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Tartarin in den Alpen

Alphonse Daudet: Tartarin in den Alpen - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorAlphonse Daudet
translatorStephan Born
firstpub1886
year1886
publisherH. le Soudier
addressLeipzig
titleTartarin in den Alpen
created20070217
sendergerd.bouillon
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II

Tarascon, fünf Minuten Aufenthalt. – Der Alpinenklub – Erklärung von P. C. A. – Wilde Kaninchen und zahme Kaninchen. – Das ist mein Testament. – Der Cadaver-Syrup. – Erste Bergbesteigung. – Tartarin braucht sein Fernglas.

Wenn die Station «Tarascon» auf der Linie Paris-Lyon-Mittelmeer unter dem durchsichtigen und satten Blau des provençalischen Himmels angekündigt wird, zeigen sich sogleich neugierige Köpfe an allen Fenstern des Expresszuges, und von Waggon zu Waggon rufen die Reisenden sich zu: «Ah, Tarascon... da müssen wir doch hinsehen.»

Was man da sieht, ist durchaus nichts Ungewöhnliches: eine kleine, friedliche, reinliche Stadt, Thürme, Dächer, eine Brücke über die Rhone. Aber die tarasconnesische Sonne und ihre wunderbaren, an Ueberraschungen, Erfindungen, wahnwitzigen Spässen so überreichen Lichteffekte; das heitere Völkchen, nicht grösser als die Kichererbse, das die Instinkte des gesammten mittäglichen Frankreichs in sich vereinigt: lebhaft, unruhig, schwatzhaft, alles übertreibend, komisch, jedem Eindruck zugänglich, das ist es, was die Leute im Expresszug anzieht, was sie sehen wollen, und was die Popularität des Ortes begründet.

Auf denkwürdigen Seiten, an welche eingehender zu erinnern der Historiograph von Tarascon durch seine Bescheidenheit gehindert wird, hat derselbe ehemals es versucht, die glücklichen Tage jener kleinen Stadt zu schildern, ihr Vereinsleben, ihre Liederkränze, jedes Haus mit seiner eigenen Romanze, und da es an Wild fehlte, die originelle MützenjagdVon jener lokalen Jagd wird in den «Wunderbaren Abenteuern Tartarin's von Tarascon» Folgendes erzählt:

«Nach einem guten Frühstück auf offnem Felde greift jeder Jäger nach seiner Mütze, wirft sie mit Aufbietung seiner ganzen Kraft in die Luft und schiesst im Fluge nach derselben mit N. 5, 6 oder 2 seiner Schrotladung, je nach dem Uebereinkommen. Wer seine Mütze am häufigsten trifft, wird zum König des Tages ausgerufen und zieht Abends als Triumphator in Tarascon ein, die durchlöcherte Mütze an der Mündung des Gewehrs befestigt, von Hundegebell und schmetternden Trompeten begleitet.»

! Dann, als der Krieg uns heimsuchte mit seinen schweren Zeiten, hat er Tarascon und dessen heldenmüthige Vertheidigung geschildertS. Montagsgeschichten, übersetzt von Stephan Born, Basel 1880. , die Torpedos rings um die Esplanade, der Cercle und das Café de la Comédie werden zu uneinnehmbaren Citadellen umgestaltet, alle Einwohner in Freicorps eingetheilt, die Todtenköpfe mit den gekreuzten Knochen, die langen Bärte, die Aexte, Yatagans, amerikanischen Revolver, die ganze fürchterliche Ausstaffirung, so dass zu guter Letzt die tapfern Tarasconnesen einander Schrecken einjagten, und Keiner mehr wagte, aus dem Hause zu treten.

Viele Jahre sind seit dem Kriege verflossen, viele Kalender sind seitdem ins Feuer geworfen worden; Tarascon aber hat nichts vergessen. Auf die leeren Zerstreuungen früherer Zeiten verzichtend, war sein Sinnen und Trachten nur darauf gerichtet, sein Blut, seine Muskeln zum Vortheil künftiger Revanchen zu stärken. Schützen- und Turnvereine, kostümirt, equipirt, jeder mit seiner eigenen Musik und seinem Banner; Fechtböden, Boxen, Schwingen, Ringen, Wettläufe, Kämpfe jeglicher Art zwischen Personen von der besten Gesellschaft sind an Stelle der Mützenjagden, der platonischen Waidwerksplaudereien beim Waffenschmied Costecalde getreten.

Und der Cercle, der alte Cercle selber hat dem Kartenspiel, der Bouillotte und Bézigue entsagt, hat sich in einen Alpenklub nach dem Muster des berühmten Londoner «Alpine Club» verwandelt, der den Ruf seiner Mitglieder bis nach Indien getragen. Der Unterschied ist freilich nicht zu übersehen, dass die Tarasconnesen, anstatt ihren Ehrgeiz auf zu ersteigende ausländische Bergesriesen zu richten, sich mit dem begnügten, was sie vor den Thoren der Stadt gerade zur Hand oder vielmehr zu ihren Füssen hatten.

