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Teutsche Winter-Nächte

Johann Beer: Teutsche Winter-Nächte - Kapitel 19
Quellenangabe
pfad/beer/teutwint/teutwint.xml
typefiction
authorJohann Beer
booktitleDie teutschen Winter-Nächte & Die kurzweiligen Sommer-Tage
titleTeutsche Winter-Nächte
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
editorRichard Alewyn
year1985
firstpub1682
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100210
projectid96c6f564
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IV. Capitul. Zendorio findet einen am Baum hängen, siehet den Betrug durch einen Zaun, geht auf der Caspia Schloß.

Wo man mit Worten nichts tun kann,
Das greift die Welt mit Listen an.

Meine Herumschweifung in dem Lande währete wohl acht Tage, als ich bei angehender Nacht zu einem großen Eichbaum geriet, an welchem sich einer erhenkt hatte. All mein Lebtag ist mir kein so wunderlicher Anblick unter Augen gekommen. Derohalben blieb ich von fern stehen und betrachtete den Menschen von unten zu oben oder, wie man im gemeinen Sprichwort zu sagen pfleget, von der Fußsohle bis auf die Scheitel. Ich sah ganz eigentlich, daß er noch ein Bein zückte, und weil sich meine Straße ohnedem vor den Baum erstreckte, eilete ich hinzu, dem armseligen Menschen zu Hülfe zu kommen, indem ich aus seinem Beinzucken nichts anders schließen können, als müßte er noch nicht gestorben, sondern noch ein wenig bei Leben sein.

Demnach machte ich mich etwas näher, und als ich an den Baum geriet, solchen zu ersteigen, guckte ein Kerl in einer roten Liverey hervor und sagte: »Du Kerl, bleibe hinweg, oder ich brenne dich mit der Büchse auf die Haut!« Mit diesen Worten verduckte er sich wiederum in den ausgehöhlten Baum, und ich sprang mit nicht geringer Bestürzung wieder zurücke, indem ich festiglich geglaubet, es wäre der Teufel gar dahinter verborgen, welcher diesen erhenkten Menschen verwachte. Aber ich schoß gar weit außer der Scheiben, denn als ich mich von ferne hinter eine Hecke gesetzet und durch dieselbe an den Baum gegucket, hilft der Diener dem Erhenkten wieder von dem Ast, und ging einer so gut als der andere quer Feldes gegen einem Dorf, allwo sie vielleicht ihre Pferde stehen hatten, sich auf denselben nach Haus zu verfügen.

Wahrhaftig, ich wußte durchaus nicht, was ich aus dieser wunderlichen Masquarada urteilen oder schließen sollte. Daß er gehangen, hatte ich gesehen, und daß er wieder lebendig über das Feld gegangen, hatte ich ingleichen gesehen. Ich wußte nicht, sei es ein Gespenst oder anders Ding. Weil aber die Nacht hereinbrach und ich meine matte Glieder genugsam zufriedengestellet, ging ich auf einen nächstgelegenen Pfarrhof, weil ich von dar über eine Stunde nicht mehr in das Dorf hatte, darinnen ich geboren worden. Der langwierige Regen und die mit eingefallene Schneekälte hatten mein Kleid nicht ein weniges verdorben, und weil ich allgemach in den neunten Tag von einem Ort zum andern herumvagierte, ist leichtlich zu schließen, wie ich werde ausgesehen haben, zumalen ich weder Kleid noch Haare, weder Schuh noch Strümpfe, noch auch was anders gesäubert und mich gewaschen, indem ich in einem ziemlich desperaten Zustand gelebet und hoch bekräftigen kann, daß es mir die Zeit meines Lebens nicht so wohl gegangen als eben auf dem vorigen Schlosse, wovon ich angefangen, diese meine Geschieht zu entwerfen und vorzustellen. Der Pfarrer dieses Orts herbergte mich gar gerne, und weil er ehedessen mit unterschiedlichen Herren Professoribus auf der Universität, davon ich herkam, bekannt gewesen, bekam er gute Gelegenheit, sich mit mir in einem und andern zu bereden, weil die Begebenheit der vorigen Zustände durch das nachkommende Angedenken gleichsam wieder an den Spieß gestecket und aufs neue gebraten wird. Er legte mich in ein sauber Bette und versah mich sonst in allem sehr freundlich, aber ich kann nicht sagen, wie sehr er erschrocken, da ich ihm wegen des gehangenen Menschen Relation erteilte. Er wußte sich so wenig zu helfen als ich, und also ließen wir die Sache gut sein, es möchte dahinterstecken, was da wollte. Aber das sagte er mir, welchergestalten heute abend eine Gutsche durch das Dorf gefahren, in welcher ein Frauenzimmer gesessen, welche dergestalt geweinet und geheulet, daß nichts darüber.

