, wie grünt ihr lustig, ihr Wälder, wie herrlich blüht ihr Wiesen! Wie muß es so schön sein in meinem Thüringen; Eine Strahlenkrone trägt der ferne Kyffhäuser, wie der alte Kaiser Rothbart selbst, der unter dem Berge sitzt und schläft, bis die Raben nicht mehr um den alten Thurm krächzen! Und ich bin fast nicht mehr als ein Gefangener ein Vogel an der Schnur, den man zum Scherze fliegen läßt, aber nicht weiter, als ihn das Auge sieht. Ich träumte von Kämpfen und ritterlichen Spielen, von leuchtenden Helmen und blanken Schwertern, von brausenden Rossen und schmetternden Trompeten – o Schmach! und nun diene ich einem Weibe und trag' ein weiches Sammetgewand!« So sprach er und stampfte knirschend mit dem Fuße.

»Wo bist du,« fuhr er weicher fort, »Marie, mein trautes Schwesterlein? Bist du größer geworden und holder, und hast den armen Heinz nicht vergessen? Wie würdest du lachen, wenn ich wiederkäme, nicht als tapferer Ritter, sondern als Page, als Page einer schönen Frau! Schau' ich wohl aus wie ein Page, ich, dem die hohe Frau nicht bis an die Schulter reicht? Hahaha! Hat man je solche Tollheit gesehen? Diese Faust, die stark genug ist, ein Roß zu bändigen, muß einen Falken tragen und den Saum ihres Mantels!« Er stampfte wiederum mit dem Fuße, daß das Estrich zitterte.

»Gott und alle Heiligen stehen uns bei!« rief eine Frauenstimme hinter ihm. »Was habt Ihr denn, Junker? Ihr seid ja wild, wie der Ritter mit der eisernen Faust – vor dem uns Gott bewahre!«

»O liebste Jungfrau,« entgegnete der Jüngling, nach der Zofe sich umkehrend, »ich sah Euch nicht – vergebt – ich glaubte mich allein. – «

»Und da verfolgen Euch so schlimme Gedanken?« lächelte die Zofe. »Was quält Euch für Noth? Seid Ihr nicht glücklich? Lebt in Glanz und Ueberfluß, dient der schönsten Herrin im Land –«

»Das ist's; diese Ruhe quält mich!« antwortete jener. »Da liegt die ganze Welt im Sonnenglanz, und ich betrachte sie, wie Kind sind die Sterne!«

»Ist das Euer ganzer Kummer? O so tröstet Euch! denn nach Allem, was ich gesehen und gehört habe, giebt es heut eine Falkenjagd –«

»Jagd! – Jagd! Was kümmert mich die Jagd?« sprach er ungeduldig. »Wohl ist es schön im grünen Wald über Schluchten und Büsche setzen mit dem feurigsten Renner; aber das ist mir nicht genug. Gebt mir ein Schwert in die Hand und stellt mich dem Feinde gegenüber! – «

»O über Euch mordlustigen Menschen!« rief die Zofe entsetzt. »Ein so junges Blut und so wild! Wenn ihr nur auf Mord und Tod sinnt, da solltet Ihr doch lieber dem Götz von Berlichingen dienen – der treibt's schlimm genug, daß Gott erbarm'!«

»Dem Götz?« antwortete Heinz nachdenklich. »Er ist ein Räuber und Dieb, sagt man – er schände den Rittersmann und doch – er ist ein Mann!«

»So werden wie noch die Freude haben, Euch unter seinen Gesellen zu sehen!« sagte die Zofe mit Spott. »Ihr könnt es weit bringen mit ihm; Ihr werdet vielleicht hoch steigen –«

»Ihr legte drauf an, mich zu quälen?« bemerkte Heinrich ärgerlich.

»O nicht doch, Junker; das überlass ich Anderen!« entgegnete sie spitzig »Aber ich schwatze da und vergesse ganz den Auftrag der Gräfin. Sie erwartet Euch, Junker; sie befiehlt Euch, zu ihr zu kommen. Junker, hütet Eure Augen! Sie ist heute schöner, als je!«

»Sprecht mit Achtung von der Herrin!« mahnte der Jüngling. »Meine Augen sehen nichts in ihr, als die gebietende Frau, meine Ohren hören nichts, als ihre Befehle.«

»Schweigen ist eine schöne Tugend!« seufzte die Zofe mit komischem Pathos. »Ich wollt', ich hätt' einen Geliebten, der diese Tugend besäße!«

»Dann würdet ihr Euch gegenseitig ergänzen und –«

»Lästerzunge!« schalt die Zofe. »Ich sollt' Euch billig böse sein; da ich aber eine gehorsame Dienerin meiner Herrin bin, und diese Euch liebt, so würd' ich den Respect verletzen, wenn ich Euch gram wäre. Darf ich melden, daß Ihr alsbald –«

»Dem Befehl gehorchen werde!« unterbrach sie Heinrich und begab sich nach den Gemächern der Gräfin Die Zofe lachte schnippisch hinter ihm drein.