Die Alpen bei Tarascon? Nein, aber die Alpinen, jener nach Thymian und Lavendel duftende Höhenzug, nicht sehr schwierig und nicht sehr hoch (150 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel), der den provençalischen Strassen einen blauen Horizont giebt und den die Lokalphantasie mit den fabelhaftesten und ausdrucksvollsten Namen belegt: «der Schreckensberg», «das Ende der Welt», «das Riesenhorn» u. s. w.

Es ist eine Wonne, die Tarasconnesen am Sonntagmorgen in voller Ausrüstung, auf dem Rücken die Hacke, den Quersack, das Zelt, den Trompeter voran, aus der Stadt ziehen zu sehen zur Bergbesteigung, deren Schilderung im Wochenblättchen, dem Forum, mit einem malerischen Luxus, «gähnende Abgründe, fürchterliche Schlünde, finstere Schluchten» ausgestattet werden, als handelte es sich um das Erklimmen des Himalaya. Aber man bedenke wohl, dass die Landesbewohner durch diese Leibesübungen neue Kräfte und jene Doppelmuskeln sich gewinnen, die ehemals Tartarin allein, dem guten, braven, heldenmüthigen Tartarin, vorbehalten waren.

Wenn Tarascon den ganzen Süden in sich allein darstellt, so ist Tartarin das ganze Tarascon. Er ist nicht blos der erste Bürger der Stadt, er ist ihre Seele, ihr Genius; er ist der Vertreter aller ihrer göttlichen Narretheien. Man kennt seine früheren Grossthaten, seine Triumphe als Sänger (o! das Duo aus «Robert der Teufel» in der Hinterstube der Apotheke Bézuquet) und die erstaunliche Odyssee seiner Löwenjagden, von denen er ein prächtiges Kameel mit heimbrachte, das letzte Kameel von ganz Algerien. Es ist seither der Last der Jahre und der Ehren erlegen. Sein Skelett wird im Museum der Stadt, unter den tarasconnesischen Sehenswürdigkeiten aufbewahrt.

Er, Tartarin, ist nicht alt geworden; immer die guten Zähne, ein scharfes Auge trotz der nahen Fünfzig, immer noch jene ausserordentliche Phantasie, welche die Gegenstände mit telescopischer Mächtigkeit näher bringt und vergrössert. O er ist noch da, der Mann, von welchem der tapfere Kommandant Bravida einst sagte: «Der ist ein Kerl!...»

Zwei Kerle vielmehr. Denn in Tartarin wie in jedem Tarasconnesen giebt es eigentlich zwei Wesen, wie es zwei Rassen Kaninchen giebt, wilde und zahme. Das wilde Kaninchen ist ein Renner, ein wagehalsiger Abenteurer; das zahme Kaninchen oder der Stallhase hockt immer daheim, trinkt Kamillenthee, hat eine fürchterliche Scheu vor jeder Anstrengung, jedem Luftzug, jedem Unternehmen, bei dem man sich den Tod holen kann.

Man weiss ja wohl, dass diese Vorsicht ihn durchaus nicht hinderte, tapfer und heldenmüthig zu sein. Indessen ist die Frage wohl gestattet, was er auf dem Rigi (Regina Montium) zu thun hatte, in seinem Alter, wo er so begründeten Anspruch auf Ruhe und Behaglichkeit hatte.

Hierauf hätte allein der schändliche Costecalde die Antwort geben können.

Costecalde, ein Waffenschmied seines Zeichens, vertritt einen in Tarascon ziemlich seltenen Typus. Der Neid, der blasse, gemeine Neid, der an einer bösen Falte auf seinen dünnen Lippen und einer Art gelben Blutwelle sichtbar ist, die ihm stossweise aus der Leber in das breite, glattrasirte, wie mit einem Hammer platt geschlagene, an eine abgegriffene Medaille des Tiberius oder Caracalla erinnernde Gesicht aufsteigt; der Neid ist bei ihm eine Krankheit, die er nicht einmal zu verheimlichen sucht. Und bei dem schönen tarasconnesischen Temperament, das nie an sich halten kann, begegnet es ihm auch, dass er selber, wenn er von seinem Uebel spricht, nicht selten hinzusetzt: «Sie wissen gar nicht, wie wehe es thut....»

Natürlich ist Tartarin der Alp auf Costecalde's Brust. So viel Ruhm auf einem einzigen Haupt! Er überall, stets er! Und langsam, heimlich, einer weissen Ameise gleich, die sich in das vergoldete Holz eines Götzenbildes einbohrt, untergräbt er seit zwanzig Jahren diese triumphirende Berühmtheit und nagt und bohrt er an ihr. Wenn Tartarin Abends im Cercle seine Löwenjagden, seine Züge durch die Sahara erzählte, dann hatte Costecalde regelmässig ein stummes Hohnlächeln auf den Lippen, dann zuckte er ungläubig die Achseln.