Ich hatte über dieser Erzählung nicht viel noch großes Nachsinnen, weil ich glaubte, es würde vielleicht des Gehangenen Befreundte gewesen sein. Denn er war trefflich sauber bekleidet, und es lag neben ihm auf der Erde ein überdiemaßen kostbarer Hut mit Straußfedern, daraus ich erkennen können, daß es nichts Geringes sein mußte. In diesen Gedanken schlief ich ein, und des andern Morgens nahm ich meinen Weg weiter, nachdem mir der Pfarrer einen alten Rock verehret, weil er geschwinde zu der Predigt eilen mußte und also vor dieses Mal nicht länger Zeit hatte, ferner mit mir zu reden.

Es verging keine Viertelstunde, als es aufs neue recht grausam zu wittern anfing. Derohalben versteckte ich mich bald da, bald dort in einen Strohstadel und wärmete mich bei mir selbsten, soviel ich nur konnte und vermochte. Der Pfarrer hatte mir auch eine gebratene Taube mit auf den Weg spendieret, daran zehrte und aß ich so lange, bis ich vor ein großes Haus kam, an dessen Tore allerlei Bären-, Wolfs- und anderer Tiere Köpfe angenagelt waren. Ich merkte, daß es ein adeliger Sitz sein müßte, und weil nächst darbei ein altes Weib Obst feilhatte, fragte ich sie, wer darinnen wohnte. Sie aber gab mir zur Antwort, daß der Ort schon in das dritte Jahr ledig gestanden, aber anjetzo hielte sich in solchem eine adelige Jungfrau auf, welche bis dahero im gerichtlichen Proceß darum gestritten, und nunmehr wäre ihr dieser Sitz erbmäßig zugesprochen worden. Weiter wüßte sie nichts von ihr, als daß sie gar eine feine, fromme und guttätige Jungfer sei, welche, absonderlich gegen die armen Leute wohlgewogen, ein ziemliches Almosen austeilete.

Die Rede dieser alten Obstkrämerin machte mich keck, in diesem Hause mit meiner Supplication einen Anwurf zu tun, ob ich nicht irgendeinen halben Taler davontragen könnte. Klopfte derohalben an und wurde durch einen kleinen Knaben, welchen ich vor ihren Page angesehen, hineingelassen. Er fragte mich, was ich wollte und ob ich ein Bettler wäre. Ich sagte, daß ich zwar kein Bettler, aber doch auch nicht viel besser sei, dahero sollte er mein Testimonium der Jungfer übergeben und sagen, daß sie mir einiges Almosen mitteilen sollte, weil ich solches auf meiner Reise höchst vonnöten hätte. Der Jung ging damit die Treppe hinauf und kam bald wieder zurück, vermeldend, ich solle mich ein wenig gedulden, seine Jungfer schriebe einen Brief, darnach würde ich bald abgefertigt werden.