Heinrich fand die Herrin in einem reichverzierten Gemache, welches die schwerseidenen Gardinen in purpurne Dämmerung hüllten. Sie lehnte in nachlässiger Stellung aus einem Ruhebette; das leichte Gewand schmiegte sich an die edelgeformten Glieder und zeigte ihren herrlichen Wuchs in scharfen Umrissen. Um den Nacken war ein feiner Shal lose geschlungen und verrieth die wogende Fülle des Busens mehr, als er sie verbarg. Die goldne Nadel hielt mit Mühe die Fluth dunkler Locken, die um die stolze Stirn sich legten; die schwarzen Augensterne sprühten Lust und Leben, und das Lächeln der schwellenden Lippen konnte wohl Anachoreten zur Sünde verleiten.

Heinrich stand ehrerbietig am Eingange »Ihr habt befohlen, gnädige Gräfin;« sprach er.

»Tritt näher, Heinrich!« sprach sie freundlich. »Ich hoffe, meine Befehle klangen dir immer mehr als Wünsche.«

»Ihr wart mir stets eine gütige Herrin!« antwortete der Jüngling.

»Und werd' es bleiben,« antwortete sie; »denn du wirft mir nie Ursache zum Zorne geben! komm, setze dich zu mir, hier zu meinen Füßen; denke dir einmal, im seist ein Ritter! Verkürze mir die Stunden! Hörst du? Weißt du nichts, das die träge Zeit beflügelt?«

»Soll ich die Laute spielen?« fragte Heinrich, im Herzen grollend.

»Thu' es und sing' ein Lied!«

»Ich bin kein Meister im Gesang.«

»Ich weiß es, du singst wie die Lerche; sie hatte keinen Lehrmeister und erquickt doch das Herz!«

Heinrich ließ sich zu den Füßen der Herrin auf einem Schemel nieder und irrte mir den Fingern gedankenlos durch die Saiten der Laute. Die schöne Frau hörte ihm eine Weile lächelnd zu. »Will dir kein Lied einfallen?« sprach sie dann.

»Doch! doch!« antwortete Heinrich, aus seinem Sinnen erwachend, und mit heiter, kräftiger Stimme begann er ein Kampflied, das er unter Sickingen's Kriegern gelernt.

»Halt, Heinrich!« unterbrach ihn die Gräfin »Das Lied ist schön und mag Männer begeistern, aber es ist für mein Ohr zu wild. Wie es dich aufgeregt hat! Dein Auge flammt, mein junger Held! Aber besinne dich auf ein andres, das süß singt, wie Nachtigallengesang! Sing' ein Liebeslied, ein Lied von einer schönen Königstochter und dem Schäferknaben, der aus Minneleid stirbt, weil die Heimlichgeliebte ihm fern steht, wie ein schöner Stern!«

»Ich weiß kein solches Lied!« entgegnete Heinrich.

»Schade, Schade!« seufzte die Herrin. »Hast du denn nie geliebt?«

»Nie!« gestand Heinrich. »Ich sah die Welt noch kaum.«

»Und fandest du nie ein Weib, bei dem dein Herz erglühte, wenn du in seine Augen schautest? Besinne dich! Du weißt vielleicht selbst nicht, was Liebe ist! Trunken bist du vor namenloser Wonne und Sehnsucht. Die Stunden rinnen träg dahin, wo du fern von ihr bist! Und lächelt sie dich an, so blüht die Welt vor dir in Frühlingslust, die Vogel zwitschern ihren Namen, und du möchtest nach der Sonne greifen, um sie der Herrin deines Herzens zu Füßen zu legen!«

»Nie!« betheuerte Heinrich ernsthaft. Die schöne Frau biß sich auf die Lippen. »Erzähle mir von deiner Jugend!« sprach sie dann.