«Aber die Häute, das müssen Sie doch zugeben, Costecalde, die Löwenhäute, die er uns geschenkt hat, und die hier im Salon des Cercle liegen?...

Té! pardi.... Und die Pelzhändler? Glaubt ihr, dass es in Algier keine giebt?

– Aber die kugelrunden Löcher von den Schüssen, in den Köpfen?

– Und warum nicht? Hat man nicht etwa, als wir hier noch die Mützenjagd trieben, bei unseren Hutmachern, von Schrotkörnern durchlöcherte und zerrissene Mützen für ungeschickte Schützen kaufen können?

Gewiss, der alte Ruhm des Löwenjägers Tartarin war über alle diese Angriffe erhaben; trotz alledem übte sich jede Kritik an ihm, und Costecalde legte sich um so weniger Fesseln an, als er wüthend darüber war, dass man zum Präsidenten des Alpinenclubs einen Mann gewählt hatte, den das Alter sichtlich unbeholfen machte und den die in Algerien angenommene Gewohnheit, Pantoffeln und lose Kleider zu tragen, noch mehr zur Bequemlichkeit geneigt machte.

In der That betheiligte sich Tartarin selten am Bergsteigen. Er begnügte sich damit, die Alpenclubisten mit seinen besten Wünschen zu begleiten und in feierlicher Sitzung mit rollenden Augen und einer Stimme, welche die Damen erzittern machte, die tragischen Schilderungen der ausgeführten Excursionen vorzulesen.

Costecalde, im Gegentheil, hager, nervig, das «Hühnerbein», wie man boshafterweise ihn nannte, kletterte stets voran; er hatte sämmtliche Berge der Alpinen durchwandert, auf unerreichbaren Gipfeln die Fahne des Clubs aufgepflanzt, die «Tarasque» mit silbernen Sternen. Und trotz alledem war er blos Vicepräsident, V. P. C. A. Aber er bereitete so eifrig den Sturm auf die Citadelle vor, dass Tartarin augenscheinlich bei den nächsten Wahlen über die Klinge springen musste.

Durch seine Getreuen, den Apotheker Bézuquet, Excourbaniès, den tapferen Commandanten Bravida gewarnt, wurde der Held anfangs über diese verrätherische Auflehnung, über den Undank und die Ungerechtigkeit, die eine schöne Seele empören müssen, von tiefem Ekel erfüllt. Er hatte Lust, Alles stehen und liegen zu lassen, fortzuziehen, über die Brücke zu gehen, um in Beaucaire bei den Volskern zu leben. Dann aber beruhigte er sich.

Sein kleines Haus, seinen Garten, alle seine süssen Gewohnheiten aufgeben, auf seinen Präsidentenstuhl in dem von ihm gegründeten Alpenklub verzichten, jenem majestätischen P. C. A., das seine Visitenkarten, sein Briefpapier, ja sein Hutfutter schmückte! Unmöglich, vé! Plötzlich fuhr ihm ein wunderbarer Gedanke durch den Kopf.

Im Grunde beschränkten sich die Heldenthaten Costecalde's auf Ausflüge in die Alpinen. Warum sollte Tartarin in den drei Monaten, die ihn von den Wahlen noch trennten, nicht etwa ein grandioses Abenteuer versuchen, die Fahne des Klubs z. B. auf einem der höchsten Gipfel Europa's, dem der Jungfrau oder des Montblanc aufpflanzen?

Welch ein Triumph bei der Heimkehr, welch ein Schlag für Costecalde, wenn das Forum dann die Geschichte der Besteigung veröffentlichte.

Er machte sich sofort an's Werk, liess sich heimlich aus Paris eine Menge Specialwerke kommen: die Alpenbesteigungen von Whymper, die Gletscher von Tyndall, Stephen d'Arve's Montblanc, die Jahrbücher der englischen, schweizerischen Alpenklubs; er meublirte seinen Kopf mit einer Menge von Fachwörtern: Kamine, Felsenkehlen, Karrenfelder, Gletscherschliffe, Moränen, ohne genau zu wissen, was sie zu bedeuten hatten.

Nachts schreckten ihn die Träume von endlosen Rutschpartien, fürchterlichen Stürzen in grundlose Spalten. Er wurde von den Gletschern gerollt, von Eisnadeln aufgespiesst; und noch lange nachdem er des Morgens erwacht war und seine Frühschokolade alter Gewohnheit gemäss im Bette genossen, konnte er sich von dem Alp und der ausgestandenen Angst nicht erholen. Dies hinderte ihn aber nicht, sobald er aus dem Bette war, seinen Vormittag den härtesten Leibesübungen zu widmen.

