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Tausend und Ein Tag im Orient

Friedrich von Bodenstedt: Tausend und Ein Tag im Orient - Kapitel 12
Quellenangabe
typereport
booktitleTausend und Ein Tag im Orient
authorFriedrich Bodenstedt
year1850
firstpub1850
publisherVerlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei
addressBerlin
titleTausend und Ein Tag im Orient
pages777
created20100928
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zwölftes Kapitel.

Ein Ausflug nach Armenien.

Nun folgt mir in jene gesegneten Lande, wohin die Sage das Paradies versetzt, und wohin auch ich es versetzte, bis ich erfuhr, daß es in Deinen Augen liegt, Du meine Edlitam!

Folgt mir an die blumenreichen, sagengeheiligten Ufer der Senghi und des Araxes, wo ich Ruhe suchte nach langem Irrsal sorgenvollen Wanderlebens in fremdem Land, bis ich erfuhr, daß Ruhe nirgends zu finden als in der eigenen Brust; folgt mir in die Gärten, wo Noah zuerst den Weinstock gepflanzt, zu seiner eigenen Lust und Ergötzlichkeit und zur Freude aller nachwachsenden durstigen Menschengeschlechter; folgt mir durch die steilen, gletscherüberhangenen Gebirgspfade zu den dürren Hochebenen des Ararat, wo der wilde, blutroth gekleidete Kurde auf leichtschenkeligem Rosse einhersprengt, mit blitzendem Auge und sonngebräuntem Gesichte, im breiten Gürtel den scharfen Dolch und die langen Pistolen von Damaskus, und in der kampfgeübten Hand die schwanke, todtschleudernde Lanze von Bagdad – wo der Nomade sein schwarzes Zelt aufschlägt und mit Weib und Kind an dem die Thiere der Wildniß verscheuchenden Feuer kauert – wo Karawanen von 127 Kameelen und Dromedaren ziehen, beladen mit den Stoffen des Morgenlandes und geleitet von wachsamen Führern in weiten, buntfarbigen Gewändern – wo der raublüsterne Tatar in versteckten Felshütten, oder in halb unterirdischen, roh ausgehöhlten Wohnungen haust; folgt mir in die fruchtbaren Thäler, wo die Söhne von Haïghk, wie die Kinder von Israel fern vom Verderben der Städte, noch in urväterlicher Einfalt leben, ihre Aecker pflügen und ihre Heerden weiden, und die Gastfreundschaft in biblischer Reinheit üben; folgt mir zum Ararat, der auf seinem königlichen Greisenhaupte noch die sündfluthgerettete Arche trägt – folgt mir in's Hochland von Armenien!

Im Paradiese wollen wir selig sein und unsere Blicke laben an den schönen Töchtern des Landes; und am Grabe Noah's wollen wir niedersitzen, das Trinkhorn in der Hand, ein Lied auf den Lippen und freudige Zuversicht im Herzen; denn der Gott, welcher einst, als die ganze Welt den Strang verdient hatte, die Menschheit zum Wassertode begnadigte, und bloß Noah am Leben ließ, weil dieser den Wein kultivirt und Freude hatte am Lieben und Trinken, wird auch uns, die wir gleiche Gelüste hegen, so gnädig sein wie dem Vater der nachsündfluthlichen Menschen.

* * *

Die Troika, das russische Dreigespann, welches uns davonführen soll bis zum Gebirge, wo die Wege aufhören fahrbar zu sein, wartet schon vor der Thüre. Hinter dem Wagen halten zwei donische Kosaken als Eskorte, und während Luka, 128 unser dienender Begleiter, beschäftigt ist, das Gepäck in dem unbequemen Fuhrwerk so zurecht zu legen, daß wir ohne zu große Anstrengung darauf sitzen können, haben wir – R. und ich – mit unserm ehrwürdigen Lehrer Mirza-Schaffy eine rührende Abschiedsscene.

Im Orient ist es Sitte, daß man dem scheidenden Freunde einen durch den Zufall bestimmten Geleitspruch mit auf den Weg giebt. Man bedient sich zu diesem Zwecke gewöhnlich des Koran, des Saadi oder Hafis. Das Buch wird auf's Gerathewohl aufgeschlagen, und der erste Vers, den das Auge trifft, wird als Geleitspruch erkoren.

Der Weise von Gjändsha nahm den Gjülistan von Saadi, eröffnete das Buch und seine Augen fielen auf die Stelle, wo geschrieben steht:

»Ein Wort ohne That, ist wie eine Wolke ohne Regen, oder ein Bogen ohne Sehnen.«

Nachdem er uns eine doppelte Abschrift des Spruches gegeben hatte, begleitete er uns hinunter zum Wagen.

Der Weise war sichtbar bewegt, von seinen Jüngern – wenn auch nur auf ein paar Monate – scheiden zu müssen. Doch suchte er seine Wehmuth durch erkünstelten Scherz zu verhüllen. »Was sagt Togrul Ben Arslan! Gestern entzückte mich die Gegenwart meiner Freunde, und heute verlassen sie mich!«

Allah ssisin illah! – Gott mit Euch! – rief er uns scheidend zu; Pascholl! – Vorwärts! – scholl der Kommandoruf Luka's; der bärtige Kutscher schnalzte mit der Zunge, die klugen Pferde spitzten verständnißflink die Ohren, und mit fabelhafter Schnelligkeit rollte das holprige Fuhrwerk davon, während die lanzenschwingenden Kosaken in kurzem Galopp hinterher ritten.

129 Bald hatten wir hinter uns den weiten Bergkessel, in welchem Tiflis liegt mit seinen Bädern und Gärten, mit seinem Wirrwarr von Häusern und Menschen, Sitten, Trachten und Sprachen. Die Berge, welche diese Stadt umschließen, sind dürr, wie zusammengewehte Sandhaufen, kahl wie das Haupt eines Muselmanns.

Einst sollen sie gestrotzt haben von den üppigsten Gestaltungen der Pflanzenwelt; in schattigen Lorbeerhainen standen die Tempel der schönen Anahid, der befruchtenden Göttin – unter anmuthig gewölbten Piniendächern brannte das Feuer auf den Altären des Tleps, des gewaltigen Donnergottes.

Aber frevelnde Hände – so geht die Sage – entweihten die heiligen Stätten und erweckten den Zorn der rächenden Götter. Anahid entzog den Höhen ihren belebenden Odem und waltete fortan nur in ihrem Lieblingslande Armenien, wo ihr noch Opfer gebracht und Blumenfeste gefeiert werden bis auf den heutigen Tag – der grimmige Tleps aber brach durch seine Donner die Stämme der Bäume und ließ Feuer springen aus den Eingeweiden der Berge, daß alle Wurzeln verbrannten, alle Pflanzen verdorrten, und vernichtet wurde was blühend war. Dann floh er zu seinen Lieblingssöhnen, den kriegerischen Stämmen der Adighé, die am Ostgestade des Pontus hausen. Seit jener Zeit wächst kein Baum, gedeiht keine Pflanze, blüht keine Blume mehr auf den dürren Bergen von Tiflis.

Aber je weiter wir uns von der Kyrosstadt entfernen und dem armenischen Hochlande zueilen, desto reicher und mannigfaltiger in ihren Erzeugnissen begrüßt uns traulich eine bekannte, heimathliche Pflanzenwelt.

Wir finden hier fast ganz dieselbe Vegetation, wie in den Gebirgen von Steiermark, so daß ich Euch mit der Beschreibung 130 der Einzelheiten nicht lange aufzuhalten brauche, sondern Euch – nachdem wir das naphtareiche Dorf Soganlug passirt haben, gleich zu der berühmten »rothen Brücke« (bei den Georgiern Gathe-chili-chidi genannt) führen kann, welche die beiden Ufer des Chram, oder der Debeda, miteinander verbindet.

Diese uralte Brücke ist eines der großartigsten Denkmäler georgischer Baukunst. Sie hatte ursprünglich vier Bogen, getragen von gigantischen Pfeilern, in deren Höhlungen Zimmer mit Kaminen, Vorplätzen und allen landesüblichen Bequemlichkeiten eingerichtet waren. In den Gemächern des Mittelpfeilers, welche zwei hohe Balkons über den Fluß ausstreckten, befand sich sogar ein Duchan (eine Schenkwirthschaft). Die Balkons sind eingestürzt, die Zimmer unwohnbar geworden, aber die stark aus rothen Backsteinen gebaute Brücke selbst trotzt den Verwüstungen der Zeit.

Schon in Muhanly, einige Stunden bevor wir die »rothe Brücke« erreichten, haben wir den unbequemen Wagen zurückgelassen und Tatarenpferde bestiegen, auf welchen wir, trotz der Gebirge, elf deutsche Meilen, oder siebenundsiebenzig Werst in einem Tage zurücklegen.

Wenige Werste diesseits Pipis, der nächsten Station hinter Arslanbeglu, machen wir wieder Halt im Becken der Dshogas, wo die Natur einen ihrer bizarrsten Gedanken in Stein ausgeprägt und zu einem merkwürdigen, pyramidenförmigen Felsenthurme gestaltet hat.

Aus einer weiten Einfassung zersetzter Porphyrhügel steigt hier in einer Höhe von fünfzehnhundert Fuß der Gewardzin-Dasch empor, über welchen eine Menge gelehrter und ungelehrter Abhandlungen geschrieben sind, und an welchen sich die schauerlichsten Sagen- und Räubergeschichten des Landes knüpfen.