»Ihr würdet Langeweile haben!« antwortete der Jüngling. »Ich bin der Sohn eines armen Bauern in Thüringen. Ich kannte nur Vater und Mutter, mein Schwesterlein und den jungen Grafen, den Sohne unseres Herrn. Ein guter Mönch lehrte mich lesen und schreiben. Ich las in seinen Büchern von Helden und Rittern und sehnte mich hinaus in die Welt, um selbst ein Ritter zu werden! Lacht immerhin, Herrin! Es waren kindische Traume, das hab' ich wohl erfahren! Die Mutter starb, und der Vater behandeln mich hart. So wandert' ich heimlich aus der Heimath. Ein Ritter nahm mich als Knappen an. Wir kämpften mit dem edlen Franz von Sickingen. Ich zog mit meinem verwundeten Herrn von dem eroberten Landstuhl. Wir kamen in den Hardtwald. Ich ging, um eine Quelle zu suchen und dem schmachtenden Gebieter Labung zu bringen. Ich verirrte mich im Walde; angstvoll lief ich durch Schluchten und Thaler, bis der Abend hereinbrach –«

»Und meine Leute dich halb verschmachtet fanden;« fügte sie hinzu.

»Ihr habt mich damals vom Tode gerettet, und ich folgte Euch als Euer treuster Diener!« fuhr Heinrich fort, dankbar zu der schönen Frau aufblickend.

»Du wardst mein Page, und ich gab dir den Namen Heinrich vom Busch, den du hinfort führen wirst zum Andenken an jene Stunde, wo wir dich an einem wilden Rosenbusche fanden. Und das ist dein ganzer junger Lebenslauf?«

»Mein ganzer! Sagt' ich nicht, ich würd' euch Langweile machen?«

»Das hast du nicht gethan! Ich bin dir gewogen. Du aber, bist du mir auch so recht von Herzensgrund ergeben?

»Herrin, gebietet, und ich gehe für Euch in den Tod!«

»Was würdest du thun, um mir deine Treue zu beweisen?«

»Habt ihr einen Feind und er greift Euch an mit Heeresmacht, so gebt mir ein Schwert und Harnisch, und ich zieh' aus und bring Euch seinen Kopf oder kehre niemals wieder!«

»Du wildes Blut!« scherzte die Gräfin. »Auf eine so hatte Probe will ich dich nicht stellen! Ich habe keinen so grausamen Feind, der mich mit Fehde bedrohte. Du mußt dir einen andern Ritterdienst ersinnen! – Knüpfe doch das Band fester an meinem Schuh; es ist lose.«

Sie streckte ihm den kleinen Fuß hin; grollend vollzog er den Befehl; seine Hand zitterte, sie bemerkte es und lächelte. »Ich habe dich heut einmal zu meiner Zofe erkoren;« sprach sie. »So ordne mir auch das Haar; ich will sehen, ob du Geschick hast.«

Heinrich erhob sich und begann seinen Dienst; er berührte mit den Fingern ihren marmornen Nacken, ihre Schultern; das Tuch fiel vom Busen wie durch Zufall; wunderbar heiß strömte das Blut durch seine Adern; er wollte die Augen schließen im natürlichen Gefühl der Scham, aber er konnte ja nicht blindlings die wallende Lockenfluth ordnen. Die schöne Frau hatte leise den Arm um ihn geschlungen und sog nun den Jüngling mit heißer Liebesgluth an sich; verlangend preßte sie ihren Mund auf seine Lippen. Die schöne Zauberin hielt ihn in süßen Banden. »Holder Knabe!« flüsterte sie, und ihr Herz klopfte hörbar an seiner Brust. Er konnte nichts mehr denken, nichts mehr reden, die Welt kreiste um ihn, der Strom der Liebesrausches hatte ihn erfaßt und er fühlte sich von ihm fortgerissen.

»Vergebung!« rief er endlich, indem er zu ihren Füßen sank und das Antlitz auf ihren Schooß neigte. Er hätte es nicht zu ihr erheben können, denn er fühlte, wie seine Wangen brannten, seine Lippen bebten. Die Herrin spielte mit seinen blonden Locken; dann erhob sie sein Haupt und küßte ihn zärtlich auf die Stirne. »Nun geh',« sprach sie. »Sag' meinen Jägern, daß sie sich fertig machen. Wir wollen auf die Falkenjagd, und du wirst mich begleiten – als mein treuer Ritter.«

Taumelnd verließ der Jüngling das Gemach. Es war ihm, als könne er das Auge nicht mehr frei erheben, als müsse alle Welt die Schuld auf seiner Stirne lesen. Wie ein tiefes Wehe schnitt es ihm durchs' Herz. »Fliehe!« rief es ihm zu, und dies Wort klang ihm wie die Stimme eines rettenden Engels. Er richtete den Befehl aus. Die Zofe sah ihn an sich vorübereilen mit brennenden Wangen und lächelte verschmitzt. Geflügelten Schritts eilte er in's Freie, in den Schloßhof. Plötzlich sah er sich dem Castellan gegenüber, einem alten Mann mit ehrwürdigen weisem Haar. Die klaren Augen des Greises schienen sich in seine Seele zu bohren. Unwillkürlich blieb er stehen und grüßte.