Rings um die Stadt Tarascon giebt es einen mit Bäumen besetzten breiten Weg, der im Orts-Wörterbuch «der Gang um die Stadt» genannt wird. Jeden Sonntag Nachmittag machen die Tarasconnesen, trotz ihres reichen Phantasielebens doch Gewohnheitsmenschen, ihren Gang um die Stadt und stets in der gleichen Richtung. Tartarin übte sich darin, den Gang achtmal, zehnmal im Vormittag zu machen, häufig sogar rückwärts. Die Hände auf dem Rücken ging er im langsamen, sichern Gebirgsschritt vorwärts, und die Philister, über solchen Bruch mit den Ortsgewohnheiten erstaunt, verloren sich hierüber in allerlei Muthmassungen.

Daheim, in seinem Gärtchen, übte er sich im Springen über eventuelle Gletscherspalten, indem er über das Becken des Springbrunnens setzte, in welchem einige Goldfische zwischen Wasserbinsen schwammen; zweimal fiel er hinein und musste er sich umziehen. Diese Unfälle reizten ihn nur noch zu weiteren Versuchen; er stiefelte dann auf der schmalen Einfassung des Brunnens einher, worüber seine alte Magd, die sich diese Turnübungen nicht zu erklären wusste, in tiefster Seele erschrak.

Zu gleicher Zeit bestellte er bei einem guten Schlosser in Avignon Eissporen, System Whymper, für seine Bergschuhe, und eine Hacke, System Kennedy; er verschaffte sich auch eine Kaffeemaschine, zwei wasserdichte Decken und zweihundert Fuss von einem Seil eigner Erfindung.

Die Ankunft dieser verschiedenen Gegenstände, der geheimnissvolle Verkehr im Hause, den ihre Anfertigung nöthig machte, verursachte den Tarasconnesen viel Kopfzerbrechens. In der Stadt hiess es: «Der Präsident bereitet Etwas vor.» Aber was? Etwas grandioses, sicherlich, denn wie das schöne Wort des tapfern und sinnreichen Kommandanten Bravida lautet, der nur in Sentenzen sich ausdrückt: «Der Adler fängt keine Fliegen.»

Selbst seinen Vertrauten gegenüber blieb Tartarin undurchdringlich. Nur in den Klubsitzungen war das Zittern in seiner Stimme und der Glanz in seinen Augen auffällig, wenn er das Wort an Costecalde, die indirecte Ursache dieser neuen Unternehmung richtete, deren Gefahren und Mühseligkeiten, je näher die Entscheidung heranrückte, ihm immer deutlicher entgegentraten. Der Unglückliche gab sich darüber keinen Täuschungen hin, er sah im Gegentheil die Sache so ernst an, dass er es für unerlässlich hielt, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und seinen letzten Willen aufzusetzen. Ein schwerer Entschluss, denn die Tarasconnesen hängen sehr am Leben und sterben fast Alle, ohne ein Testament gemacht zu haben.

Ja, an einem strahlenden Junimorgen, bei wolkenlosem, glänzendem Himmel, die Thüre seines Zimmers war auf das nette, schmucke Gärtchen geöffnet, wo die exotischen Pflanzen ihren stillen Schatten auf die reinlichen Sandwege warfen, wo der Springbrunnen helltönend plätscherte und draussen die kleinen Savoyarden lärmend ihr Mühlespiel trieben, sass Tartarin in Pantoffeln, in weitem Flanellgewand, bequem, glücklich, eine gute Pfeife vor sich, in seinem breiten Sessel, und las laut im Schreiben:

«Das ist mein Testament.»

Je nun, man mag das Herz noch so sehr am rechten Platze haben, das sind doch grausame Minuten. Indessen weder seine Hand, noch seine Stimme zitterte, während er seinen Mitbürgern alle ethnographischen Reichthümer vermachte, die, sorgfältig abgestäubt, und in bewundernswerther Ordnung in seinem Häuschen aufgestellt waren:

«Dem Alpinenklub den Baobab (arbor gigantea) für das Kaminsims im Sitzungssaal;

Dem Kommandanten Bravida die Karabiner, Revolver. Jagdmesser, malaischen Kris, Tomahawks und andere Mordwaffen;

Meinem Freunde Excourbaniès sämmtliche Pfeifen, indianische Friedenspfeifen, Nargiles, Kif- und Opiumpfeifen;

Dem Waffenschmied Costecalde – ja, sogar Costecalde hatte sein Erbtheil – die berühmten vergifteten Pfeile (Nicht berühren).»

Vielleicht verband sich mit diesem Geschenk noch die heimliche Hoffnung, dass der Verräther sich verwunde und daran sterbe. Aus dem Testament liess sich jedoch solches nicht schliessen, das mit folgenden göttlich-leutseligen Worten endete:

«Ich bitte meine theuren Alpinisten, ihren Prasidenten nicht zu vergessen ... ich will, dass sie meinem Feinde verzeihen, wie ich ihm verzeihe, und dennoch ist er die Ursache meines Todes....»