Nach einer Viertelstund kam sie selbst aus ihrem Zimmer heraus und hieß mich hinaufkommen. Ich war ganz und gar mit Dreck und Kot besudelt, und der Leser kann wohl betrachten, welch ein sauber Ansehen ich dazumal müsse gehabt haben. Derohalben scheuete ich mich, hinaufzugehen und vor ihr zu stellen, weil sie ein ausdermaßen schönes Bild war, dergleichen ich noch die Zeit meines Lebens wenig gesehen hatte. »Monsieur,« sagte sie, »seine Person ist würdig genug, vor mir zu erscheinen, denn wie ich sehe, so ist Er ein Student, ich wollte wünschen, daß ich Lateinisch verstünde, alsdann würde ich gewiß ein mehrers von seiner Wissenschaft zu reden wissen. Ich bin durch studierte Leute zu großem Glück gekommen, darum finde ich mich verbunden, denselben zu dienen, wo ich kann und mag.«

Unter währender Rede stieg ich die Treppe hinauf, wohl wissend, daß sie mich, so schlimm ich auch aufzöge, nicht fressen würde. Dannenhero empfing ich sie gar höflich, und sie hieß mich mit ihr in das Zimmer kommen. Sie war ganz allein, derowegen fing sie, nach Auslöschung ihres Wachsstockes, welchen sie zum Siegeln gebrauchet, an und sagte: »Mein lieber Freund, warum ich Ihn in mein Zimmer geführet, geschieht aus keiner übeln Meinung, sondern einig und allein darum, Ihm einen Gedanken zu offenbaren, der mich nicht wenig im Gewissen ängstiget.

Er ist ein Student und dahero gelehrter als andere, gemeine Leute, die ich zwar täglich um mich habe, aber von ihnen weniger als nichts unterrichtet werden kann, was ich mir in diesem unerhörten Fall einbilden oder davon halten solle. Er beliebe sich auf gegenwärtigen Sessel niederzulassen, und so es Ihm beliebt, sei Er heute mein angenehmer Gast, aber zuvor bitte ich Ihn himmelhoch, mir die Wahrheit nicht zu verschweigen, sondern seine Meinung offenherzig zu eröffnen über die Sache, die ich Ihm gar mit wenigen Umständen, wie es an sich selbst ist, erzählen werde.

Es wohnet nicht gar vier Meil Wegs von hier ein Junger vom Adel, der heißet Faustus. Sein Geschlecht ist fast das älteste in dieser Revier, und er ist vor einem andern trefflich wohl gezogen und höflich von Sitten und Gebärden. Seine Jugend brachte er in lateinischen Schulen zu, und hernachmals durchsuchte er die Länder nicht ohne sonderlichen Nutzen, denn er redete seine Sprachen, wie sichs gehöret, und ist deswegen bei männiglich in gutem Ruf. Ehe denn ich auf dieses Haus zog, wohneten wir nicht gar eine Meil Wegs voneinander, denn ich war bei meiner Muhmen in der Kost, weil ich dazumal wegen dieses Gutes noch im Streit lag, welcher aber auf meiner Seite erwünschet ausgeschlagen, also daß ich nun mein Eigentum besitzen kann. Aber, auf das vorige von dem Edeljunkern zu kommen, so ist es wahr, daß er meine Affection ohne Unterlaß gesuchet, mir etliche Sachen verehret und keine Gelegenheit vorbeistreichen gelassen, die er zu meinen Diensten, doch in allen zulässigen Dingen, hat anwenden können. Aber wie dem allen, so war es mir doch nicht in der Natur, daß ich ihn lieben oder ihm die geringste Gegenaffection erweisen konnte.

Er weinete oft vor mir die bitterste Tränen, ja, er schwur hoch und teuer, daß, so ich ihn nicht lieben würde, wolle er sich erstechen oder aufhängen, davor solle ihn die ganze weite Welt nicht retten noch ihm wehren können. Ich verwunderte mich über die unsinnige Liebe dieses stattlichen Menschens und war mir selbsten heimlich zuwider, daß ich ihn nicht lieben konnte, ja, meine Muhme selbsten schalt mich wohl tausendmal einen groben und ungeschliffenen Holzbock, aber ich konnte doch einmal so wenig als das andere sagen, daß ich den Faustus liebte.