131 Wie wir weiter reiten, erzählt uns unser Führer, ein redseliger Bursche, von einem Mordanfalle, der vor wenigen Wochen (im Frühjahr 1844) hier an dem russischen General Röhrberg und seinem Gefolge verübt wurde.

Der General, auf der Rückkehr von einer Inspektionsreise durch Armenien begriffen, gedachte nach einer mühsamen Tagereise in einem tatarischen Dorfe zu übernachten. Er schickte zu diesem Ende einen Diener voraus, um ein erträgliches Quartier ausfindig zu machen, während er selbst mit einem Gefolge von etwa vierzehn Kosaken noch eine benachbarte Ortschaft besuchte. Wie alle dienenden Geister sich gern mit der hohen Stellung ihrer Herren brüsten, so that auch unser quartiersuchende Abgesandte, bei dessen Ankunft im Dorfe sich gleich eine Menge pudelmütziger Tataren versammelt hatten.

»Also Dein Herr ist ein großer Mann im Staate?« fragte ein hoher, breitschultriger Tatar mit narbenverunstaltetem Gesichte.

»»Nach dem Sardaar – Statthalter – ist er der Erste!««

»Da reist er auch wohl mit einem großen Gefolge?«

»»Er hat vierzehn Kosaken bei sich und zwei Diener.««

»Und wann wird er hier eintreffen?«

»»In etwa einer Stunde muß er hier sein.««

»Nun, da werden wir schon Zeit haben, ihm ein passendes Quartier zu bereiten.«

Der Tatar hatte nach jeder Frage und Antwort bedeutungsvolle Blicke mit den Umstehenden gewechselt, und während er den Diener der Obhut zweier Kerle übergab, angeblich um ihn die zu räumende Wohnung selbst in Augenschein nehmen zu lassen, bereiteten sich die russenfeindlichen Tataren schon zu einem Ausfalle vor. Sie hätten's freilich leichter gehabt, den General mit seinem Gefolge ruhig zu erwarten und den Mordplan im eigenen Dorfe auszuführen, aber das wäre gegen Sitte und Brauch der Moslem gewesen. Wer den Fuß über die Schwelle des Hauses gesetzt, ist heilig und unverletzlich an Leben und Eigenthum; die Gesetze der Gastfreundschaft wird selbst der blutdürstigste Räuber nicht übertreten. So lange der Feind im Schutze des Hauses weilt, wird ihm kein Haar gekrümmt; erst wenn der Hausherr ihn auf Schußweite vom Orte weiß, wird er ihn verfolgen und im offenen Felde angreifen.

Zwanzig wohlbewaffnete Tataren, den narbenverunstalteten Kundschafter an der Spitze, ritten auf sichern Pferden dem General und seinem Gefolge entgegen.

Unter wildem Geschrei stürzten sie aus einem Hinterhalt auf den Zug los. Der Kampf war kurz aber blutig. Von den Kosaken und Dienern kam keiner lebendig davon. Nur der General blieb wie durch ein Wunder am Leben. Er hatte sich bis auf's Aeußerste vertheidigt, bis er, zu gleicher Zeit von einem Säbelhieb auf den Kopf und von einer Kugel in den Unterleib getroffen, bewußtlos zu Boden sank.

Die Tataren waren noch beschäftigt, ihre Opfer zu plündern und bis aufs Hemde auszuziehen, als in der Ferne eine Karawane mit starker Bedeckung sichtbar wurde. Die Räuber begnügten sich mit der im Fluge gemachten Beute, und sprengten vereinzelt auf Umwegen davon.

Ich war erstaunt, später aus dem Munde eines andern russischen Generals eine Apologie der mörderischen Raubgesellen zu hören.

»Diese Kerle, – sagte er, – erinnern sich wohl noch aus ihrer Jugend, daß man ihre Väter russischerseits wie das liebe Vieh hinschlachten ließ, um die Kinder durch Blut an 133 »gesetzlichen Gehorsam« zu gewöhnen; wie kann man's ihnen da verdenken, daß sie jede Gelegenheit benützen, um Vergeltungsrecht zu üben. Wenn in früherer Zeit hier ein Diebstahl vorkam – der immer von einem Morde begleitet ist, denn es steht geschrieben: »Du sollst keinen Lebendigen berauben!« – so mußten die dem Schauplatz der Unthat zunächst liegenden Dörfer den Schuldigen ausliefern, oder die Einwohner wurden decimirt, d. h. jeder zehnte Mann von ihnen wurde aufgehängt. Bei diesem summarischen Verfahren konnte es natürlich nicht ausbleiben, daß hin und wieder ein paar Dutzend Tataren ganz unschuldig zum Strange kamen; der Sterbende aber wälzt die Blutrache auf die Seele seiner Verwandten und Freunde, und die Blutrache ist den Männern der Gebirge heilig.«

Dies zur nöthigen Ergänzung der oben erzählten Geschichte. Wir sind inzwischen bis zu der zwischen Pipis und Istibulach gelegenen schönen Fontaine gekommen, wo die Karawanen, die hier vorüber nach Eriwan ziehen, Halt machen, um ihre Thiere zu tränken.

Auch wir gönnen uns hier eine Stunde der Rast, und suchen die Inschrift des weißen, einfach gemeißelten Steines zu entziffern, welcher Namen, Geburtsort und Geschlechtsregister des wohlthätigen Gründers enthält. Irgend ein Sänger des Landes hat folgende Verse darunter geschrieben:

        Im Baumesschatten fließt die Fontäne,
Des Berges ewige Freudenthräne . . .
          Plätschernd hell
          Springt der Quell,
Unter duftender Blüthe –
Aus dem Berge, dem steinigen – 134
Wie ein Strom der Güte
Allah's des Einigen . . .
Wanderer, den er erquickt,
Danke dem, der ihn geschickt!

In einiger Entfernung hat ein anderer Reitertrupp Halt gemacht, und ich sehe unsern Luka in eifrigem Gespräch mit dem Herrn des Zuges begriffen.

»Da ist der Fürst T . . . von Eriwan, – berichtete uns Luka, als er zurückkehrte, – der auch von Tiflis kommt mit seinem Gefolge. Er wünscht sehr Ihre Bekanntschaft zu machen und bietet Ihnen Gastfreundschaft und Geleit an. Darf ich ihn zu Ihnen führen?«

Ich besann mich eine Minute ehe ich Ja sagte, denn ich bemerkte unter dem blauen Talar des Fürsten einen russischen Uniformrock, und ich hatte schon lange genug im Kaukasus gelebt, um ein gegründetes Mißtrauen gegen alle die Georgier und Armenier zu hegen, welche sich unter das schimmernde Joch russischer Epauletten geschmiegt haben. Ich empfahl R. große Vorsicht im Verkehr mit unserm neuen Gastfreunde, und dann sagte ich zu Luka: Es werde uns angenehm sein, des Fürsten Bekanntschaft zu machen. Wir standen auf und gingen ihm ein paar Schritte entgegen. Auf uns zu kam ein hochgewachsener, kräftig gebauter Mann, im Anfange der Vierziger. Er trug die bekannte armenische Pelzmütze; seinem vollen, frischen Gesichte, dessen Regelmäßigkeit nur durch die starke, weingeröthete Nase etwas gestört wurde, stand der dichte, pechschwarze Schnurrbart sehr gut. Dem ebenfalls etwas zur Stärke neigenden Leibe wurde durch die breite, hochgewölbte Brust das Gleichgewicht gehalten.

Ehe ich Euch nun mit unserm neuen Reisegefährten bekannt mache, muß ich einleitend bemerken, daß Ihr Euch unter 135 einem armenischen Fürsten gewöhnlichen Gelichters nicht eine so durchlauchtige, reiche, tadellos behandschuhte und gestriegelte Person denken müßt, wie man sich hier zu Lande die Fürsten wohl vorzustellen pflegt.

Doch bei der höhern Aristokratie kommt es ja bekanntlich weniger auf Geld und Gut, als auf einen recht weit zurückreichenden Stammbaum an; es handelt sich nicht darum, ob der Mann Etwas ist, sondern ob seine ältesten Vorfahren Etwas gewesen, und in dieser Beziehung konnte es Fürst T . . . mit den durchlauchtigsten Fürstenhäusern Europa's aufnehmen; denn er leitet seinen Stamm vom König Aram ab, der bekanntlich schon zu Abrahams Zeiten lebte, und der, wie die Sage erzählt, auch dem heiligen Berge Ararat seinen Namen gegeben hat. Und nach Allem, was ich über das berühmte Geschlecht der T . . . erfahren, haben die Vorfahren des Fürsten bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts eben so saubere Heldenthaten vollbracht, wie die berühmtesten deutschen Buschklepper des Mittelalters.

Ob der Fürst von wirklichem Vollblut war, weiß ich nicht; daß er vollblütig war, weiß ich. Doch Ihr werdet ihn im Verlauf unserer Reise schon näher kennen lernen, und müßt Euch einstweilen mit den obigen Andeutungen begnügen.

Nachdem wir den üblichen Friedensgruß: Szalem AléchemAléchem Szalem! gewechselt, der von allen Kindern des Morgenlandes verstanden wird, gleichviel, ob sie im deutschen Ghetto, im tscherkessischen Aoule oder im persischen Schahpalaste hausen – fragte der Fürst: ob wir die beiden Fremdlinge aus dem Abendlande wären, welche die Gebirge durchpilgerten, um die Tugenden der Kräuter und die Sprachen der Völker zu erforschen?

