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Tausend und eine Nacht, Zweiter Band

Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Zweiter Band - Kapitel 29
Quellenangabe
typefairy
authorGustav Weil
translatorGustav Weil
year1984
titleTausend und eine Nacht, Zweiter Band
firstpub1838
isbn3-86070-308-0
senderhille@abc.de
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Geschichte Schaddads und der Stadt Irem, der pfeilerreichen.

Man erzählt: Der König Schaddad beherrschte die ganze Weit, und sein Volk, die älteren Aaditen, waren von Gott mit sehr großen und starken Körpern begabt, so daß sie sagten: »Wer ist stärker als wir?« Drum heißt es auch im Koran: »Sahen sie denn nicht ein, daß Gott, der sie geschaffen, stärker als sie?« Gott schickte ihnen dann den Propheten Hud, der sie zum Gehorsam und zur Verehrung Gottes aufrief. Schaddad sagte aber zu Hud: »Wenn ich an deinen Gott glaube, was werde ich davon haben?« Hud (Friede Gottes sei mit ihm!) antwortete: »Er wird dir in der zukünftigen Weit ein Paradies schenken mit Schlössern von Gold, Hyazinthen, Perlen und allerlei Edelsteinen.« Da sagte Schaddad: »Ich kann mir in dieser Welt schon ein solches Paradies schaffen, und bedarf deiner Versprechungen nicht.« Der Priester Kaab berichtet: Gott habe Moses in der Tora diese Geschichte erzählt und ihm über den Garten Irem, mit den Pfeilern, folgendes mitgeteilt: Schaddad gab hundert seiner stärksten Emire den Befehl, ein weites, ebenes Land aufzusuchen, mit viel Wasser und gesunder Luft, um dort eine goldene Stadt zu bauen. Die Emire reisten weg, jeder von tausend Mann begleitet, und suchten im Lande Jemen, bis sie an den Berg Aden kamen; da fanden sie ein quellenreiches Land, wie es der König wünschte, in einer sehr gesunden Lage.

Sobald sie ihm Kunde davon gaben, schickte er Baumeister dahin, ließ eine viereckige Stadt bauen, die vierzig Pharasangen im Umfange hatte; man legte sehr tiefe Grundpfeiler, auf denen die Stadt sich bis zum Himmel erheben konnte, man nahm Steine von Jenem bis zur Oberfläche der Erde, dann gebrauchte man rote Backsteine zu den Mauern, die fünfhundert Ellen hoch und zwanzig Ellen breit waren. Schaddad schickte dann auch nach allen Fundgruben und baute in der Stadt dreihunderttausend Schlösser, jedes ruhte auf tausend Pfeilern von verschiedenem Smaragd und Rubinen mit Gold belegt und die Pfeiler, auf denen die Schlösser mit ihren reichgeschmückten Gemächern ruhten, waren hundert Ellen hoch. er ließ dann Kanäle graben und die Ufer mit Datteln und anderen Bäumen bepflanzen; hernach wurden vier Tore an die Stadt gesetzt, jedes hundert Ellen hoch und zwanzig breit, alles aufs feinste ausgeschmückt, denn der Bau dauerte fünfhundert Jahre. Als die Stadt vollendet dastand, ließ Schaddad von Osten und Westen allerlei Teppiche, Vorhänge und seidene Betten in die Schlösser bringen, auch allerlei Speisen und Getränke, Früchte und Süßigkeiten, Wachslichter, Weihrauch, Aloe, Ambra und Kampfer: dann ließ er zehntausend schöne und reichgeschmückte Mädchen in die Stadt ziehen, mit zahlreichem Gefolge und Dienerschaft. Schaddad besah nun die Stadt und sie gefiel ihm so gut, daß er sagte: »Nun habe ich schon, was mir Hud erst nach dem Tode verhieß.« Aber als er sein Schloß beziehen wollte, da befahl Gott einem seiner Engel, sie zu vertilgen. Der Engel schrie sie grimmig an und in einem Augenblick war ihr Leben ein Raub des Todesengels, wie es im Koran heißt: »Und Gott vernichtete das alte Volk Aads.« Gott verbarg auch die Stadt vor den Augen aller Menschen; doch sieht man in jener Wüste bei der Nacht noch Spuren davon. Einst ging einer der Gefährten des Propheten, sein Name war Abdallah, in jene Gegend, um ein verirrtes Kamel zu suchen, und er sah die Mauern der Stadt Irem mit den goldenen Schlössern und Pfeilern; er gab Moawiah Kunde davon, dieser ließ Nachsuchungen anstellen, aber man konnte nie etwas finden.

Hierauf erzählte Schehersad folgendes:

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