Mein Herr gedenke weiter, wie es mir ging. Neulich hatte ein Edelmann in diesem Lande einen Schmaus, der heißet Monsieur Ludwig, sehr reich von Mitteln und ein Mann von artigem Humor. Ich war dazumal gleich in selbiger Gegend, wegen des Syndicus und Advocatens, welcher meine Sache bei Gericht so stattlich geführet, Richtigkeit zu machen, aber sie sagten, daß Faustus schon lange bei ihnen gewesen, der ihnen einen solchen Recompens verschaffet, davon sie satt und vergnügt wären. Es war ein Wunder, daß die Leute doch zu sättigen waren. Aber Ludwig erfuhr, daß ich sein Schloß vorbeireisen mußte. Weil er mir auch ein wenig mit Gesippschaft zugetan, als lud er mich samt dem Faustus zur Mahlzeit, allwo er durch seine artige Invention uns ausdermaßen ergötzet.

Nun gestehe ich dem Herrn hier im Vertrauen, daß ich bis gegenwärtige Stunde noch niemalen in keinen Menschen verliebt gewesen. Aber es war einer zugegen, welchen ein Edelmann mit Namen Isidoro mit sich gebracht, den hießen sie Zendorio, in denselben Menschen habe ich mich dergestalten verliebet, daß ich nicht gewußt, wie mir am Tisch war. Ich hätte mich glückselig geschätzet, wenn ich mit ihm nur ein einziges Wort hätte reden können. Aber man soff ihn noch über der Tafel so blind und sternvoll, daß er nicht von Sinnen noch viel weniger von seinem Tun gewußt.

Faustus merkte wohl, daß ich in denselben verliebt war, denn es ist gewiß, daß ich die Augen nicht von ihm abwenden können, und obgleich Faustus sagte, es wäre keiner von Adel, sondern nur ein gemein Bürgerskind, muß ich doch gestehen, daß er in meinen Augen mehr als adelig erschienen. Nun betrachte mein Herr, was Faustus vor einen Geist habe, denn als er gesehen, daß ich dem Zendorio zugetan wäre, entschließt er sich, diesen heimlich aus dem Wege zu räumen. Aber Zendorio mag davon Wind bekommen haben, ist also des andern Tages, da der Tumult erst recht anging, auf einem Pferd auf und davon geritten, darüber ich so bestürzt worden, daß ich dem Faustus unter das Gesicht sagte, ich könnte und wollte ihn durchaus nicht liebhaben, und sollte er sich, seinem Vorgeben nach, gleich tausendmal hängen, erschießen oder totstechen.

Monsieur, ich hätte nimmermehr geglaubt, daß meine Worte bei dem verzweifelten Menschen so viel wirken sollten, noch, daß er mich so gar nach dem äußersten Vermögen liebte. Denn als ich gestern nach Hause fuhr und hier zu meinem Sitz kam, sah ich ihn kurz von hier an einem Eichbaum aufgehangen, darob mir noch Arm und Beine zittern. Ich weinete mit Heulen und Seufzen, denn mein Gutscher fand einen Zettel an den Baum geschlagen, darinnen stund geschrieben, daß ich die einzige Ursach seines verdammlichen Todes sei. Ja, er wollte auch in der Höllen Rache über mich schreien, daß ich ihn in seiner gutgemeinten und wohl zulässigen Liebe so gar jämmerlich und ohne Erbarmung hätte verzweifeln und sterben lassen.« Hiermit fing sie an zu weinen und bat mich, ihr zu sagen, ob sie die Ursach dieses Todes sei oder nicht.

»Gestrenge Jungfer,« gab ich hierauf zur Antwort, »Ihren geführten und wohlberedten Discurs verlange ich nicht von Wort zu Wort zu beantworten, denn was die Liebe sei oder welch eine Natur dieselbe habe, bin ich selbst noch nicht erfahren, ob ich gleich ehedessen viel davon in den Büchern gelesen. Wahr ist es, daß die Inclination allezeit freistehe und sich nicht leichtlich an etwas zwingen lasset, so tugendreich auch dasselbe zu sein scheinet. Dahero findet man auch bei den Poeten die Liebe blind gemalet, weil sie nichts liebet als eine solche Sache, die ihr am tauglichsten vorkommet. Man lasset nun hierin einem jeden seine freie Wege, und man sieht keine Inclination einen schlimmem Ausgang nehmen, als die entweder gar zu unverständig oder mit Zwang unterfangen werden.