136 Eine bejahende Antwort auf diese Frage veranlaßte ihn zu einem endlosen Ergusse schmeichelhafter Phrasen ob unserer forschenden Bestrebungen und unserer fabelhaften Weisheit, die er uns an den Augen abzusehen behauptete. Besonders machte das jugendliche Aussehen R.'s, der damals kaum zweiundzwanzig Jahre zählte, des Fürsten Erstaunen rege.

»Noch so jung, und schon so weise!« rief er nach jeder Bemerkung meines Freundes, und dann winkte er immer seinen Begleitern zu, welche, ohne von dem Gesagten etwas zu verstehen, doch ihrem Herrn zu Gefallen thun mußten, als ob sie hinschmelzen wollten vor Staunen und Bewunderung.

Im Grunde schien dem Fürsten an unserer Weisheit und Beredtsamkeit wenig gelegen, denn er haschte sichtbar nach jedem Anlaß, um seiner eigenen Zunge freien Spielraum gewähren zu können. Und rühmend muß ich's ihm nachsagen, er bewegte seine Zunge mit einer Geläufigkeit, daß mir noch heute die Ohren gellen, wenn ich daran denke. Vor Allem hatte er es darauf abgesehen, uns eine möglichst hohe Idee von seinem Einflusse im Lande, seiner Stellung und seiner Bildung zu geben.

Kam er sich selber im Fluß seiner Rede etwas zu ausschweifend vor, oder glaubte er, daß wir Zweifel bei seinen Worten hegen könnten, so packte er einen seiner Begleiter am Arm und fragte gebieterisch: »Nicht wahr, Du?« worauf dann regelmäßig ein »W'Allah éiladirr!« Bei Gott, so ist es! erfolgte.

»Da leben, – sagte er, – die meisten meiner Landsleute in den Tag hinein, ohne sich um Bildung und Fortschritt zu kümmern. Sie rauchen ihren Tschibuq, treiben ihre Geschäfte, gehen in's Bad, essen und trinken, heirathen, zeugen Kinder und sterben. Was thu' ich? Ich reite nach Tiflis; – schon 137 zum dritten Male bin ich jetzt dort gewesen! – betrachte die Häuser und Menschen, beachte wie man lebt in der großen Welt, mache dem Sardaar meine Aufwartung, sehe mir die Stühle und Tische an in den großen Sälen, merke auf Alles, verkehre mit den Russen . . . Glorioses Volk das, die Russen!« – unterbrach er sich hier in der Aufzählung der Elemente seiner Bildungsstudien, mit einem Blicke, der mehr als zweideutig war, und mit einer Wortbetonung, die man nach Belieben für ironisch, fragend, oder bewundernd halten konnte.

Diese auf Alles gefaßte Schlauheit des Ausdrucks in Blick und Wort habe ich nirgends in solcher Vollendung gefunden, als bei den Armeniern, welche durch Handel oder russischen Bildungsfirniß ihrer landesthümlichen Sitteneinfalt entfremdet wurden.

Wir ließen den, diesem geschmeidigen Zwittergeschlechte angehörenden Fürsten T . . ., bezüglich unserer Ansicht über die gloriosen Russen in Zweifel, und ohne lange Unterbrechung fuhr er fort in seinen Kulturschilderungen:

»Es ist unglaublich, wie schwer die Bildung unter dem Volke Wurzeln schlägt! Und doch haben wir täglich das Beispiel der Russen vor uns! Wohnen nicht russische Offiziere in Eriwan? Giebt's nicht auch verheirathete darunter? Da geht der Mann mit der Frau spazieren, und die Frau, so schön sie auch sein mag, zeigt ihr Gesicht Jedem der es sehen will, oder wenn sie den Schleier über die Augen schlägt, so thut sie das nur um sich vor der Sonne zu schützen, oder vor Wind und Wetter. Glaubt Ihr, daß es unsern Weibern – möge sie Gott erleuchten! – einfällt, es den russischen Frauen nachzumachen? Lieber würden sie in's Wasser springen, als mit unverhülltem Gesichte über die Straße gehen. Nicht einmal meine eigene Frau kann ich dazu bringen! Die müßt Ihr 138 kennen lernen; wenn sie auch Schwierigkeiten macht, wir wollen sie schon locken. Ein liebes Geschöpf! Ueberhaupt ein schmuckes Völkchen, die Weiber, wenn sie hübsch sind und jung – was meint Ihr?«

Wir nickten beifällig mit dem Kopfe, und er war sichtbar erfreut, daß in diesem Punkte unsere Neigungen zusammentrafen.

»Kaitmas! Komm her, Bursche! sing' uns ein Liebeslied« – rief der Fürst einem seiner Begleiter zu.

Kaitmas, ein junger Mann von hübschem Aeußern, war, wie ich erfuhr, seines Handwerks ein Schuster, der aber durch seine schöne Stimme und Liederfertigkeit des Fürsten Gunst in hohem Grade auf sich gezogen hatte, und ihn überall auf seinen Fahrten begleiten mußte. Er war sein Grillenvertreiber und Minnesänger.

Während ich im Stillen Betrachtungen anstellte über die wundersamen Launen des Schicksals, das fast in allen Ländern Pech und Poesie so nahe zusammengeworfen, trat Kaitmas vor in etwas affektirter Weise, verbeugte sich tief, schlug sein weites blaues Gewand zurück, und dann hub er mit heller Stimme zu singen an:

        »Mit Geschenken beladen kehr ich von Gjirdshistan,
Kehre heim zur Geliebten nach Eriwan!
Lange harrt sie mein, doch fern ist's ihrem Sinn,
Daß ich längst auf dem Wege der Heimkehr bin –
Wie die Aehren des Feldes im Hauche des Windes
Wogt hoffend der Busen des lieblichen Kindes!
Heller Edelstein im Ringe meines Lebens, 139
Anfang Du und Ende meines Strebens
Warte treu – Du wartest nicht vergebens!«

Er hielt einen Augenblick inne und sah uns beifallforschend an. Wir zollten ihm lautes Lob für die schönen Verse, und neu belebt fuhr er fort:

        »Habt Ihr mein Mädchen geseh'n, wie es voll Schönheit blüht?
Doch Keiner hat's geseh'n – Wehe dem, der es sieht!
Nur für mich hebt sich der hüllende Schleier,
Funkelt der Augen zündendes Feuer!
Nur für mich lächelt der Mund meiner jungen Maid,
Schlingt sich ihr Haar lang wie die Ewigkeit!«

Nach diesem kühnen Gleichnisse hielt ich es für gut abzubrechen, um mit der Zeit nicht zu kurz zu kommen. Doch ehe wir aufbrachen, ließ der Fürst noch einen Weinschlauch, womit sein Saumthier belastet war, öffnen. Das gefüllte Trinkhorn ging im Kreise rund, und nachdem wir die Gastfreundschaft durch die Taufe des Weines geheiligt hatten, kam die Reihe an das Gefolge und die Kosaken. Dann schwangen wir uns auf unsere Rosse und trabten in stattlichem Zuge davon.

Voraus ritten die wegkundigen Kosaken, dann kamen wir mit dem Fürsten zwischen uns, und Kaitmas ritt an der Spitze des Gefolges.

Das Bergland mit seinen mannigfachen Reizen bietet dem Auge erquickliche Abwechslung; die Sonne scheint frühlingswarm, in den Bäumen zwitschern die Vögel; uns zur Linken rauscht die schmale aber reißende Axtafa, die dem vor uns aufsteigenden, schneebedeckten Gebirgskamme entrinnt, der 140 die Ufer der Sewanga, bekannter unter dem Namen des Gjoktschai-Sees, zackig umsäumt.

Wir reiten durch das höchst anmuthig gelegene, armenische Dorf Delishan, und erreichen noch vor Anbruch der Dunkelheit den schwer zu überklimmenden Gebirgskamm, wo wir von schwindelnder Höhe herab den mehr als fünftausend Fuß über der Meeresfläche liegenden Gjoktschai-See sich in seiner ganzen Schöne tief unter uns ausbreiten sehen. Fünf und dreißig, von den hohen Porphyrgipfeln herabstürzender Flüsse und Bäche, nimmt der, neun Meilen lange und vier und eine halbe Meile breite Sewanga in seinem Schooße auf. Am nordwestlichen Ende des Sees liegt eine kleine, wunderliebliche Insel, und darauf steht ein uraltes Kloster, von armenischen Mönchen bewohnt, die neben ihren Kasteiungen zur Abwechslung Hafisische Philosophie treiben, und rund und roth dabei werden. Doch davon ein anderes Mal. Wir müssen uns beeilen nach Eriwan zu kommen, und darum übergehe ich blindlings alle die kleinen und großen Abenteuer des Weges, und führe Euch gleich über Tshubugli und Nishe-Achti nach Ailar, der letzten Station vor der Hauptstadt Armeniens.