Hier wurde Tartarin von einem grossen Thränenstrom überwältigt; er war genöthigt, inne zu halten. Eine Minute lang sah er sich zerschmettert am Fusse eines hohen Berges, auf einen Schiebkarren geladen, und die verstümmelten Ueberreste seines Leibes nach Tarascon gebracht! O, was die provençalische Phantasie nicht Alles sieht! Er wohnte seinem eigenen Begräbniss bei, hörte die düstern Leichengesänge, die Reden an seinem Grabe: «Armer Tartarin, péchéré!...» Und mitten unter allen seinen Freunden stand er da, sich selbst beweinend.

Der Anblick seines sonnigen Zimmers mit den langen Reihen glänzender Waffen und merkwürdiger Pfeifen, das Plaudern des kleinen Wasserstrahls mitten im Garten versetzte ihn aber sehr bald wieder in die Wirklichkeit der Dinge. Genau genommen, warum sterben, warum nur verreisen? Wer nöthigte ihn dazu? Ueber die dumme Eitelkeit, sein Leben für einen Präsidentenstuhl und für drei Buchstaben des Alphabets aufs Spiel zu setzen!...

Das war aber nur eine Schwäche, die nicht länger dauerte als die andere. Nach Verlauf von fünf Minuten war das Testament fertig, unterzeichnet, mit einem mächtigen schwarzen Siegel versehen, und der grosse Mann traf seine letzten Vorbereitungen zur Abreise

Noch einmal hatte der wilde Tartarin über den zahmen Tartarin gesiegt. Und man durfte von dem Helden von Tarascon sagen, was von Turenne gesagt worden ist: «Sein Leib war nicht bereit, in die Schlacht zu gehen, sein Wille aber führte ihn trotzdem in die Schlacht.»

Am Abend desselben Tages, als eben der automatische Ritter am Zifferblatt der Stadtuhr zehn Uhr geschlagen hatte, die Strassen waren verödet und schienen länger geworden, kaum da und dort ein verspäteter Wirthshausbesucher, hohle ängstliche Stimmen riefen in der Finsterniss noch ein zitterndes «Gute Nacht», da wurde eine Thür zugeschleudert und ein Wanderer schlich die dunkeln Häuser entlang bis zur Apotheke Bézuquet, deren Besitzer mit dem Ellenbogen auf den Schreibtisch gelehnt und über seinem Receptbuch eingeschlummert war. Eine kleine Abschlagszahlung, die er jeden Abend zwischen neun und zehn Uhr annahm, um, sagte er, in der Nacht, wenn Jemand seiner bedurfte, munterer zu sein. Ehrlich gestanden, das war auch wieder eine Tarasconnade, denn man weckte ihn niemals; er hatte selbst, um in Ruhe zu schlafen, den Draht am Klingelzug abgeschnitten.

Plötzlich trat Tartarin ein. Er war mit Decken beladen, trug einen Reisesack in der Hand und war so bleich, so verstört, dass der Apotheker, bei seiner lokalen fessellosen Phantasie, vor der selbst sein abspannendes Geschäft ihn nicht hatte retten können, sofort an ein entsetzliches Abenteuer dachte und erschreckt ausrief: «Unglücklicher... was ist's?... Sie sind vergiftet?... Rasch, rasch, die Ipéca....»

Er wollte forteilen und warf schon seine Flaschen übereinander. Tartarin musste ihn um den Leib fassen, um ihn festzuhalten. «Aber, so hören Sie doch, den Teufel auch!» Aus seiner Stimme knirschte der Aerger des Schauspielers, dem man seinen Auftritt verdorben hat. Als nun endlich der Apotheker seiner Eisenhand nicht mehr entweichen konnte, sagte Tartarin ganz leise zu ihm:

«Sind wir allein, Bézuquet?

– Nun ja... antwortete dieser und warf angstvoll seine Blicke um sich her.... Pascalon ist zu Bett (Pascalon war sein Lehrling), die Mama auch. Aber warum?

– Schliessen Sie die Fensterladen, befahl Tartarin, ohne zu antworten... man könnte von draussen uns sehen.»

Bézuquet gehorchte zitternd. Ein alter Junggeselle, der mit seiner Mutter lebte, die er niemals verlassen hatte, war er von einer mädchenhaften Sanftmuth und Schüchternheit, die in sonderbarem Kontrast zu seiner dunkeln Hautfarbe, seinen dicken Lippen, seiner grossen, über einen struppigen Schnurrbart sich beugenden Habichtsnase stand. Er hatte den Kopf eines algerischen Seeräubers alter Zeit. Diese Gegensätze sind nicht selten in Tarascon, wo es nur zu viel Charakterköpfe giebt, römische, sarazenische Köpfe, ausdrucksvolle Köpfe für Zeichenvorlagen, die bei den bürgerlichen Gewerben und den ultra-friedlichen Sitten einer kleinen Stadt befremden müssen.

