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Teutsche Winter-Nächte

Johann Beer: Teutsche Winter-Nächte - Kapitel 76
Quellenangabe
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typefiction
authorJohann Beer
booktitleDie teutschen Winter-Nächte & Die kurzweiligen Sommer-Tage
titleTeutsche Winter-Nächte
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
editorRichard Alewyn
year1985
firstpub1682
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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XIII. Capitul. Die Köchin setzt dem Bauerknecht Hörner auf.

Bucephalus ist teu'r im Kauf,
Er ließ nur einen sitzen auf.

Dazumal hatte ich wohl die größte Freude unter der Sonnen, und weil sich die Gelegenheit gar wohl darzu fügte, verehlichte ich meine Jungfer Köchin an den Bauernkerl, welcher ihr je länger je besser anstund. Aber der Gesell ist ein Vierteljahr darnach jämmerlich ans Horn gelaufen, weil bald dieser, bald ein anderer Junger von Adel in seinem Absein ins Haus gekommen. Der Buhler, der fast täglich zusprach, hieß Finis, der Bauer Opus, dahero hätte einer wohl sagen können: Finis coronat Opus. Aber ich nahm letztlich die Köchin unter die Sporn, und nachdem sie mir ein langes Register derjenigen herausgebeichtet, welche ihr die horas zu singen pflegten, legte ich ihre schändliche Handlungen augenscheinlich an Tag samt beigehängtem Unheil, welches auf ein so arges Leben zu folgen pfleget. »Meinest du,« sagte ich zu ihr, »daß dieser Tanz ewig werden wird? Ach, meine liebe Köchin, wer nach dieser Fiedel tanzet, der wird die große Saiten bald abspringen sehen. Meinst du denn, daß man um deine Lumpenstücklein nicht weiß? Dein Mann hat mirs mit weinenden Augen geklaget, wie sauber du ihm die Farbe haltest. Pfui, schäme dich ins Herze hinein, hast du solches von mir oder meiner Frau gelernet? Haben dich zu solchem Handwerk deine Eltern unterwiesen, oder wo hast du die Fretterei aufgegabelt? Nun stehest du Hure da ganz erblasset und erschrocken, aber wie wird dirs gehn, wenn du gestorben bist und einen schärfern Richter als mich zu förchten hast? Gelt, es klopft dir dein Herz und pufft dir im Leibe wie ein Weber in seinem Weberstuhl. Warum hängst du dich an solche Narrn, die dich nur zum Verderben führen? Meinst du nicht, ich hätte Macht und Gewalt, dich entweder öffentlich in der Fiedel herumführen zu lassen oder dir gar den Tact mit der Rute auf den Buckel zu geben? Ich will dirs hiermit vors letzte Mal gesagt und dich getreulich vermahnet haben. Laß ab von solchen Händeln, oder es wird spanisch mit dir ablaufen.« Indem kommt ihr Mann zu mir ins kleine Stüblein und sprach: »Ich habs schon vor der Tür gehört, gestrenger Herr Edelmann, daß Ihr meinem Weibe einen guten Filz gebt, und Ihr tut, auf mein Eid, auch recht daran. Herr, ich kann Euch nimmermehr genug klagen, wie sie es verhunzelt und verheinzelt. Bald treff ich sie auf dem Feld, bald in dem Garten mit einem Gassenstutzer an, aber ich will mir bei Euer Gestreng Erlaubnis nehmen, kommt mir noch einer ins Haus, so will ich ihn so abschmieren, daß er sein Lebtag ans Fenstern gedenken soll. Ich kann vor dem Gelaufe kaum ein Fuder Heu absicheln. Neulich jagte ich einen mit der Sensen übers Feld, daß mich meine Nachbarn genug auszulachen gehabt haben. Darum bitt ich Euer Gestreng, gebt Ihr mir eine gute Inforation (er wollte Information sagen), daß sie eine Weil daran zu gedenken hat.«

»Siehst du,« sagte ich weiter zu ihr, »was vor ein ehrbar Zoberl du bist?« Damit rufte ich meine Frau, welche ihre drei Heller auch darzu gab und der Köchin dergestalten zuredete, daß sie endlich zu weinen und ihr Mann vor sie zu bitten anfing. »Nun,« sagte ich, »wenn du selbst vor dein Weib eine Intercession einlegest, so mag die Sache immer gut sein.« Damit gingen sie hinweg, und die Köchin gelobte mir und meinem Weibe an, ihr Hurenleben zu bessern und besser Haus zu halten. Als sie aber vor das Tor hinuntergekommen, kriegte sie ihren Mann bei den Haaren und zerkratzte ihm das Gesicht viel ärger, als die zwei Mägde dem Schreiber getan hatten. Aber ich nahm meinen Pallester und schoß die Hure so lang auf das Mieder, bis sie davongelaufen und ihren Mann in dem Kot bis über die Ohren zurückgelassen.

»Ja,« sagte ich zu meiner Frau, »wo ein solches Gift unter Eheleute kommt, da ist keine Medicin kräftig genug, die Krankheit aufzuheben. Ich weiß es wohl, daß unser Schreiber der einzige Anfang aller dieser Unreinigkeit ist. Aber ich will ihm mit Allernächstem die Feder hinter dem Ohr hervorziehen, daß es gezogen heißen solle. Und daß er keine Gelegenheit habe, auszugehen, will ich ihm seinen Rock und Hosen samt dem Mantel einsperren. Solchergestalten muß er mir in dem Bette sitzend schreiben und seine Plackscheißerei verrichten. Ich hab es schon lang gemerkt, auf was vor ein Dintenfaß er seine Feder gespitzet, aber ich will ihm das Loch verrennen, wie uns die Kerl das Loch verrennet haben, als ich und Isidoro zu Peltzingen auf dem Landgut geprügelt worden.« – »Freilich,« sprach mein Weib, »Ehebruch ist eine große und häßliche Sünde. Lieber den Kerl aus dem Haus gejagt, als einen solchen Mutwillen wissentlich gestattet. Der Schulmeister ist auch nicht weit über Feld her. Es wäre mein Rat, Ihr ließet sie beide in den Polnischen Bock spannen und so lang prügeln, bis sie eine andere Haut kriegten, denn in der alten tun sie kein gut. Darum, weil Ihr Euch ehedessen vor einen Weißgerber ausgegeben, stünde es Euch nicht übel an, so Ihr ihnen das Fell wacker ausgerbet und die Bachanten zum Dorf hinausjagte.«

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