Der Castellan schüttelte den Kopf. »Junker,« sprach er, »Euch liegt etwas auf dem Gewissen.«

Heinrich erschrak. »Was meint Ihr?« fragte er verlegen.

»Ich les es auf Eurer Stirn!« entgegnete der Greis. »Diese Augen sind alt und fangen an, schwach zu werden, aber sie betrügen mich nicht. – Junker,« fuhr er treuherzig fort, »dies ist kein Ort für Euch! Ihr seid jung und stark; wie mag Euch da der Frauendienst gefallen? Als ich in Eurem Alter war, da trug ich Schwert und Hellebarte und gehorchte keinem Weibe!«

»O wüßtet Ihr!« rief der Jüngling. »Ich sehne mich, das Schwert zu führen!«

»So verlaßt dieses Schloß! Die Welt steht Euch offen. Draußen werdet Ihr Ruhm und Ehre finden, wenn Ihr sie sucht; hier werdet Ihr ein Weichling werden, der sich auf seidnen Kissen streckt und jedem braven Manne zum Spott wird!«

»Ich vermag es nicht, der Wohlthäterin unter die Augen zu treten und zu sprechen: Ich dank Euch, daß Ihr mich einst vom Tode gerettet, und will Euch nun verlassen!«

»Vermögt Ihr's nicht öffentlich, so thut es im Geheimen,« ermahnte der Castellan. »Flieht! Sie wird Euch vergessen, und schilt sie Euch undankbar, nun so denkt: es mußte sein! Ich habe meine Ehre gerettet!«

In ernstem Nachdenken verließ Heinrich den Greis, dessen Worte den Gedanken ihm in's Bewußtsein gerufen, der schon seit lange unausgesprochen in ihm geschlummert.

Der Jagdzug setzte sich in Bewegung. Die Gräfin in enganliegendem Amazonenkleide, das sich erst von dem Gürtel herab in weiten Falten ergoß, saß auf einem schlanken weißen Zelter; neben ihr ritt Heinrich auf muthig schäumendem Rosse, das er von der Herrin als Geschenk empfangen. Der kurze Waffenrock zeigte die edelkräftige Gestalt des Jünglings; an der Seite trug er ein kurzes Schwert; ein grünes Barett deckte den Scheitel, und eine schwankende Feder nickte lustig herab. Sein Gesicht blieb ernst, so freundlich auch die schöne Frau zu ihm sprach. Die Jäger folgten in ehrerbietiger Entfernung.

Die stolzen Buchen des Waldes wölbten sich über den Reitern, wie ein sonnig grüner Baldachin. Auf einer Lichtung begann die Jagd. Die Falken stiegen und verschwanden im blauen Aether. Die Gräfin verfolgte ihren Flug mit Entzücken. Heinrich hatte kein Auge für den Gegenstand ihrer Theilnahme. Ihn beseelte jetzt nur ein Gedanke, und er versuchte nicht, einem andern in sich Raum zu geben.

»Herrin,« sprach er zögernd, »werdet Ihr auch meiner in Freundlichkeit gedenken, wenn ich fern von Euch bin?«

»Was fällt dir ein, Heinrich?« entgegnete sie. »Wie kommst du auf solche Gedanken? Und eben jetzt? Sieh' doch, wie prächtig der Falte dort kreist! Er umspinnt seine Beute, wie mit einem magischen Netz. Sie wird ihm nicht entgehen. Sieh', im stürzt er sich auf den Vogel, er hat ihn erfaßt.

Heinrich erhob seinen Blick und beobachtete den Todeskampf. Er sah ein Bild seines eigenen Schicksals. Auch er war mit einem magischen Netz umzogen, und jetzt fühlte er erst, wie schwer es war, sich ihm zu entreißen.

Der Falke schwang sich in einiger Entfernung nieder und verschwand. »Was ist das?!« rief die Edelfrau betroffen. »Sieh doch zu, Heinrich, was dem Vogel widerfahren ist!«

»Jetzt oder nie!« dachte der Jüngling. »Werdet Ihr mich auch nie undankbar schelten?« fragte er weich.

»Nein, nein! Warum sollt' ich?« versetzte die Gräfin ungeduldig. »Schnell, Heinrich, schnell!«

Heinrich nahm im Herzen Lebewohl und spornte sein Roß in's Gebüsch, der Richtung zu, wo der Falke sich niedergelassen. Kaum war er im Wald verschwunden, als der Vogel wieder dem Auge sichtbar ward und auf den Ton der Lockpfeife mit seiner Beute sich auf den Arm der Jägerin niederließ.