Dort wird noch einmal Halt gemacht. Der Fürst entsendet zwei Reiter, um in Eriwan unsere Ankunft zu verkünden und Vorbereitungen zu unserem Empfange treffen zu lassen. Dann wendet er sich zu uns und sagt in ernsterm Tone als ihm gewöhnlich ist: »Wenn Ihr nun Euren Einzug haltet in die Stadt, so wird der Kommandant gleich zu Euch schicken und Euch bitten lassen, bei ihm im Schlosse zu wohnen. Aber ich hoffe, Ihr werdet meiner Thür nicht den Rücken zeigen, und mir nicht vorüber gehen! Mein Haus ist Euer Haus; Euer Wille ist mein Wille! Was würde das Volk sagen, wenn es hörte, daß Ihr verschmähtet meine Gäste zu sein, 141 Nachdem ich Euch bis hieher geleitet! Was ich Euch bieten kann an Bequemlichkeiten, sollt Ihr haben. Ich habe ein Zimmer in meiner Wohnung, ganz nach europäischer Weise eingerichtet, wie beim Kommandanten, mit Stühlen. mit Tischen und hölzernem Fußboden!« So schwatzte er in Einem fort mit der Aufzählung der Herrlichkeiten seines Hauses, bis wir ihn vollkommen darüber beruhigt hatten, daß wir auf jeden Fall seine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen würden, und daß uns weniger daran gelegen sei, in Eriwan europäische Tische und Stühle zu sehen, als armenische Sitte und Lebensweise kennen zu lernen.

Nach kurzem Aufenthalt in Ailar stiegen wir wieder zu Pferde, und ritten langsam der Hauptstadt Armeniens entgegen.

Vor dem Thore hatte sich eine Menge Volks versammelt, um die beiden jungen Pilger aus dem Abendlande zu sehen. Wir mußten neuerdings absteigen, um die uns erzeugten Höflichkeiten zu erwiedern, und von dem Weine und den Südfrüchten zu kosten, welche man uns entgegenbrachte, denn nichts ist im Orient beleidigender, als Angebotenes auszuschlagen . . .

Der erste Eindruck, welchen Eriwan auf den Europäer macht, ist kein sehr günstiger. Die Straßen sind ungepflastert und schmutzig, die Häuser sind klein und niedrig, und noch obendrein hinter zaunartigen, lehmfarbigen Mauern versteckt, so, daß die größte Straße in der armenischen Hauptstadt mit der kleinsten Gasse in irgend einem deutschen Krähwinkel den Vergleich nicht aushalten kann. Ueberhaupt herrschen bei uns über orientalische Pracht und Herrlichkeit die fabelhaftesten Vorstellungen; vielleicht weil es selten ein Reisender der Mühe werth hält, das Gewöhnliche zu schildern, und die Meisten sich damit begnügen, das ausnahmsweise Pomphafte hervorzuheben.

142 Wir hatten eine gute Strecke zu reiten, ehe wir das Haus unseres Gastfreundes erreichten, und fanden wir die Häuser, auf welche unsere Augen fielen, häßlich, so kam uns Wuchs, Gang und Kleidung der jungen Armenierinnen, welche hin und wieder dicht verschleiert vorüberschlüpften, desto anmuthiger vor. Fürst T . . . bemerkte mit stolzer Freude, daß wir Wohlgefallen fanden an den Töchtern des Landes.

»Meine Frau müßt Ihr kennen lernen, und heute noch – sagte er – ich werde schon sehen, was sich thun läßt.«

Es war kurz vor Sonnenuntergang, als wir das einfache, mit einigen kleinen Nebengebäuden umgebene Haus unseres Gastfreundes erreichten. Wir wurden in ein geräumiges, teppichbelegtes Zimmer geführt, und waren ganz glücklich, in Ruhe den Staub von unsern Füßen zu schütteln, und einmal eine Stunde ungestört über die seltsamen Erlebnisse der Reise lachen und plaudern zu können.

* * *

»Wissen Sie – sagte Luka, der in's Zimmer trat, um uns anzuzeigen, daß man uns in einer Viertelstunde zum Abendessen erwarte – wissen Sie, warum dem Fürsten so sehr darum zu thun war, Sie in seinem Hause zu haben? Er bekleidet eine Stelle in der Landesregierung, und steht im Rufe ein großer Wsjatschnik zu sein, weswegen der Kommandant und der Landeschef, beide ausnahmsweise ehrliche Männer, nicht mit ihm umgehen, wodurch sein Ansehen beim Volke sehr leidet. Nun denkt er ganz richtig: wenn Sie den 143 Kommandanten und die andern Herrschaften besuchen, so werden Ihnen diese einen Gegenbesuch machen, wobei er dann Gelegenheit hat, durch Ihre Vermittelung ein engeres Verhältniß anzuknüpfen.«

»»Und woher weißt Du Alles so genau?««

»Daß er mehr Geld ausgiebt als er sollte, und die Hand nur zudrückt, wenn was darin ist, weiß man im ganzen Lande. Nur kann man ihm nicht recht auf die Spur kommen, weil er zu schlau ist, und dann darf man auch nicht zu strenge mit ihm verfahren, weil er großen Einfluß im Lande hat. Uebrigens soll er der beste Mensch von der Welt sein, und wenn er nicht Alles rechtschaffen erwirbt, was er braucht, so theilt er es wenigstens rechtschaffen wieder aus. In seinem Hause wird Jahraus, Jahrein ein lustiges Leben geführt, und an seinem Tische ist Jeder willkommen, wer Witz hat und einen guten Magen.«

Luka wurde in seinem Berichte unterbrochen durch den Eintritt des Fürsten, der sein Staunen nicht verbergen konnte, uns vom Kopf bis zu Fuß umgekleidet zu finden.

»»Warum habt Ihr Euch am späten Abend noch so schmuck gemacht, Aga's?«« fragte er lächelnd.

»Weil Du uns bedeutet hast, uns heute noch der Herrin des Hauses vorzustellen,« antwortete ich.

»»Mit der ist heute nichts anzufangen,«« sagte er entschuldigend, »»sie ist gar zu furchtsam. Doch sehen sollt Ihr sie. Wir müssen sie einmal abfangen, wenn sie frisch geputzt aus dem Bade kommt. Es wird sich schon eine Gelegenheit finden. Jetzt kommt zu Tische und laßt uns lustig sein. Kaitmas ist auch da, um uns etwas vorzusingen, und noch ein paar Musikanten hab' ich bestellt, flotte Bursche, die Euch gefallen werden!««

144 An Appetit fehlte es uns nicht nach den Anstrengungen der langen Tagereise, und willig folgten wir der Einladung unsers lustigen Wirthes.

Wir traten in den Speisesaal, ein weißes Gemach ohne alle Möbel, außer einem niedrigen, tischähnlichen Gestelle, mit so viel Schemeln umpflanzt, als für die Mitessenden zum Sitzen nöthig war.

Die Stelle des Tischtuches vertrat ein großes Stück dünnes, elastisches Gebäck, nach Art der jüdischen Matzen zubereitet, und bei den Tataren und Armeniern Tschoräkj genannt. Der süße Landeswein wurde aus einem silberbeschlagenen Büffelhorn getrunken. Schmackhafte Fische aus dem Gjoktschai-See bildeten den Hauptbestandtheil des Essens, denn es war Fastenzeit, kurz vor Ostern, und die armenischen Christen halten streng ihre kirchlichen Satzungen.

Eine Menge Leute waren beschäftigt, uns zu bedienen; der Eine füllte das alle Augenblick geleerte Trinkhorn an, der Andere wechselte die Teller, ein Dritter hielt den Verkehr mit der Küche aufrecht &c., und dabei wurde so geschrien, gelacht und gescherzt, daß von einer ordentlichen Unterhaltung nicht die Rede sein konnte. Diejenigen Diener, welche gerade nichts zu thun hatten, ließen sich's mit uns wohlschmecken. Alle aßen mit uns aus derselben Schüssel, Alle tranken mit uns aus demselben Trinkhorn, denn die strenge Absonderung zwischen Herr und Diener, wie sie in Europa herrscht, ist in Armenien, wie in den Ländern des Kaukasus, vollkommen unbekannt.

Die Speisen wurden sämmtlich ohne Hülfe von Gabel und Messer zum Munde befördert. Man riß ein Stück von dem tischtuchersetzenden Brote ab, griff damit in die Schüssel und verschlang das solchergestalt Erhaschte ohne viel Federlesen.

145 Mit wahrhaftem Staunen bemerkten wir die Virtuosität, welche unser Wirth im Weintrinken entwickelte, wie er sich denn überhaupt eine unverwüstliche Heiterkeit zum Grundsatze gemacht zu haben schien.

»Kaitmas!« rief er dem Schuster-Minnesänger zu, als die Speisen weggeräumt, und nur die Weinkrüge zurückgeblieben waren – »Kaitmas! alter Bursche, sing' uns ein Lied zum Preise des Trinkens!«

Ehe Kaitmas der Weisung des Fürsten folgte, versuchte er erst, die beiden Musikanten zur Ruhe zu bringen, die in einer Ecke des Zimmers kauerten und einen furchtbaren Lärm unterhielten, indem der Eine eine Art Dudelsack, und der Andere ein jammervolles Saiteninstrument handhabte, was dem Fürsten – der übrigens den fruchtlosen Bestrebungen des Sängers, die Kerle zur Ruhe zu bringen, fördernd zu Hülfe kam – besondern Appetit zu machen schien.

Darauf hub Kaitmas zu singen an:

        »Füllt mir das Trinkhorn!
    Reicht es herum!
Trinken macht weise,
    Fasten macht dumm!

Was ist das Athmen?
    Ein Trinken von Luft –
Was ist das Riechen?
    Ein Trinken von Duft!

Was ist ein Kuß, als
    Ein doppelter Trank!
Trinken macht selig,
    Fasten macht krank! 146

Was ist das Sehen?
    Ein Trinken des Scheins –
Klingt's auch verschieden,
    Bleibt es doch Eins!

