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Tausend und eine Nacht, Zweiter Band

Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Zweiter Band - Kapitel 26
Quellenangabe
typefairy
authorGustav Weil
translatorGustav Weil
year1984
titleTausend und eine Nacht, Zweiter Band
firstpub1838
isbn3-86070-308-0
senderhille@abc.de
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Geschichte Maans.

Maan, der Sohn Saides, war einst auf der Jagd sehr durstig, denn seine Leute hatten kein Wasser bei sich; da kamen drei Mädchen mit Wasserschläuchen und gaben ihm zu trinken.

Maan wollte sich von seinen Dienern etwas geben lassen, um es den Mädchen zu schenken; da sie aber nichts hatten, schenkte er jeder von ihnen zehn Pfeile aus seinem Köcher, deren Spitzen von Gold waren. Da sagte eine: »So benimmt sich gewiß nur ein recht vornehmer Herr, drum soll auch jede von uns dir einige Verse dichten.« Die erste begann hierauf:

»Vergoldet sind deine Pfeile, weil auch deine Feinde dich freigebig finden sollen; sie geben den Verwundeten die Mittel zur Heilung und den Sterbenden zur Bestattung.«

Die zweite sprach:

»Selbst im Kriege kennt deine Großmut keine Grenzen; sie umfaßt Feinde und Freunde; deine Pfeile sind mit Gold belegt, damit auch Besiegte mit deiner Gabe sich noch freuen.«

Die dritte sprach:

»Aus Edelmut schleuderst du den Feinden Pfeile mit goldenen Spitzen zu, damit der Verwundete, wenn er sich pflegt, sie verkaufe, und der Erliegende Leichenkleider dafür anschaffe.«

Man erzählt ferner: Maan ging einst in zahlreicher Gesellschaft auf die Jagd. Da sahen sie eine Herde Gazellen und teilten sich, um sie zu verfolgen. Maan jagte lange einer Gazelle nach, aber als er sie gefangen und geschlachtet hatte, kam jemand auf einem Esel aus der Wüste geritten. Maan ritt dem Fremden entgegen, grüßte ihn und fragte ihn: »Woher kommst du? Er antwortete: »Aus einem schlechten Land, das schon viele Jahre unfruchtbar war; dieses Jahr war es ergiebig und ich säte Gurken, die vor der gewöhnlichen Zeit hervorkamen; ich nahm daher die besten zusammen und machte mich auf den Weg zum Emir Maan, dessen Güte und Freigibigkeit so sehr berühmt ist.« - »Und was hoffst du von ihm zu erlangen?« - »Ich werde ihn um tausend Dinare ansprechen.« - »Wenn er aber sagt. das ist zu viel?« - »Nun, so bitte ich um fünfhundert.« - »Wenn er auch das zu viel findet?« - »So begnüge ich mich mit hundert.« - »Und wenn er auch nicht so viel gibt?« - »Mit fünfzig Dinaren.« - »Und verweigert er auch diese Summe?« - »Nun doch dreißig.« - »Wenn er aber auch das zu viel findet?« - »Nun, so begebe ich meinen Esel unter seinen Schutz und kehre bestürzt nach Hause zurück.« Maan lachte und trieb sein Pferd, bis er wieder zu seinen Leuten kam, und sagte zu seinem Kammerherrn: »Wenn ein Araber mit einem Esel voll Gurken kommt, so führe ihn zu mir.« Nach einer Weile aber kam der Araber; er erkannte aber Maan nicht mehr, wegen der Pracht und Herrlichkeit, in welcher er ihm erschien, und der Menge Gefolge und Diener, die ihn umgaben, denn er saß als Herrscher auf seinem Thron, und zur Rechten und zur Linken standen Wachen. Nachdem der Araber gegrüßt hatte, fragte ihn der Emir, was ihn herführe? Er antwortete: »Ich bringe einige frühreife Gurken und setze meine Hoffnung auf den Emir.« - »Was erwartest du dafür?« - »Tausend Dinare.« - »Das ist zu viel.« - »Fünfhundert Dinare.« - »Ist auch zu viel.« - »Dreihundert Dinare.« - »Noch immer zu viel.« - »Zweihundert.« »Gebe ich auch nicht.« - »So schenke mir hundert Dinare.« - »Du forderst immer noch zu viel.« - »Aber doch fünfzig.« - »Auch nicht.« - »So gib mir wenigstens dreißig.« - Als Maan diese abschlug, sagte der Araber: »Bei Gott, der Mann, dem ich begegnet bin, hat mir Unglück gebracht.« Maan lachte und schwieg. Da erkannte ihn der Araber und sagte: »Nun, mein Esel ist an deiner Tür angebunden.« Man lachte wieder, bis er rückwärts fiel, dann rief er seinem Verwalter und sagte ihm: »Gib dem Araber tausend, und fünfhundert, und dreihundert, und zweihundert, und hundert, und fünfzig, und dreißig Dinare und laß den Esel angebunden.« Der Araber erstaunte, als man ihm zweitausendeinhundertundachtzig Dinare bezahlte! (Gottes Erbarmen sei mit ihnen insgesamt!)

Es wird ferner erzählt: Es war eine Residenz im griechischen Reich, in welcher ein Palast war, der immer verschlossen blieb, und sooft ein König abgesetzt wurde und ein neuer an die Regierung kam, legte er ein neues Schloß vor den Palast; so kamen vierundzwanzig Schlösser vor dessen Tür. Als einst ein Fremder, der nicht aus der königlichen Familie war, König wurde, wollte er alle diese Schlösser öffnen, um zu sehen, was seine Vorgänger im Palast aufbewahrt hatten. Die Großen des Reichs hielten ihn lange davon ab und boten ihm alle ihre Kostbarkeiten, wenn er die Schlösser unberührt lassen wollte.

Der König ließ sich nicht abhalten, und als er öffnete, fand er im Palast Statuen von Arabern mit ihren Pferden und Kamelen, sie hatten weit herabhängende Turbane auf dem Haupt, waren von Schwertern umgürtet und mit langen Lanzen bewaffnet. Er fand auch ein Buch, in dem geschrieben war: »Wenn diese Tür geöffnet wird, so wird diese Gegend von Arabern, die wie diese Statuen aussehen, erobert werden, drum seid sehr vorsichtig.« Dies war gerade das Jahr, in welchem Tarif, der Sohn Siads, unter dem Kalifate des Omejjaden Welid, Sohn des Abd Almelik, Spanien eroberte, und der König wurde auf die schlimmste Weise getötet und sein Königreich wurde ausgeplündert, seine Frauen und Kinder wurden gefangen, und alle Schätze fielen als Beute in die Hände der Araber. Es waren dabei mehr als hundertundsiebzig Kronen aus Perlen, Hyazinthen und anderen kostbaren Steinen. Ein Saal, in welchem Reiter mit ihren Lanzen herumspringen konnten, war voll mit goldenen und silbernen Gefäßen. Man fand darin auch den Tisch, der dem Propheten Salomon, dem Sohne Davids (Gottes Friede sei mit ihm!), gehörte; auch ein chemisches Pulver, mit dem man einen Drachmen zu tausend, und alles Silber in das reinste Gold verwandeln konnte. Man brachte alles dem Melid und die Araber ließen sich in diesem Land nieder und es bildet noch immer eines der größten Länder.

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