Die Gräfin harrte der Zurückkunft ihres Pagen und stieß in das silberne Hifthorn, das sie an der Seite trug, um ihn zurückzurufen. Es war umsonst. Sie sandte endlich ihre Jäger aus, aber unverrichteter Sache kehrten sie zurück. Nun erst gedachte sie der wunderlichen Reden des Jünglings, und ihre Ahnung traf die Wahrheit. »Der Thor!« sagte sie bitter lächelnd vor sich hin. »Wofür tausend Männer ihre Seligkeit geben würden, das warf der Knabe von sich im kindischen Trotz! Das ist die Dankbarkeit der Menschen! – Laßt ihn,« sprach sie zu den zurückkehrenden Jägern; es scheint des Junkers Geschick, sich im Walde zu verirren. Vielleicht findet ihn irgend eine gütige Fee oder ein Kobold und nimmt ihn auf in sein Zauberschloß!«

Während die schöne Frau seiner Rückkehr harrte, trieb Heinrich sein Roß durch den dichten Forst; durch ihn wurde der Falke aufgescheucht, der zum Trotze der Jäger mit seiner Beute sich auf eine alte Buche niedergelassen. Heinrich achtete dessen nicht; er war nur bemüht, aus dem Bereiche der Frau zu kommen, der er mit Widerstreben gedient, und die er doch mit Widerstreben verließ. Mußte sie ihm nicht zürnen, der ihre Güte so verrätherisch vergalt? Dieser Gedanke hätte ihn fast zurückgetrieben, der Ruf ihres Hifthorns klang so verlockend, wie der Gesang der Meerfei; aber er ermannte sich, all' seine edlen Entschlüsse rief er in sich wach, und er trug den Sieg davon. Die Töne verklangen, der Wald lag endlich hinter ihm und ein weites sonniges Hügelland breitete sich vor ihm aus. Planlos trieb er sein Roß vorwärts, bis er auf gebahnte Straße kam. »Wohin nun mich wenden?« sprach er zu sich selbst. »Zum Götz von Berlichingen? Ein Dieb und Räuber werden? Nimmermehr!« Er wandte sich nach Norden, wo seine Heimath lag. Es war ein innerer Drang, der ihn diese Bahn gehen hieß; denn er dachte nicht daran, in die Heimath schon zurückzukehren.

Die Sonne war schon im Niedergehen, Heinrich trieb munter sein Roß vorwärts, um vor Nacht noch eine Herberge zu erreichen. Er hatte seine ganze Lebenslust wiedergewonnen; je weiter er kam, um so mehr schwand der Zauber, der ihn gefangen hielt, um so mehr freute er sich seiner wiedererlangten Freiheit. Er war nicht mehr an weichlichen Frauendienst gebunden, und die ganze Welt stand ihm offen zu rühmlichen Thaten. Er pfiff ein lustiges Reiterlied, und sein Herz klopfte noch einmal so freudig in seiner Brust. Da sah er etwas Glänzendes auf seinem Wege schimmern. Er stieg ab und fand eine reichverzierte Gürteltasche, die irgend einer edlen Frau gehören mußte. Er folgerte richtig, daß die Eigenthümerin noch nicht gar weit entfernt sein könne, und da ihm Niemand begegnet war, als ein Paar von der Arbeit heimkehrende Bauern, so mußte sie vor ihm sein, und er spornte sein Roß zu gestrecktem Laufe, um sie einzuholen.

Die Gegend war einsam; die Straße schlang sich durch einen Föhrenwald, und der Himmel dunkelte mehr und mehr. Bald unterschied er trotz der Dämmerung in der Ferne dunkle Gestalten, die sich durch einander bewegten, und wie ein schwacher Hülferuf drang es an sein Ohr. In wenig Augenblicken war er so nahe, daß er Alles übersehen konnte, was vorging. Es waren drei Reiter, von denen der Eine mit einem abenteuerlich gekleideten Manne im Handgemenge sich befand; der Zweite schien schon kampfuntüchtig zu sein, und das Pferd des Dritten hielt ein eben solcher Mann am Zügel. Heinrich sah alsbald, daß einer der Raubanfälle, die zu jener Zeit, bei den herrenlos umherstreifenden »gartenden« Landesknechten, nicht selten waren, sich seinem Blicke darbot; und ohne sich eine Minute zu bedenken, sprengte er mit geschwungenem Schwert hinzu und hieb mit lautem Halloh auf die Räuber ein. Betroffen wandten sich diese auf den neuen Gegner, der in einem Nu auch schon den Einen zu Boden geschlagen. Den vereinten Anstrengungen mußten nun die anderen weichen und ergriffen die Flucht Der Gefallene lag ohne eine Spur des Lebens.