Füllt mir das Trinkhorn!
    Reicht es herum!
Trinken macht weise,
    Fasten macht dumm!«

Und das Trinkhorn ging im Kreise herum, bis wir uns selbst nicht mehr im Kreise umdrehen konnten und unbewußt der kreisenden Welt ihr Geschäft allein überließen. Der Wein stieg uns zu Kopfe und wir stiegen zu Bette, so gut es gehen wollte.

* * *

»Weißt Du« – sagte ich zu R., als wir am folgenden Morgen beim Kaffee saßen und unseren Tschibuq rauchten – »ich hatte diese Nacht einen seltsamen Traum.«

»»Ist Dir vielleicht im Traume die Fürstin erschienen?««

»Nein, mir erschien mein alter Nachbar, ein ehrwürdiger Kauz, der, als ich noch ein kleiner, wilder Junge war und in die Schule ging, jedesmal, wann er mich sah, mir eine alte weise Lehre wiederholte. »Fritz!« – pflegte er zu sagen – »Du mußt Dich vor Allem in der Welt hüten, wovor das Wörtchen »zu« steht: zu viel, zu reich, zu groß, zu dumm &c. Der gute Alte! Ich habe niemals Gelegenheit gehabt, seine Lehre zu befolgen, da das Schicksal immer meine Gouvernante gespielt, und mich vor dem zu viel, zu reich, zu groß u. s. w. in Gnaden bewahrt hat; aber vorige Nacht, als mir der Alte 147 erschien, war mir ganz wunderlich zu Muthe: er trug in der Hand ein Trinkhorn, und . . .«

»»Werde nur nicht sentimental,«« unterbrach mich R., »»sonst komme ich nicht zu Worte, und ich muß Dir auch einen Traum erzählen. Mir träumte, ich wäre wieder in Stambul und säße mit meinem alten türkischen Lehrer am Ufer des Bosporus. Hoch über uns wölbte sich ein wunderbarer Regenbogen, und mein alter Lehrer benutzte den Anlaß, mir zu erklären, warum die Türken den Regenbogen »Gürtel Allah's« nennen. »Die Sonne,« sagte er, »ist das Auge Gottes, und der Himmel ist sein Leib. Da schaut nun Allah den ganzen Tag herab auf das tolle Treiben der Menschen auf Erden; er sieht, wie die Frommen sich des Weines enthalten, in dem Wahne Ihm zu gefallen, wie die Heiligen sich kasteien, in dem Wahne Ihm zu dienen, Ihm, der Alles so schön gemacht hienieden zu unserer Freude – aber Allah ist zu klug, als sich sein ewiges Leben zu verleiden durch Verdruß und Aerger; er lacht über Alles, und zuweilen, wenn er es nicht mehr aushalten kann, schnallt er den siebenfarbigen Gürtel um seinen Leib, um nicht zu bersten vor Lachen über die Dummheiten der Menschen.««

Wir lachten Beide so herzlich, daß wir fast auch eines siebenfarbigen Gürtels bedurft hätten, um nicht zu bersten vor Lachen.

Fürst T., welcher bald darauf in's Zimmer trat, war hocherfreut, uns schon am frühen Morgen in so rosiger Laune zu finden. Er begann ebenfalls eine lustige Geschichte zu erzählen, aber plötzlich unterbrach er sich selbst mit den Worten: »Halt! da kommt meine Frau über den Hof gegangen, ans's Haus zu, jetzt werd' ich Euch vorstellen – macht schnell und folgt mir!«

148 »»Aber wir sind ja noch im Schlafrocke,«« erwiederte ich entschuldigend, »»wie können wir uns so vor der Fürstin sehen lassen?««

»Was schadet das! macht nur schnell und folgt mir, sonst wird es zu spät!«

Er stellte uns hinter der Hausthüre auf, wo die Fürstin hereinkommen mußte, und gab uns die Weisung, schnell vorzuspringen und die durchlauchtige Dame aufzuhalten, sobald sie ihre Erscheinung machte.

Er selbst hatte sich's zur Aufgabe gemacht, ihr den Rückweg abzuschneiden.

Ein paar Sekunden verflossen, und das galante Manöver war glücklich ausgeführt. Die junge Fürstin stand mitten zwischen uns, zitternd, mit niedergeschlagenen Augen. Eine schlanke, zarte Gestalt mit üppigem schwarzen Haar, aber sonst unbedeutend. Sie trug gelbe Pantöffelchen, weite himmelblaue Pantalons, einen elegant geschnittenen, bis an die Knie reichenden Sarafan und ein persisches Morgenkäppchen.

Der Fürst versuchte, die Vorstellungs-Ceremonie auf europäische Weise durchzumachen.

»Meine Frau!« sagte er auf sie hindeutend, »die jungen Weisen aus dem Abendlande!« auf uns hindeutend.

Es that mir leid, das zarte Geschöpf in dieser peinlichen Lage zu sehen – ich trat einen Schritt zurück, und sie warf mir dafür einen dankenden Blick zu, der uns besser miteinander verständigte, als die längste Vorstellung, und leichtfüßig wie ein aufgescheuchtes Reh sprang die durchlauchtige Dame davon.

* * *

149 »Nun kommt!« sagte der Fürst, »ich will Euch etwas herumführen, Ihr habt mein Hauswesen noch gar nicht gesehen. Nachher steigen wir auf's Dach, von wo wir den Ararat sehen können und die schönste Aussicht auf Eriwan haben.«

Nachdem er uns durch einige Zimmer geführt hatte, wovon eines dem andern glich, und worin nichts zu sehen war als weiße Wände und bunte Teppiche, gelangten wir in den von ihm so benannten »europäischen Saal,« wovon er uns schon während der Reise so viel erzählt hatte.

Ein großes, längliches Gemach mit weißer Decke, weißen Wänden und einfachem hölzernen Fußboden. Das europäische Element darin war angedeutet durch einen mit schreienden Farben bemalten Tisch und sechs Stühle, die sämmtlich in einer Ecke zusammengedrängt standen, gleich als ob sie sich schämten, einzeln vertheilt im Saale zu erscheinen.

»Ist das nicht ganz europäisch?« fragte der Fürst mit selbstzufriedenem Blicke.

Wir nickten bejahend.

»Seht diese Fenster,« fuhr er fort, »in ganz Eriwan findet Ihr solche Fenster nicht! Selbst nicht beim Kommandanten auf dem Schlosse, denn dort sind sie buntgefärbt und rund, nach persischer Weise zugeschnitten.«

Dann machte er uns aufmerksam auf den hölzernen Fußboden. Mit besonderem Nachdruck aber hob er die messingenen Thürklinken hervor, die in armenischen Häusern etwas Unerhörtes sind. An diese Thürklinken und Schlösser knüpft sich eine komische Geschichte.

Der Fürst hatte die Anwendung derselben in Tiflis kennen gelernt, ein Dutzend davon gekauft und einen Theil an den Thüren des »europäischen Saales« befestigen lassen.

150 Die Diener des Hauses, welche nicht wußten, was es mit den seltsamen Maschinen auf sich hatte, glaubten, der Fürst habe dieselben zu musikalischen Zwecken anbringen lassen; denn jedesmal, wenn daran gedreht wurde, erfolgte in dem weiten, leeren Gemache ein dröhnender Klang.

So geschah es denn, daß in Abwesenheit des Hausherrn von dem dienenden Personal verschiedene Concerte mit Hülfe der messingenen Thürklinken veranstaltet wurden. Ein alter blinder Tatar mußte dabei singen, und der Koch, der in solchen Dingen als Autorität galt, spielte die Thürklinke . . .

Der Fürst merkte die musikalischen Bestrebungen seiner Leute erst dann, als schon drei Schlösser und Klinken zerbrochen waren.

»So schwer ist es,« schloß er die mit großer Ausführlichkeit erzählte Geschichte, »so schwer ist es, hier zu Lande europäische Bildung einzuführen. Aber ich lasse mich dadurch nicht irre machen, und habe schon wieder ein halbes Dutzend neue Thürschlösser aus Tiflis mitgebracht. Ich will es noch dahin bringen, daß mein ganzes Haus nach russischer Weise eingerichtet werde. Aber jetzt ist es Zeit, daß wir uns anziehen. Heute ist Charfreitag, und ich muß in die Kirche gehen, um meinen Landsleuten kein Aergerniß zu geben. Wollt Ihr mit mir kommen, so macht Euch bereit.«

Wir hatten schon in Tiflis den armenischen Kultus hinlänglich kennen gelernt, und schlugen daher das Anerbieten des Fürsten entschuldigend aus, um die berühmte tatarische Moschee von Eriwan zu besuchen, was in den unter russischer Herrschaft stehenden Provinzen keine Schwierigkeiten hat, während man in freien islamitischen Ländern nur selten und schwer dazu kommt.

Wir waren außerdem mit einem Empfehlungsschreiben von Mirza-Schaffy an den ehrwürdigen Mullah versehen, und 151 wurden von diesem als schriftgelehrte Pilgrimme sehr freundlich empfangen.

Seine Amtspflichten zwangen ihn, die Unterhaltung mit uns schon nach einer Viertelstunde abzubrechen, da mahnend vom nahen Minaret herab der Ruf des Muezzim zum Gebete erscholl.

Es war der Gedächtnißtag des Todes Ali's, und der Mullah hatte eine Predigt darüber zu halten. Er bat uns, ihm in die Moschee zu folgen, und befahl einem Diener, uns Pfeifen und ein Kohlenbecken nachzutragen.

