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Tartarin aus Tarascon

Alphonse Daudet: Tartarin aus Tarascon - Kapitel 13
Quellenangabe
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typeTartarin aus Tarascon
authorAlphonse Daudet
titleTartarin aus Tarascon
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G.m.b.H.
illustratorWalter Klemm
translatorErnst Weiß
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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XII. Was in dem kleinen Hause mit dem Baobab gesprochen wurde

Mitten in dem allgemeinen Abfall hielt bloß die Armee treu zu Tartarin. Der tapfere Kommandant Bravida, Monturenhauptmann a.D., entzog ihm von seiner Wertschätzung nicht ein Atom: »Ein Karnickel ist er«, dieser Worte ward er nicht müde, und dieses Urteil wog ebenso schwer in der Wagschale wie das Urteil des Apothekers Bézuquet. Nicht ein einziges Mal machte der tapfere Kommandant eine Anspielung auf die Reise nach Afrika. Und doch, als die Volkesstimme zu laut erbrauste, mußte er ein Wörtlein sprechen.

Eines Abends war der unselige Tartarin allein in seinem Arbeitszimmer, er war in trübes Sinnen versunken, da sah er den Kommandanten eintreten, würdigen Schrittes, mit schwarzen Handschuhen, zugeknöpft bis an die Ohren.

»Tartarin,« sagte der alte Hauptmann mit Autorität, »Tartarin, es heißt scheiden.« Und er blieb in dem Türrahmen aufrecht und stramm stehen, streng und groß wie der kategorische Imperativ.

Und Tartarin erfaßte alles, was in diesem »Tartarin, es heißt scheiden« lag, ganz genau.

Sehr bleich erhob er sich, sandte seinen Blick voll Zärtlichkeit rings um das hübsche Zimmerchen mit seiner milden Wärme, voll von angenehmem Licht, blickte auf diesen breiten Lehnstuhl, das Ideal der Bequemlichkeit, seine Bücher, seinen Teppich, die großen weißen Vorhänge vor den Fenstern, hinter welchen die zarten Stämmchen seines Gartens zitterten und im Winde bebten. Dann schritt er dem Kapitän entgegen, dem tapferen Hauptmann a.D.; er nahm seine Hand, drückte sie mit Energie, und mit einer Stimme, in der Tränen mit stoischer Unerschütterlichkeit kämpften, sagte er zu ihm: »Ich werde gehen.«

Und er ging, wie er's versprochen. Nur nicht gleich in derselben Stunde. Man mußte ihm doch Zeit lassen, sich auszurüsten.

Vor allem bestellte er bei Bompard zwei große messingbeschlagene Kisten mit einem langen Schilde, worauf zu lesen stand: Tartarin aus Tarascon. Waffenkiste.

Das Beschlagen und das Eingravieren kostete viel Zeit. Er bestellte auch bei Tastavin ein prachtvolles Reisealbum, um sein Tagebuch zu führen, seine Eindrücke wiederzugeben. Denn, mag man noch so viele Löwen jagen, man hat doch auf der Reise auch seine Gedanken und sein geistiges Leben.

Sodann ließ er aus Marseille eine ganze Wagenladung von Konserven kommen. Fleischextrakt in Tabletten, um daraus Bouillon zu machen, sodann ein Patentzelt neuester Erfindung, das man in einer Minute aufstellen und ebenso schnell zusammenrollen konnte, wasserdichte Stiefel, zwei Regenschirme, einen wasserdichten Überrock, eine blaue Brille zum Schutz der Augen gegen Krankheiten. Schließlich stellte ihm der Apotheker Bézuquet eine kleine Reiseapotheke zusammen, vollgestopft mit Heftpflaster, Arnika, Kampfer, Viermänneressig.

O du armer Tartarin! Was immer er tat, er dachte, er täte es nicht für sich. Aber er hoffte, durch alle diese Vorsichtsmaßregeln und zartgemeinten Aufmerksamkeiten die Wut des Tartarin-Sancho zu besänftigen, der, seitdem die Abreise beschlossene Sache war, bei Tag und bei Nacht zu toben nicht aufgehört hatte.

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