»Wie soll ich Euch danken?« flötete eine Silberstimme. »Ohne Eure Hülfe wären wir verloren gewesen. Die Schelme kamen so plötzlich, daß wir kaum an Gegenwehr denken konnten. Mein tapferer Cavalier, Herr von Hohenthal wär' am Ende erlegen, nachdem Kunz kampfuntüchtig gemacht war, und ein schwaches Mädchen versteht nicht, Waffen zu führen.«

Eine edle Frauengestalt war es, die zu ihm sprach. Die Dämmerung ließ kaum ihre Züge erkennen; aber zwei Augen leuchteten so hell in seine Seele, daß er sich wunderbar bewegt fühlte, und die Worte kaum finden konnte zu einer Antwort, wie sie ihm passend schien. Die Begleiter der Dame drängten sich nun auch hinzu und drückten ihren Dank aus. Der Eine war ein Mann in schon vorgerücktem Alter. Der Andere trug dessen Farben und schien von seiner Dienerschaft zu sein. Sein Arm war von einem Dolchstoß verwundet und blutete.

»Mein Dienst ist so gering!« erwiederte Heinrich endlich. »Ihr blutet,« fuhr er fort, die Wunde des einen Mannes bemerkend. »Wartet, ich schling' Euch meine Schärpe um den Arm, bis Ihr Zeit findet zu sorgfältigerer Behandlung.« Rasch war der Arm ausgestreckt und die Wunde flüchtig verbunden.

»Ihr beraubt Euch Eurer Zier!« sprach die Dame. »Nun ich werde wohl Gelegenheit heben, mich thätig dankbar zu beweisen, wenn Ihr nicht verschmäht, uns zu begleiten. Mein Gemüth ist ein wenig furchtsamer Natur, und das Abenteuer hat es eben nicht muthiger gemacht. Ich werde einen tapfern Begleiter mehr haben.«

»Mit Freuden weih' ich mich Eurem Dienst, so Ihr gestattet!« entgegnete der Jüngling. »Ich hab' auch einen Fund gethan. Gehört diese Gürteltasche vielleicht Euch, edle Dame?«

»Wahrhaftig, Ihr scheint vom Schicksal auserkoren, mich Euch zu verbinden!« rief die Dame freudig. »Das Geschenk meiner Tante zu meinem fünfzehnten Geburtstage – er war vor drei Jahren. Seht Ihr? B.v.I., Bertha von Isenburg! Ihr wißt nun, wie ich heiße. Darf ich nun auch den Namen unsres edeln Retters erfahren?«

»Heinrich,« erwiederte der Jüngling erröthend, »Heinrich vom Busch.« Er schämte sich, indem er diesen erborgten Namen nannte, und doch trieb ihn ein geheimes Gefühl, in ebenbürtiger Gestalt vor derjenigen aufzutreten, die in so wenig Minuten einen Eindruck auf sein Herz gemacht, den er nie zuvor gekannt hatte.

»Wir reiten gen Weimar,« fuhr Bertha fort, »an den Hof des Herzogs Johann. Dort werd' ich einige Zeit verweilen. Es würde mich freuen, Euch in meiner Nähe zu wissen, um Euch die Schuld meiner Dankbarkeit abzutragen.«

»Sprecht nicht von Schuld und Dankbarkeit« rief der Jüngling feurig. »Ich zürne dem Schicksal, das mir so leichten Sieg gab, und segn' es, indem es mir erlaubte, Euch nützlich in sein!«

»Ein galanter Ritter!« scherzte Bertha. »Nehmt euch ein Beispiel an ihm, Herr von Hohenthal, der Ihr so schweigsam und ernst seid! Doch ich vergesse, daß Ihr an Andres zu denken habt, als ein Mädchen zu unterhalten. Ich entführte Euch Eurer lieben Hausfrau und wäre bald die unglückselige Ursache geworden zu noch Aergerem.«

»Ich bescheide mich und erkenne meine Schwäche,« entgegnete jener. »Um so mehr erfreut mich, daß uns der Zufall günstig gewesen, mich in dieser Hinsicht zu ersetzen. Indeß dürft' es wohlgetan sein, wir ließen unsere Rosse die Sporen fühlen; die Nacht überrascht uns, und wer verbürgt uns, daß die Strauchdiebe nicht in größerer Anzahl wiederkehren?« Ballenberg kann nicht mehr weit entfernt sein; dort finden wir Herberge bis zum nächsten Morgen.«

Die Rosse trabten rascher vorwärts; der Wald nahm ein Ende im zeitverkürzenden Gespräch Bertha's und Heinrich's, der auf einmal so beredtsam wurde, daß er selbst nicht wußte, wie es zuging, und das Städtchen Ballenberg winkte mit seinen rauchenden Essen gastlich aus der Abenddämmerung.