Excourbaniès z.B., der das Gesicht eines Conquistadors, eines Genossen Pizarro's hat, ist Besitzer eines Kramladens und rollt seine flammenden Augen, um für zwei Sous Faden zu verkaufen, und Bézuquet, der mit Lakritzen und Syrupus gummi handelt, gleicht einem alten Seebär der Barbaresken-Küste.

Als die Fensterladen geschlossen und innen mit Eisenstäben befestigt waren, sagte Tartarin: «Höre, Ferdinand» ... ernannte die Leute gern bei ihrem Vornamen. Und nun legte er los und öffnete das über den Undank seiner Landsleute empörte Herz, erzählte alle gemeinen Ränke des «Hühnerbeins», den Streich, den man bei den nächsten Wahlen ihm spielen wollte, und wie er den Stoss schon pariren werde.

Vor allen Dingen müsse man die Sache sehr geheim halten, sie ja nicht vor dem Moment offenbaren, da sie vielleicht über den Erfolg entscheiden werde, es sei denn, dass ein unberechenbares Unglück, eine jener fürchterlichen Katastrophen.... «Ei, Bézuquet, pfeifen Sie doch nicht so, während ich spreche.»

Das war ein besonderer Tik des Apothekers. Von Natur wenig schwatzhaft, was in Tarascon kaum vorkommt und ihn zum Vertrauten des Präsidenten machte, verloren seine stets zu einem O sich rundenden Lippen selbst bei der ernstesten Unterhaltung die Gewohnheit nicht, fortwährend zu pfeifen, was den Anschein hatte, als wollte er sich über die Leute lustig machen.

Und während der Held auf seinen möglichen Tod anspielte, legte er einen grossen versiegelten Brief auf den Ladentisch: «Das ist mein letzter Wille, sagte er. Bézuquet, Sie habe ich zu meinem Testamentsvollstrecker gemacht....»

– Hü... hü... hü... pfiff es wieder von den Lippen des Apothekers, der im Grunde der Seele sehr ergriffen war, die Grösse der ihm zugedachten Rolle wohl verstand, seiner Manie aber nicht Herr zu werden vermochte.

Als nun die Stunde des Aufbruchs kam, wollte er auf das Gelingen des Unternehmens «etwas Gutes trinken, qué?... ein Glas von unserm Elixir de Garus.» Mehrere Schränke wurden geöffnet und durchsucht. Mama hatte die Schlüssel zum Garus mit sich genommen. Man hätte sie wecken müssen. Statt des Elixirs nahm man ein Glas «Sirop de Calabre». – «Sirop de Cadavre» hatte ihn der höllische Costecalde getauft, der alles Himmlische anschwärzen musste. Das schreckliche Wortspiel hatte übrigens den Verkauf jenes kühlenden Getränkes sehr gefördert; die Tarasconnesen schwärmen für den Cadaver-Syrup.

Nach vollbrachter Libation und einigen letzten Abschiedsworten, umarmten sie sich. Bézuquet pfiff in seinen Schnurrbart, über welchen die dicken Thränen hinabrollten.

«Adieu!» rief Tartarin plötzlich, denn er fühlte, dass er seiner Thränen nicht Herr wurde; und da der obere Theil der Thüre schon geschlossen war, so musste er unten durch auf allen Vieren hinaus.

Das waren schon die Prüfungen der Reise, die nun ernster beginnen sollten.

 

Drei Tage darauf war er in Vitznau, am Fusse des Rigi. Als erster Versuch und Vorübung zu Bedeutenderem war ihm der Rigi recht (1800 Meter über der Meeresfläche, ungefähr zehnmal so hoch wie der Schreckensberg, der höchste der Alpinen)! auch wegen des glänzenden Panoramas, das man von seinem Gipfel aus geniesst, die ganze Alpenkette, weiss und rosig, um zauberische Seen ein blühender Kranz. Von hier aus konnte er sich für den Riesen entscheiden, den er zu erklimmen gedachte.

Vollkommen überzeugt, dass man ihn unterwegs erkennen und ihm nachgehen werde, denn es war seine Schwäche, zu glauben, dass er in ganz Frankreich eben so berühmt sei wie in Tarascon, hatte er einen grossen Umweg gemacht, um in die Schweiz zu gelangen; aber erst nach Ueberschreitung der Grenze legte er seine Rüstung an. Zu seinem Glück, denn in einem französischen Waggon hätte er in seiner Ausstaffirung niemals Raum genug gefunden.