»Aber ist's denn erlaubt, in der Moschee zu rauchen?« fragte ich erstaunt unsern ehrwürdigen Begleiter.

»Warum nicht? Was kümmert sich Allah um solche Kleinigkeiten; der Glaube ist ohnehin schon genug im Wanken, und wenn man's den Gläubigen gar zu sauer macht, kommen sie gar nicht mehr in die Moschee. Macht's Euch bequem, setzt Euch nieder auf den Teppich der Andacht und hört meine Predigt!«

Wir traten in eine hohe, schöngewölbte Halle. Die weißen Wände waren bemalt mit Sprüchen aus dem Koran; besonders fiel das künstlich geschlungene »Gott ist Gott und Muhammed ist sein Prophet,« uns überall in die Augen.

Wir ließen uns ganz im Hintergrunde nieder. Vor uns saßen zahlreich versammelt die gläubigen Schiiten, Perser und Tataren, in ihren blauen Talaren und schwarzen pyramidenförmigen Mützen. Ganz im Vordergrunde kauerten in abgesonderten Reihen eine Menge alte Weiber, von Kopf bis zu Fuß in weiße Tücher gehüllt. Junge Frauen können die Moschee nicht betreten, denn im Alkoran der Schönheit und Jugend dürfen die Gläubigen nur zu Hause studiren.

Rechts von uns wurde die Halle der Länge nach durch ein sich an die Wand lehnendes, offenes Gerüst getheilt, wo 152 der Mullah seinen Sitz hatte. Von unseren Kanzeln unterschied sich dieses Gerüst dadurch, daß es die Gestalt des Predigers in keiner Weise verhüllte.

Eine feierliche Stille lag über der ganzen Versammlung, es war, als ob man das Perlen des Wassers in den Kalljan's hören könnte, welche einige alte Tataren in ruhiger Andacht rauchten. Der Mullah, ein schöner, kräftiger Mann, begann seine Predigt mit weithintönender Stimme und der Ruhe eines Redners, der seines Erfolges gewiß ist. Er erzählte das Schicksal der Kinder Ali's, eine Geschichte, die ich als bekannt voraussetzen darf und deshalb nicht zu wiederholen brauche.

Erst schilderte er den qualvollen Tod Ali's, des Feindes Moavie's, des Hauptes der Ommejaden, wie er fiel durch erkauften Meuchelmord.

»Schmutz,« rief er, »Fluch und Verderben auf die Häupter der Sunniten, die ihn verfolgt und getödtet! Muhammed, der Prophet, sprach: Ali ist für mich, und ich bin für Ali! Ali ist gleich mir, gleichwie Aaron gleich dem Mose war. Ich bin die Stadt, in welcher alle Wissenschaft ihren Sitz hat, und Ali ist das Thor dazu! So sprach der Prophet; aber sie hörten auf seine Worte nicht und haben Ali, seinen Liebling, getödtet! Weinet, Ihr Gläubigen! heult und wehklagt, daß es alle sieben Himmel erschüttert . . .«

Und der Ermahnung des Mullah folgte ein Geheul, wie mir seitdem nie wieder zu Ohren gekommen. »Hei! hei! hei!« erscholl es in jammervollen Tönen von allen Seiten her, und wir brüllten mit nach Herzenskräften

»Lauter!« schrie der Mullah, der in Feuer gerieth und 153 seine Worte mit den lebendigsten Bewegungen begleitete, »lauter! daß die Seligen im Paradiese es hören, wo sie wandeln in wasserreichen Gärten, angelächelt von sonnenäugigen Houris!«

Und immer lauter und klagender erscholl das schauervolle hei! hei! hei! durch der Moschee geheiligte Räume.

Aber dem Mullah schien das entsetzliche Geheul noch immer nicht zu genügen. Sein ganzer Körper war in so großer Aufregung, daß der ihn verhüllende Talar förmlich flatterte, wie die Gewänder an den Statuen des barocken, aber grandiosen Bernini.

»Hier drang der mordende Stahl ein!« rief er, mit der rechten Hand auf die Brust weisend, »und da kam er blutig wieder zum Vorschein!« fügte er gedehnt hinzu, mit der linken Hand auf den Rücken deutend. »Jammert und fleht, daß Allah gnädig auf uns, und zürnend auf unsere Feinde herabsehe! daß er sie vertilge mit dem Blick seines Auges!« Und wiederum brach ein Jammersturm aus, so klagend und ohrenzerreißend, als ob alle Schakale, Wölfe und Winde des Kaukasus um die Wette heulten.

Die Weiber schlugen sich knirschend in's Gesicht, die alten Tataren schoben gröhlend ihre Kalljan's bei Seite und das hei! hei! hei! scholl in Einem fort.

Der Mullah schien befriedigt, und in etwas ruhigerem Tone setzte er seine Geschichte fort und schloß mit der Schilderung des Todes Hussein's, des Sohnes Ali's, wie er mit seinem ganzen Anhange und all' seinen Kindern fiel durch die List des grausen Obéïdallah, des Freundes Jessid's, aus dem Geschlechte der Ommejaden . . . .

Nach geendetem Vortrage kam er auf uns zu und fragte, wie uns die Predigt gefallen habe.

154 »Nie,« sagte R., »hab' ich Aehnliches gehört! Ich habe geschrieen wie ein Kind vor Staunen und Wehmuth!«

»Was sollen wir sagen zu Deinem Lobe?« fügte ich hinzu. »Lobt auch der Schüler den Meister, oder das Kind den Vater? Was ist aller Ausdruck gegen den Eindruck, den Du auf uns gemacht!«

Der Mullah hörte die Aeußerungen unseres Lobes mit großem Wohlgefallen, und ehe er schied, mußten wir versprechen, ihn bald wieder zu besuchen.

Wir besahen noch im Fluge die umfangreichen Gebäude der herrlichen Moschee, welche zugleich die Schulen der Schriftgelehrten sammt den Zellen der Schüler in sich schließt. Gegenüber der großen, am Eingange offenen Halle, in welcher der Gottesdienst gehalten wurde, erhebt sich eine andere von gleicher Ausdehnung. Von diesen hochgewölbten Räumen aus läuft zu beiden Seiten arkadenartig eine Reihe von Zellen. In der Mitte des davon umschlossenen großen Platzes erhebt sich ein dicker, uralter Nußbaum, darunter eine Fontaine springt, in dessen Schatten über hundert Menschen Schutz finden können.

Unbeschreiblich ist die prachtvolle Bauart dieser großen Moschee sowohl, als auch derjenigen, welche sich innerhalb der Festungsmauern befinden, und wovon die eine jetzt in eine russische Kirche, und die andere in ein Arsenal umgewandelt ist. Die großen Kuppeln sind ganz emaillirt und mit den geschmackvollsten Arabesken verziert; ebenso ist die Façade mosaïkartig aus emaillirten Backsteinen zusammengesetzt, durchschlungen von schöngezeichneten Blumengewinden und Versen aus dem Koran.

Wir besuchten die nach dem Hofraume zu offenstehenden Schulen und Zellen der Schriftgelehrten und ihrer Jünger, und hatten uns überall einer zuvorkommenden Aufnahme zu erfreuen, wobei es an komischen Scenen nicht fehlte.

155 Seid Ihr neugierig, das Innere einer morgenländischen Schule kennen zu lernen, so versetzt Euch in den oben beschriebenen Hofraum der Moschee, und denkt, ihr sähet vor Euch ein kleines Theater ohne Koulissen und Vorhang.

In der Mitte kauert mit gekreuzten Beinen ein in ein weites Gewand gehüllter, langbärtiger Schriftgelehrter. Neben ihm steht der hohe, perlende Kalljan, welchem er in langen Pausen geläuterte Dampfwolken entlockt, und rundum sitzen, ebenfalls mit untergeschlagenen Beinen, die gelehrigen Schüler, Burschen von vierzehn bis zwanzig Jahren, die sich in derselben Weise die liebevollen, wonnigen Gesänge Hafisens kommentiren lassen, wie unsere Frömmlinge die mystische Auslegung des Hohenliedes Salomonis nachbeten.

* * *

Nachdem wir uns zu Hause durch ein mäßiges Frühstück gestärkt hatten, suchten wir Obowian auf, den bekannten Begleiter Parrot's bei der Ersteigung des Ararat. Obowian ist ein talentvoller Armenier, der in Dorpat eine Art gelehrter Erziehung erhalten, und eine gründliche Kenntniß der deutschen und französischen Sprache mit in die Heimath gebracht hat, wo er mit erstaunlichem Eifer zur Bildung seiner Landsleute wirkt. Er hält fortwährend zwanzig bis dreißig Kinder bei sich versammelt, mit welchen er größtentheils deutsch spricht, und seine Schüler hatten in der That so gute Fortschritte gemacht, daß wir uns ganz geläufig in unserer Muttersprache mit ihnen unterhalten konnten. In Obowian fanden wir einen freundlichen Führer zur schnellen Beseitigung der vielen Pflichtbesuche, welche wir in der Stadt zu machen hatten.

156 Herzliche Aufnahme wurde uns beim Oberst von Kiel, Kommandanten von Eriwan, einem Deutschen aus den baltischen Provinzen. Er machte uns Vorwürfe, daß wir nicht bei ihm im Schlosse unsere Wohnung aufgeschlagen. »Ich komme hier so selten dazu – sagte er – die heimathlichen Laute aus deutschem Munde zu vernehmen!« Wir erzählten ihm kurz, wie wir Gastfreundschaft beim Fürsten T . . . gefunden, und hörten durch ihn so ziemlich bestätigt, was uns Luka über unsern Hausherrn berichtet.