Die Herberge war bald erreicht. Dienstfertig führten die Aufwärter die Rosse nach dem Stall und wiesen den Herrschaften ihre Zimmer an; Kunz wurde von einem herbeigerufenen Arzt verbunden, und Bertha, die ermüdet zu sein schien, zog sich zur Ruhe zurück. Heinrich fühlte seinen Schlaf in seine Augen kommen; er war so sehr beschäftigt mit seinen bunt wechselnden Schicksalen, daß ihm der fortwährende Gedanke daran endlich fast peinlich wurde. Um sich zu zerstreuen, stieg er in's Erdgeschoß des Hauses nieder und trat in die große Schenkstube, die von zahlreichen Gästen angefüllt war. Heinrich ließ sich Wein geben und setzte sich an einen leeren Platz nieder, neben einem der die Decke tragenden hölzernen Pfeiler.

Das Gespräch um ihn her war sehr belebt. Es drehte sich um die schlechten Zeiten, um die Lasten und Abgaben, die der gemeine Mann zu tragen habe, und endlich um den Helden des Jahrhunderts, um Martin Luther.

»So wißt Ihr also aus sicherer Quelle, daß der Doctor Martinus wieder erschienen ist?« fragte eben ein Bürger den andern.

»Unzweifelhaft!« erwiederte der Andere. »Ja, ja, das Mönchlein steckt der römischen Clerisei ein Licht an, das den ganzen päpstlichen Plunder allmälig verbrennen wird. Den Gottlosen schlägt der Herr mit Blindheit, daß er selber in 's Verderben rennt. So ist's dem Papst mit Luther ergangen. Hätten sie ihn predigen lassen wider den Ablaß und hätten nicht so viel Wesens davon gemacht, so hätt' er geschwiegen, und Rom wäre noch in voller Kraft!«

»Ach, glaubt doch das nicht!« fiel der Andere ein. »Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, und der Apfel hängt am Baume, bis er reif ist, wenn ihm sonst sein Unglück passirt. Das Maß der römischen Plackerei war zum Ueberlaufen voll; hätt' es der Luther nicht gethan, so wär' es ein Anderer gewesen. Es stehen jetzt Propheten genug auf; auf Wegen und Stegen predigen sie aus göttliche Eingebung von der nahen bessern Zeit!«

»Die thut uns fürwahr noth!« sagte jener wieder. »Wir können's nicht mehr erschwingen, was Alles von uns verlangt wird! Wovon sollen Frau und Kinder leben, wenn die Herrschaft Alles an sich zieht? Wenn wir auch durch Luther's Lehre von den Zehnten an die Pfaffen befreit werden, ach! das ist noch lange nicht genug!«

»Ihr könnt noch von gar nichts reden!« mischte sich ein Dritter in's Gespräch. »Ihr Städter habt's noch immer gut, Ihr habt Gewerbe, die Euch ernähren. Aber schaut zu, wie's dem armen Bauer geht. Kommt ein Mißjahr oder Hagelschlag, so ist seine saure Müh' dahin; er hat nichts und muß doch geben. Da kommen erstens die Pfaffen, dann der Edelmann, dann der Landesherr und endlich auch noch die Gemeinde. Ist's dem Edelmann gefällig, so reitet er dem Bauer durch's Korn, und der darf sich nicht mucksen. Das Wild frißt ihm die Frucht, und der Bauer muß sich's gefallen lassen und darf die Bestien nicht todtschlagen, wenn er nicht als Wildschädiger in den Thurm gesperrt sein will. Ich möcht' mal wissen, ob der Herrgott da kein Einsehen hat! Wir unter den Deutschherren haben's schlimm, aber die Hohenloher noch schlimmer, als ich mir habe sagen lassen. Es kann nicht mehr fortgehen so! Der Prädikant sagt's auch, den ich nächten gehört hab' unter der Lind' in meinem Dorfe.«

»Luther sagt ja ausdrücklich, daß der Mensch frei sein soll;« versetzte ein Andrer. »Folglich steht's in der Bibel.«

»Unsre Vorfahren haben nichts von der Bibel gewußt,« sagte der Bauer wieder, »und haben's doch begriffen, daß es nicht recht ist, wie's die Herren treiben. Sie haben zugeschlagen. Freilich hat's nicht geglückt, aber jetzt wird's wohl anders gehen. Was nicht biegen will, muß brechen!«