So bequem aber selbst die schweizerischen Waggons sind, unser mit allen Hülfsmitteln von Kunst und Wissenschaft beladener Bergbesteiger, der all dieser Dinge noch ungewohnt war, durchbohrte die Zehen seiner Nachbarn mit der Spitze seines Alpenstocks, harpunirte die Vorübergehenden mit seinen eisernen Klammern, und überall, wo er sich zeigte, in den Bahnhöfen, den Hotels, auf den Dampfschiffen erzeugte er eben so viel Verwunderung wie er Verwünschungen und Zornesblicke weckte, die er sich durchaus nicht zu erklären vermochte und die seine liebende, mittheilsame Natur schwer bekümmerten. Dazu, um ihn ganz zu verstimmen, ein stets grauer, bewölkter Himmel und ein ewiger Regen.

Es regnete in Basel auf die schmalen, weissen Häuser, die fort und fort von der Hand der Mägde und den Fluthen des Himmels gewaschen wurden; es regnete in Luzern am Landungsplatz der Dampfschiffe, wo die Koffer, die Reisekörbe, wie aus einem Schiffbruch gerettet schienen; und als er weiter oben am Vierwaldstätter-See in Vitznau ankam, immer noch dieselbe Wasserfluth von den Hängen des Rigi hernieder, schwarzer Wolkenritt in der Höhe, und in den Felseneinschnitten sich überstürzende, sausende Bäche, weit über die Wege stäubende Wasserfälle. Es tropfte und rieselte von allen Steinen, allen Tannenbäumen. Noch niemals in seinem Leben hatte der Tarasconnese so viel Wasser gesehen.

Er trat in ein Wirthshaus und liess sich einen Kaffee mit Milch, Honig und Butter vorsetzen, das einzig wirklich Gute, was er bisher auf der Reise genossen hatte. Nachdem er so sich gestärkt und sich mit der Serviettenspitze den Honig vom Bart gewischt, machte er sich fertig zu seiner ersten Bergfahrt.

«Und übrigens, fragte er beim Umschnallen seiner Ausrüstung, wie lange geht man auf den Rigi?

– Eine Stunde, fünf Viertelstunden, Herr; aber eilen Sie sich, der Zug fährt in fünf Minuten ab.

– Ein Zug auf den Rigi?... Sie scherzen!»

Durch die mit Blei eingefassten kleinen Scheiben des Wirthshauses zeigte man ihm den Zug, der sich in Bewegung setzte. Zwei bedeckte, an den Seiten offne Waggons wurden von einer Locomotive mit niedrem Kamin und bauchigem Kessel, einem ungeheuerlichen, aus dem Berge geschlüpften Insekt gezogen, das keuchend die schwindligen Hänge hinanklomm.

Die beiden Tartarin, der wilde und der zahme, empörten sich gleicherweise gegen den Gedanken, in diese abscheuliche Maschine zu steigen. Der eine fand es lächerlich, solcherweise in einem Elevator die Alpen zu erklimmen, dem andern aber flössten die steilen Rampen, die luftigen Brücken, über welche die Schienen gingen, mit der Perspective, bei der geringsten Entgleisung tausend Fuss tief hinabzustürzen, allerlei zähneklappernde Betrachtungen ein, welche durch die Nahe des kleinen Kirchhofs von Vitznau wohl berechtigt waren, wo die weissen Gräber, gerade unter der steilen Felsenwand, sich wie das weisse Linnen einer Bleiche dicht an einander drängten. Jener Gottesacker ist augenscheinlich nicht umsonst an dieser Stelle. Wenn es ein Unglück gäbe, hätte man die todten Reisenden nicht weit zu tragen.

«Gehen wir zu Fuss, sagte sich der wackere Tarasconnese; das ist eine gute Uebung... zou!

Und er ist wirklich aufgebrochen, aber angesichts der Wirthshausleute war er viel zu sehr mit seinem Alpenstock beschäftigt, als dass er Zeit gehabt hätte, auf deren Anweisungen für den einzuschlagenden Weg zu hören. Er steigt zuerst einen steilen, mit groben, spitzen Kieseln gepflasterten Weg hinan; rechts und links tannene Rinnen zum Abfluss des Regenwassers, grosse Obstgärten und saftige Wiesen, die von denselben Bewässerungskanälen durchzogen werden. Der ganze Berg schwamm von oben bis unten in Wasser, und jedes Mal wenn Tartarin mit seiner quer überliegenden Hacke die niedern Aeste einer Eiche oder eines Nussbaumes streifte, prasselte es auf seine Mütze wie aus der Brause einer Giesskanne.

«Gott, so viel Wasser!» seufzte der Südländer. Aber es wurde noch schlimmer, als der gepflasterte Weg plötzlich aufhörte, und er durch den Koth waten, von einem Stein zum andern springen musste, um seine Gamaschen einigermassen zu schonen. Dann kam der Regen dazu, ein satter, alles durchdringender Regen, und je höher, um so kälter wurde die Luft. Wenn er im Steigen innehielt, um frischen Athem zu schöpfen, dann hörte er immer und immer nur das laute Wassergeriesel; er kam sich wie ertrunken vor, und wenn er die Blicke rückwärts wendete, dann sah er die Wolken in dünnen gläsernen Streifen dem See zueilen, und mitten durch schimmerten die Häuser von Vitznau gleich frisch gefirnisstem Spielzeug.