An dem Tod dieses Faustus ist Sie so wenig Ursach als mein Reisrock, denn es folget gar nicht, daß ich mich hängen soll, wenn ich nicht genießen kann, was mir anstehet. Wenn solches folgete, so glaube ich schwerlich, daß ein einziger Mensch noch leben würde, sondern hätten sich schon alle aufhängen müssen, weil keiner noch erlanget, worzu ihn seine Neigung getragen. Ist also der Narr an seinem Tod selbst schuld, und kann der Jungfer hierinnen kein Heller Schaden zugerechnet werden. Zwar der Affect der Liebe ist eine unter den größten Bewegungen, die der Mensch zu empfinden hat, solang er lebet, und ich selbst weiß tausend Exempel, da sich dergleichen Stockfische den Tod angetan und sich also nicht verbessert, sondern ihnen selbst das zeitliche und ewige Heil abgeschnitten haben.

Meine adelige Jungfer betrübt Ihr Gewissen ganz vergebens, aber Sie wird lachen, wenn ich Ihr den Grund von diesem Aufhängen eröffnen werde.« – »Was,« sagte sie, »weiß denn der Herr darum?« – »Freilich,« gab ich zur Antwort, »Faustus ist nicht tot. Ich ging gestern vor ebendenselben Baum, sah den Hut mit Straußfedern auf der Erde liegen und den Menschen an dem Baum hangen. Ich ging hinzu, denselben herabzuschneiden, weil er noch mit einem Beine zuckte, aber ein Laquay im roten Rocke sah aus dem hohlen Baum hervor und hieß mich zurückbleiben, oder er wollte mich auf die Haut brennen, daß mir die Federn zu den Hosen herausfahren sollten.

Auf solches ging ich fort und setzte mich weit von ferne hinter eine Hecke, allwo ich mit diesen meinen Augen ausführlich gesehen, daß Faustus durch Hülf seines Dieners von dem Baum heruntergestiegen, als es ganz dunkel geworden. Ich wollte, so ichs vermöchte, tausend Reichstaler parieren, daß der Faustus über drei Meil Weges nicht von hier ist, und er wird sich so lang verborgen und heimlich halten, bis er hören wird, wie Sie sich anstellet, sonst wüßte ich nicht, was er durch diese henkermäßige Politik gesuchet, als sich der Nachwelt jämmerlich zu prostituieren und seinem Geschlecht nicht einen geringen Klecken anzuwerfen. Derjenige, welchen Isidoro mit sich auf das Gastmahl Monsieur Ludwigs geführet und in den sich meine adelige Jungfer so sehr verliebet, der bin ich in eigener Person, denn ich heiße Zendorio und kam dazumal mit großer Unhöflichkeit aus dem Schlosse, davor ich noch recht beschämet bin.«

Die adelige Jungfer sah mich hierauf mit starren Augen an und schämete sich, daß sie so freigebig in dem vorigen Discurs herausgefahren, wollte doch nicht widerrufen, sondern sagte: »Ja, Monsieur, nun kenne ich Ihn. Er ist ebenderjenige Zendorio, aber Er sage mir, wie ist Er so jämmerlich an seinen Kleidern zugerichtet? Gehet Er mit Fleiß so in der Welt herum, oder was treibt Ihn vor ein Zufall zu einem solchen Leben?« – »Schönste Jungfer,« sagte ich, »kein anderer Zufall ist an meinem Wandel Ursach als das bloße Unvermögen. Ich habe mich bei Isidoro nicht anderst aufgehalten als ein Mensch, den das Geschicke mit einer Abenteuer an den Ort gebracht.« Und damit erzählete ich ihr fast die ganze Geschicht, die sich mit mir und Isidoro zugetragen. Sie verwunderte sich recht erstaunend und wußte nun nicht, was sie für Freuden anfangen sollte, weil sie an mir gänzliches Vergnügen hatte. So kam es ihr auch gar wohl zupasse, weil sie hier auf der Einöde wohnete, und dahero machte sie bei sich Selbsten wohl tausend Ratschlüsse, mich bei sich zu behalten, denn ich merkte es an ihren Gebärden, daß sie über alle Maßen in mich verliebet war.

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