Heinrich hörte schweigend zu. Aehnliche Reden hatte er bisher überall vernommen, wo er mit Bauern zusammengetroffen war; es war ja fast dasselbe, was er so oft aus dem Munde des Vaters gehört. Heinrich erkannte immer mehr, wie groß die Noth des Volkes sein müsse, größer als er in seiner kindlichen Unerfahrenheit je geahnet. Das Gespräch spann sich in dieser Art weiter, Heinrich's Aufmerksamkeit wurde aber von einer andern Unterhaltung angezogen, die jenseit des Pfeilers, an dem er saß, geführt wurde, und zwar weniger laut, als jene.

»Verdient es Einer, so ist's der von Hohenlohe! « sagte eine der Stimmen. »Ich will nicht von mir reden, den der edle Graf auf alle Weise geschädigt und herabgedrückt hat! Der Name Wendel Hipler war ehemals ein angesehener in der Grafschaft, und nun steht er nur noch in den Herzen der wenigen Volksfreunde geschrieben!«

»Ach, sie verdienen's Alle!« antwortete ein Andrer. »Keiner ist ein Haar besser, als der Andre, Alle sind über einen Leisten geschlagen! Unsereiner hat so recht Gelegenheit, das Volk auszuhorchen!«

»Und Ihr werdet sie redlich benutzen, Jörg Metzler!« fiel der Erste ein. »Euch schenken die Leute Glauben, mir mißtrauen sie, und doch ist kein Mensch, der's redlicher mit ihnen meint, als Wendel Hipler.«

»Es ist nur Eine Stimme,« sagte Metzler, »die heißt: todtschlagen, eh' wir verhungern!«

»Und so ist's in ganz Deutschland!« fuhr Hipler fort. »Und wo die Frucht noch nicht reif ist, da sind Männer, die sie reif machen durch glühende Rede. Der Prediger zu Allstett hat sich rührige Boten ausgesucht; die Apostel können nicht thätiger gewesen sein, die Lehre ihres Herrn und Meisters zu verbreiten. Münzer schreibt mir selbst – «

Hier wurde Hipler's Stimme so gedämpft, daß Heinrich nichts verstehen konnte. Endlich begann Metzler wieder: »Der Schüpfergrund wäre der einzig passende Ort!«

»Freilich wohl!« entgegnete Hipler. »Vieler Herren Länder stoßen da zusammen, das Pfalzgräfische, Mainzische, Würzburgische, Deutschherrische und wie die andern kleinen Tyrannen alle heißen mögen!«

Heinrich war unterdessen von den Männern, die an seinem Tische saßen, scharf in's Auge genommen worden. Man schien ihn zu beargwohnen und flüsterte sich Bemerkungen zu, die laut genug waren, um endlich von ihm verstanden zu werden. »Mag er's hören!«, sagte Einer laut. »Da hört er auch so seine eigene Schande, denn gewiß ist er auch so ein Blutsauger, obgleich ich nicht begreife, wie er sich da herabläßt, unter uns seinen Schoppen zu trinken!« – »He, edler Herr,« fragte er keck, zu Heinrich gewendet, »über wie viel arme Seelen commandirt Ihr wohl?«

»Ich bin kein Herr von Land und Leuten!« antwortete Heinrich lächelnd.

»Aber doch einer ihrer Helfershelfer?«. fuhr jener fort. »Ich sag ' es Euch grad' heraus, wir können das Spioniren und Horchen nicht leiden, daher –«

»Daher wollt ihr einen Mann hinausweisen, der auch nicht den mindesten Grund dazu gegeben hat!« antwortete Heinrich ruhig. »Ich bin keines Herren Diener, und wär' ich's auch, so wär' ich doch kein Spion und Verräther!«

Der Streit war ziemlich laut geworden; da trat Jörg Metzler herzu und sprach mit Entschiedenheit: »Ruhig, Freunde! Keiner meiner Gäste darf hier beleidigt werden! Ihr seht, junger Herr,« wandte er sich lächelnd zu Heinrich, »Ihr seht, wie weit es die großen Herren gebracht haben. Der gemeine Mann traut ihnen nicht mehr über den Weg!«

»Gott sei's geklagt, daß das arme Volk dahin getrieben worden ist!« sagte der Jüngling mit einem aufrichtigen Seufzer. Das Gespräch wurde wieder allgemein, nachdem Heinrich Proben seiner guten Gesinnung gegeben. Es dauerte bis tief in die Nacht, Heinrich aber zog sich, sobald es thunlich schien, auf sein Gemach zurück.

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