»Aber heute müßt Ihr bei mir bleiben, Kinder! – sagte der Oberst – ich lasse Euch nicht wieder fort. Auch könnt Ihr wirklich bei dem herrlichen Wetter keinen bessern Ort finden, um den Tag zu genießen. Wir sind hier im Palaste der alten Sardaare von Armenien, dem höchstgelegenen Punkte der Stadt. In diesen selben Räumen hauste vor nicht langer Zeit der mächtige Hussein-Sardaar von Eriwan, der durch Feth-Ali-Schah zum Bettler geworden, in Persien in einem Pferdestalle sein wechselvolles Leben endete. Erst laufen wir uns müde, um Alles zu sehen, und dann wollen wir im Speisesaale des grimmigen Hussein eine deutsche Suppe essen.«

Kriegskundige Reisende haben oft und mit Recht ihr Staunen ausgedrückt, daß gerade die Eroberung von Eriwan den Kaiser veranlaßte, den Eroberer Paskjéwitsch Eriwansky zu nennen. Ein leichteres Heldenstück, als die Einnahme dieser Stadt, ist wohl selten vollbracht worden. Die Lage Eriwan's im Allgemeinen, und die der elenden Festung insbesondere, bietet so wenig strategische Schwierigkeiten, daß, bei der sprüchwörtlichen Feigheit der Einwohner, die Eroberung der Stadt zu den leichtesten militärischen Aufgaben gehört.

Wir besahen das baumumpflanzte, einst fontänenumsprudelte Harem der alten Sardaare; die Russen haben's in ein 157 Lazareth umgewandelt. Wo früher die schönsten Odalisken Georgiens und Persiens sich auf üppigen Polstern wälzten, und Hafisens Lieder sangen, da ließen jetzt sieche Kranke auf hartem Lager ihre Klagetöne erschallen. Die vielen Zimmer im Palaste fanden wir unbedeutend und klein für fürstliche Bewohner, die freilich in unserer Zeit auch lernen müssen, sich nach der Decke zu strecken, so lange sie noch Decken haben. Nur ein großer, gewölbter Saal, dessen Wände, Decke, Gesimse u. s. w. ganz mit Spiegelglas belegt sind, fesselte länger unsere Aufmerksamkeit. Wir fanden hier, außer vielen persischen Gemälden, welche berühmte Schah's und Heerführer, sowie Bilder aus der persischen Mythologie und Geschichte darstellen, auch ein Porträt von Katharina II. und ihrem untergeschobenen Sohne, Kaiser Paul. Die persischen Gemälde blenden bloß durch ihre wundervollen Farben. In der Malerei selbst offenbaren sich nur die rohen Anfänge der Kunst. Bemerkenswerth im Saale sind noch die schön mit Bildern nach orientalischer Weise bemalten Wände. In der Mitte des luftigen Gemachs, das nach dem Hofe zu theatralisch nur durch einen rothseidenen Vorhang verhüllt ist, springt eine Fontäne; runde, farbige Glasscheiben gewähren eine herrliche Aussicht nach der andern Seite.

Der schöne Schloßhof ist mit Alleen durchzogen, zwischen welchen Fontänen ihren Silberstaub aufwerfen . . .

Doch genug von diesen Monumenten unreifer Menschenkunst! Folgt mir auf den Balkon des Palastes, ich werde Euch von dort aus ein Monument zeigen, eines der schönsten, die Gott sich selber auf Erden gesetzt.

In der Ferne steigt vor uns auf die Gebirgskette des Ararat. Zwei Berge, die alle andern überragen, heben sich gewaltig daraus empor. Der zur Linken, rein konisch geformte, 158 ist der zwölf Tausend Fuß hohe kleine Ararat – der zur Rechten, dreifach gezackte, ist der majestätische Noahberg, der sechzehn Tausend Fuß hohe, große Ararat. Ein in wunderbaren Farben schimmernder Eispanzer umzwängt seine breiten Schultern, und er hebt sein Haupt so hoch empor, daß man nicht weiß, ob er mehr dem Himmel oder der Erde angehört.

Von den Vorgebirgen her schlängeln sich sanftgeschwellte Hügelreihen, auslaufend in weiten, üppig überwachsenen Gefilden; eben zieht eine lange Karawane von Dromedaren darüber hin; in weiter Ferne fließt, dem spähenden Auge kaum sichtbar, der Araxes; in den Lüften wiegen sich raubspähende Geier und Adler; dicht vor uns liegt der herrliche Park, durchduftet von den ersten Blumen des Frühlings, und zwischen dem Park und den Mauern des Palastes rauschen die klaren Wellen der Senghi.

Es überkam uns eine wundersame Andacht beim Anschauen dieses erhabenen Bildes. Worte vermögen solch ein Bild nicht wiederzugeben, und überhaupt vermögen nur diejenigen Leser, welche Aehnliches gesehen haben, die obigen Andeutungen ganz zu verstehen.

* * *

»Nun, Ihr habt mir einen schönen Streich gespielt! – rief der Fürst T . . . uns entgegen, als wir am späten Abend nach Hause zurückkehrten – die halbe Stadt ist hier gewesen, um Euch zu sehen; der Landeshauptmann, russische Offiziere und alle Mullah's und Schriftgelehrten von Eriwan. Nicht wahr, Du?«

»W'Allah éiladirr!« Bei Gott, so ist es! – rief der unvermeidliche Diener, dessen sich der Leser noch von der Fontäne her entsinnen wird.

159 Wir erzählten unserm Hausherrn, daß wir nicht umhin gekonnt hätten, den Tag beim Kommandanten zuzubringen.

»Wißt Ihr was! – entgegnete er – Ihr seid heute beim Kommandanten gewesen, ladet morgen den Kommandanten zu Euch ein! An Essen und Trinken soll es nicht fehlen; mein ganzes Haus steht Euch zu Gebote. Euer Wille ist mein Wille, was Ihr befehlt, soll geschehen! Und am besten wär' es, wenn Ihr dem Landeshauptmanne auch gleich eine Einladung schicktet; da wir doch einmal ein Festessen veranstalten, macht's nicht viel Unterschied, ob ein Gast mehr oder weniger.«

Wir merkten, wo er hinaus wollte, aber versprachen seinem Wunsche Folge zu leisten. Das Trinkhorn ging wieder fröhlich im Kreise herum und wir blieben noch bis spät in die Nacht hinein beisammen.

Ich müßte ein ganzes Buch schreiben, wollte ich Euch all' unsere Erlebnisse in Eriwan auch nur skizzenweise vor die Augen führen. Doch der beschränkte Raum gebietet mir Kürze und ich werde deshalb, ehe wir unsere Wanderung nach Etschmiadsin, dem Sitze des Patriarchen von Armenien, antreten, Euch nur noch von einem Besuche erzählen, welchen wir bei Suleiman-Chan, dem vornehmsten islamitischen Fürsten des Landes, machten. Suleiman-Chan, der Herrscher eines großen Tatarenstammes, hatte sich, die Unmöglichkeit einsehend, dem russischen Koloß auf die Dauer widerstehen zu können, vor Kurzem freiwillig dem weißen Zar unterworfen und seit der Zeit seinen Wohnsitz in Eriwan aufgeschlagen.

Er stand hier in dem Rufe eines streng auf die Gebräuche seiner Religion haltenden, sonst aber sehr freisinnigen und gebildeten Mannes, und die Art und Weise, wie er uns empfing und die Unterhaltung führte, entsprach ganz unserer vorgefaßten günstigen Meinung.

160 Der große, das alterthümliche Gebäude der Länge nach durchschneidende Empfangsaal war durch einen seidenen Vorhang von dem Vorzimmer getrennt, wo die Umgebung des Fürsten – bestehend aus etwa zwanzig schmuck gekleideten Persern und Tataren – sich aufhielt. Das lange Gemach hatte keine andere Verzierung, als die buntfarbigen Ringelfenster, welche nach zwei Seiten hin eine heitere Aussicht gewährten, und die kostbaren persischen Teppiche, womit der ganze Fußboden überlegt war. Rund um die Wand her lief ein prachtvoller Divan, auf welchem wir uns niederließen, während der Fürst selbst auf einem thronartigen Sessel saß, natürlich mit unterschlagenen Beinen.

Suleiman-Chan, ein bildschöner Mann, damals etwa fünfundzwanzig Jahre alt, bewegte sich mit einer fast weiblichen Anmuth und Leichtigkeit. Ich übergehe die Einzelnheiten unserer Unterhaltung, und bemerke nur, daß wir ihm vor dem Abschiede einige Verse zum Andenken aufschreiben mußten. Er schenkte dafür Jedem von uns ein von seiner Hand geschriebenes Gedicht an seine Geliebte, welches mir hübsch genug scheint, um hier eine Stelle in der Uebersetzung zu verdienen.

 
An Zarema.

          Welche Sterne sind wohl schöner:
Die zur Nacht am Himmel funkeln?
Oder die wie Deine Augen
Selbst des Tages Glanz verdunkeln?

  Sprich, was brachte mehr Gefahren:
Dieses Grübchen auf den Wangen?
Oder jenes Netz von Haaren,
D'rin Du Schlaue mich gefangen? 161

  Bülbül wußte nicht von welchem
Duft Begeisterung zu nippen:
Ob aus Schiras' Rosenkelchen,
Ob von Deinen Rosenlippen!

