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Tagebuch einer Verlorenen

Margarete Böhme: Tagebuch einer Verlorenen - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
booktitleTagebuch einer Verlorenen
authorMargarete Böhme
year1905
firstpub1905
publisherF. Fontane & Co.
addressBerlin
titleTagebuch einer Verlorenen
pages307
created20100227
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Herr Glimm schickte mir einen Tag nach dem Abend bei Frau Kindermann ein Bukett und eine Einladung zum Souper am andern Abend. Ich überlegte stark, ob ich annehmen sollte oder ablehnen. Nachher kam die Kindermann und redete zu. Da schrieb ich denn zu.

Herr Glimm holte mich ab. Wir speisten chambre séparée. Sehr fein. Und es wurde viel Cliquot getrunken. Nachher wurde er ein bißchen zärtlich, was ich mir, da es mir nicht übel gefiel, gefallen ließ. Schließlich war ich aber doch froh, als die Tür aufging und zwei Herren hereinkamen, worauf das Getechtel ein Ende nahm. Die Herren stellte er mir als seine Freunde vor, sie waren beide sehr höflich und nett. Nachher kamen noch drei Herren, unter ihnen Herr von Kronen, Konnis Schatz, und nun merkte ich, daß es Offiziere in Zivil waren. Herr Glimm schien etwas ungehalten über die Störung, aber er konnte sich natürlich nichts merken lassen. Und dann wurde gepichelt – na, ich danke . . .

Die Stimmung wurde bald sehr aufgeräumt. Die Herren wollten alle mit mir Vielliebchen essen. Es sollte gleich am Abend vollzogen werden. Ach, das war ein Gesauf und Geanstoße und schließlich haben sie's alle 112 verloren. Nun soll ich ihnen allen einen Wunsch aufschreiben. Ich war schon halb im Tran und schrieb auf all die weißen Zettel, was ich gerade so dachte. »Ein Paar seidene Strümpfe.« »Ein seidenes Korsett.« »Einen seidenen Unterrock.« »Eine Flasche Parfüm« und so weiter. Nur als die Kerle so fürchterlich lachten, als sie die Zettel lasen, wurde ich nüchtern. Ich werde mich doch nicht auslachen lassen. Auf einmal stand ich auf und war blutrot.

»Nehmen Sie es als Scherz, meine Herren,« sagte ich. »Ich wollte nur Ulk machen.«

Sie versicherten alle, daß sie es auch nur als Scherz aufgefaßt hätten und dann ließ ich mich von Glimm nach Hause begleiten.

Andern Tags ging unsere Tür wie im Posthaus. Immer wieder erschien ein Dienstmann mit einem Strauß und einem Paket. In den Paketen waren alle die gewünschten Dinge. Sechs Paar Strümpfe, ein lila seidenes Korsett, ein seidener Jupon, ein Bon auf sechs Paar Handschuhe und ein großer Karton mit Parfüm, Seifen und Puder von Roget und Gallet, alles hochfeine Sachen. Ich wußte nicht recht, ob ich alles behalten oder zurückschicken sollte, entschied mich aber fürs erste. Es hätte ja gansig ausgesehen, so kleinstädtisch-philisterhaft. Schließlich ist es nicht mehr als in Ordnung, daß sie ihr verlorenes Vielliebchen bezahlen, und was liegt denen, die so viel Geld verbumsen, an den paar Mark. Ich bin aber sehr froh damit.

* * *

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