Männer, Kinder, kamen gesenkten Hauptes an ihm vorüber, auf dem Rücken stets dieselbe tannene Butte mit Nahrungsmitteln für eine Villa oder Pension, deren durchbrochene Lauben auf halber Höhe herüberschauten. «Rigi-Kulm?» fragte Tartarin, um sich zu versichern, dass er auf dem rechten Wege sich befinde. Aber seine sonderbare Ausstaffirung, besonders seine gestrickte, den Kopf fest umschliessende Haube, wie man sie in der Schweiz nur im hohen Jura kennt, ein Ding, das sein Gesicht vollständig verbarg, verbreitete Schrecken auf seinem Wege. Jedermann blickte ihn mit starrem Auge an und ging eiligst weiter, ohne ihm zu antworten.

Bald aber wurden diese Begegnungen selten. Das letzte menschliche Wesen, dessen er ansichtig wurde, war eine Alte, die unter einem in die Erde gepflanzten grossen rothen Regenschirm in einem hohlen Baumstamm ihre Hemden wusch.

«Rigi-Kulm?» fragte Tartarin.

Die Alte richtete ihr braunes Idiotengesicht empor und zeigte dabei einen Kopf, der ihr, wie einer Schweizerkuh die Glocke, am Halse tanzte. Nachdem sie ihn lange angeschaut, wurde sie von einem unauslöschlichen Lachen gepackt, so dass ihr Mund bis an die Ohren sich öffnete und ihre Augen in den tausend kleinen Fältchen verschwanden. Aber jedes Mal, wenn sie die Augen wieder öffnete, rief der Anblick Tartarins mit der Hacke auf der Schulter einen neuen Lachkrampf bei ihr hervor.

«Verwünschte Hexe!» fluchte der Tarasconnese, «sie mag froh sein, dass sie nur ein Weib ist ...» und vor Zorn schnaubend, setzte er seinen Marsch fort und gerieth in einen Tannenwald, wo er mit den Füssen auf dem nassen Moos in einem fort ausglitt.

Weiter hin änderte sich die Landschaft. Weder Pfad, noch Baum, noch Wiese. Düstre, nackte Felsen, grosse Schuttkegel, über die er, aus Angst zu stürzen, auf den Knieen vorwärts rutschte, tiefe Pfützen voll gelben Schlamms, über die er, vorsichtig mit dem Alpenstock tastend, das Bein wie ein Scherenschleifer hebend, langsam sich hinweghalf. Jeden Augenblick schaute er auf den kleinen Kompass an seinem breiten Uhrband; aber, was nun auch Schuld daran sein mochte, die Nadel schien wie verrückt zu sein. Und kein Mittel, sich in dem dicken gelben Nebel zurecht zu finden, bei dem man nicht zehn Schritte weit sehen konnte, und der mit einem Male eisig kalt wurde, so dass das weitere Steigen immer schwerer und schwerer wurde.

Plötzlich blieb er stehen; der Boden wurde jetzt so weiss.... Acht auf die Augen!.... Jetzt kommen wir in die Schneeregion....

Sofort zog er die Brille aus ihrem Futteral und setzte sie fest auf die Nase. Das war ein feierlicher Augenblick. Etwas bewegt, immerhin stolz, schien es doch Tartarin, als wäre er plötzlich den hohen Bergesgipfeln und den grossen Gefahren um 1000 Meter näher gerückt.

Er ging mit aller Vorsicht weiter, denn er dachte nur noch an Gletscherspalten, Eispyramiden, von denen seine Bücher ihm erzählten, und aus tiefster Seele verwünschte er die Leute aus dem Wirthshaus, die ihm gerathen hatten, immer grade aus zu gehen und ohne Führer. Vielleicht hatte er sich gar im Berg geirrt! Ueber sechs Stunden marschirte er schon und der Rigi erforderte nur drei Stunden. Es blies ein heftiger, ein kalter Wind, dass der Schnee in dem dämmerigen Nebel hoch aufwirbelte.

Wenn ihn hier die Nacht überraschte! Wo eine Hütte, nur einen schützenden Felsenvorsprung finden? Plötzlich erblickte er vor sich auf dem wilden, nackten Gestein eine Art Sennhütte und vorn oben einen Zettel mit riesengrossen Buchstaben, die er mühsam entzifferte: «PHO...TO...GRA...PHIE DU RI...GI...KULM....» In diesem Augenblick überraschte ihn etwas weiter hin das ungeheure Hotel mit seinen dreihundert Fenstern zwischen den festlichen Kandelabern, die so eben im Nebel angezündet wurden.

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