  Ich – ich weiß es; aber nimmer
Hab' ich Bülbül's Glück genossen!
Doch mein Sang wird bald und immer
Mir eröffnen, was verschlossen!

  Staunst Du, daß so wunderbare
Töne meiner Brust entklungen?
Sieh, ich habe Deine Haare,
Mädchen, um mein Herz geschlungen!

  Wo zu solchem Saitenspiele
Sich des Sängers Finger rühren,
Muß der Sang zu hohem Ziele,
Muß zur Gunst der Schönen führen!

  Sieh, Zarema! Dir zum Ruhme,
Und zum Lobe Deiner Schöne,
Duftet diese Liedesblume,
Schallen meiner Saiten Töne!

  Keiner wagt es wohl, die Töne
Dieses duft'gen Lieds zu tadeln –
Lesen wird es meine Schöne,
Und ihr Auge wird es adeln! 162

  Also wird Dein Blick ein Siegel,
Das des Liedes Werth besiegelt,
Und das Lied ist selbst ein Spiegel,
Der Dein Bild schön wiederspiegelt!

* * *

Als wir zurückkehrten von unserm Besuche bei Suleiman-Chan, fanden wir unsere Behausung von einem zahllosen Volkshaufen umdrängt. Perser, Tataren, Armenier, Zigeuner, Alles wogte durcheinander und lärmte unter einem ohrenbetäubenden Wirrwarr der seltsamsten Kehl- und Zischlaute, woran die semitischen Sprachen so reich sind. Wir hatten Mühe, in das Innere des Hofes zu gelangen.

»Macht Platz!« rief plötzlich mit lauter Stimme ein hochgewachsener Kisilbaschi – »macht Platz! Da kommen die Hadshi's, die Pilgrimme von Fränkjistan!«

Alsogleich bildete sich vor uns ein breites Spalier. »Nimm Dich zusammen – flüsterte ich R. zu – hier müssen wir prinzliche Gesichter schneiden, um die Würde des Abendlandes gehörig zu vertreten.«

Gemessenen Schrittes und ernsten Antlitzes gingen wir auf das Haus zu, hin und wieder sehr gnädig zur Linken und zur Rechten nach morgenländischer Weise grüßend.

In unserm Zimmer fanden wir Luka, der uns lächelnd die erwünschten Aufschlüsse über das seltsame Schauspiel draußen gab.

163 »Der Fürst – sagte er – hat in ganz Eriwan bekannt machen lassen, daß heute der Kommandant und der Landeschef in seinem Hause speisen werden. Da dieses nun ein bisher unerhörter Fall ist, so hat sich das Volk versammelt, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Viele benutzen auch solche Gelegenheiten, um Bittschriften, Beschwerden und dergleichen zu überreichen, die, auf gewöhnlichem Wege befördert, selten an den rechten Mann kommen, wenn der Weg nicht mit Gold gepflastert ist.«

Bald darauf langten unsere Gäste an, wurden aber nicht, wie das bei uns üblich, vom Volke mit lauten Zurufen, Lebehochs und dergleichen, sondern mit tiefem Stillschweigen empfangen.

Bei dem Gastmahle ging es ziemlich europäisch zu, weshalb ich Euch nicht viel davon zu erzählen brauche.

Der Kommandant,. ein gesetzter Mann, der vor Allem eine gute Suppe liebte, hatte zur Vorsicht seinen Koch geschickt, da er wußte, daß eine Suppe nach europäischem Geschmack zu den Unmöglichkeiten der asiatischen Küche gehört.

Der Landeschef hatte, angeblich aus Rücksicht für uns, gleiche Vorsichtsmaßregeln beobachtet, wie sein tapferer Freund, und da die beiden entsendeten Speisekünstler bei der Revision des Tafelgeschirrs verschiedene Kleinigkeiten, wie Tischtücher, Servietten, Gabeln und dergleichen vermißten, so trugen sie Sorge, alles Fehlende aus dem Service ihrer Herren zu ersetzen. Auch Gläser zum Trinken der feinern Weine waren vom Schlosse herbeigeschafft, doch wurde die Unzulänglichkeit von Weingläsern bei einem armenischen Diner bald eingesehen, und das Trinkhorn brach sich siegreich wieder Bahn.

Da fällt mir ein, daß ich bei meinen früheren Tafelschilderungen vergessen habe, eines eigenthümlichen Brauches 164 Erwähnung zu thun, der nicht allein in Armenien, sondern auch in Georgien jedes Trinkgelag charakterisirt.

»Allah werdy!« – Gott hat's gegeben! – ruft der Trinkende, bevor er das Horn an den Mund setzt; »Jachschi Jol!« – Einen guten Weg gehe es! – entgegnet der Nachbar.

Im gewöhnlichen Leben bilden diese Worte den stehenden Trinkspruch; will man aber bei festlichen Gelegenheiten noch etwas Besonderes sagen, so muß das Alla werdy! wenigstens als Einleitung dienen. Z. B.:

Alla werdy! Gott gab den Wein
Zur Labung unsrer Seele,
Zur Stärkung unserm Magen!
Und: Jachschi Jol! Gut fließ' er ein
In Deine durst'ge Kehle,
Mög' er Dir wohl behagen!

Oder: Alla werdy!

        Wie die Nachtigallen an den Rosen nippen,
– Sie sind klug und wissen, daß es gut ist! –
Netzen wir am Weine unsere losen Lippen,
– Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! –

Wie die Meereswellen an den Felsenklippen
– Wenn das sturmbewegte Meer in Wuth ist –
Breche schäumend sich der Wein an unsern Lippen;
– Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! –

Wie ein Geisterkönig, ohne Fleisch und Rippen,
– Weil sein Wesen eitel Duft und Glut ist, –
Zieh' er siegreich ein durch's Rosenthor der Lippen,
– Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! –

* * *

165 Doch, ich eile zum Schlusse und führe Euch weg von dem heitern Mahle nach dem nur wenige Meilen von der Stadt entfernten Kloster Etschmiadsin, auf der Hochebene des Ararat. Dort hat der Katholikos, der Patriarch von Armenien, seinen Sitz mit seiner ganzen Synode, bestehend aus vier Erzbischöfen und acht Bischöfen. Von hier aus wird die ganze armenische Christenheit regiert; hier ist der armenische Vatikan, und viele wunderbare Sagen knüpfen sich an die heiligen Gemäuer, deren Gründung bis zum Jahre 300 nach Christi zurückreicht.

Noch ist der Ararat wegen des eingetretenen Thauwetters unzugänglich, und wir müssen, ehe wir unsere Weiterreise antreten, Schutz suchen im Kloster Etschmiadsin. Doch um weilen zu dürfen in den heiligen Hallen, wo wir uns in der weltberühmten Sammlung von Büchern und Manuskripten reiche Ausbeute versprachen, ist es nöthig, zuvor Gastfreundschaft vom Erzbischof-Stellvertreter des Katholikos zu erflehen. Den Katholikos selbst, den fast achtzigjährigen Narses, hatte ich schon früher in Moskau kennen gelernt, wo er sich seit längerer Zeit aufhielt.

Mit einem glänzenden Reitergefolge, bestehend aus Kosaken, Kurden, Tataren und Armeniern, treffen wir ein vor den Mauern von Etschmiadsin.

Unser freundlicher Führer Obowian hat die Güte, unsere Ankunft zu verkünden.

Der ehrwürdige Erzbischof empfängt uns, umgeben von einigen Bischöfen und Mönchen. R. überläßt mir die Anrede.

Ich trete auf den stattlichen Greis zu, küsse seine Hand und sage: »Heiliger Vater! Der Vogel hat sein Nest und das Thier hat seine Höhle – aber der hilflose Mensch hat nicht wohin er sein Haupt lege!«

166 Der Erzbischof antwortete: »Fremdling! was sagt der Dichter: wenn ein Gast bei Dir einkehrt, so wasche seine Füße und breite Teppiche aus, daß er niedersitze und ausruhe an Deinem Herde. – Mein Haus ist Dein Haus!«

Ich nehme wieder das Wort und sage: »Ja, ehrwürdiger Vater! Gastfreundschaft macht die Wüste zum Rosengarten, aber Feindseligkeit macht den Rosengarten zur Wüste!«

Der Erzbischof drückt warm meine Hand und entgegnet: »Fremdling! Du sprichst schon sehr weise für Deine jungen Jahre!«

»Heiliger Vater! Meine Weisheit ist nur ein Abglanz von der Deinigen, denn Deine Worte fallen auf mich nieder süß wie auf die Kinder Israel das Mannah in der Wüste!«

Der Alte wendet sich lächelnd zu den Umstehenden, flüstert einem Bischof etwas in's Ohr, ergreift abermals meine Hand und spricht: »Junger Pilgrim! Du streuest Blumen aus Deinem Munde!«

»Heiliger Vater! Was kann ich thun, als wandeln auf den Blumen, die Du vor mir herstreuest? Was bin ich gegen Dich! Was ist ein Tropfen gegen das Meer, was ein Staubkorn gegen die Wüste, was eine Nachtlampe gegen die Sonne! Dein Wille ist mein Wille!«

* * *

Und ein fürstliches Gemach wurde uns bereitet im Kloster zu Etschmiadsin, dem Sitze des Patriarchen von Armenien, auf der Hochebene des Ararat. 167

 

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